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Dyskrasit

Dyskrasit - Kristalle
Dyskrasit-Kristalle aus einer silberreichen Paragenese (Grube Tannenboden, Baden-Württemberg) - Bildbreite: 3 mm

Dyskrasit –Ein silberreiches Antimonid

Die Erstbeschreibung des Minerals Dyskrasit geht auf das Jahr 1797 zurück. Es wurde in der Wenzelgrube bei Oberwolfach im Schwarzwald entdeckt - einer historisch bedeutenden Lagerstätte silberreicher hydrothermaler Erzgänge. Die Namensgebung erfolgte 1845 durch Wilhelm von Haidinger, der den Begriff „Dyskrasit“ aus dem Griechischen dyskrasia ableitete. Das lässt sich grob mit „ungünstige Mischung“ übersetzen, was eine Anspielung auf die variable Zusammensetzung des Minerals aus Silber und Antimon ist. Als gesicherte Typlokalität gilt die Grube Wenzel bei Oberwolfach (in direkter Nähe zur heutigen Grube Clara), die durch zahlreiche klassische Silbermineralien bekannt wurde.

Dyskrasit zählt zur Gruppe der Antimonide und kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem. Typisch sind prismatische, nadelige oder tafelige Kristalle mit metallischem Glanz, die sich silberweiß bis grauweiß zeigen und bei Luftkontakt leicht nachdunkeln. Das Mineral entsteht in mittel- bis hochtemperierten hydrothermalen Gängen und tritt häufig in Paragenese mit gediegen Silber, Proustit, Pyrargyrit, Freibergit, Galenit, Tetraedrit und Quarz auf. Für Sammler ist Dyskrasit wegen seiner markanten Kristallformen und seines hohen Silbergehalts ein gefragtes Schaustück. Insbesondere in Kombination mit kontrastreichem Quarz oder dunklem Matrixgestein.

Eigenschaften von Dyskrasit

Die chemische Zusammensetzung von Dyskrasit lautet Ag3+xSb1–x mit einem variablen Silberüberschuss (x ≈ 0,2). Damit gehört das Mineral nach Strunz zur Klasse der Sulfide und Sulfosalze, genauer zur Untergruppe der Antimonide. Besonders auffällig ist der hohe Anteil an metallischem Silber, der dem Mineral sowohl physikalisch als auch wirtschaftlich Gewicht verleiht.

Typisch für Dyskrasit ist seine silberweiße bis grauweiße Farbe mit metallischem Glanz. Im frischen Zustand wirkt das Mineral glänzend und hell, dunkelt aber bei längerer Lufteinwirkung nach und kann einen stumpfen, grauen oder leicht gelblichen Überzug entwickeln. Die Strichfarbe ist deutlich matter und reicht von hellgrau bis schwarzgrau.

Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem. Die Kristalle treten bevorzugt in prismatischer oder tafelig-flacher Ausbildung auf, gelegentlich auch nadelig. Besonders charakteristisch sind pseudohexagonale, spiralförmig verwundene Kristalle, wie sie aus der Grube Wenzel oder tschechischen Vorkommen bekannt sind. Neben einzeln ausgebildeten Kristallen sind auch kompakte, körnige bis massige Aggregate häufig. Seine äußere Form kann mit anderen silberhaltigen Mineralen verwechselt werden, unterscheidet sich jedoch durch Glanz, Dichte und Kristallstruktur.

Der metallische Glanz macht Dyskrasit in Sammlungen besonders auffällig, obwohl das Mineral vollständig undurchsichtig ist. Die Spaltbarkeit ist ausgeprägt, vor allem entlang der Kristallflächen {001} und {011}. Der Bruch ist spröde, uneben und zeigt keine besondere Elastizität. Unter dem Polarisationsmikroskop ist Dyskrasit durch einen schwachen Pleochroismus sowie eine feine Anisotropie erkennbar, was ihn in polierten Erzpräparaten diagnostisch nutzbar macht.

Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 zählt Dyskrasit zu den vergleichsweise weichen Antimoniden und ist mechanisch ähnlich empfindlich wie Calcit. Die Dichte ist mit ca. 9,71 g/cm³ außergewöhnlich hoch - ein direkter Ausdruck des hohen Gehalts an Silber und Antimon. Da es gegenüber Oxidation empfindlich ist, sollte es trocken, lichtgeschützt und möglichst luftdicht gelagert werden.

Tab. 1: Die Eigenschaften von Dyskrasit
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung Ag3Sb
Ag3+xSb1–x (x ≈ 0,2) (IMA-Formel)
Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze (Antimonide)
Kristallsystem
  • orthorhombisch
  • prismatische, tafelige oder nadelige Kristalle
  • pseudohexagonale Verwachsungen möglich
  • körnige bis massige Aggregate
Farbe silberweiß bis grauweiß, oft nachdunkelnd
Strichfarbe hellgrau bis schwarzgrau
Glanz metallisch
Transparenz undurchsichtig
Bruch spröde, uneben
Spaltbarkeit deutlich, insbesondere nach {001} und {011}
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte ca. 9,71 g/cm³

Entstehung und Verbreitung von Dyskrasit

Das silberreiches Antimonid bildet sich als Sekundärmineral unter hydrothermalen Bedingungen. Die Bildung erfolgt typischerweise in der späten Phase silberführender Lagerstätten, wenn silberreiche Lösungen mit Antimonverbindungen reagieren. Die Temperaturbedingungen liegen meist im mittleren bis höheren Bereich (ca. 200 bis 350 °C), wobei reduzierende Milieus und schwankende Schwefelaktivität die Kristallisation begünstigen.

Als charakteristisches Mineral in silberhaltigen Erzgängen tritt Dyskrasit häufig zusammen mit gediegen Silber, Proustit, Quarz, Baryt oder Pyrargyrit auf, seltener mit Freibergit, Stromeyerit, Tetraedrit oder Galenit. Es kristallisiert bevorzugt in offenen Hohlräumen, Gangspalten oder im Kontaktbereich zu älteren Sulfiden und wird dort oft in Paragenese mit karbonatischen oder sulfosalzhaltigen Mineralen gefunden.

Die bedeutendste historische Fundstätte ist die Grube Wenzel bei Oberwolfach im Schwarzwald (Deutschland), die auch als Typlokalität gilt. Weitere klassische Vorkommen befinden sich bei Freiberg in Sachsen, in der Region Príbram (Tschechien), bei Bou Azzer (Marokko), Cobalt (Kanada), Broken Hill (Australien) sowie in Silver City (Idaho, USA). Auch aus jüngeren hydrothermalen Systemen in China, Mexiko und Russland sind Funde dokumentiert.

Dyskrasit mit Silber
Dyskrasit mit gediegen Silber und Malachit (Fundort: Tannenboden, Baden-Württemberg; Micromount; Bildbreite: 3,0 mm)

Weltweit zählt Dyskrasit zu den selteneren Silbermineralen. Besonders geschätzt sind gut ausgebildete Kristalle auf kontrastreicher Matrix, wie sie vor allem aus Príbram und Bou Azzer bekannt sind. Solche Stufen gelten unter Sammlern als Raritäten und sind in vielen mineralogischen Schausammlungen vertreten.

Bedeutung und Verwendung von Dyskrasit

Obwohl Dyskrasit einen hohen Silberanteil besitzt, spielt es als Erzmineral in der modernen Silbergewinnung nur eine untergeordnete Rolle. Die weltweiten Vorkommen sind begrenzt, und größere, abbauwürdige Konzentrationen sind selten. In historischen Lagerstätten wie jenen im Schwarzwald oder in Tschechien wurde Dyskrasit gelegentlich als silberhaltige Begleitphase mitverhüttet, heute ist seine wirtschaftliche Bedeutung jedoch gering.

Größere Relevanz besitzt das Mineral in der wissenschaftlichen und sammlerischen Mineralogie. In der Lagerstättenforschung dient Dyskrasit als Indikator für späte, silberreiche Bildungsphasen innerhalb hydrothermaler Systeme. Seine spezifische Zusammensetzung sowie das Auftreten in Paragenese mit klassischen Silbermineralen machen es zudem für Erzpetrologie und mikroskopische Analysen von Bedeutung.

Besonders begehrt ist Dyskrasit bei Mineraliensammlern, insbesondere wenn gut ausgebildete Kristalle vorliegen. Einzelkristalle oder Verwachsungen mit typischem metallischen Glanz und klarer Form – bevorzugt auf heller Quarz- oder Calcitmatrix – erzielen auf Mineralienbörsen hohe Preise. Solche Sammlungsstücke stammen vor allem aus klassischen Vorkommen wie Príbram, Bou Azzer oder der Grube Wenzel. Aufgrund seiner Oxidationsempfindlichkeit sollte Dyskrasit kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden.

Auch interessant:


Quellen:

  • Haidinger, W. (1845): Handbuch der bestimmenden Mineralogie, 2. Auflage. Braumüller & Seidel, Wien
  • Palache, C.; Berman, H.; Frondel, C. (1944): The System of Mineralogy of James Dwight Dana and Edward Salisbury Dana. Vol. I, 7th Edition. John Wiley & Sons, New York
  • Anthony, J. W.; Bideaux, R. A.; Bladh, K. W.; Nichols, M. C. (2003): Dyskrasite. IN: Handbook of Mineralogy. PDF
  • Dyskrasite | RRUFF Project
  • Dyskrasite | mindat.org
  • Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München
  • Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos Naturführer. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart
  • Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. Mosaik Verlag, München

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 24.07.2025

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