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Kaersutit

Kaersutit - Ein titanreicher Amphibol

Das Mineral Kaersutit
rotbrauner Kaersutit

Das Mineral mit dem ungewöhnlichen Namen Kaersutit wurde 1884 erstmals vom dänischen Mineralogen Johannes Theodor Lorenzen beschrieben. Lorenzen arbeitet in der Universität von Kopenhagen und war zu jener Zeit damit beschäftigt, Mineralproben aus Grönland zu untersuchen. Dort stieß er auf ein ungewöhnliches Mineral, das in der Nähe des Dorfes Qaarsut (K’aersut) gefunden wurde und benannte es danach.

Das Mineral, das prismatische Kristalle bildet, wurde dort in alkalischen und magmatischen Gesteinen gefunden. Lorenzen selbst beschrieb es als „hornblendeartiges, titanreiches Mineral“. Eine Ähnlichkeit, mit der heute zu den Amphibolen zählenden Hornblende, war folglich zu jener Zeit schon bekannt.

Eigenschaften von Kaersutit

Kaersutit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Silikate und Germanate und zählt ferner zu den Kettensilikaten. Es ist ein Mitglied der Amphibol-Supergruppe und wird als titanreicher, natrium- und calciumhaltiger Amphibol bezeichnet.

Kristalle von Kaersutit
Kaersutit mit langprismatischen Kristallen

Übersicht der Eigenschaften von Kaersutit
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung NaCa2(Mg3AlTi4+)(Si6Al2)O22O2
Mineralklasse Silikate und Germanate
Kristallsystem
  • monoklin
  • prismatische Kristalle, häufig als Einsprenglinge in vulkanischen Gesteinen
  • auch körnige Aggregate
Farbe dunkelbraun bis schwarz
Strichfarbe blass bräunlichgrau
Glanz glasartig
Transparenz durchscheinend
Bruch uneben bis muschelig; spröde
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}; Spaltflächen schneiden sich bei etwa 56° und 124°
Mohshärte 5 bis 6
Dichte 3,20 bis 3,28 g/cm³

Kaersutit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und bildet vorwiegend prismatische, oft kurze- bis langgezogene Kristalle. Gelegentlich bildet das Mineral einfache oder mehrfache Kristallzwillinge, die nach einer festen Regel miteinander verwachsen sind.

Typische Eigenschaften von Kaersutit ist dessen vollkommene Spaltbarkeit, die für Amphibole typisch sind sowie dessen spröden Bruch. Mit einer Mohshärte von 5 bis 6 ist das Mineral in etwas so hart wie Opal oder Apatit. Es bildet meist eine dunkelbraune bis rotbraune Farbe, kann aber auch vollkommen schwarz gefärbt sein. Eine farbliche Zonierung ist möglich. Die Strichfarbe ist meist bräunlichgrau. Kaersutit ist meist undurchsichtig (opak), zeigt einen auffälligen Glasglanz und hat einen starken Pleochroismus.

Entstehung und Verbreitung von Kaersutit

Kaersutit ist ein primär gebildeter Amphibol, der vor allem aus alkalischen Magmen kristallisiert. Er ist relativ häufig als dunkler bis bräunlicher Kristall in vulkanischen Gesteinen zu finden. Typische Gesteine, in dem Kaersutit angetroffen wird, sind Basalte, Tephrite, Trachyte sowie seltener in Syeniten, Monoziten oder karbonathaltige Tuffen.

Das Mineral entsteht vor allem in wasser- und titanreichen magmatischen Schmelzen. Für die Kristallisation ist es wichtig, dass typische amphibolhaltige Elemente wie Silicium, Aluminium, Magnesium, Calcium und Natrium enthalten sind. Kaersutit kann bereits vollständig in einer Magma kristallisieren und mit der Lava austreten und als größere Einsprenglinge im Gestein erhalten bleiben.

Typische Fundorte für das Amphibolmineral sind:

  • Grönland: als Typlokalität bei Qaarsut
  • Deutschland: Eifel (Nickenicher Sattel, Wannenköpfe) sowie im Westerwald
  • Italien: südlich von Sizilien, Pelagische Inseln (in der Nähe von Lampedusa), Linosa
  • Spanien: Teneriffa
  • Tschechien: Westböhmen
  • USA: Mohave-County (Boulder-Dam-Area), Gila County (San Carlos)
  • Kanada: Mount Saint-Hilaire (bei Quebec)
  • Neuseeland: Kakanui (Südinsel)
Kaersutit - Wannenköpfe
Kaersutit aus der Eifel (Fundort: Wannenköpfe; Bildbreite: 2,5 mm, Micromount)

Bedeutung und Verwendung

Auch wenn das Mineral hohe Anteile an Titan, Eisen und Magnesium enthält, hat es als Erzmineral keine Bedeutung. Dafür ist es zu selten und zu eng an seine Wirtsgesteine gebunden.

Als Indikatorgestein ist es allerdings sehr wertvoll, da es Informationen über Magmen im oberen Erdmantel ermöglicht und Hinweise auf dessen Veränderung geben kann, wenn sie alkalischen Schmelzen ausgeliefert sind. Außerdem können Rückschlüsse über die Kristallisationsbedingungen und die Entwicklung von Schmelzen im Allgemeinen gezogen werden.

Kaersutit ist unter Mineraliensammlern relativ begehrt. Vor allem die langgezogenen rötlichbraunen Kristalle gelten als ästhetisch besonders. Sie stehen jedoch fast ausschließlich als Micromounts zur Verfügung, was heißt, dass für ihre Betrachtung eine Lupe oder ein Mikroskop benötigt wird.

Verwechslungsgefahren: Als Vertreter der Amphibole kann Kaersutit mit einigen anderen Mineralen verwechselt werden. Hier sind vor allem Pargasit sowie der enge Verwandet Ferro-Kaersutit zu nennen, der nur laboranalytisch von Kaersutit unterschieden werden kann. Auch eine Verwechslung mit Hornblende (v.a. Magnesio-Hornblende) ist möglich.

Quellen:

  • Lorenzen, J. T. (1884): Undersøgelse af Mineralier fra Grønland. IN: Meddelelser om Grønland, Bd. 7, S. 1–31. Historische Untersuchung mit Abbildung von Kaersutit.
  • Hawthorne, F. C. et al. (2012): Nomenclature of the amphibole supergroup. IN: American Mineralogist, Bd. 97, S. 2031–2048. doi: 10.2138/am.2012.4276.
  • Gatta, G. D. et al. (2017): Order of [6]Ti4+ in a Ti-rich calcium amphibole from Kaersut, Greenland: a combined X-ray and neutron diffraction study. IN: Physics and Chemistry of Minerals, Bd. 44, S. 83–94. doi: 10.1007/s00269-016-0839-0.
  • Anthony, J. W. et al. (2001): Kaersutite. IN: Handbook of Mineralogy, Vol. II: Silica, Silicates. Mineral Data Publishing, Tucson.
  • Kaersutite | mindat.org.

Autor: (steine-und-minerale.de)

Letzte Aktualisierung: 25.09.2026

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