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Bleiglasrubine – Glasgefüllte Rubine



Nicht jedes Mineral oder jeder Edelstein, der zu Schmuck verarbeitet wird, ist zu 100 % naturbelassen. Zur Korrektur der Farbe und Reinheit werden die Steine erhitzt, mit farbigen Ölen, Wachsen oder Kunststoffen ummantelt. Eine Methode, die vor allem bei Rubine angewendet wird, um rissige Kristalle verwerten zu können, ist das Auffüllen mit Glas.

Schönheitsbehandlungen von Rubinen

Rubine zählen seit Jahrhunderten zu den begehrtesten Edelsteinen der Welt. Viele Rubine, die alljährlich zutage gefördert werden, entsprechen nicht den gängigen Vorstellungen eines Rubins. Rubine werden als besonders wertvoll eingestuft, wenn sowohl die Farbe wie auch die Reinheit (lupenrein) von hoher Qualität sind.
Als Maßstab der Farbe von Rubinen gilt der Farbton Taubenblutrot: ein kräftiges Rot mit einem Hauch Blau. Daneben können Rubine reinrot, braunrot oder von violett-roter Farbe sein. Um den Bedarf nach Taubenblutrubinen decken zu können, werden Rubine, deren Farbe nicht dem gewünschten Farbton entspricht, gebrannt. Das Brennen ist ein Verfahren, bei dem Rubine auf eine Temperatur von 1.800 °C erhitzt werden. Infolge der Wärmezufuhr wird die Farbe intensiviert oder ändert sich. Zeitgleich werden störende Unreinheiten wie Einschlüsse von anderen Mineralien, Gasen oder Flüssigkeiten eliminiert.
Dass ein Rubin einer Farb- und Reinheitskorrektur unterzogen wurde, belegt ein Hinweis auf dem Kaufzertifikat oder der Beschreibung des Steins. Aussagen wie gebrannter Rubin, veredelter Rubin oder erhitzter Rubin deuten auf eine nachträgliche Verbesserung der Farbe und/oder Reinheit.


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Bleiglasrubine

Fernab der Veränderung von Farbe und Reinheit werden zudem Arbeiten am Kristall vorgenommen. Viele Rubinkristalle sind von Natur aus spröde oder weisen Risse, tiefgehende Spalten oder Frakturen auf. Eine Tatsache, die sich nicht nur negativ auf den Glanz, sondern auch auf die Gesamterscheinung des roten Minerals auswirkt. Deutlich sichtbare Fehler im und am Kristall mindern den Preis.
Damit fehlerhafte Rubine dennoch der Schmuckindustrie zur Verfügung stehen, werden spröde und rissige Rubine bereits seit den 1980er Jahren mit Glas aufgefüllt. Damals wurde das Verfahren in vergleichsweise geringem Umfang angewendet. Seit 2003 ist eine hohe Zahl von glasgefüllten Rubinen im Umlauf.
Der Anteil an Glas – verwendet wird speziell Bleiglas – hängt von der individuellen Beschaffenheit des Rubins ab und variiert zwischen 15 und 50 %; andere Quellen sprechen sogar von bis zu 75 % Bleiglas in Rubinen. Wie hoch der Bleigasanteil in einem Rubin ist, ist für den Käufer schwierig oder nicht zu ermitteln. Beim Kauf einen glasgefüllten Rubins wird lediglich der Vermerk „glasgefüllt“ angegeben.
Das Auffüllen der Spalten und Risse im Rubin erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird der Stein grob vorgeschliffen und anschließend gebrannt, um in erster Linie Unreinheiten bedingt durch Einschlüsse zu entfernen. Danach werden die Hohlräume im Rubin gereinigt, bis letztendlich pulverisiertes Bleiglas, teilweise auch eingefärbt, eingefüllt wird und über eine erneute Hitzebehandlung mit dem Rubinkristall verschmolzen wird.


Zusammengesetzte Rubine – Composite Rubies

Nachdem zu Beginn der 2000er Jahre publik wurde, dass Rubine mit Bleiglas veredelt wurden und auch heute immer noch veredelt werden, entschieden sich führende Edelsteininstitute, dass derartige Rubine mit einem Namenszusatz versehen werden sollen, um den Unterschied zu unbehandelten, naturbelassenen Rubinen kenntlich zu machen.
Die American Gemological Laboratories (AGL)** haben sich 2007 dafür ausgesprochen, dass glasgefüllte Rubine als Composite Rubies – zusammengesetzte Rubine – geführt werden. Demnach handelt es sich bei Composite rubies um Rubine mit Bleiglasanteil, oder wenn der Bleiglasanteil besonders hoch ist, um Bleiglas mit Rubinanteil. Ein anderer Begriff, der im Zusammenhang mit glasgefüllten Rubinen gängig ist und im Jahr 2010 vom GemResearch Swisslab (GRS)** geprägt wurde, ist Hybrid Rubin (englisch: hybrid ruby): vermischter Rubin.


Glasgefüllte Rubine erkennen

Ist ein Rubin auf Hochglanz poliert und in Schmuck eingefasst, kann es mitunter schwierig sein, glasgefüllte Rubine auf den ersten Blick auszumachen.
Bei der Betrachtung unter zehnfacher Vergrößerung kann man die Füllung gut erkennen. Das rote Glas im Rubin ist vom Rubin sehr gut anhand von luftgefüllten Bläschen im Glasanteil zu unterscheiden. In der Regeln genügt dafür eine Lupe, unter dem Mikroskop wird der Unterschied noch deutlicher.
Daneben zeigt sich unter der Vergrößerung, dass der Stein nicht einheitlich in der Struktur ist. Auf der Oberfläche sind die gefüllten Rillen erkennbar, die wie Kratzer oder Schrammen trotz der Glättung beim Polieren wirken.
Im Licht ist das Farbenspiel glasgefüllter Rubine nicht einheitlich. Die Stellen, die mit Bleiglas aufgefüllt wurden, glänzen orange und sind fleckig-weiß – ein Beleg für den unterschiedlichen Brechungsindex von Bleiglas und Rubin im Licht.
Unter UV-Licht lassen sich Bleiglasrubine ebenfalls enttarnen. Während Rubine unter langwelligem UV-Licht eine intensiv rote Fluoreszenz aufweisen, erscheint der Glasanteil weißlich-matt.


Natürlicher Rubin = Naturbelassener Rubin?

Eine Frage, die durchaus berechtigt ist.
Einige Schmuck- und Mineralienhändler verwenden bei der Beschreibung von Rubinen den Begriff natürlicher Rubin. In der weiteren Beschreibung findet man mitunter den Hinweis, dass der vorliegende Rubin glasgefüllt ist. Und demnach kein Stein, der zu 100 % natürlichen Ursprungs ist. Die Verwirrung ist groß.
Tatsächlich sind auf dem Mineralienmarkt neben echten Rubinen bisweilen Fälschungen, Imitationen und gezüchtete Rubine (sog. Verneuil-Rubin) erhältlich, sodass der Terminus echter oder natürlicher Rubin durchaus Sinn macht, auch wenn der rote Stein womöglich zur Hälfte aus Glas besteht.


Siehe auch:
Rubine, die keine sind
Polybern
Rubine aus Montepuez/Mosambik


Quellen:
http://aglgemlab.com - CIBJO ruling modifies definition to permit the word Composite to be used to describe lead-glass treated ruby
www.gia.edu - Inclusions in natural synthetic ruby
www.gia.edu - Unusual composite ruby rough
www.gia.edu - Unusual filled ruby
www.gia.edu - Ruby-Glass
www.ssef.ch - Erkennung von Edelsteinen mit behandelten Rissen
www.nationaljeweler.com - Composite Rubies
http://jbamagazine.com - lead-glass composite rubies vs. treated rubies

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Letzte Aktualisierung: 21. Juni 2018

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