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Findlinge



Unter dem Begriff Findling werden große Blöcke aus Gesteinen zusammengefasst, die sich nicht am Ort der Entstehung befinden, sondern durch Gletscher über weite Distanzen zum Ablagerungsort verfrachtet wurden.

englisch: glacial erratic | französisch: bloc erratique


Inhaltsverzeichnis


Verirrte Steine aus dem Hohen Norden

Findlinge sind auch unter der Bezeichnung erratischer Block bekannt – verirrter Block, bezugnehmend auf den Umstand, dass sich der Gesteinsbrocken in einer Umgebung mit Gesteinen anderer mineralischer Zusammensetzung befindet.
Namensgeber der erratischen Blöcke war der französische Geowissenschaftler Alexandre Brongniart (1770 bis 1847), der 1828 bei Untersuchungen im südlichen Schweden „ortsfremde“ Gesteine entdeckte.


Bild 1: Findling im Central Park New York/USA (Foto: www.steine-und-minerale.de)

Die Größe von Findlingen

Ab welcher Größe Gesteine den Findlingen zugeordnet werden, ist nicht einheitlich definiert.
In einigen Naturschutzgesetzen oder –verordnungen einzelner Bundesländer ist die landeseigene Definition eines Findlings dennoch festgeschrieben.


Bild 2: Findling in Berlin (Foto: www.steine-und-minerale.de)


  • Das Land Berlin nennt in der „Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen in Berlin“ in der Fassung vom 12. März 1993 ein Mindestvolumen von Findlingen von einem Kubikmeter.
  • Mecklenburg-Vorpommern unterscheidet im „Gesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Ausführung des Bundesnaturschutzgesetzes vom 23.02.2010“ die Größe von Findlingen abhängig von der Lage im Moränengebiet.
    Im Süden von Mecklenburg-Vorpommern, Altmoränengebiet, gilt das Mindestvolumen für Findlinge von einem Kubikmeter bei mindestens 1,5 m Länge. Weiter nördlich zwischen der Endmoräne des Frankfurter Stadiums und des Pommerschen Stadiums sind fünf Kubikmeter und eine Mindestlänge von 2,5 m Voraussetzung. Ab der nördlichen Grenze des Pommerschen Stadiums werden zehn Kubikmeter und eine Länge von wenigstens 3,5 m für den Titel Findling verlangt.
  • Das Land Niedersachsen erwähnt im „Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz vom 19.02.2010“ indirekt die Größe von Findlingen, nämlich dass Gesteine mit einem Durchmesser größer als zwei Meter der Gemeinde oder dem Naturschutzbund anzuzeigen sind.

Entsprechend dem Volumen, das bei einigen Findlingen beträchtlich sein kann, wiegen die erratischen Blöcke oft viele Tonnen. Einer der größten deutschen Findlinge – der im Wasser der Ostsee vor Göhren/Rügen liegende Buskam – wiegt 1.600 Tonnen bei einem Volumen von 600 m3, wovon 200 m3 des aus Hammergranit bestehenden Findlings aus dem Wasser der Ostsee herausragen.

Die Gesteine der Findlinge

Nahezu alle Findlinge sind aus kristallinen magmatischen und metamorphen Gesteinen wie Quarzit, Gneis und Granit.
Dass Findlinge aus robusten, harten Gesteinen mit einem dichten Gefüge bestehen und nicht aus locker geschichteten Sedimentgesteinen wird bei Rekonstruktion des Transports aus dem hohen Norden in südlichere Gefilde deutlich. Nur Steine von äußerster Härte überstehen die Belastungen beim Transport über weite Strecken. Eis, Gletscher, Geschiebe und andere Gesteine setzen den Steinen auf dem Weg nach Süden zu. Sedimentgesteine sind deshalb unter Findlinge vergleichsweise selten. Der Gesteinsverbund von beispielsweise Sandstein ist vergleichsweise locker, so dass ein derartiger Findling beim auf seiner Reise deutlich an Größe einbüßen bzw. nur als Fragment erkennbar sein würde.


Dennoch wurden unter anderem in Westfalen Findlinge entdeckt, die nur aus dem Sedimentgestein Sandstein bestehen. Entgegen den Findlingen aus Magmatiten oder Metamorphiten, die in Mitteleuropa aus Skandinavien stammen, wurden bspw. der Findling von Horstmar und der Dicke Stein von Ahlen aus den nahegelegenen Mittelgebirgen wie dem Teutoburger Wald zum heutigen Standort verfrachtet.

Von Skandinavien nach Mitteleuropa bzw. Norddeutschland

Lange bevor man wusste, dass Findlinge ein Zeugnis mächtiger Eisbewegungen von Nordeuropa herkommend sind, wurden verschiedene Theorien über die Herkunft von Findlingen entwickelt, und wie diese aus dem Norden Europas nach Norddeutschland kommen konnten.
Es wurde angenommen, Findlinge sind Meteoriten oder Gesteine vulkanischen Ursprungs, da andere Kräfte nicht in der Lage dazu gewesen wären, die mächtigen, bisweilen tonnenschweren Gesteine zu bewegen.
Über die Transportmechanismen der Kolosse machte sich auch der deutsche Geologe Leopold von Buch (1774 bis 1853) Gedanken. Er dachte im biblischen Kontext, dass Findlinge nur über Sintfluten verlagert werden konnten. Der Durchbruch zur Geschichte der Findlinge gelang 1875 dem schwedischen Geologen Otto Martin Torell (1828 bis 1900). Torell begutachtete zahlreiche Gletscherschrammen auf dem Muschelkalk von Rüdersdorf (Brandenburg) nahe Berlin und sah die oberflächlichen Schrammen auf den Steinen als Beweis für seine Theorie der Inlandvereisung.

Heute wissen wir, dass Findlinge – wie Torell es bereits seinerzeit richtig erkannte – Zeugen der Eiszeit sind. In Kaltzeiten kam es auf der Nordhalbkugel immer wieder zur Bildung mächtiger, ausgedehnter Eismassen, die von Skandinavien kommend das Festland bedeckten. Durch den Druck der Eisauflast schmilzt an der Unterseite der Gletscher, gleich einer Schmierschicht, auf der das Eis gleiten konnte.


Fließt nun der Gletscher über das Gelände, wird die Landschaft geprägt. Es kommt zu Abschürfungen von Gesteinen und Lockermaterial, Gesteine werden aus Felsen getrennt. Das zerkleinerte, aber auch grobe Gesteinsmaterial wird vom Gletscher aufgenommen, transportiert und bearbeitet die Oberfläche des unter dem Gletscher befindlichen Untergrundes – zu sehen anhand von Gletscherschrammen.
Nachdem nun Gletscher und Gesteine über weite Entfernungen verlagert wurden, bleibt das mitgeführte Material als sogenanntes Geschiebe nach dem Abschmelzen der Gletscher zurück – wahllos und überall auf dem Weg des Gletschers.


Häufig lässt sich anhand Gesteinsbezeichnungen die Herkunft erkennen. Grund dafür ist die mineralische Zusammensetzung einiger Steine, die an bestimmten Orten so einzigartig und typisch ist, dass Verwechslungen mit anderen lokalen Gesteinen ausgeschlossen sind. So sind bspw. Filipstad-Granit, Stockholm-Granit, Karlshamn-Granit, Smaland-Granit, Revsund-Granit, Bohuslän-Granit und Sala-Granit schwedischer Herkunft; Perniö-Granit und Aland-Granit stammen aus Finnland.

Findlinge in den Alpen

Auch wenn sich der Großteil der Findlinge in Deutschland auf nördliche Bereiche konzentriert, sind Findlinge auch im Alpenvorland zu finden. Jedoch kamen diese Findlinge nicht mit dem Eis aus dem hohen Norden.
Während der letzten Kaltzeit gelangten Findlinge mit der Gletscherbedeckung vor 20.000 Jahren aus den österreichischen Alpen bis ins Alpenvorland. Wie auch weiter nördlich in Deutschland blieben nach dem Abschmelzen der Gletscher vor 15.000 Jahren mitgeführte Geschiebe liegen, u.a. der Steinwies aus Granit mit einem Volumen von 60 m3.
Ein weiterer beachtlicher Findling ist der Dengelstein in Kempten mit etwa 500 m3 und einem Gewicht von 1250 Tonnen, der aus Konglomeraten besteht.

Der größte Findling der Welt

Im Vergleich mit dem weltgrößten Findling wirken die größten Findlinge in Deutschland fast wie kleine Kieselsteine.
Big Rock oder Okotoks Erratic - so lautet der Name des größten Findlings der Welt, der sich nahe Calgary in Kanada befindet.
Der kanadische Findling besteht aus dem metamorphen Gestein Quarzit und bringt schätzungsweise ein Gewicht von 15.000 bis 16.000 Tonnen auf die Waage. Nicht verwunderlich bei den Ausmaßen des Findlings: 41 m misst der große Stein in der Länge bei 18 m Breite und 9 m Höhe.


Verwendung von Findlingen

Vielen Findlingen in Deutschland wurde der geologisch-historischen Bedeutung wegen per Gesetz oder Verordnung die Schutzbedürftigkeit als geologisch-historisches Naturdenkmal verliehen.
Als Folge dessen dürfen diese Findlinge nicht verändert werden – weder in der Lage noch in der äußeren Gestalt oder künstlerisch.


Aus diesem Grund findet man vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vielerorts Findlinge am Straßenrand - ein Relikt der Eiszeit.


Lange Zeit, bevor Findlingen der Status eines Schutzobjektes zuteil wurde, wurden die großen Gesteinsblöcke z.B. in Burgen und Stadtmauern, Denkmälern, Feldsteinkirchen, Grenzsteinen und Pollern, Pflastersteinen und Hünengräbern verbaut.


Im Berliner Stadtgebiet sind sehr viele Findlinge anzutreffen.
Das größte Objekt, das aus einem Findling geschlagen wurde, ist die Granitschale im Lustgarten in Berlin-Mitte nahe dem Alexanderplatz. Die aus Karlshamn-Granit bestehende Schale wurde aus Findlingen der Rauener Berge gefertigt. Zudem befinden sich in Berlin viele Brunnenanlagen, in denen Findlinge integriert wurden – u.a. am Findlingsbrunnen am Fennpfuhl (Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg) und in der Brunnenanlage am Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain bestehend aus 14 Findlingen. Und auch der Natursteinbrunnen an der Märkischen Allee Ecke Poelchaustraße in Marzahn wurde aus Findlingen errichtet.


Ferner wurden in vielen Regionen Deutschlands sogenannte Findlingsgärten eingerichtet, die über die Geschichte der Geschiebe anhand von Exemplaren vor Ort berichten.


Aber auch im privaten Rahmen gewinnen Findlinge zusehends an Bedeutung. Naturnah gestaltete Gärten setzen auf Findlinge als optisches Highlight im Garten. Die Gartenbranche hat den Trend erkannt, weshalb es immer mehr Findlinge zu kaufen gibt, oder Alternativen, die aus Beton gefertigt wurden.


Siehe auch:
In, auf und Gestein gebaut - Granitschale im Lustgarten
Entstehung von Gesteinen
Kreislauf der Gesteine



Quellen:
www.steinzeugen.de
www.findlingsgarten-moellenbeck.de
www.strandsteine.de - Übersicht über Findlingsgärten
www.geosite.uni-greifswald.de - Findlingsgärten
www.leugene.ch
www.lwl.org - Findlinge in Westfalen
www.lfu-bayern.de
www.lbgr.brandenburg.de - Findlinge in Brandenburg
www.stadtentwicklung.berlin.de - Findlingsbrunnen

Letzte Aktualisierung: 21. Juli 2019




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