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Schlottwitzer Achat und Amethyst



Das Erzgebirge in Sachsen ist seit Jahrhunderten für den Reichtum an verschiedenen Mineralien bekannt. Allen voran zinn-, uran-, silber- und nickelhaltige Erze sorgten dafür, dass sich die Hütten und Bergwerke des Erzgebirges weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen machten. Auch heute noch ist das Erzgebirge eine beliebte Anlaufstelle, was das Finden und Sammeln von Mineralien betrifft; so zum Beispiel auch die Vorkommen der Achate und Amethyste von Schlottwitz.



Schlottwitz im Erzgebirge

Schlottwitz ist ein Teil der Stadt Glashütte und liegt etwa 20 km Luftlinie südlich von Dresden.

Während in der Vergangenheit vielerorts in Niederschlottwitz als auch in Oberschlottwitz sowie entlang des Müglitztales Achate gefunden wurden, sind die Möglichkeiten heute eingeschränkt. Die früher als „Achatberg“ bekannten Felsen Rotkopf und Kaiserberg stehen seit 1974 unter dem Namen Naturschutzgebiet „Müglitzhang bei Schlottwitz“ unter besonderem Schutz, um die Flora und Fauna zu erhalten und eine weitere Veränderung des Aussehens der Landschaft zu unterbinden.

Damit Achatsammlerinnen und -sammler dennoch auf ihre Kosten kommen, wurde eigens in Schlottwitz ein Achat-Claim eingerichtet, wo in den Monaten von März bis Oktober nach Achaten geschürft werden darf.


Schlottwitzer Trümmerachat (Quelle: Reinhard Brauns, 1912)

Die Amethyste und Achate von Schlottwitz

Die Geschichte des Schlottwitzer Achats

Die ältesten Erwähnungen der Achatvorkommen von Schlottwitz stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Mit dem Bau der Eisenbahn durch das Müglitztal sowie infolge von Überschwemmungen der Müglitz wurden immer wieder Achate freigelegt.

„In der Müglitz aber befinden sich allerley Achat- und Amethystgeschiebe (…) ohnweit Kunnersdorf bey Glashütte und zwar in dem so genannten Schlottwitzer Grunde.“
Neues Hamburgisches Magazin, 1769

Schon bald gab es deshalb Pläne, den Schlottwitzer Achat im großen Stil professionell bergmännisch abzubauen. 1795 schreibt Friedrich Ernst Franz von Liebenroth, dass er den Wunsch habe, „Steinschleifmühlen und eine Fabrik“ nach dem Vorbild Idar-Oberstein zu errichten, in den die Achate kunstvoll verarbeitet werden. Er lässt allerdings nicht unerwähnt, dass er bei der „Ausführung desselben beträchtliche Hindernisse und größere Schwierigkeiten“ sieht. Weniger aufgrund des Abbaus der Achate per se. Vielmehr legte ihm der Eigentümer des Grundstücks Steine in den Weg, der ihm zwar den Abbau gestattete, den Handel aber nicht.

Alle weiteren Pläne lösten sich daraufhin in Luft auf und der Fundort ging in die Hände der Bergakademie Freiberg über.

Erst gut 150 Jahre später wurden in den Roten Felsen zwei Stollen getrieben mit dem Ziel, das Potential von abbauwürdigem Baryt zu erkunden, die sich im Nachgang jedoch nicht als wirtschaftlich erwiesen. Stattdessen wurde 1983 in einem der Stollen eine Achatfundstelle ausgemacht; drei Jahre ging das Licht hier endgültig wieder aus.

In der kurzen und intensiven Zeit des Abbaus fand der Schlottwitzer Achat viele Bewunderer.
Historische Steinschneider bzw. Edelsteinschleifer und Juweliere fertigten aus dem Achat von Schlottwitz zahlreiche Kunstwerke, die von Sachsen aus den Weg in viele Museen in ganz Europa fanden, so zum Beispiel beherbergt der Louvre in Paris, das Grüne Gewölbe in Dresden, das Schloss Sanssouci in Potsdam oder das Naturhistorische Museum in Wien Preziositäten aus Schlottwitzer Achat.


Merkmale der Schlottwitzer Achate

Was Liebenroth 1789 noch als die „größte geognostische Merkwürdigkeit des Grundes“ beschrieb, sollte in den Folgejahren viele Sammelnde anziehen. Jene Merkwürdigkeit bezieht sich im Konkreten auf die „Fremdartigkeit“ der Achate und Amethyste inmitten von Gneis, dem vorherrschenden Gestein vor Ort, der von einem etwa 6 km langem Gang anderer mineralischer Zusammensetzung, namentlich Quarzporphyr, durchzogen wird.

Schon 1778 berichtete der Arzt und Mineraloge Urban Friedrich Benedikt Brückmann von den Schlottwitzer Achaten, die entlang der „westlichen Talseite“ bei den Felsen, die „aus lauter Achat bestehen“, gefunden werden und zählt dabei die Quarze Chalcedon, Achat, Amethyst und Jaspis auf.

Auch der Dichter und Amateur-Mineraloge Johann Wolfgang von Goethe setzte sich seinerzeit mit den Schlottwitzer Achaten auseinander. Im Jahr 1848 beschrieb er die für Schlottwitz typische Abfolge des Gangachates. Tatsächlich liegt der Achat in Schlottwitz nicht in Form von Drusen- oder Geodenfüllungen vor, sondern bildet ein 6 km langgezogenes Band aus Achat und weiteren Quarzen.
Goethe zufolge beginnt das Achatband mit „Quarzkrystallen gelblich von Farbe (…). an ihren Spitzen ins Bräunliche fallend“, dem sich eine „blaßröthliche Lage von Karneol“ anschließt, gefolgt von einander abwechselnden Schichten von „Quarzkrystallen“ und Karneol. Die Quarzkristalle definiert Goethe nicht nicht weiter, de facto enthält das Schlottwitzer Achat- und Amethystband neben Karneol weitere Quarzvarietäten wie Amethyst, Rauchquarz, Milchquarz, Chalcedon und Jaspis.

Hoffmann geht 2011 detaillierter auf die „klassische Abfolge“ des Schlottwitzer Achatgangs ein. Auf Quarz an der Basis folgt heller Amethyst, 5 mm bis 8 cm breit, dem sich farbloser bis gräulicher Quarz und ein bis zu 2 mm schmales intensiv violettfarbenes Amethystband anschließen, woraufhin manchmal eine weitere Lage von zart gefärbtem Amethyst folgt sowie weitere, sich abwechselnde Lagen aus Chalcedon und milchig weißem Quarz oder Rauchquarz, die vom oberen Amethystband und schließlich korallenrotem bis rotbraunem Achat beendet werden.

Doch nicht in allen Fällen bildet der Schlottwitzer Achat idealtypische Lagen aus. Teilweise sind die Mineralien konzentrisch angelegt oder wie beim Trümmerachat gegeneinander verschoben.


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Entstehung der Schlottwitzer Achate und Amethyste

Die Entstehung der Schlottwitzer Achate und Amethyste reicht weit in die geologische Vergangenheit der Region zurück.
Das Aussehen des Geländes rund um Schlottwitz war nicht mit der heutigen Beschaffenheit zu vergleichen. Immer wieder wurde das Gebirge in mehreren Phasen unter dem Einfluss tektonischer Aktivitäten verändert. Die als Schlottwitzer Tiefenstörung bezeichnete Störung riss vor etwa 265 Millionen Jahren dabei von Nord nach West streichend auf und wurde mit in selbige aufsteigenden hydrothermalen Lösungen, die reich an gelösten Mineralstoffen gesättigt waren, aufgefüllt. Diese kristallisierten mit der Zeit aus und bildeten zunächst Sulfatmineralien wie Baryt, später entstanden aus folgenden kieselsäurehaltigen Lösungen Quarze, wobei die Mächtigkeit der Gangfüllung zwischen 10 cm und 1 m beträgt.


Schlottwitzer Trümmerachat

Neben den bandartigen Achaten in Kombination mit Amethyst gibt es vor Ort auch Achate mit chaotischen Mustern, die wie einzelne, zusammengefügte Segmente wirken. Solche Achate werden in der Mineralogie unter dem Namen Trümmerachat geführt.

Der Mineralogie Max Bauer erklärt die Entstehung der Trümmerachate 1896: „auf der einen Seite ist die Auffüllung der Spalten durch den Gebirgsdruck vollkommen zertrümmert worden und die einzelnen scharfkantigen Fragmente, namentlich von Achate, sind durch Amethyst zu einer festen Masse wieder verkittet, die durch ihre Farbenkontraste ein sehr hübsches Aussehen zeigt“.

Noch 100 Jahre zuvor standen Mineralogen und Geologen vor dem Rätsel, wie der Trümmerachat entstanden ist. Liebenroth war der Meinung, dass „der ganze Gang ist durch eine heftige Revolution, die ihn, Gott allein weis es, zu welcher Zeit, betroffen haben muß, in die größte Unordnung versetzt worden“.

Den im 19. Jahrhundert gewachsenen Wissen um die Entstehung der Erde und den geologischen Prozessen, welche die Erde prägten und prägen, ist die Klärung der Frage der Entstehung der Trümmerachate bzw. des Achatgangs zu verdanken. Störungen, bedingt durch das Wandern von Kontinental- und Ozeanplatten bzw. die Plattentektonik, verändern bereits bestehende Gesteine und Mineralien. Im Fall des Schlottwitzer Achats wurden die schon vorhandenen Achatlagen dabei gegeneinander verschoben, zertrümmert und die mittels kieselsäurehaltigen Lösungen wieder miteinander verkittet.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Neues Hamburgisches Magazin (1769): Von Mineralien und Foßilien, die um Dresden gefunden werden.. IN: Neues Hamburgisches Magazin, oder Fortsetzung gesammleter Schriften, aus der Naturforschung, der allgemeine Stadt- und Land-Oekonomie, und den angenehmen Wissenschaften überhaupt
⇒ Brückmann, U. F. B. (1778): Vom Achat. IN: Gesammlete und eigene Beyträge zu seiner Abhandlung von Edelsteinen
⇒ Gmelin, J. F. (1780): Achat. IN: Joh. Friedr. Gmelins der Weltweisheit und Arzneykunst Doktors, und dieser ordentlichen Lehrers auf der Georgaugustus Universität, der königl. grosbritannischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, auch der Römisch-kaiserlichen Akademie und der zürichischen Gesellschaft der Naturforscher Mitglieds Einleitung in die Mineralogie zum Gebrauch akademischer Vorlesungen
⇒ Freiherr von Racknitz, J. F. (1788): Granit. Cunnersdorfer Trümmerachat. IN: Briefe über das Carlsbad und die Naturprodukte der dortigen Gegend
⇒ Liebenroth, F. E. F. (1798): Beschreibung der merkwürdigsten Steinarten der Gegenden um Dresden. Achat, Trümmer-Achat und Ametist, von Kunnersdorf. IN: Geognostische Beobachtungen und Entdeckungen in der Gegend von Dresden
⇒ Leonhardi. F. G. (1790): Schlottewitz. IN: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich-Sächsischen Lande
⇒ Neues bergmännisches Journal (1799): Achat, Trümmerachat und Amethist von Kunnersdorf.
⇒ Goethe, J. W. v. (1848): Gang-Suiten-Sammlung und Sammlung sächsischer Erze und Mineralien. IN: Goethe's Kunstsammlungen
⇒ Naumann, C. F. (1866): Erzgänge; Material, Fragmente des Nebengesteins. IN: Lehrbuch der Geognosie
⇒ Bauer, M. (1896): Spezielle Edelsteinkunde. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc · Band 1
⇒ Michaelis, P. (1912): Der Baryt-führende Achatgang von Oberschlottwitz i. Sa.. IN: Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden
⇒ Brauns, R. (1912): Das Mineralreich
⇒ Hoffmann, K. (2011): Die „klassische“ Quarz-Abfolge im Schlottwitzer Gang | Fachgruppe Mineralogie und Paläontologie Dresden
www.heimatverein-schlottwitz.de - Der Schlottwitzer Achatgang

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Letzte Aktualisierung: 9. Februar 2024




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