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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 15.02.2024


Anglesit

Anglesit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: anglesite | französisch: anglesite


Anglesit Kristalle
Durchsichtige Anglesitkristalle

Von Anglesit, Bleivitriol und Diorylith

Der Name Anglesit ist seit dem Jahr 1832 Teil der mineralogischen Literatur und geht auf den Geologen Francois Sulpice Beudant (1787 bis 1850) zurück.

Unbekannt war das Mineral in den Jahren davor dennoch nicht, stattdessen wurde das Mineral unter vielen verschiedenen Namen geführt, darunter beispielsweise Bleisulfat, prismatoidischer Bleibaryt, Diorylith, Bleiischer Thiodinspath oder Bleivitriol.

Die Bezeichnung Anglesit wählte Beudant in Anspielung an die Vorkommen auf der Insel Anglesey in Wales: „On l´a d´abord reconnue dans les mines d´Anglesea, mais elle a été trouvée ensuite dans beaucoup d´autres“ - Es wurde erstmals in den Minen von Anglesea entdeckt, später jedoch auch an vielen anderen Orten gefunden.


Eigenschaften von Anglesit

Eine Besonderheit von Anglesit ist die Formenvielfalt der Kristalle. 1894 waren dem Mineralogen Gustav Tschermak (1836 bis 1927) zufolge „31 verschiedene Formen“ der Kristalle bekannt, wobei die Größe der Kristalle mit etwa 2 cm als recht klein gilt. Typisch für Anglesit sind laut Naumannn Kristalle, die „theils kurz säulenförmig, theils pyramidal, theils tafelig“ sind.

Anglesit mit Goethit
Anglesit (durchsichtig) mit Goethit (Fundort: Grube Kastor/Ehreshoven; Bildbreite: 2,5 mm)

In der Vergangenheit wurde Anglesit auch „Bleiglas“ (siehe Tschermak) genannt, was der wasserklaren Reinheit und Farblosigkeit vieler Kristalle zu verdanken ist.


Tab. 1: Die Eigenschaften von Anglesit
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung PbSO4
Mineralklasse Sulfate
  • Baryt-Gruppe: Anglesit, Baryt, Coelestin und Hashenit
Kristallsystem
  • orthorhombisch
  • primatische und tafelförmige oder dipyramidale Kristalle
  • massige, körnige oder stalaktitische Aggregate
Farbe Farblos, weiß, gelb, orange, hellgrau, grünlich, blau
Strichfarbe weiß
Glanz Diamantglanz, Fettglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig-spröde
Spaltbarkeit gut bis unvollkommen
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte 6,38 bis 6,38 g/cm³


Anglesit Mineral
Anglesit bildet unterschiedliche Formen aus (Fundort: Grube Kastor/Ehreshoven; Bildbreite: 3 mm)

Entstehung und Verbreitung von Anglesit

Anglesit „ist ein Zersetzungsprodukt des Bleiglanzes“, hielt der Mineraloge August Frenzel (1842 bis 1902) einst fest, denn tatsächlich entsteht Anglesit, indem Galenit bzw. Bleiglanz oxidiert.

Die Vorkommen von Anglesit sind mit einer Reihe weiterer Bleimineralien vergesellschaftet, darunter unter anderem Wulfenit, Cerussit, Pyromorphit, Lanarkit, Leadhillit und Mimetesit, genau wie Gips, Malachit, Caledonit, Brochantit und Linarit zu den Begleitmineralien von Anglesit zählen.

Anglesit kommt an zahlreichen Fundorten rund um den Globus vor; neben der Typlokalität in Wales kann man Anglesit ebenso in Norwegen, Schweden, Finnland, England, Frankreich, Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Polen, Tschechien, in der Slowakei, in Spanien, Portugal, Italien, Rumänien, Ungarn, Griechenland, Rumänien, Kasachstan, Russland, Tunesien, Marokko, Namibia, im Kongo, Madagaskar, in Indien, Indonesien, Papua-Neuguinea, Thailand, China, Japan, Australien, Neuseeland, in der Antarktis, in Argentinien, Chile, Peru, sowie in den USA finden.


Bedeutung und Verwendung von Anglesit

Anglesit ist mit einem Bleianteil von etwa 66 % ein potentiell interessantes Bleierz, doch wie schon Carl Friedrich Naumann (1797 bis 1873) im Jahr 1859 schrieb, wird Anglesit als Erz nur dann abgebaut, sofern die Menge entsprechend groß bzw. rentabel erscheint.


Anglesit Stufe
Das Mineral Anglesit aus einem Micromount (Fundort: Grube Kastor/Ehreshoven; Bildbreite: 2,5 mm)

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Quellen:



Mineralien-Steckbriefe