Lab Grown Diamanten, auch als synthetische oder laborgezüchtete Diamanten bezeichnet, haben sich in den letzten Jahren einen Namen als Alternative zu natürlichen Diamanten gemacht. Chemisch und physikalisch sind Lab Grown Diamanten mit natürlichen Diamanten identisch, der größte Unterschied aber liegt in der Entstehung. Daraus ergeben sich nicht nur wissenschaftliche Abgrenzungsfragen, auch der Wert ist ein anderer.
Lab Grown Diamanten bestehen genau wie natürliche Diamanten aus reinem Kohlenstoff. In puncto Härte, Dichte, Farbe, Strichfarbe, Bruch, Spaltbarkeit und Brechungsindex entsprechen die Eigenschaften der künstlichen Diamanten denen natürlicher Diamanten.
Näheres dazu: Lab Grown Diamanten - Synthetische Diamanten
Der wesentliche Unterschied zwischen natürlichen und im Labor erzeugten Diamanten liegt ausschließlich in der Entstehungsgeschichte.
Natürliche Diamanten entstehen über sehr lange geologische Zeiträume hinweg tief im Erdmantel unter extremen Druck- und Temperaturbedingungen.
Lab Grown Diamanten hingegen sind das Ergebnis eines gezielt gesteuerten, technisch kontrollierten chemisch-physikalischen Herstellungsprozesses. Dabei kommen hauptsächlich zwei Verfahren zum Einsatz:
HPHT (High Pressure High Temperature): Kohlenstoff kristallisiert unter hohem Druck und hoher Temperatur auf einem Diamantkeim. Das Verfahren stellt die natürlichen Entstehungsbedingungen nach.
CVD (Chemical Vapor Deposition): In einer Vakuumkammer wächst der Diamant schichtweise aus einem kohlenstoffhaltigen Gas auf einem Keimkristall. Dieses Verfahren ist besonders gut steuerbar und industriell skalierbar.
Die Wachstumsdauer beträgt in beiden Fällen meist nur wenige Wochen bis Monate.
In der klassischen Mineralogie gilt ein Mineral als natürlich entstandener, kristalliner Feststoff mit definierter chemischer Zusammensetzung. Da Lab Grown Diamanten nicht natürlichen Ursprungs sind, erfüllen künstliche Diamanten diese Definition nicht. Aus streng mineralogischer Sicht handelt es sich daher nicht um Minerale, sondern um künstlich erzeugte Kristalle.
In der Gemmologie und im Schmuckhandel werden Diamanten hingegen primär über die chemischen und physikalischen Eigenschaften definiert. Aus dieser Perspektive werden Lab Grown Diamanten als Diamanten klassifiziert, wobei die künstliche Herkunft eindeutig ausgewiesen wird. Diese unterschiedliche Betrachtungsweise erklärt, warum Lab Grown Diamanten je nach Fachdisziplin unterschiedlich eingeordnet werden.
Mit dem bloßen Auge oder einfachen Prüfgeräten lassen sich natürliche und im Labor erzeugte Diamanten nicht sicher unterscheiden. Die Unterscheidung erfolgt anhand mikroskopischer Wachstumsmerkmale und struktureller Besonderheiten. Allen voran die charakteristischen Wachstumszonen, spezifische Einschlüsse und Unterschiede in der Verteilung von Spurenelementen werden dabei genauer unter die Lupe genommen. Moderne gemmologische Labore können diese Merkmale mithilfe spezieller Analyseverfahren eindeutig bestimmen.
Ein wichtiger Schritt in der Einordnung von Lab Grown Diamanten wurde vom Gemological Institute of America (GIA) vorgenommen. Das GIA hat Mitte 2025 entschieden, für Lab Grown Diamanten künftig nicht mehr die klassischen 4-C-Bewertungen (Carat/Karat, Cut/Schliff, Color/Farbe, Clarity/Reinheit) anzuwenden, die einst für natürliche Diamanten entwickelt wurden.
Stattdessen erfolgt eine vereinfachte qualitative Einordnung in zwei Kategorien. Lab Grown Diamanten der Kategorie Premium zeichnen sich durch eine sehr hohe Qualität hinsichtlich der Farbe, Reinheit und Verarbeitung aus. Dem gegenüber stehen Standard Lab Grown Diamanten mit einer soliden Qualität, die über geringfügige Fehler in der Farbe und Reinheit definiert wird.
Diese Terminologie trägt der Tatsache Rechnung, dass ein Großteil der Lab-Produktion in einem engen Qualitätsbereich liegt, da die Eigenschaften Farbe und Reinheit durch das Herstellungsverfahren ohnehin standardisiert und nahezu perfekt sind und eine fein abgestufte Bewertung wenig zusätzliche Aussagekraft besitzt.
Lab Grown Diamanten, die diese Mindestanforderungen nicht erfüllen, werden lediglich als laborgezüchtete Diamanten identifiziert, ohne weitere Qualitätsklassifikation.
Bereits seit den 1950er Jahren werden Diamanten synthetisch hergestellt. Zunächst beschränkte sich die Anwendung auf technisch-industrielle Zwecke, bspw. zur Nutzung in Lasern.
In der Schmuckbranche werden synthetische Diamanten in großem Umfang seit den 2010er Jahren verarbeitet, wobei die Hot Spots der Produktion in Asien, insbesondere in Indien und China liegen.
Durch die industrielle Skalierbarkeit der Herstellung ist das Angebot an synthetischen Diamanten seitdem deutlich umfangreicher geworden. In der Folge sind die Preise für Lab Grown Diamanten in den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Die Preisbildung orientiert sich dabei hauptsächlich an den Produktionskosten und dem Wettbewerb. Die geologische Verfügbarkeit oder anderweitig herausstechende Qualitäten besonderer geographischer Vorkommen fallen dabei nicht ins Gewicht.
Der Wert von Lab Grown Diamanten ist vom Schmuck- und Gebrauchswert zu trennen. Auch wenn die Diamanten aus dem Labor natürlichen Diamanten optisch in nichts nachstehen, zeigen sich in Bezug auf die Wertstabilität und Wiederverkaufsfähigkeit jedoch deutliche Unterschiede.
Lab Grown Diamanten sind deutlich günstiger als natürliche Diamanten vergleichbarer Größe und Qualität. Je nach Karatgewicht, Farbe, Reinheit und Schliff werden synthetische Diamanten heute meist 30 % bis 80 % unter dem Preis natürlicher Diamanten angeboten. In vielen Fällen kosten Lab Grown Diamanten ein Drittel bis die Hälfte eines vergleichbaren natürlichen Steins. So wird ein 1-karätiger Lab Grown Diamant mit einem Weiß der Stufe G-F, augenreiner VS-Reinheit und einem guten Schliff für etwa 1.000 bis 2.700 Euro angeboten. Ein natürlicher Diamant der gleichen Qualität kostet 4.000 bis über 6.000 Euro.
Tatsächlich ist die Preisspanne von Lab Grown Diamanten insgesamt enger, nicht zuletzt weil viele Steine vergleichbarer oder ähnlicher Qualität produziert werden und das Angebot groß ist.
Eine Tatsache, die sich auch auf den Wiederverkauf auswirkt. Während natürliche Diamanten mehr oder weniger leicht wieder verkauft werden können, ist der Zweitmarkt von Lab Grown Diamanten meist nur zu deutlich reduzierten Preisen möglich. Tatsächlich setzen die jederzeit mögliche technische Reproduzierbarkeit und das hohe Angebot dem Wert von Lab Grown Diamanten Grenzen, sodass synthetische Diamanten preislich mit natürlichen Diamanten trotz identischer Merkmale (Schliff, Farbe, Reinheit und Gewicht) nicht miteinander konkurrieren.
Lab Grown Diamanten haben sich in den vergangenen Jahren vielmehr als ästhetischer Schmuckstein herauskristallisiert. Als wertstabiler Anlageedelstein sind die künstlichen Diamanten tatsächlich nicht zu betrachten, da sich die Preise am aktuellen Neupreis orientieren, nicht am ursprünglichen Kaufpreis.
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Quellen:
Letzte Aktualisierung: 11.02.2026