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Die discredited Minerale der IMA



Wer sich intensiver mit Mineralen beschäftigt, stößt früher oder später auf den Hinweis „discredited“. Vor allem in älteren Büchern, wissenschaftlichen Arbeiten oder mineralogischen Datenbanken ist die Rede von Namen, die heute von der International Mineralogical Association (IMA) nicht mehr als eigenständige Mineralspezies anerkannt werden.



Für viele stellt sich dann die Frage, warum das Mineral diskreditiert bzw. aberkannt wurde. Existiert das Mineral nicht mehr, aber weshalb tauchen manche dieser Namen trotzdem weiterhin in der Literatur auf? Die Antwort ist differenzierter. Hinter einer Diskreditierung können verschiedene Gründe stehen. Eine Aberkennung bedeutet keineswegs, dass das Mineral „verschwindet“, vielmehr spiegelt die Diskreditierung den wissenschaftlichen Fortschritt wider.


Die IMA

Ein Name, der im Zusammenhang mit Mineralen immer wieder fällt, ist die IMA. Die International Mineralogical Association wurde 1958 in den USA gegründet, wobei die Commission on New Minerals, Nomenklatur and Classification (CNMNC) in puncto Nomenklatur der Minerale die wichtigste Anlaufstelle ist.

Die CNMNC entscheidet nicht nur über die Anerkennung neuer Mineralarten und Änderungen der Nomenklatur, auch Redefinitionen bestehender Mineralarten, Umbenennungen, Gruppenzugehörigkeiten sowie die Aberkennung (Discreditierung) von Mineralspezies zählen zum Aufgabenbereich der CNMNC. Dahinter steht das Ziel einer weltweit einheitlichen Klassifikation, damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Museen, Universitäten, Sammlerinnen und Sammler rund um den Globus dieselben Mineralnamen verwenden.


Discredited Minerals

Discredited im Zusammenhang mit Mineralien bedeutet, dass ein in der Vergangenheit als eigenständige Mineralspezies beschriebener Mineralnamen heute nicht mehr als gültige Mineralspezies anerkannt wird.

In der Praxis kann der diskreditierte Name völlig verschwinden, durch einen älteren Namen ersetzt werden, als historisches Synonym weiterbestehen oder künftig der Name einer Mineralgruppe oder Serie sein.


Gründe für die Diskreditierung

1. Doppeltes Lottchen

In der Vergangenheit, vor allem wenn man weit in die Geschichte der Mineralogie zurückblickt, standen den Wissenschaftlern nicht dieselben Instrumente und Technologien zur Bestimmung von Mineralen zur Verfügung.
Hinzu kommt, dass ein und dasselbe Mineral oftmals zeitgleich oder zeitnah an zwei verschiedenen Orten entdeckt wurde. Die Möglichkeit der schnellen Kommunikation war nicht vorhanden, sodass dasselbe Mineral teilweise unter zwei verschiedenen Namen in der Literatur gelistet wurde. Mit der Überlieferung der Information über neuentdeckte Mineralr sowie modernen Methoden der Bestimmung konnten Doppelungen ausfindig gemacht werden.

Die IMA löst dieses Problem nach dem Prioritätsprinzip, wonach der zuerst genannte bzw. veröffentlichte Name erhalten bleibt.

Ein Beispiel dafür ist das Mineral Hartit, das sich im Zuge von Untersuchungen als identisch mit dem bereits früher beschriebenen Mineral Branchit herausstellte. Der Name Hartit wurde deshalb diskreditiert und Branchit als gültiger Name eingeführt.


2. Mineralgemenge

Nicht jede historische Beschreibung eines Minerals basiert auf einem einzelnen kristallinen Stoff. Teilweise zeigen moderne Analysen, dass die ursprüngliche Probe aus mehreren Mineralarten besteht. Viele Erstentdeckungen von Mineralen werden heute noch in Museen oder Universitätssammlungen aufbewahrt und ermöglichen so eine nachträgliche Überprüfung.

Das Beispiel Shubnikovit zeigt, dass das vermeintliche Mineral keine eigene Kristallstruktur aufweist und damit auch keine eigenständige Mineralspezies ist. Im Jahr 2025 wurde Shubnikovit schließlich discredited, nachdem nachgewiesen werden konnte, dass das Material aus Lavendulan und Richelsdorfit besteht. Auch Franklinphillit fällt in diese Kategorie, da sich das Mineral als ein Gemenge aus Lennilenapeit und Nelenit erwies.


3. Varietät statt Mineralspezies

Nicht jede einzelne Farbe oder Spurenelementvariation ist Grund genug, einem Mineral einen neuen eigenen Namen zu geben. Im frühen 19. und 20. Jahrhundert stand es allerdings oft auf der Tagesordnung, solchen Mineralen eigene Namen zu geben, die heute nicht mehr als eigenständige Mineralarten angesehen werden.

So steht der historische Name Eosit für die vanadiumreiche Varietät von Wulfenit, während Collieit die vanadiumreiche Varietät von Pyromorphit ist.

In der Literatur bleiben die veralteten Namen oftmals erhalten, auch wenn diese heute keinen offiziellen Mineralstatus mehr haben.


Sonderfall Biotit

Kaum ein Mineral verdeutlicht die Unterschiede zwischen Diskreditierung und Nomenklatur so gut wie Biotit.

Über viele Jahrzehnte hinweg galt Biotit als eigenständige Mineralspezies. Im Rahmen einer grundlegenden Überarbeitung der Glimmer-Nomenklatur stellte die IMA Ende der 1990er Jahre jedoch fest, dass Biotit keine eindeutig definierte chemische Zusammensetzung besitzt.

Vielmehr bildet Biotit einen Mischkristallbereich zwischen mehreren Endgliedern, insbesondere Annit, Phlogopit, Siderophyllit und Eastonit.

Da eine Mineralspezies eindeutig definiert sein muss, verlor Biotit den Status als eigenständige Mineralart, verschwand als Name jedoch nicht aus der Mineralogie.

Die IMA entschied vielmehr, Biotit künftig als Serien- beziehungsweise Gruppenbezeichnung für dunkle trioktaedrische Glimmer weiterzuführen.

Dies erklärt auch, weshalb in geologischen Karten, petrographischen Gutachten oder Lehrbüchern bis heute selbstverständlich von Biotit gesprochen wird. Ohne chemische Analyse lässt sich häufig gar nicht bestimmen, welches Endglied innerhalb der Mischkristallreihe tatsächlich vorliegt.


Diskreditiert, gelöscht und archiviert

Wenn ein Mineral discredited wurde, bedeutet das nicht, dass die historischen Namen von Mineralen aus den Büchern oder Sammlungen entfernt werden.

Vielmehr bleiben die aberkannten Namen als ein wichtiger Bestandteil der Wissenschaftsgeschichte erhalten. Viele Mineraliendatenbanken führen weiterhin die früheren Namen auf, versehen diese aber mit einem entsprechenden Hinweis wie discredited, obsolete name, Synonym oder redefined. Korrekterweise sollten in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Beschriftungen in Museen oder Datenbanken grundsätzlich die von der IMA anerkannten Namen verwendet werden. Historische Namen dürfen jedoch weiterhin verwendet werden, wenn ältere Literatur zitiert wird.


Historischer Abriss

Die Aberkennung von Mineralen ist keine Erfindung der International Mineralogical Association. Schon lange vor der Gründung der IMA kamen Mineraloginnen und Mineralogen immer wieder zu dem Schluss, dass vermeintlich neue Minerale in Wirklichkeit bereits bekannte Mineral, Farbvarietäten oder Gemenge verschiedener Minerale waren.

Der entscheidende Unterschied bestand jedoch darin, dass es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts keine international verbindliche Instanz gab, welche über die Gültigkeit eines Mineralnamens entschied. Ob ein Name weiterhin verwendet wurde, hing häufig von der jeweiligen Autorin bzw. dem Autor, Lehrbuch oder wissenschaftlichen Institut ab. Neue Erkenntnisse führten allmählich dazu, dass manche Namen nach und nach aus der Literatur verschwanden, während andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese weiterhin verwendeten.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden so unzählige Namen, von denen viele später wieder aufgegeben oder als Synonyme bereits bekannter Minerale eingestuft wurden.

Mit der Gründung der International Mineralogical Association im Jahr 1958 und der Einrichtung der Commission in New Minerals and Mineral Names 1959 begann eine neue Ära das Mineralnomenklatur, die verbindlich über die Anerkennung neuer Minerale und Änderungen bestehender Namen entschied.

Der US-Mineraloge Michael Fleischer (1908 bis 1988) untersuchte Anfang der 1960er Jahre alle zwischen 1940 und 1959 neu beschriebenen Minerale. Das Ergebnis verdeutlicht, dass die Diskreditierung von Mineralen eine wichtige ´Ordnungsmaßnahme` ist. In dem besagten Zeitraum wurden 583 neue Mineralnamen veröffentlicht, von denen sich 106 als bereits bekannte Minerale erwiesen, 97 waren Varietäten bekannter Mineral und 69 wurden so unzureichend beschrieben, dass deren Eigenständigkeit nicht beurteilt werden konnte.


Quellen:

Letzte Aktualisierung: 14.07.2026



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