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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 24.08.2020


Tektit

Tektit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: tectite | französisch: tectite


Tektit Foto
Tektit

Tektit, Glas und Meteoriten

Der Name Tektit wurde von dem österreichischen Geologen Franz Eduard Suess (1867 bis 1941) geprägt. In seinem Aufsatz "Die Herkunft der Moldavite und verwandten Gläser" beschreibt er den Hintergrund der Namensfindung: "Als gemeinschaftlichen Namen für die ganze Gruppe habe ich nach der Eigenschaft der Körper, welche im Gegensatze zu den übrigen Meteoriten gänzlich durchgeschmolzene Massen sind, die Bezeichnung "Tektite" gewählt. (τnχειν, schmelzen von Metallen und anderen harten Massen; τnχτος, geschmolzen)."


Eigenschaften von Tektit

Tektit ist ein Glas terrestrischer Herkunft, das unter dem Einfluss von Meteoriten entstanden ist.

Die Farbe von Tektiten variiert zwischen gelbbraun, grün, grünschwarz und schwarz und ist abhängig von der jeweiligen Zusammensetzung der Tektite.

Die Zusammensetzung von Tektiten ist sauer: enthalten sind neben Siliciumdioxid auch Kalium, Calcium, Aluminium- und Eisenoxide. Der Wasseranteil in Tektiten ist mit unter 0,02 Prozent sehr gering.
Ein auffälliges Merkmal von Tektiten ist die Oberfläche, die glatt, zerklüftet und narbig oder von vielen Hohlräume durchsetzt sein kann. Die Transparenz von Tektiten ist durchscheinend bis undurchsichtig. Die Gestalt von Tektiten ist vielfältig, möglich sind langgezogen, tropfenartig, knopf-, scheiben- oder eierförmig. Wie alle Gläser sind Tektite amorph und weisen keinerlei Kristallisation auf. Die Mohshärte von Tektiten beträgt 5,5 bei einer Dichte von 2,32 bis 2,38 g/cm3.


Tektite - Mineral und KristalleTektit

Tektit und Meteorit unterscheiden

Tektite werden nach wie vor im Handel bisweilen als Meteoriten verkauft. Einzig die Tatsache, dass Tektite infolge eines Meteoritenaufpralls entstanden sind, verbindet beide Gesteine.

Das Institut für Planetenforschung hat eine Liste von Merkmalen veröffentlicht, mit der man Tektit erkennen kann bzw. ausschließen kann, ob es sich bei einem unbekannten Fund um einen Meteoriten handelt.
Als wesentliche Merkmale werden neben dem Magnetismus auch der metallische Glanz sowie metallische Einschlüsse aufgeführt, eine Kruste, die den Stein umgibt sowie die Dichte (Stein fühlt sich schwer an) und ist von kompaktem Gefüge.


Entstehung und Verbreitung von Tektiten

Viele Jahre lang wurde davon ausgegangen, dass es sich bei Tektiten um Meteoriten handelt.

Tatsächlich sind Tektite Produkte einer Reaktion von Gesteinen der Erdoberfläche, die durch auftreffende extraterrestrische Materie verändert wurden.

Prallen große Meteoriten mit enormer Geschwindigkeit auf die Erde und Gesteine, wird das umliegende Gesteinsmaterial aufgeschmolzen. Der Gund dafür sind die hohen Temperatur- und Druckverhältnisse beim Auftreffen von Meteoriten. Bedingt durch den Aufprall kommt es gleichzeitig zu einem Splash-Effekt, bei dem das flüssige Gesteinsmaterial in die Höhe befördert wird, dort schnell abkühlt, verfestigt und im Umfang von mehreren Hunderten von Kilometern als Glas wieder niederfällt.

In der erdgeschichtlichen Vergangenheit kam es immer wieder zu verheerenden Meteoriteneinschlägen, sodass die damit einhergehenden Tektite vielerorts vorkommen, bspw. in Deutschland, Tschechien, Russland, Libyen, Südostasien, Australien sowie in den USA.

Das Alter von Tektiten ist unterschiedlich. So werden beispielsweise Tektite vom Nördlinger Ries/Deutschland auf ein Alter von 14,6 Mio. Jahren datiert. während Tektite aus Sibirien "erst" 200.000 Jahre und australische Tektite 700.000 Jahre alt sind.


Tektite nach der Herkunft

In Anlehnung an den jeweiligen Fundort werden Tektite mit dem entsprechenden Namen versehen:

  • Australite: Australien
  • Bediasite: USA
  • Billitonite: Indonesien
  • Chinite: China
  • Georgiaite: USA
  • Indochinite: Südostasien
  • Ivorite: Elfenbeinküste
  • Moldavit: Tschechien

Verwendung und Bedeutung von Tektiten

Neben der Bedeutung für die Wissenschaft sind Tektite als Stein für Schmuck sowie als Heilsteine von Interesse, wobei die Heilwirkung von Tektiten in klinischen Untersuchungen nicht bestätigt werden konnte.


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Quellen:
⇒ Suess, F. E. (1900): "Die Herkunft der Moldavite und verwandten Gläser". IN: Jahrbuch der Kaiserlich-Königlichen Geologischen Reichsanstalt, 50
www.dlr.de - Institut für Planetenforschung: Woran erkenne ich einen Meteoriten?
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
⇒ Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg

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