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Tektit

Tektit Foto
Tektit

Tektit, Glas und Meteoriten

Der Name Tektit wurde von dem österreichischen Geologen Franz Eduard Suess (1867 bis 1941) geprägt. In seinem Aufsatz "Die Herkunft der Moldavite und verwandten Gläser" beschreibt er den Hintergrund der Namensfindung: "Als gemeinschaftlichen Namen für die ganze Gruppe habe ich nach der Eigenschaft der Körper, welche im Gegensatze zu den übrigen Meteoriten gänzlich durchgeschmolzene Massen sind, die Bezeichnung "Tektite" gewählt. (τnχειν, schmelzen von Metallen und anderen harten Massen; τnχτος, geschmolzen)."


Eigenschaften von Tektit

Definition: Tektit ist ein Glas terrestrischer Herkunft, das unter dem Einfluss von Meteoriten entstanden ist.

Die Farbe von Tektiten variiert zwischen gelbbraun, grün, grünschwarz, grau und schwarz und ist abhängig von der jeweiligen Zusammensetzung der Tektite.

Die Zusammensetzung von Tektiten ist sauer: neben Siliciumdioxid enthalten Tektite auch Kalium, Calcium, Aluminium- und Eisenoxide. Der Wasseranteil in Tektiten ist mit unter 0,02 Prozent sehr gering.

Ein auffälliges Merkmal von Tektiten ist die Beschafftenheit der Oberfläche, die glatt, zerklüftet und narbenartig oder von vielen Hohlräume durchsetzt sein kann. Die Transparenz von Tektiten ist durchscheinend bis undurchsichtig. Tektite kommen in einer Vielfalt von Formen vor: langgezogen, tropfenartig, knopf-, scheiben- oder eierförmig. Wie alle Gläser sind Tektite amorph und weisen keinerlei Kristallisation auf.

Die Mohshärte von Tektiten beträgt 5,5 bei einer Dichte von 2,32 bis 2,38 g/cm3.


Tektite - Mineral und KristalleTektit

Tektit und Meteorit unterscheiden

Tektite werden nach wie vor im Handel bisweilen als Meteoriten verkauft, auch wenn sich Tektite und Meteoriten in der Entstehung grundlegend voneinander unterscheiden.

Das Institut für Planetenforschung hat eine Liste von Merkmalen veröffentlicht, mit der man Tektit erkennen bzw. ausschließen kann, ob es sich bei einem unbekannten Fund um einen Meteoriten handelt.

Als wesentliche Merkmale von Meteoriten werden neben dem Magnetismus auch der metallische Glanz sowie metallische Einschlüsse aufgeführt, eine Kruste, die den Stein umgibt, sowie die Dichte (Stein fühlt sich schwer an) und das kompaktem Gefüge.


Entstehung und Verbreitung von Tektiten

Viele Jahre lang wurde davon ausgegangen, dass es sich bei Tektiten um Meteoriten handelt.

Tatsächlich sind Tektite das Ergebnis einer Reaktion von Gesteinen der Erdoberfläche, die durch auftreffende extraterrestrische Materie verändert wurden.

Prallen große Meteoriten mit enormer Geschwindigkeit auf den Planeten Erde und dessen Gesteine, wird das umliegende Gesteinsmaterial aufgeschmolzen.
Der Grund dafür sind die hohen Temperatur- und Druckverhältnisse beim Auftreffen von Meteoriten. Bedingt durch den Aufprall kommt es gleichzeitig zu einem Splash-Effekt, bei dem das flüssige Gesteinsmaterial in die Höhe geschleudert wird, dort schnell abkühlt, erstarrt und im Umfang von mehreren Hunderten von Kilometern als Glas wieder niederfällt.

In der erdgeschichtlichen Vergangenheit kam es immer wieder zu verheerenden Meteoriteneinschlägen, sodass die damit einhergehenden Tektite vielerorts vorkommen, bspw. in Deutschland, Tschechien, Russland, Libyen, Südostasien, Australien sowie in den USA.

Das Alter von Tektiten ist unterschiedlich. So werden beispielsweise Tektite vom Nördlinger Ries/Deutschland auf ein Alter von 14,6 Mio. Jahren datiert, während Tektite aus Sibirien "erst" 200.000 Jahre und australische Tektite 700.000 Jahre alt sind.


Tektite nach der Herkunft

In Anlehnung an den jeweiligen Fundort werden Tektite mit dem entsprechenden Namen versehen:

  • Australit: Australien
  • Bediasit: USA
  • Billitonit: Indonesien
  • Chinit: China
  • Georgiait: USA
  • Indochinit: Südostasien
  • Ivorit: Elfenbeinküste
  • Moldavit: Tschechien

Verwendung und Bedeutung von Tektiten

Neben der Bedeutung für die Wissenschaft sind Tektite als Stein für Schmuck sowie als Heilsteine von Interesse, wobei die Heilwirkung von Tektiten in klinischen Untersuchungen nicht bestätigt werden konnte.


Mehr zum Thema Meteoriten und Gesteinsgläser:


Auch interessant:
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Quellen:

  • Suess, F. E. (1900): Die Herkunft der Moldavite und verwandten Gläser. IN: Jahrbuch der Kaiserlich-Königlichen Geologischen Reichsanstalt, 50
  • Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
  • Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
  • Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • Schumann, W. (2020): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten 1900 Einzelstücke. BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • www.dlr.de - Institut für Planetenforschung: Woran erkenne ich einen Meteoriten?

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 09.12.2025

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