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Kieselgur - Die chemiefreie Alternative gegen Schädlinge



Ein Gestein, das sich als biologisches Insektizid einen Namen gemacht hat: Kieselgur. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Kieselgur?



Kieselgur
Kieselgur in pulverisierter Form

Kieselgur

Definition Kieselgur: Kieselgur ist ein feinkörniges Sedimentgestein von weißer bis beiger, teils grauer Farbe, das hauptsächlich aus mikroskopisch kleinen fossilen Kieselalgen, den sogenannten Diatomeen, besteht (Eigenschaften, Verwendung und Entstehung, siehe Steckbrief Kieselgur).

Der Name Kieselgur spielt dabei auf die Zusammensetzung und die Erscheinungsform des Gesteins an.

In der Geologie werden unter dem Begriff Kiesel siliciumhaltige bzw. silikatische Mineralien und Gesteine verstanden, deren chemischer Baustein Kieselsäure (d.h. Siliciumdioxid) ist.
Das Wort gur oder guhr stammt aus dem Norddeutschen und bezeichnet feuchte, breiige Massen, was bisweilen auf die natürlichen Vorkommen von Kieselgur zutrifft.


Zeichnung von Kieselgur
Historische Zeichnung von Kieselgur: "Kieselguhr von Franzensbad" von Moritz Willkomm (1866)

Einer der ersten, der sich mit den chemisch-physikalischen Eigenschaften von Kieselgur auseinander setzte, war der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817). Wie auch der Botaniker Moritz Willkomm (1821 bis 1895) erkannte er, dass Kieselgur „lediglich aus Kieselpanzern von Diatomeen“ besteht, die einen „scheinbar aus feinem Kieselsand bestehenden Schlamm“ bilden. August Emanuel von Reuss (1811 bis 1873), ein Paläontologe und Geologe aus Österreich, beschreibt die Zusammensetzung näher: „Kieselgur besteht fast ganz aus Panzern von Infusorien und zwar vorwiegend des schon ausgestorbenen Campylodiscus clypeus, …, nur hie und da sind einzelne fast wasserklare Quarzkörner eingestreut“.


Bedeutung von Kieselgur

Bevor sich Kieselgur als biologisches Insektizid im Gartenbau, in der Landwirtschaft und sogar in der Zimmerpflanzenpflege einen Namen machte, diente Kieselgur in Kombination mit Nitroglycerin als wichtiger Rohstoff bei der Herstellung von Dynamit.

Darüber hinaus fand und findet Kieselgur Einsatz als Zuschlagstoff für Mörtel und Beton, in der Herstellung von Isoliermaterialien als Filtermaterial in Lebensmitteltechnologie, bspw. Für Wein, Bier und Zucker), und zeitweise sogar in der Kosmetik. Bereits 1895 empfahlen Drogisten eine Mischung aus Kieselgur und Wasserstoffperoxid zum Bleichen der Zähne.


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Anwendung von Kieselgur gegen Ungeziefer

Kieselgur hat sich als chemiefreie Alternative in der Bekämpfung von zahlreichen Schadinsekten bewährt.
Besonders wirksam ist Kieselgur gegen

und/oder deren Larven bzw. Raupen.

Kieselgur wird in pulverisierter Form angewendet. Das Gestein wird zu einem feinen, mehlartigen Pulver vermahlen und in dieser Form verwendet. Erhältlich ist Kieselgur heute in Baumärkten, Gartencentern, Bioläden, Blumenfachgeschäften sowie online. Zur Gartensaison bieten auch einige Discounter das Pulver an – häufig unter dem Namen Ameisenpulver. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe gibt hier Aufschluss.


Anwendung von Kieselgur

Für den Einsatz in Kellern, Ställen, im Garten, im Haushalt, in Lager- und Wohnräumen wird Kieselgur als dünne Schicht auf dem Boden verteilt, entlang der bevorzugten Laufwege der Insekten verteilt. Alternativ kann das Pulver direkt auf Nester aufgestäubt werden.

Zur gezielten Verteilung haben sich Pinsel oder feine Siebe (z. B. Tee- oder Metallsiebe) bewährt.

Bei einer großflächigen Anwendung – etwa in Rinder-, Pferde- oder Hühnerställen, wo sich Milben auch an Wänden und Decken aufhalten – kommen Gebläse oder spezielle Sprühgeräte zum Einsatz, um das Pulver gleichmäßig zu verteilen.

Zimmerpflanzen, Balkonpflanzen, Kübelpflanzen und Pflanzen im Garten, die von Spinnmilben oder Blattläusen befallen sind, werden am besten direkt an der betroffenen Stelle mit einem mit Kieselgur bestäubten Pinsel behandelt. Alternativ eignen sich Nylonstrumpfhosen – angezogen wie ein Handschuh und mit Kieselgur benetzt, mit denen man über die betroffenen Areale an der Pflanze streicht.

Bei einem Befall des Federviehs mit der roten Vogelmilbe wird eine kleine Menge Kieselgur dem Sandbad der Hühner beigemischt. Die Tiere nehmen das Pulver beim Wälzen auf und befreien sich so auf natürliche Weise von den Parasiten.

Da die Wirkung nicht sofort einsetzt, empfiehlt es sich, die Behandlung nach einiger Zeit zu wiederholen, um auch nachgeschlüpfte Insekten zu erfassen.


Wichtige Hinweise

Kieselgur darf nur im trockenen Zustand angewendet werden, da das Pulver im feuchten Milieu wirkungslos ist.
Bei der Anwendung sollte ein Mundschutz getragen werden, um das Einatmen des feinen Staubs zu vermeiden.
Nach dem Kontakt mit Kieselgur Hände und Geräte gründlich mit Wasser abspülen.


Wirkung von Kieselgur

Im Gegensatz zu vielen handelsüblichen, konventionellen Insektiziden wirkt Kieselgur nicht chemisch, sondern physikalisch - ein entscheidender Vorteil von Kieselgur gegenüber konventionellen Insektiziden.
Da keine chemischen Gifte zum Einsatz kommen, können Insekten keine Resistenzen gegen Kieselgur entwickeln.


Die Wirkung beruht auf einem einfachen, aber effektiven Mechanismus: Die mikroskopisch kleinen Kieselalgenpartikel bohren sich in die schutzende Wachsschicht der Insektenhaut. Dadurch verdunstet lebensnotwendiges Wasser, das Tier trocknet aus und stirbt. Zusätzlich beeinträchtigt die raue Struktur der Partikel die Bewegungsfähigkeit der Insekten.

Wichtiger Hinweis: Entgegen einiger Meinungen funktioniert Kieselgur nicht selektiv , d.h. Kieselgur unterscheidet nicht zwischen Pflanzenschädlingen und Nützlingen wie Marienkäfern, die in naturnahen Gärten ein gern gesehener und effektiver Gast gegen Blattläuse sind. Sind Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon von Blattläusen befallen und gleichzeitig Marienkäferlarven vorhanden, sollte von der Aufbringung der Kieselgur abgesehen werden, da die Diatomeenerde auch die Atemwege von Nützlingen erfasst.

Bei sachgemäßer und kontrollierter Anwendung stellt sich der Erfolg mit Kieselgur zuverlässig und relativ schnell ein.


Auch interessant:


Quellen:

  • Hartmann, C. F. A. (1837): Kieselguhr. IN: Anleitung zum Selbststudium der Mineralogie
  • Glocker, E. F. (1839): Kieselguhr und Bergmehl. IN: Grundriss der Mineralogie mit Einschluss der Geognosie und Petrefactenkunde: für höhere Lehranstalten und zum Privatgebrauch
  • Willkomm, M. (1856): Organische Süsswasserbildungen. Keselguhr. IN: Die Wunder des Mikroskops oder Die Welt im kleinsten Raume. Lepizig. Verlag von Otto Spamer
  • Reuss. A. E. (1852): Die geognostischen Verhältnisse des Egerer Bezirkes und des Ascher Gebietes in Böhmen. IN: Abhandlungen der Kaiserlich-Königlichen Geologischen Reichsanstalt, Band 1
  • Baumhauer, H. A. (1896): Kieselgur. IN: Kurzes Lehrbuch der Mineralogie (einschliesslich Petrographie) zum Gebrauch an höhern Lehranstalten sowie zum Selbstunterricht
  • Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München
  • Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
  • Okrusch, M. und Matthes, S. (2014): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • Grotzinger, J. und Jordan, T. (2016): Press/Siever Allgemeine Geologie. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • Meschede, M. (2018): Geologie Deutschlands Ein prozessorientierter Ansatz. Springer Verlag Berlin Heidelberg
  • www.mindat.org - Diatomite

Letzte Aktualisierung: 13.10.2025



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