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Folierte Edelsteine



Dass nicht jeder Edelstein, der zu Schmuck verarbeitet oder als Anlagestein angeboten wird, zu 100 Prozent das Werk von Mutter Natur ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Bereits seit Jahrhunderten werden verschiedene Methoden angewendet, um die Farbe von Mineralien zu verbessern, intensivieren oder in eine andere zu verzaubern. Eine sehr alte Technik ist das Folieren von Schmuck- und Edelsteinen.



Farb- und Reinheitskorrektur von Edelsteinen

In den Auslagen der Juwelierfachgeschäfte oder im Mineralienhandel werden größtenteils nur Steine in Perfektion angeboten. Schmuck- und Edelstein, die mit kristallklarer Reinheit und intensiven Farben brillieren. Doch in vielen Fällen steckt hinter der Schönheit dieser Kristalle ein langer Weg, der teilweise auch dem Einfluss von fachkundigen Expertinnen und Experten zu verdanken ist.

Entstehungsbedingt ist jeder Stein ein Unikat, weshalb es nicht verwundert, dass die Farbe von Mineralien von Fundort zu Fundort abweicht. Ein Amethyst aus Sibirien sieht anders aus als ein Amethyst, der in Österreich gefunden wurde. Smaragd aus Kolumbien gilt als das Nonplusultra, und lässt sich nur schwer mit Smaragden anderer Vorkommen messen.

Tatsächlich ist es so, dass die Farbe naturbelassener Mineralien nicht selten zu hell, zu dunkel, nicht gleichmäßig oder fleckig ist – kurzum: die Farbe entspricht nicht dem Ideal aus dem Lehrbuch.

Schon seit mehr als 500 Jahren werden Edelsteine deshalb mit diversen Verfahren behandelt, um der Schönheit auf die Sprünge zu helfen, wobei sich folgende Maßnahmen im Besonderen herauskristallisiert haben.

Tab. 1: Methoden der Farbveränderung von Mineralien
MethodeBeschreibung
Bestrahlung Änderung der farbgebenden Verbindungen mittels Elektronenbestrahlung
Brennen Farbveränderung unter Hitzezufuhr
Diffusion Einbringen von farbverändernden Ionen
Folierung metallische Folien als Farb- und Glanzverstärker
Impfen Einbringen flüssiger Farbe, vor allem bei Achaten
Imprägnieren Oberflächliches Aufbringen von farblosem oder gefärbtem Öl, Wachs, Paraffin oder Harz
PVD Physikalische Gasphasenabscheiden als farbverändernde Oberflächenbeschichtung


Welche Methode zur Anwendung kommt, bestimmt letztendlich der Stein. Nicht jedes Mineral spricht gleichermaßen auf die jeweilige Technik an oder ist dafür geeignet.


Mit Folie veredelte Edelsteine

Dass Edelsteine mittels Folie seit Jahrhunderten aufgewertet werden, belegen historische Quellen. Der italienische Goldschmied Benvenuto Cellini (1500 bis 1571) war einer der ersten, der mit Folie einen Diamanten veredelte. Er bracht an die Unterseite eines geschliffenen Diamanten eine Folie an, die den Edelstein zum Strahlen bracht und damit einhergehend den Wert des Diamanten beträchtlich in die Höhe trieb: „der Stein ist jetzt achtzehntausend werth, da wir ihn vorher nur auf zwölftausend geschätzt hatten“ (Anmerkung: gemeint ist die Währung Gulden, Cellini, 1796).

Doch warum werden Edelsteine foliert?
Die Antwort weiß Christoph von Hellwig (1663 bis 1721): „der durchscheinende Glantz eines Edelsteins wird um ein vieles verbessert (…) durch die darunter gelegte Folie, welche entweder aus Kupffer oder gemischtem Golde, Kupffer und Silber in einem besonderm Ofen und auf sonderbahre Weise verfertigt wird“.

Die einen nannten es damals „Betrug“ (Richter, 1775) und „Verfälschung der Edelgestein“ (Kunckel, 1679), für Juwelierinnen und Juweliere war und ist es eine preiswerte Methode, die Farbe und auch den Glanz von Schmuck- und Edelsteinen schnell, unkompliziert und kostensparend zu steigern.

Die „Folie ist eigentlich nur die Schminke eines Edelsteines, die dazu dient, seine Fehler zu decken und seine Schönheit herauszuheben.“
(Joseph Fladung, 1819)

Das heißt: Dem Stein wird durch die Folierung entweder mehr Glanz verliehen – in diesem Zusammenhang wird metallische Folie im selben Farbton oder eine neutrale Folie gewählt – oder die Qualität der Farbe wird mittels gefärbter Folie beeinflusst bzw. verändert.

Mit den Jahren wurde das Potpourri der verwendeten Folien erweitert und den drei Grundtönen Silber, Gold und Kupfer standen „bemalte Folien“ (Blum, 1834) zur Verfügung.
Über Karmin, dem Farbstoff der Cochenilleschildläuse, wurden verschiedene Nuancen von Rot gewonnen. Lackmus, ein Pigment, das aus bestimmten Flechten erzeugt wird, diente als blauer Farbstoff und das Gewürz Saffran diente als Gelbpigment. Die Farben wurden laut dem Mineralogen Johann Reinhard Blum (1802 bis 1883) auch untereinander gemischt, um möglichst viele Farben des Farbenkreises abbilden zu können.

Beim Aufbringen wurden und werden mehrere Möglichkeiten praktiziert. Konventionellerweise wird die Folie an die Unterseite des Schmuck- oder Edelsteins geklebt. In vergangenen Tagen kam Hausenblase zum Einsatz, einem Leim, der aus Fischen gewonnen wurde. Alternativ wird die Fassung mit der Folie tapeziert.

Daneben werden Dubletten mit Folie versehen. Dubletten – das sind zusammengesetzte Steine, die aus einem Ober- und Unterteil bestehen und zu einem Stein verbunden werden. Dabei wird zwischen Echten Dubletten und Unechten Dubletten unterschieden. Echte Dubletten bestehen aus zwei natürlichen Mineralien – oftmals kommt beim Unterteil Quarz, Topas oder andere farblose Mineralien zum Einsatz, während unechte Dubletten auf Glas oder Imitationen wie Hydroquarz oder Zirkonia zurückgreifen.
Zwischen die beiden Hälften wird dann die farbgebende Folie gelegt, die den möglicherweise schwachen Farbton des Oberteils ausgleicht. Der Glasmacher Johannes Kunckel (1630 bis 1703) klärt 1679 auf, wie man den Schwindel entlarvt. Er empfiehlt, den Stein von der Seite aus zu betrachten und wenn „der ober Theil des Edelgesteins weiß erscheinet, so ist der Betrug des gefärbten Steines offenbar“.

Das Aufbringen der Folie wiederum „ist eine der größten Geschicklichkeiten eines Goldarbeiters“, viel Präzision und Erfahrung verlangt, damit der Stein nicht zu künstlich aussieht (Arendswald, 1780). Als Goldarbeiter wurden in der Vergangenheit bezeichnet, deren Arbeit den heutigen Edelsteinfassern gleichkommt.
Arendswald verrät auch, dass routinierte Goldarbeiter die Folie „etwa schrumpflich unterlegen, damit der Stein dadurch eine etwas vollere und krausere Spiegelung erlanget“. Sehr dunkle Steine werden zusätzlich etwas ausgehöhlt, damit die Wirkung der helleren Folie besser zur Geltung kommt.
Bei der Wahl der für zu dem jeweiligen Stein passenden Folie wurde sich an der Eigenfarbe des Mineral orientiert. War das Ziel, den Glanz und die Reflexionen zu intensivieren, wurde Silber- oder Goldfolie verwendet, so beispielsweise wie bei Amethyst, Bernstein, Aquamarin, Karneol, Rosenquarz, weißem Saphir, Diamant oder Bergkristall.
Helle Folien waren außerdem das Material der Wahl, um dunkle Steine aufzuhellen.
Sollte der Stein eine kräftigere Farbe erhalten oder dunkler wirken, wurde sich getönten Folien bedient. Amethyst wurde mit violetter, blauer oder roter Folie abhängig vom Grundtonus der Farbe veredelt. Smaragd wurde mit dunkelgrüner Folie aufgewertet. Grünblaue Folie wurde genutzt, um das charakteristische Smaragdgrün zu erreichen. Dahingegen wurden zu dunkle Smaragde mit weiß-grüner Folie abgeschwächt.
Blautopas wurden hellblau foliert, während das Goldgrün von Chrysopras mit grüngelber Folie unterstützt wurde. Granat wurde mit goldener oder violett-blauer Folie verschönert. Hyazinth wurde mit rötlicher Folie aufgewertet, um hellgelbe Exemplare in den begehrten gold-orangegelben Farbton zu verzaubern. Opaldubletten enthielten in der Vergangenheit häufig Folie von „buntschillernder Seide“ (Bauer, 1896). Das typische Rubinrot wurde mit rot-goldener Folie unterstützt, während bei Saphir neben Enten- und Pfauenfedern auf blaue Folie zurückgegriffen wurde.

Tatsächlich sind folierte Schmuck- und Edelsteine sowie Zirkonia und Straßsteine auf den ersten Blick nicht sofort zu erkennen. Oftmals verdecken geschickt gesetzte Fassungen die Folien.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Kunckel, J. (1679): Von denen Edelgesteinen ins Gemein. IN: ARS VITRARIA EXPERIMENTALIS, Oder Vollkommene Glasmacher-Kunst, Lehrende, als in einem, aus unbetrüglicher Erfahrung herfliessendem COMMENTARIO, über die von dergleichen Arbeit beschriebenen Sieben Bücher P. ANTHONII NERI, von Florentz, und denen darüber gethanen gelehrten Anmerckungen CHRISTOPHORI MERRETTI
⇒ Hellwig, C. (1717): Historisch-medicinisches Regnum minerale: Oder Metallen- und Mineralienreich
⇒ Hellwig, C. (1722):
Folie der Edelsteine. IN: L. Christoph von Hellwigs, P. L. C. & Medic. Pract. Erffurt. Medicus Clinicus Oder wohlerfahrner Hauß- und Land-Artzt. Worinnen, Nebst verschiedenen herrlichen und offt probirten Mitteln, wider allerhand inn- und äusserliche Kranckheiten, noch enthalten I. Eine Unterweisung, wie man von Pulsen und Urin urtheilen solle
⇒ Brückmann, U. F. B. (1757): Abhandlung von Edelsteinen
⇒ Schröter, J. S. (1774): Vorläufige Abhandlung von den Edelsteinen überhaupt. IN: Vollständige Einleitung in die Kenntniß und Geschichte der Steine und Versteinerungen
⇒ Richter, A. D. (1775): Lehrbuch einer Natur-Historie zu einem gemeinnützigen Gebrauch, wie auch zu Vorlesungen in Schulen
⇒ Krünitz, J. G. (1777): Edelstein. IN: Oeconomische Encyclopädie, oder allgemeines System der Land-Haus- und Staats-Wirthschaft, in alphabetischer Ordnung
⇒ Arendswald, C. F. (1780): Von den Verarbeitungen der Edelsteine. IN: Galanterie-Mineralogie und Vorschläge zur Naturwissenschaft für die Damen
⇒ Fladung, J. A. (1819): Versuch über die Kennzeichen der Edelsteine und deren vortheilhaftesten Schnitt
⇒ Blum, J. R. (1834): Folie. IN: Taschenbuch der Edelsteinkunde für Mineralogen, Techniker, Künstler und Liebhaber der Edelsteine
⇒ Bauer, M. (1896): Aufbringen der Edelsteine. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc
⇒ Smith, C. P. und McClure, S. F. (2002): Chart of commercially available Gem Treatments. IN: Gems & Gemology, Winter 2002
www.cibjo.org - Retailer´s Reference Guide

Letzte Aktualisierung: 12. November 2023



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