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Die Bergparade



Vor allem in der Vorweihnachtszeit markiert ein Ereignis den Höhepunkt des Jahres in Gegenden, deren Vergangenheit auf dem Bergbau fußt: die Bergparaden. Unzählige im Bergbau Arbeitende ziehen in historischer Uniform feierlich durch die Straßen einzelner Städte im Erzgebirge, in Teilen Sachsen und Thüringens.



Inhaltsverzeichnis "Die Bergparade"


Bergparade versus Bergaufzug

Zwei Begriffe, die vermeintlich beide dasselbe meinen. Tatsächlich aber gibt es einen Unterschied zwischen der Bergparade und dem Bergaufzug.

Der schwedische Bergexperte und Mineraloge Sven Rinman (1720 bis 1792) definierte den Bergmännischen Aufzug einst als „solenner Aufzug der Bergleute und Bergbeamten auf miliairische Art“.
Fand der Aufzug abends „mit Fackeln und Grubenlichtern“ statt, war die Rede vom Bergaufzug. Wird der Bergmännische Aufzug „wegen der Zeit und Witterung bey Tage ohne Fackeln und Grubenlichter“ abgehalten, handelt es sich um die Bergparade.


bergparade in freiberg
Historische Darstellung der Bergparade in Freiberg (Quelle: Birnbaum et al. 1873)

Die Gesichter der Bergparade

Rinmans Vergleich der Bergparade mit einem Militärcorps kommt nicht von ungefähr. Abhängig vom Anlass der Parade oder der Person, der mit der Bergparade die Ehre erwiesen wurde, marschierten zwischen 700 und 4000 Bergleute mit.

Dabei wurden die Offiziere durch die Berg- und Hüttenbeamten repräsentiert. Die Steiger stehen für die Unteroffiziere, während die Soldaten durch Kumpel, also Bergmänner und Bergjungen, symbolisch vertreten werden. Außerdem mit dabei: Schichtmeister, Hüttenmeister, Berg- und Hüttenschmiede.

Der Zug wird zudem musikalisch unter der Federführung der Berghautboisten, Bergmusiker, begleitet, die oftmals in mehrere Chöre unterteilt sind.

Eines haben alle Teilnehmenden der Bergparade gemeinsam: Das Tragen der Tracht, Dazu gehörte der schwarze Berghabit mit den roten Aufschlägen und goldenen Verzierungen, die weißen Hosen und der grüne oder schwarze Schachthut. Dem Freiberger Altertumsvereins zufolge wurden im Winter „Stiefel statt Gamaschen“ getragen. Ergänzt wird der Zug der Bergparade durch die Bergfahne mit den Berginsignien Schlägel und Fäustel.


Ursprung und Bedeutung der Bergparade

Die Anfänge der Bergparade reichen bis in späte Mittelalter zurück.

Ursprünglich waren Bergparaden festliche Aufzüge der Bergknappen, die zu hohen Gedenk- oder Feiertagen, Hochzeiten sowie Besuchen von Fürsten, Königinnen und Königen veranstaltet wurden.
Im Laufe der Zeit wurde die Tradition aber auch auf Beerdigungen ausgeweitet. So wurde nach dem Tod des Mineralogen und Geologen Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) eine Bergparade abgehalten, genau wie für den Oberhüttenverwalter und Ministerpräsidenten von Preußen, Otto Theodor Freiherr von Manteuffel (1805 bis 1882). Manteuffels Bergparade zählte „156 Fackelträger“, „zwei Musikchöre“ und eine „747 Mann starke Bergparade“ (siehe Freiberger Altertumsverein).

Nicht zuletzt diente und dient die Bergparade auch der Repräsentation eines ganzen Berufszweigs. Schließlich zeigte der Aufzug der Bergleute den Wohlstand und die Stärke einer Bergbauregion, war der Bergbau über viele Jahrhunderte hinweg doch das wirtschaftliche Rückgrat vieler Königshäuser und Fürstentümer.

Im späten 18. und 19. Jahrhundert glich die Bergparade einem Höhepunkt im Bergbaujahr, im frühen 20. Jahrhundert verlor der feierliche Aufzug an Bedeutung. Nach 1945 erfolgte schließlich die Wiederbelebung der Bergparade, die heute als Kulturerbe vielleicht mehr denn je gepflegt wird, nicht zuletzt auch deshalb, weil die UNESCO die Bergparade zum Immateriellen Kulturerbe ernannt hat.


Die Bergparade in Mitteldeutschland

Die Bergparade konzentriert sich hauptsächlich auf Städte, deren Vergangenheit mit dem Bergbau verwurzelt ist. In Sachsen finden die Umzüge jedes Jahr im Advent, zu Bergstadtfesten und besonderen Jubiläumsjahren deshalb u.a. in Freiberg, Annaberg-Buchholz, Marienberg, Zwickau, Dresden, Geyer, Stollberg, Aue-Bad Schlema, Seiffen und Chemnitz statt. In Thüringen zieht die Bergparade durch Ilmenau, Schmalkalden und Ruhla, ebenso wie die Bergparade in Goslar/Niedersachsen, Bad Suderode/Sachsen-Anhalt und vereinzelt auch in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen stattfindet.


Termine der Bergparaden 2025

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Quellen:


Letzte Aktualisierung: 03.12.2025



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