Schriftgranit

Schriftgranit - Der Graphische Granit
Der Name Schriftgranit stammt aus der Feder des deutschen Mineralogen Karl Cäsar von Leonhard (1779 bis 1862). Bereits zuvor war das Gestein in der geologischen Literatur allerdings unter der Bezeichnung Graphischer Granit bekannt.
Im Jahr 1813 führte der französische Chemiker, Mineraloge und Geologe Alexandre Brongniart (1770 bis 1847) in seinem Werk "Essai d’une Classification Minéralogique des Roches Mélangées" den Begriff Granite graphique ein, eingeordnet unter „1. Genre. Les Felspathiques“. Er verweist zugleich darauf, dass sein Kollege René-Just Haüy denselben Gesteinstyp unter der Bezeichnung Pegmatite beschreibt.
Brongniart definierte Schriftgranit als „composée essentiellement de felspath lamellaire et de quarz“, also „wesentlich zusammengesetzt aus lamellenförmigem Feldspat und Quarz“.
In den folgenden Jahrzehnten beschäftigten sich weitere führende Geowissenschaftler mit dem besonderen Gestein. Karl Cäsar von Leonhard beschrieb Schriftgranit 1838 als „eine Art neuerer Granite, merkwürdig durch ihre sonderbare Struktur: der sogenannte Schrift-Granit oder Hebräische Stein“, bei dem „Feldspath-Blätter von Quarz-Krystallen durchzogen [sind], die das Ziel ihrer Ausbildung nicht erreicht haben und sich deshalb nur in Gestalt dickerer oder dünnerer, mannigfaltig gebogener Streifen darstellen“.
Auch der Mineraloge Carl Hartmann (1796–1863) hob die Namensgebung hervor und betonte die „... besonders stark beim Anschleifen hervortretende Aehnlichkeit mit arabischen, hebräischen und syrischen Schriftzeichen“.
Die buchstabenartigen Strukturen im Gefüge gelten somit als Ursprung des Namens Schriftgranit. Da die "Zeichen" aber auch an die Runen der Germanen erinnern, ist für Schriftgranit auch die Bezeichnung Runit gebräuchlich.

Eigenschaften von Schriftgranit
Schriftgranit ist ein Gestein magmatischen Ursprungs.
Tatsächlich handelt es sich bei Schriftgranit nicht um einen Granit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um ein spätes Auskristallisationsprodukt granitischer oder syenitischer Restschmelzen.
Die Hauptgemengteile von Schriftgranit sind Quarz und Feldspat, insbesondere Mikroklin.
Die Farbe von Schriftgranit ist hell. In der weißen, weißgrauen bis rosafarbenen Gesteinsmatrix bestehend aus Feldspat befinden sich stäbchenartige, dunkel wirkende, gräuliche Quarzkristalle.
Dass Quarz im Schriftgranit dunkel erscheint, hat denselben Grund wie beim „echten“ Granit. Quarz ist von durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Eingebettet im Feldspat wirkt Quarz daher wie ein Fenster in einer Gesteinshöhle, die mit zunehmender Tiefe dunkler erscheint.
Charakteristisch für Schriftgranit ist das besondere Gefüge, bei dem Quarz und Feldspat regelmäßig und in fester Orientierung miteinander verwachsen sind. Dabei entstehen Strukturen, die oft an runenartige Schriftzeichen erinnern.
Die Korngröße von Schriftgranit ist mittel bis grob, die Quarzkristalle können eine Länge von einigen Zentimetern erreichen.

Entstehung und Verbreitung von Schriftgranit
Schriftgranit ist ein granitisches oder syenitisches Pegmatit.
Während der Entstehung von Granit und Syenit werden immer wieder Verbindungen in den Restschmelzen angereichert, die wegen des nicht passenden Kristalldurchmessers im Gestein als Mineral „verbaut“ werden konnten.
Stattdessen verfestigen sich Bestandteile zu einem späteren Zeitpunkt bei bereits fortgeschrittener Abkühlung der flüssigen Gesteinsschmelze. Mit der langsamen Abkühlung einhergehend bieten sich optimale Voraussetzungen für die Bildung großer und gleichmäßig ausgeprägter Kristalle – wie für Schriftgranit typisch.
Schriftgranit ist weltweit verbreitet; ist sowohl in Granitgebirgen wie dem Brocken/Harz zu finden als in Geschieben aus Skandinavien kommend. Weitere Fundorte von Schriftgranit befinden sich in Frankreich, Südafrika, Madagaskar, Österreich und Spessart sowie Bayerischer Wald/Deutschland.
Bedeutung und Verwendung von Schriftgranit
Schriftgranit wird häufig zu Handschmeichlern oder Schmuck verarbeitet.
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Quellen:
- Hartmann, C. (1838): Die Wunder der Erdrinde oder gemeinfassliche Darstellung der Mineralogie und Geologie
- Leonhard, C. C. (1838): Schriftgranit und Protogyn. IN: Geologie oder Naturgeschichte der Erde: auf allgemein faßliche Weise abgehandelt
- Brongniart, A. (1813): 3. Espèce. Pegmatite (Haüy). Granite graphique, etc.. IN: Essai d'une Classification Minéralogique des Roches Mélangées
- Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München
- Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
- Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg

