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Argyrodit und die Entdeckung von Germanium - Mineral des Monats



Argyrodit ist ein vergleichsweise seltenes Sulfidmineral, das nicht nur mineralogisch, sondern auch wissenschaftshistorisch von besonderer Bedeutung ist. Die Entdeckung von Argyrodit steht in engem Zusammenhang mit der Erstbeschreibung des chemischen Elements Germanium.



Etymologie und Entdeckung

Der Name Argyrodit wird von der griechischen Vokabel árgyros für Silber abgeleitet und spielt auf den hohen Silbergehalt des Minerals an.
Entdeckt wurde Argyrodit Ende 1885 in der Himmelsfürst Fundgrube bei Brand-Erbisdorf nahe Freiberg im Erzgebirge. Die Erstbeschreibung aus dem Jahr 1886 wiederum stammt aus der Feder des Mineralogen Albin Julius Weisbach (1833 bis 1901).

Im Zuge der chemischen Analyse des Minerals stellte der Chemiker Clemens Alexander Winkler (1838 bis 1904) fest, dass dessen Zusammensetzung nicht vollständig durch die bis dato bekannten chemischen Elemente erklärbar war. Silber machte mit einem Anteil von 73 bis 75 % den Hauptanteil der Masse aus, Schwefel etwa 17 bis 18 %. Hinzu kamen 0,21 % Quecksilber sowie geringe Spuren von Eisen und Arsen. Doch etwa 7 % der Masse entfielen auf ein bis dahin unbekanntes Element, oder mit Winklers Worten: eine „unerklärliche Materie“. „Nach mehrwöchentlichem, mühevollem Suchen“ fand Winkler schließlich ein „neues, dem Antimon sehr ähnliches, aber von diesem doch scharf unterschiedenes Element“. Was die Bestimmung erschwerte war die Ähnlichkeit mit Arsen und Antimon, wie Winkler in seinem Schreiben von 6. Februar 1886 aus dem Laboratorium der Königlichen Bergakademie Freiberg betonte. Winkler isolierte dieses Element noch im selben Jahr und taufte es Germanium – nach dem Land der Entdeckung, Deutschland.

Bereits vor der tatsächlichen Entdeckung des Germaniums hatte sich der russische Chemiker Dmitri Mendelejew (1834 bis 1907) intensiv mit einem damals noch unbekannten Element beschäftigt. Der Ausgangspunkt war seine Arbeit am Periodensystem der Elemente.
Mendelejew erkannte, dass zwischen den bekannten Elementen Silicium und Zinn eine Lücke existierte, die sich weder chemisch noch systematisch sinnvoll übergehen ließ. An dieser Stelle postulierte er die Existenz eines bislang unentdeckten Elements. Da es im Periodensystem eine Stufe unter Silicium stehen musste, gab er dem Element den provisorischen Namen Ekasilicium, abgeleitet vom Sanskrit eka („eins“), also „das dem Silicium folgende“.


germanium argyrodit
Mit dem Mineral Argyrodit wurde das Element Germanium entdeckt

Chemische und physikalische Eigenschaften von Argyrodit

Argyrodit ist ein Silber-Germanium-Sulfid mit der chemischen Zusammensetzung Ag8GeS6.
Die Farbe von Argyrodit ist typischerweise laut Weisbach stahlgrau bis schwarz. Mit der Zeit läuft das Mineral violett an und ist Weisbach zufolge Buntkupferkies ähnlich. Die Strichfarbe ist ebenso grau. Argyrodit kristallisiert dem orthorhombischen Kristallsystem folgend. Der Glanz des Minerals ist metallisch bei undurchsichtiger Transparenz. Argyrodit zählt mit einer Mohshärte von 2 bis 3 zu den weichen Mineral, vergleichbar mit Gips und Calcit. Die Dichte beträgt 6,29 g/cm³.


Entstehung und Vorkommen

Argyrodit entsteht überwiegend unter hydrothermalen Bedingungen, d.h. aus heißen, mineralreichen Lösungen, die in Klüften und Gängen auskristallisieren. Entsprechend häufig kommt Aryrodit in silberreichen Erzgängen vor, wo das Silbermineral typischerweise mit anderen Sulfiden vergesellschaftet ist. Dazu zählen insbesondere Silbererze wie Akanthit, außerdem Kupfer- und Zinksulfide sowie weitere germaniumhaltige Minerale. Begleitend treten unter anderem Arsenopyrit, Canfieldit, Galenit, Germanit, Kassiterit, Markasit, Pyrargyrit, Pyrit, Pyrolusit, Siderit und Sphalerit auf.

Zu den bedeutendsten Fundregionen von Argyrodit zählen das Erzgebirge in Deutschland; weitere Vorkommen bestehen in Bolivien, Mexiko, China, Russland, den USA und Argentinien, wobei Russland und China zu den wichtigsten Förderländern von Germanium zählen.


Germanium

Die Bedeutung von Germanium geht weit über die Rolle als Baustein von Mineralien hinaus.

Das Halbmetall, das im Periodensystem der Elemente unter der Ordnungszahl 32 zu finden ist, besitzt halbleitende Eigenschaften, weshalb Germanium technologisch interessant und unverzichtbar ist. Germanium findet sich deshalb in der Halbleitertechnik, Infrarot-Optik (Linsen, Nachtsichtgeräte und Wärmebildtechnik), Glas- und Faseroptik (Dotierung von Glas zur Brechungsindex-Steuerung) und in der Katalyse sowie in Legierungen wieder.


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Quellen:


Letzte Aktualisierung: 04.02.2026



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