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In, auf und aus Gestein gebaut - Moais der Osterinsel



Gleichsam steinernen Wächter, die ihre Insel beschützen, stehen sie da – die Moais der Osterinsel.

Die Osterinsel - Osterinsel versus Osterinseln

Die Osterinsel ist eine Insel vulkanischen Ursprungs, die zum Staatsgebiet von Chile gezählt wird – nicht zu verwechseln mit den Osterinseln bei Australien.

Aufgrund der Zugehörigkeit zum Inseldreieck von Polynesien trägt die Osterinsel in der polynesischen Landessprache den Namen Rapa Nui.
Die Bezeichnung Osterinsel geht auf den Zeitpunkt der Entdeckung durch europäische Seefahrer zurück, insbesondere Kapitän Jakob Roggeven (1659 bis 1729). Der Niederländer traf am 6. April 1722, Ostersonntag, auf der Insel ein.


Bild 1: Steinfiguren der Osterinsel (Quelle: Daniel Kempken / pixelio.de)


Die Moai der Osterinsel

Weltweite Bekanntheit erlangte die Osterinsel durch die Steinfiguren (auf polynesisch Moai) auf der Insel, die 1995 von der UNSECO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.


Die erste überlieferte Bestandsaufnahme der Moais geht auf den deutschen Missionar Sebastian Englert (1888 bis 1969) zurück. Bei Begehungen der Insel in den Jahren 1935 und 1936 zählte er insgesamt 683 Steinfiguren.
Im Zuge einer aktualisierten Erfassung von 1969 bis 1976 wurde die Zahl auf 887 korrigiert.


Der Großteil der Statuen befindet sich entlang der Küste der Osterinsel, einige Figuren sind zudem weiter landeinwärts aufgestellt.
Historische Untersuchungen ergaben, dass die Steinfiguren nicht beliebig küstennah errichtet wurden, sondern in geringer Entfernung zu Siedlungen auf leicht erhöhten Ebenen, die über eine künstlich geschaffene Rampe aus Naturmaterialien zu erreichen waren.
Im Gegensatz dazu stehen die 397 Figuren im Inselinneren auf geneigten Flächen, die durch die Caldera des in der Vergangenheit aktiven Vulkan Rano Raraku gebildet werden.


Auffällig sind nicht nur Unterschiede in der Positionierung der Figuren, sondern auch die Gestaltung.
Während einige Statuen mit ebenen Sockeln (Raraku-Typ) versehen sind, weisen andere spitz zulaufende Fundamente (Ahu-Typ) auf. Zudem sind die Steinfiguren mit flachem Boden (erleichterte die Aufstellung auf den Ebenen) kunstvoller und detaillreicher gearbeitet.
Begründet werden die Gestaltungsunterschiede mit dem Reichtum der Auftraggeber für die Fertigung der Skulpturen.
Die Gemeinsamkeit der beiden Figurtypen gilt dennoch der Gedanke an die Verehrung von Häuptlingen oder Verstorbenen.


Der älteste gefertigte Moai stammt aus dem Jahr 931, die jüngste Steinbearbeitung erfolgte 1812. Der Großteil der Steinfiguren entstand zwischen 1400 bis 1600. Die Unterschiede der verschiedenen Jahrgänge der Fertigung sind mit der Geschichte der Osterinsel zu erklären, insbesondere mit den phasenweise erfolgten Zuwanderungen der Bevölkerung aus Chile und von anderen polynesischen Inseln.


Mit jünger werdendem Alter wurden die Moais größer und technisch ausgefeilter.
Der größte Moai weist eine Höhe von 9,8 m auf, der nur noch von einem in Rohfassung erhaltenem Moai mit einer Größe von 21 m überboten wurde. Durchschnittlich erreichen die Moais eine Größe von 4,05 m bei einem mittleren Gewicht von 12,5 t.
Das Kennzeichen aller Moais sind die übermäßig großen Köpfe, die auf vergleichsweise schmächtigen Körpern sitzen. Dargestellt ist stets nur der Rumpf, Beine fehlen gänzlich, wenige Ausnahmen zeigen zusätzlich die eindeutig männliche Geschlechterzuordnung. Perfekt ausgearbeitet hingegen sind die Gesichter mit deutlich erkennbaren Augen- und Augenhöhlen, Nasen einschließlich großer Nasenlöcher, Mund und markant-männlichem Kinn. Bei späteren Ausgrabungen auf der Osterinsel wurden einzelne Steinaugen gefunden, deren Passform den Augenhöhlen entspricht. Die Augen wurden aus weißem Korallenkalk und schwarzem Obsidian oder roter Schlacke als Ersatz für Pupillen gefertigt. Weitere Ausschmückungen finden sich vereinzelt auf den Häuptern, indem Haarknäuel oder Kopfbedeckungen nachgestellt wurden.


Bild 2: Moai mit Auge aus Korallenkalk und Obsidian (Quelle: Daniel Kempken / pixelio.de)


Zusätzlich finden sich auf der Osterinsel große Gesteinsbrocken, die mit Gravuren in Form von Vogelmännern, Tieren oder Figuren verziert sind.
Die als Petroglyphen bezeichneten Zeichnungen zieren mitunter auch die Moais selbst.


Über die Beweggründe für das Aussterben der Steinmetzkultur auf der Osterinsel wird Verschiedenes genannt: Naturereignisse wie Überflutungen, Tornados, Erdbeben oder Hitzewellen; Verdrängung bzw. Änderung des Glaubens und Götterverehrung; Wetteifern und Fehden unter den Bildhauern selbst.

Das Gestein der Moais

Die Moais wurden aus Gesteinen der Osterinsel gemeißelt.
Durch die Tatsache, dass Rapa Nui ein Relikt vulkanischer Aktivtäten der Sala y Goméz-Spalte im Südpazifik ist, handelt es sich bei den verwendeten Materialien namentlich um Gesteine magmatischen Ursprungs wie Trachyt, Tuff und Basalt. Detailarbeiten wie das Augeninnere wurden aus Obsidian gefertigt.
Als Werkzeug dienten Meißel und Hammer, ebenfalls aus Basalt bestehend.


Die Osterinsel ist eine erdgeschichtlich vergleichsweise junge Insel, die durch zahlreiche Vulkanausbrüche über Jahrtausende die heutige Gestalt und Größe annahm.


Die Anfänge von Rapa Nui wurden bei einem untermeerischen Vulkanausbruch vor 3 Mio. Jahren gebildet, heute existent als Inselteil Poike. Mit der Eruption des Vulkans Pua Katiki wurde soviel Gesteinsmaterial angehäuft, dass sich eine Landmasse von 12 km2 ausbildete, die 370 m aus dem Meer ragt.


Eine halbe Million Jahre später kommt es unter dem Meeresspiegel auf der Nazkaplatte zu weiteren vulkanischen Aktivitäten, der Vulkan Rano Kau wird geboren. Die Ausbrüche dauern bis vor einer Million Jahren an, seitdem prägt der 324 hohe Krater einschließlich der 116 km weiten Caldera das Landschaftsbild.


Vor 400.000 bis 300.000 Jahren gelangte der Vulkan Maunga Terevaka an die Erdoberfläche, aktuell 567,41 m hoch.
Heute noch sind die Vulkane anhand der Inselgestalt erkennbar, indem diese an den jeweiligen Eckpunkten der dreieckigen Insel befindlich sind. Miteinander verbunden wurden die Einzelvulkane durch nachfolgende Eruptionen, deren Gesteinsmaterial die „Landlücken“ ausfüllte.


Siehe auch:
- In, auf und aus Gestein gebaut - Steinmännchen
- In, auf und aus Gestein gebaut - David von Michelangelo
- Lößkindel, Lößpüppchen und Lößmännchen


Quellen:
- Besiedlungsgeschichte der Osterinsel, Karte mit Lage der Moais und umfangreiches Bildmaterial: www.crystalinks.com/easterisland.html
- www.osterinsel-info.de

Letzte Aktualisierung: 4. April 2018




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