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Edelsteinfasser und Edelsteinfasserin - Arbeiten mit Edelsteinen



Edelsteine sind oftmals winzig klein und doch von unschätzbarem Wert. Wenn ein Edelstein in Schmuck funkelt, steht dahinter millimetergenaue Handarbeit. Während Edelsteinschleiferinnen und -schleifer den Rohstein wortwörtlich in allen Facetten zum Strahlen bringen, sorgen Edelsteinfasserinnen und -fasser dafür, dass die geschliffenen Steine in den Fassungen perfekt und dauerhaft platziert werden.



Der Beruf der Edelsteinfasserin bzw. des Edelsteinfassers

Wenn ein schmuck- oder edelsteinbesetztes Schmuckstück alle Blicke auf sich zieht, liegt eine lange Reise hinter dem Stein, genau wie viele Hände waren an der Entstehung beteiligt waren.
Der Weg beginnt mit den Menschen, die die Mineralien aus der Erde fördern und in den Handel bringen, über die Schleifereien, in denen die Rohsteine facettiert werden, bis zu den Ateliers, in denen die kreativen Designideen Gestalt annehmen. Goldschmiede fertigen daraus Ringe, Ohrringe, Kettenanhänger oder Colliers, die schließlich in den Vitrinen der Juweliere glänzen und die Betrachter verzaubern. Ein Zwischenstopp, oder vielmehr ein Beruf, der dabei vergleichsweise unsichtbar, aber unverzichtbar ist, ist der des Edelsteinfassers bzw. der Edelsteinfasserin.


Die Geschichte des Edelsteinfassens

Das Einfassen von Edelsteinen ist so alt wie die Herstellung von Schmuck. Schon in der Antike wurden wertvolle Steine in Metall gefasst, um diese zu schützen und tragbar zu machen. So belegen alt-ägyptische Amulette und antike römische Ringe, dass Fasserarbeiten schon vor mehreren Jahrtausenden vorgenommen wurden. Damals setzte man noch auf einfache Zargenfassungen, die als dünner Metallrand den Stein fest umschlossen.

Erst im Mittelatler und in der Renaissance entwickelte sich das Fassen von Schmuck- und Edelsteinen als eigene Disziplin in der Kunst des Goldschmiedens. Venedig, Paris, Antwerpen und später auch Idar-Oberstein sowie Pforzheimen wurden dabei zu den Hochburgen der steinverarbeitenden Industrie.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen neue Werkzeuge und Materialien auf, infolgedessen der damals noch männlich dominierte Beruf des Edelsteinfassers allmählich vom Goldschmied getrennt wurde.

Heute ist die Edelsteinfasserin und der Edelsteinfasser ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf mit eigener Prüfungsordnung.


Edelsteinfasser
Der letzte und vielleicht wichtigste Schritt bei der Herstellung von Schmuck: Das Einsetzen von Edelsteinen

Das Berufsbild

1827 wurde die Arbeit des Edelsteinfassers noch schlicht als die, „der die ächten Steine in Gold und Silber faßt“ definiert (Smith, 1827). Etwas ausführlicher fällt die Beschreibung bei Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781, Dichter) aus, der sich wiederum auf den römischen Universalgelehrten Plinius (23 bis 79 n.Chr.) beruft. Die Aufgabe des „Fassers der Edelsteine“ bzw. des „Compositores gemmarum“ ist es, „die geschliffenen oder geschnittenen Steine faßen und so, wie sie sich nach ihren Farben am Besten zusammen schickten,“ zu arrangieren.

Das Fassen von Edelsteinen ist nach wie vor Handarbeit mit dem Ziel, die Schmuck- und Edelsteine so in Schmuckstücke oder Geräte einzusetzen, dass diese sicher halten und optimal ausgerichtet sind.

Edelsteinfasserinnen und -fasser fertigen die verschiedensten Fassungen an, prüfen die Steine, bereiten die Metalle vor und setzen die Steine schließlich ein.

Neben der klassischen Arbeit des Fassens gehören heutzutage auch moderne, technikbasierte Verfahren zum Alltag: Laser-Schweißen, Einfassen unter dem Mikroskp und die Anfertigung von computergesützten Konstruktionen mittels Computer Aided Design-Software (Computergestütztes Design).

Der Beruf der Edelsteinfasserin und des Edelsteinfasseris ist ein Beruf, der viel Geduld, Konzentration und Geschick verlangt. Wird beim Fassen zu viel Druck auf den Stein ausgeübt, kann die Kostbarkeit zerspringen. Sitzt der Stein zu locker in der Fassung, wackelt dieser und könnte verloren gehen.


Voraussetzungen für Edelsteinfasserinnen und -fasser

Für die Ausbildung ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Wichtiger als Noten sind handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und eine ruhige Hand.

Ideal ist, wer ein Auge für Details hat, sich für Edelsteine und Schmuck begeistert und Freude an präziser Arbeit im kleinen Maßstab findet. Eine ruhige Hand, gute Feinmotorik und Ausdauer sind unverzichtbar. Auch Geduld und Sorgfalt sind gefragt, denn eine Fassung, die einen Brillanten im Wert von mehreren Tausend Euro hält, verzeiht keine Ungenauigkeit.


Die Ausbildung

Die Ausbildung zur Edelsteinfasserin oder zum Edelsteinfasser dauert in Deutschland dreieinhalb Jahre und folgt dem dualen System: die theoretischen Kenntnisse aus der Berufsschule werden mit der praktischen Ausbildung im Betrieb kombiniert. Die Berufsschule mit überregionaler Zuständigkeit befindet sich meist in Pforzheim an der renommierten Goldschmiedeschule.

Die Inhalte sind vielfältig und entwickeln sich mit der Technik weiter:

Die Ausbildung schließt mit einer Gesellenprüfung ab, die sowohl praktische Werkstücke als auch theoretisches Wissen umfasst. Wer bereits eine Goldschmiedelehre abgeschlossen hat, kann sich Teile der Ausbildung anrechnen lassen.


Werkzeuge und Technik

Das klassische Werkzeugarsenal des Edelsteinfassers ist überschaubar, aber hochspezialisiert: Stichel, Punzen, Körner, Feilen, Fasserhammer, Mikroskop und Pinzette gehören zur Grundausstattung.

Hinzu kommen moderne Präzisionsgeräte: Mikromotoren, Laser-Schweiß- und Gravurgeräte, digitale Mikroskope und CAD-Arbeitsplätze. Besonders das Mikroskop ist heute ein zentrales Werkzeug, unter zehnfacher Vergrößerung wird jeder Handgriff überprüft.

Auch digitale Technologien gehören zum Alltag: CAD/CAM-Software ermöglicht es, Fassungen virtuell zu modellieren und über 3D-Druck oder CNC-Technik herzustellen. Trotzdem bleibt der entscheidende Schritt des Einsetzens des Steins weiterhin Handarbeit. Keine Maschine kann bislang die Sensibilität der menschlichen Finger ersetzen, wenn es darum geht, Druck, Winkel und Spannkraft perfekt aufeinander abzustimmen.


Digitalisierung und künstliche Intelligenz

Die Digitalisierung hat seit einigen Jahren auch in der Schmuckbranche Einzug gehalten. In modernen Schmuckwerkstätten dienen 3D-Modelle, Simulationen und Lasergeräte als Ergänzung zur klassischen Fasserarbeit. KI-gestützte Programme können heute Fehler in der Symmetrie oder Spannungsverteilung erkennen und Vorschläge für Designvarianten machen. Am Ende zählt beim Fassen von Edelsteinen aber die Arbeit des Menschen, was den Beruf trotz fortschreitender Technologisierung zukunftssicher macht.


Arbeitsmarkt und Gehalt

Der Beruf des Edelsteinfassers und der -fasserin ist selten und gerade dadurch gefragt. In Deutschland gibt es nur wenige Ausbildungsplätze pro Jahr. Viele Absolventinnen und Absolventen finden deutschlandweit wie auch im Ausland schnell eine Anstellung in Schmuckmanufakturen, Juwelierwerkstätten oder in der industriellen Serienfertigung.

Die Beschäftigungsperspektiven gelten als stabil, wenn auch in einer Nische. Qualitativ hochwertiges Handwerk hat in Zeiten globaler Massenproduktion wieder an Wert gewonnen. Besonders gefragte sind derzeit Mikrofasser und -fasserinnen für Pavé- und Invisible-Fassungen, die unter dem Mikroskop arbeiten.

Edelsteinfasser und -fasserinnen können sich auch selbstständig machen, häufig als Dienstleister für Goldschmiede, Ateliers oder Schmuckhäuser. Die Verdienstmöglichkeiten variieren: Während Auszubildende im ersten Jahr etwa 700 Euro brutto erhalten, verdienen erfahrene Fachkräfte zwischen 2 500 und 3 700 Euro, in Luxusherstellung oder als Selbstständige teils deutlich mehr.


Edelsteinfassen versus Goldschmiedekunst

Goldschmiede entwerfen und fertigen Schmuckstücke. Sie schmieden, löten und formen das Metall des Schmuckstücks. Edelsteinfasserinnen und -fasser hingegen konzentrieren sich auf das Setzen des Steins. Allerdings gehen in kleineren Werkstätten die Arbeiten des Edelsteinfassens und Goldschmiedens oft ineinander über.


Quellen:

  • Lessing, G. E. (1766): Compositores gemmarum. IN: Über die Grenzen der Malerei und Poesie. Briefe antiquarischen Inhalts.
  • Smith, J. (1827): Edelstein-Fasser. IN: Das Buch der Geheimnisse für Künstler, Fabrikanten und Handwerker, enthaltend eine Haupt-Übersicht aller sich auf die verschiedenen Verzweigungen der Künste und Gewerbe beziehenden Kenntnisse
  • Schmidt, J. A. E. (1850): Steinfasser. IN: Vollständigstes französisch-deutsches und deutsch-französisches Handwörterbuch
  • Blum, J. R. (1887): Einfasser. IN: Taschenbuch der Edelsteinkunde
  • Schumann, W. (2020): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten 1900 Einzelstücke. BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • Bundesagentur für Arbeit (BA) (2024): Berufenet – Edelsteinfasser/in: Tätigkeiten, Zugang, Ausbildung und Perspektiven
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) (2025): Verordnung über die Berufsausbildung zum Edelsteinfasser und zur Edelsteinfasserin. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2025, Teil I, Nr. 22. Berlin: Bundesanzeiger Verlag.

Letzte Aktualisierung: 10.11.2025



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