Nickelin
| Klassifikation: | 2.CC.05 |
| Klasse: | Sulfide und Sulfosalze |
| Unterklasse: | Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche) |
| Familie: | mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw. |
Nickelin – Das verhexte Mineral
Als Nickelin das erste Mal gefunden wurde, sorgte das Mineral für Verwunderung. Wegen der kupferroten Farbe wurde Kupfer als wesentlicher Bestandteil vermutet. Beim Verhütten zeigte sich dann jedoch die Enttäuschung: keine Spur von Kupfer, weshalb es beim Fund mit wunderlichen Dingen zugegangen sein musste.
Mit dieser Tatsache steht auch der Name Nickelin eng in Verbindung, Das Wort Nickelin stammt der Deutschen Geschäftszeitung zufolge aus dem altenglischen Sprachschatz, wo oldnik mit Teufel übersetzt wird und später als Nickel eingedeutscht wurde. Laut jener Quelle verwendeten die „alten Bergleute“ diesen Begriff erstmals, „weil das Finden dieses Metalls die Bearbeitung der Mineralien theilweise sehr schwierig machte“. Schwierig im Sinne, da sich kein Kupfer aus dem augenscheinlichen Kupfermineral gewinnen ließ, man sich deshalb den Kopf über den Grund zerbrach. Die Erklärung „schrieb man (…) dem Teufel auf die Rechnung.“
Ähnliches schrieb der Philologe Karl Müllenhoff (1818 bis 1884), demnach die Bergleute einst versuchten, Kupfer zu gewinnen, aber Nickel erhielten, was dem Mineral den historischen Alternativnamen Kupfernickel einbrachte. Das Wort ist Müllenhoff zufolge aber als „Schimpfwort für ihren Bergkobold“, namentlich Nikolaus, zu verstehen.
Erstmals erwähnt wiederum wurde das Mineral 1694 Urban Hjärne (Alchemist, Geologe und Naturwissenschaftler; 1641 bis 1724), der seinerzeit als Assessor am königlichen Bergkollegium in Schweden arbeitete. In seinem Werk „En kort anledning till atskillige malm- och bergarters, mineraliers och jordeslags, sampt flossers och andra mineraliska sakars effterspörjande och angifwande“ berichtete er, dass ihm aufgetragen wurde, Erzlagerstätten zu erschließen, um den Wohlstand Schwedens zu fördern und gleichzeitig den Bedarf an Metallen für die Kriegsführung zu decken. Infolge dessen wurde die Bevölkerung Schwedens aufgefordert, rötliche und grünlich-blaue Mineralien (Anmerkung: gemeint waren die Kupfermineralien Azurit und Malachit), sogenannte Kopparmalmer, zu suchen. Was die Menschen fanden, waren Erze, die Kupfer versprachen, aber in der Schmelzhütte kein Kupfer hervorbrachten, weshalb das „Versagen“ der Steine bösen Kobolden in die Schuhe geschoben wurde.
Für die Wissenschaft war das Mineral dennoch interessant. 1751 entdeckte der Mineraloge und Chemiker Axel Cronsted (1722 bis 1765) in jenem verteufelten Mineral das bis dato unbekannte Element Nickel, oder wie der Naturforscher Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707 bis 1788) meinte: „einen neuen König“. König im Verständnis der historischen Hüttenkunde, als dass mit dem Begriff der reine Metallklumpen, der sich beim Schmelzen am Boden des Tiegels absetzt und von der unedlen Schlacke getrennt wurde, verstanden wurde.
Den Namen Nickelin erhielt das Mineral schließlich im Jahr 1830 von Francois Sulpice Beudant (Mineraloge; 1787 bis 1850), der es in Anspielung auf das Element Nickel benannte.
Eigenschaften von Nickelin
In der historischen Literatur wurde Nickelin auch unter dem Begriff Rotnickelkies gelistet, bezugnehmend auf die Farbe, den Nickelgehalt und Kies als veraltete Bezeichnung für metall glänzende Mineralien.
Beudant beschrieb die Farbe von Nickelin 1830 als „rougeàtre, se ternissant lentement à l`air“ - rötlich, an der Luft langsam anlaufend. Tatsächlich geht die ursprünglich kupferrote bis bronzefarbene Farbe von Nickelin mit der Zeit in grün über, in die „in Folge von Verwitterung gebildete Nickelblüthe“ bzw. Annabergit, wie der Mineraloge Max Bauer (1844 bis 1917) feststellte.
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Chemische Zusammensetzung | NiAs |
| Mineralklasse | Sulfide und Sulfosalze |
| Kristallsystem |
|
| Farbe | helles Kupferrot bis rot, grau bis schwarz anlaufend |
| Strichfarbe | hellbraun |
| Glanz | metallisch |
| Transparenz | undurchsichtig |
| Bruch | muschelig |
| Spaltbarkeit | undeutlich |
| Mohshärte | 5,5 |
| Dichte | 7,84 g/cm³ |
Entstehung und Verbreitung von Nickelin
Nickelin entsteht vorwiegend unter hydrothermalen Bedingungen, wobei Ort der Entstehung häufig Erzgänge sind, wo das Mineral typischerweise zusammen mit weiteren Nickel- und Kobaltmineralien auftritt.
Im Zuge der späteren Verwitterung von Nickelin kann sich Annabergit als Sekundärmineral bilden.
Zu den Begleitmineralien von Nickelin zählen unter anderem Baryt, Bismut, Calcit, Chalkopyrit, Cobaltit, Gersdorffit, Pyrrhotin, Quarz, Rammelsbergit, Skutterudit sowie gediegen Silber.
Die Vorkommen von Nickelin erstrecken sich rund um den Globus, weshalb das Mineral beispielsweise in Grönland, Norwegen, Finnland, Schweden, England, Schottland, Wales, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Spanien, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Albanien, Bulgarien, Griechenland, Ukraine, Russland, Kasachstan, in der Mongolei, in Marokko, Äthiopien, im Kongo, in Tansania, Südafrika, im Iran, in Irak, China, Japan, Australien, Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kanada und in den USA gefunden wurde.
Bedeutung und Verwendung von Nickelin
Nickelin ist wegen des hohen Nickelgehalt theoretisch als Nickelerz interessant, ist aber wirtschaftlich wenig bedeutend, da Nickel heutzutage überwiegend aus anderen Nickelerzen gewonnen wird.
Vielmehr ist Nickelin für Mineraliensammlungen spannend, da gut ausgebildete Kristalle vergleichsweise selten sind.
Nachweis von Nickelin
Franz von Kobell beobachtete, das Nickelin durch Hitze zu einer „Metallkugel“ zusammenschmilzt“, eine „apfelgrüne Flüssigkeit“ entsteht, wenn Nickelin mit Salpetersäure gekocht wird, während Nickelin und Ammoniak zur Entstehung einer „saphirblauen Flüssigkeit“ führen.
Auch interessant:
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- Quarz: Als Zwerge dem Mineral das Erz klauten
- Die Bedeutung von grandfathered in der Bezeichnung von Mineralien
Quellen:
- Hjärne, U. (1694): En kort anledning till åtskillige malm- och bergarters, mineraliers och jordeslags, sampt flossers och andra mineraliska sakars effterspörjande och angifwande
- Beudant, F. S. (1830): Nickeline. IN: Traité élémentaire de minéralogie
- Buffon, G. (1840): Nickel. IN: Büffon's sämmtliche Werke nebst den Supplementen
- Bauer, M. (1886): Kupfernickel. IN: Lehrbuch der Mineralogie
- Kobell, F. (1894): Nickelin (Rotnickelkies, Kupfernickel). IN: Franz von Kobell's Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mittelst einfacher chemischer Versuche auf trockenem und nassem Weg
- Deutsche Geschäftszeitung (1989): Woher kommt der Name Nickel?. IN: Deutsche Geschäftszeitung. Zeitschrift für geschäftliche, gewerbliche und volkswirtschaftliche Interessen und Neueste Nachrichten · Band 1
- Müllenhoff, K. (1898): Die Natur im Volksmunde
- Okrusch, M. und Matthes, S. (2013): Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
- www.mindat.org - Nickeline

