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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 16.03.2024


Berthierit

Berthierit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: berthierite | französisch: berthiérite


Bertherit Kristalle
dunkle Kristalle von Berthierit in einem Micromount (Fundort: Steinbruch Venusberg; Bildbreite: 3,0 mm)

Von Chazellit, Haidingerit und Berthierit

Als die ersten Berthierit-Kristalle in einem Erzgang nahe des Dorfes Chazelles in der Auvergne in Frankreich entdeckt wurden, hielt man das Mineral wegen des „verworren blättrigen“ Habitus´ zunächst für das Mineral Spießglanz bzw. Stibnit, das vor Ort reichlich vorkommt – daher auch der Alternativname Chazellit.

Der französische Mineraloge Pierre Berthier (1782 bis 1861) befasste sich trotzdem intensiver mit dem Mineral und stellte anhand chemischer Untersuchgen fest, dass es sich bei dem Fund um eine „eigene und neue Species“ handelt. Seine Erkenntnisse veröffentlichte Berthier im Jahr 1827 unter dem Titel „Haidingérite, minerai d´antimoine d´Auvergne d´ espèce nouvelle“ und gab zeitgleich dem bis dato unbekannten Mineral den Namen Haidingerit – zu Ehren des Mineralogen Wilhelm Ritter von Haidinger (1795 bis 1871).

Haidinger reagierte noch im selben Jahr auf Berthier und schrieb in seinen Ausführungen über „On Berthierite, a New Mineral Species“, dass es bereits ein Mineral gibt, das seinen Namen trägt: „diatomen Gypshaloid“. Stattdessen schlägt er vor, dem Mineral den Namen Berthierit zu geben.


Eigenschaften von Berthierit

Tab. 1: Die Eigenschaften von Berthierit
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung
  • FeSb2S4
  • Eisenantimonglanz
Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
Kristallsystem
  • orthorhombisch
  • langprismatische, geriefte Kristalle
  • radialstrahlige und faserig-filzig Aggregate
Farbe
  • dunkelgrau bis schwarz, braun anlaufend
  • “eisengraue Farbe“, „irisirt zuweilen an der Oberfläche“ (Berthier, 1827)
  • “dunkelstahlgrau, zum Tombackbraunen sich neigend“ (Leonhard, 1828)
Strichfarbe braungrau
Glanz metallisch
Transparenz undurchsichtig
Bruch uneben
Spaltbarkeit gut
Mohshärte 2 bis 3
Dichte 4 bis 4,7 g/cm³


Bertherit Mineral
Das Mineral Berthierit mit zahlreichen kleinen stängeligen Kristallen (Fundort: Steinbruch Venusberg; Bildbreite: 2,5 mm)

Entstehung und Vebreitung von Berthierit

Berthiert kristallisiert insbesondere aus Hydrothermallösungen in Bleilagerstätten aus, ist dabei unter anderem mit Dolomit, Stibnit, Galenobismutit, Kolymit und Miargyrit vergesellschaftet.

Auch wenn Berthierit nahezu weltweit vorkommt, beschränken sich die Fundorte auf einige wenige, zum Beispiel in Norwegen, Schweden, Finnland, England, Luxemburg, Frankreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Rumänien, Portugal, Griechenland, Tadschikistan, Russland, Kasachstan, Ukraine, Kirgistan, China, Japan, Australien, Bolivien, Argentinien, Brasilien, Mexiko, Kanada und in den USA.


Tab. 2: Berthierit-Vorkommen in Deutschland
BundeslandFundort
Baden-Württemberg
  • Fischerbach bei Haslach
  • Glottertal
  • Steinach bei Haslach
  • St. Trudpert bei Münstertal
  • St. Ulrich bei Bollschweil
  • Sulzburg
  • Suggental
NiedersachsenSt. Andreasberg bei Goslar
Nordrhein-WestfalenUentrop/Hochsauerlandkreis
Sachsen
  • Bräunsdorf
  • Drebach
  • Hirschfeld
  • Kleinvoigtsberg
  • Kottenheide


Tab. 3: Berthierit-Vorkommen in der Schweiz
KantonFundort
TessinLugano
NiedersachsenSt. Andreasberg bei Goslar
ValaisPlex


Tab. 4: Berthierit-Vorkommen in Österreich
BundeslandFundort
BurgenlandStadtschlaining
Kärnten
  • Zeltschach
  • Leißnig
SalzburgMittersill
Tirol
  • Leiten
  • Nikolsdorf
  • Strassen

Bedeutung und Verwendung von Berthierit

Auch wenn Berthierit aufgrund der Antimongehalte als Erz wirtschaftlich interessant ist, kommt ein Abbau aufgrund der Seltenheit der Vorkommen bzw. der wenig abbauwürdigen Ressourcen nicht in Frage.


Nachweis von Berthierit

Berthierit schmilzt vor dem Lötrohr zu einer schwarzen Schlacke, die magnetisch wird.


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  3. Alexander von Humboldt und die Mineralien

Quellen:

Mineralien-Steckbriefe