Wagnerit
Wagnerit – Das Mineral vom Höllengraben
Im Jahr 1821 berichtete der Mineraloge Johann Nepomuk von Fuchs (1774 bis 1856) von der Entdeckung eines neuen Minerals. Wie von Fuchs in seinen Aufzeichnungen „Ueber den Wagnerit“ schrieb, hatte er Jahre zuvor ein kleines Bruchstück eines Minerals von Franz Michael von Wagner (1768 bis 1851) erhalten, der es für etwas „Besonderes“ hielt.
Damit war von Wagner laut von Fuchs einigen „Dilettanten“ voraus, die das Mineral allein wegen der optischen Ähnlichkeit für Topas hielten.
Von Fuchs, der nicht nur Mineraloge, sondern auch Chemiker war, analysierte das Mineral auch in Hinblick auf die chemische Zusammensetzung und erkannte, dass es ein bis dato unbekanntes Mineral war, das er nach dem „Oberbergrath Wagner“ benannte.
Entdeckt wiederum wurde das Mineral nahe Imlau im Höllengraben bei Werfen im österreichischen Bundesland Salzburg.
Eigenschaften von Wagnerit
Wagnerit wird in der Mineralogie als ein Phosphatmineral definiert, das gleichzeitig auch das namensgebende Mineral der Wagnerit-Gruppe, bestehend aus Arsenowagnerit, Hydroxylwagnerit, Joosteit, Sarkinit und Stanekit, ist.
Der Naturforscher Eberhard Fugger (1842 bis 1919) setzte sich 1878 mit Wagnerit auseinander und beschrieb Wagnerit als ein Mineral von „weingelber und honiggelber bis weißer“ Farbe, wobei ihm aufgefallen war, dass die Farbe von dunkleren, weingelben Wagneriten im Zuge der Verwitterung aufgehellt wird, bis diese letztendlich von „blass fleischroth ins Rosenrothe“ wechselt.
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Chemische Zusammensetzung | Mg2(PO4)F. |
| Mineralklasse | Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| Kristallsystem |
|
| Farbe | gelbbraun, orangebraun, orangerot, weiß |
| Strichfarbe | weiß |
| Glanz | glasartig bis harzig |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Bruch | muschelig-uneben |
| Spaltbarkeit | unvollkommen |
| Mohshärte | 5 bis 5,5 |
| Dichte | 3,15 g/cm³ |
Entstehung und Verbreitung von Wagnerit
Wagnerit entsteht unter metamorphen wie auch magmatischen Verhältnissen. Bei der Umwandlung von magnesium-, phosphor- und fluorhaltigen Gesteinen, bspw. während der Regionalmetamorphose kann Wagnerit unter erhöhten Druck- und Temperaturbedingungen als akzessorisches Mineral in Gneisen und Eklogiten gebildet werden.
Daneben kommt Wagnerit in granitischen Pegmatiten vor, wo das Phosphatmineral aus phosphor- und fluorhaltigen Restschmelzen kristallisiert.
Dem Mineralogen Victor von Zepharovich (1830 bis 1890) gab es seinerzeit die „besten Krystalle“ an der Typlokaliät im Höllengraben. Die Fundort war allerdings schon im 19. Jahrhundert „völlig ausgebeutet“. Kurz nach der Entdeckung an der Typlokalität wurden zwei weitere Fundstellen in der direkten Umgebung gefunden, wobei die Wagnerite vom Färbergraben „in grossen, aber meist mehr oder weniger zerstörten Krystallen“ vorkamen.
Abhängig vom Fundort ist Wagnerit im Höllengraben mit Apatit, Fluorapatit, Kyanit, Isokit, Lazulith und Rutil vergesellschaftet, kommt aber auch zusammen mit Quarz und Breunnerit sowie Baryt vor im Muttergestein, einem „brüchigem lichtgrünen Thonschiefer“ (Zepharovich) vor.
Da im 19. Jahrhundert hauptsächlich Wagnerit-Vorkommen in Österreich bzw. hauptsächlich in Salzburg bekannt waren, nannte Fugger Wagnerit auch ein „spezifisch Salzburgisches Mineral“. Weitere Vorkommen wurden später auch in Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich, Deutschland, Niederösterreich/Österreich, Italien, Tschechien, Polen, Russland, Kirgistan, China, Kanada sowie in den USA entdeckt.
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Quellen:
- Fuchs, J. N. v. (1821): Ueber den Wagnerit. IN: Journal für Chemie und Physik, Band 33
- Zepharovich, V. v. (1873): Wagnerit. IN: Mineralogisches Lexicon für das Kaiserthum Österreich
- Fugger, E. (1878): Wagnerit. IN: Die Mineralien des Herzogthumes Salzburg
- www.mindat.org - Wagnerite

