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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 20.08.2021


Speckstein

Speckstein - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

französisch: pierre ollaire, stéatite | englisch: soapstone, steatite


Speckstein und Seifenstein

Eine der ältesten Beschreibungen von Speckstein geht auf Caspar Neumann (1783 bis 1837; Chemiker und Apotheker) und Johann Christian Zimmermann (1786 bis 1853; Bergrat) zurück. In ihrer Veröffentlichung „Praelectiones chemicae sue chemia medico pharmaceutica“ aus dem Jahr 1740 beschreiben die beiden unter der Überschrift „De Lapida Nephritico – Lenden- oder Nieren-Stein“ verschiedene Steine, die einander ähnlich sind, und über Speckstein meinen sie konkret: „ist semidiaphan“ (Anmerkung: halbdurchsichtig), „mit rothen, gelben, und weissen Streiffen gezieret“.

Woher der Name Speckstein kommt, wird bei genauerer Betrachtung deutlich. Der Glanz von Speckstein erinnert an Speck; gleichzeitig fühlt sich das Gestein auch fettig oder seifig an (daher auch das Synonym Seifenstein), oder wie der Mineraloge Carl Cäsar von Leonhard (1779 bis 1862) 1840 beobachtete, beziehtht sich das Name Speckstein auf „das sehr fettige Anfühlen mit dem bekannten Thierfett, besonders von der großen Weichheit“.

Da das Gestein genauso in Bergwerken gefunden wurde, steht Speckstein in historischen Mineralienbüchern ebenfalls unter dem Eintrag „Bergseife“. Weitere Synonyme sind Spanische Kreide oder Venetianische Kreide (Näheres siehe unter Verwendung von Speckstein).


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Eigenschaften von Speckstein

Der Begriff Speckstein wird im Alltag für zweierlei Materialien gebracht. Das Mineral Talk und ein Gestein, dessen Zusammensetzung im Wesentlichen auf Talk beruht (daher auch Talcusstein).
Exkurs: Während die Bezeichnung Mineral eine stofflich einheitliche, feste Masse definiert, bestehen Gesteine aus einer Vielzahl von Mineralien, d.h., Mineralien sind die Bausteine von Gesteinen.

Das in Speckstein vorherrschende Mineral ist Talk, gefolgt von Magnesit mit einem Anteil von bis zu 40 Prozent.
Ergänzt werden die sog. Hauptgemengteile von den Nebengemengteilen, deren Anteil an der Gesamtzusammensetzung von Speckstein bis zu fünf Prozent beträgt; namentlich Amphibole, Serpentin, Glimmer oder Chlorit.

Reiner Speckstein ist weiß. Die genannten mineralischen Verunreinigungen bzw. Gehalte lassen das Weiß in zahlreichen Farbvarianten vorkommen, von denen das grünstichige Weiß dominiert, wie Friedrich Mohs (1773 bis 1839) 1804 meint.
Fast schon poetisch beschreibt der Mineraloge die verschiedenen Grünnuancen von Speckstein mit Bezeichnungen wie „berggrün“, „lauchgrün“, „apfelgrün“, „zeisiggrün“, olivengrün“ oder „spangrün“, wobei der Mineraloge Carl Cäsar von Leonhard (1779 bis 1862) grünen Speckstein Pimelith nennt und Nickeloxid als farbgebende Verbindung analysierte.
Der helle Farbton von Speckstein fiel Mohs ebenso auf: „Die Farben des Specksteines sind fast sämmtlich lichte und seltene Abänderungen erscheinen etwas verdunkelt. Weiß, aber stets ins gründliche, gelbliche oder röthliche fallend“.

Speckstein zeichnet sich durch einen fettigen Glanz aus. Friedrich Hausmann (1782 bis 1859) 1828 begründet die fettig-seifige Haptik von Speckstein mit der Größe der Gemengteile von Speckstein, insofern das sehr fettige Gefühl „besonders bei sehr weichen, milden oder geschmeidigen Mineralkörpern“ vorkommt.

Die Bruchkanten sind sehr stumpf, während die Bruchstellen „wellenförmig“, „schiefrig“ oder „schuppig“ sind, wie Joseph Redemt Zappe 1817 dokumentierte und deshalb auch den Begriff „Schiefriger Speckstein“ gebrauchte.

Speckstein ist ein sehr weiches Gestein. Auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien und Gesteinen nach Friedrich Mohs steht Speckstein auf Platz 1. Mit dem Erhitzen auf eine Temperatur von 1.200 °C kommt es infolge der strukturellen Umwandlung der Gemengteile zu einer Veränderung der Härte. Speckstein gewinnt an Härte und die Mohshärte beträgt 5,5 bis 6,5.
Die Dichte von Speckstein wird mit 2.7 g/cm³ angegeben.


Steatit und Speckstein

Speckstein wird mitunter alternativ Steatit genannt. Auch wenn die Bezeichnung schon sehr alt ist, findet der Begriff Steatit heute vor allem im Zusammenhang mit technischer Keramik Anwendung. Steatit besteht neben Speckstein aus Ton und Feldspat und hat sich als feuerfeste, UV-Licht- und verwitterungsbeständige Keramik etabliert, die vor allem in Isolationsmaterialien und in der Elektrontechnik eingesetzt wird.


Entstehung und Verbreitung von Speckstein

Die Entstehung von Speckstein ließ führende Mineralogen und Geologen in der Vergangenheit ins Grübeln geraten. Leonhard spricht von „sehr rätselhafter Ursprung“ und einer „tief eingreifende(n) Metamorphose“.

Der Geologe Gustav Bischof (1792 bis 1870) schriebt 1847 über Speckstein von einer „am weitesten fortgeschrittenen Zersetzung, wobei alle Basen verschwinden“. Ernst Friedrich Nauck (1819  bis 1875; Chemiker und Physiker) gibt in seinen Ausführungen zum „Speckstein von Göpfersgrün“ 1849 eine Dauer der Entstehung von Speckstein von 2 Millionen Jahren an.

Tatsächlich ist die Ausgabe von Leonhard nachvollziehbar, insofern Speckstein in mannigfaltiger Form zu finden ist. In der Mineralogie ist hierbei die Rede von Pseudomorphose: ein Mineral adaptiert die Kristallform eines anderen.

Speckstein fällt in die Kategorie der metamorphen Gesteine, der im Speziellen das Ergebnis der Metasomatose ist, d.h., in tektonisch aktiven Regionen der Erde oder Bereichen verändern aus dem Erdinneren aufsteigende Fluide/hydrothermale Vorgänge die chemische Zusammensetzung der bereits existenten Mineralien und Gesteine.

Im Zuge der Pseudometamorphose ersetzt ein zu einem späteren Zeitpunkt entstandenes Mineral den Kristallkörper des Primärminerals. Insbesondere Kohlensäure ist als Aktivator der Metasomatose zu nennen, der im Gegenzug alkalische Bestandteile der Primärminerale Topas, Granat, Quarz, Staurolith, Feldspat, Baryt, Brucit, Dolomit, Skapolith und Spinell „auswäscht“, sodass ein Mineral entsteht, das neue sowie einige alte Bestandteile des Primärminerals aufweist.

Die bekanntesten Speckstein-Vorkommen konzentrieren sich auf Fundorte in Norwegen, Finnland, Russland, Ukraine, Frankreich, Erzgebirge und Wunsiedel/Bayern/Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Südafrika, Ägypten, China, Brasilien und Kanada.


Bedeutung und Verwendung von Speckstein

Speckstein hat sich vor allem einen Namen als Werkstein in der Bildhauerei gemacht. Aufgrund der geringen Härte ist Speckstein leicht zu bearbeiten, lässt sich schnitzen oder mit Gravuren versehen.

Leonhard führt 1833 die ganze Bandbreite der Nutzung von Speckstein auf, sodass Speckstein nicht nur als Spielzeug verwendet wurde, sondern auch als Rohstoff für Pfeifenköpfe, als Politur für andere Natursteine und Leder und sogar zu Schmuck verarbeitet wurde. Gebrannter Speckstein weist ihm zufolge eine ähnliche Optik wie Onyx und Achat auf, weshalb aus Speckstein Gemmen und Kameen angefertigt wurden.

Zudem kam pulverisierter Speckstein früher zum Einsatz, um dünne oder löchrige Stellen in Papier aufzufüllen. Zu Zeiten, als noch vorzugsweise mit Tinte geschrieben wurde und Tintenlöscher unbekannt waren, wurden Fehler radiert, allerdings nicht ohne, dass das Papier in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine Korrektur mit Specksteinpulver machte das Papier wieder beschreibbar. Bedingt durch die kreidegleiche Konsistenz wurde pulverisierter Speckstein damals unter dem Namen Venetianische oder Spanische Kreide verkauft.

Heutzutage ist Speckstein nach wie vor von hoher Bedeutung für Industrie und Wirtschaft. In der gebrannten Version ist Speckstein ein hartes Gestein, das außerdem feuerfest ist und deshalb zur Verkleidung von Öfen (Specksteinofen), für Gefäße, Kochgeschirr, als Zuschlagstoff für die Herstellung von Keramik und Porzellan sowie Farben und Papier oder in der Kosmetik verwendet wird, aber auch als Skulpturenmaterial.

In den vergangenen Jahren kam immer wieder Kritik zu Speckstein als Bildhauerstein auf. Kompakter, filziger Speckstein, bei dem Serpentine und Amphibole als Gemengteil identifiziert wurden, enthält Asbest – feinfaserige Minerale, die unter dem Rasterelektronenmikroskop zu sehen sind und die als potentiell krebserregend eingestuft wurden. Die Anbieter von Specksteinen argumentieren, dass im Handel nur noch asbestfreier Speckstein im Umlauf ist, wie bspw. karbonatischer Speckstein, der aus Dolomit hervorgegangen ist und als asbestfrei gilt. Als Sicherheitsmaßnahme wurde Speckstein als Material für den Kunstunterricht in Deutschland verboten.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Neumann, C. und J. C. Zimmermann (1740): Praelectiones chemicae sue chemia medico-pharmaceutica
⇒ Mohs, F. (1804): Bergseife und Speckstein. IN: Des Herrn Jac.-Friedr. von der Null Mineralien-Kabinet, nach einem Systeme geordnet beschrieben, und als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht. Band 1
⇒ Hausmann, F. (1805): Versuch eines Entwurfs zu einer Einleitung in die Oryktognosie
⇒ Zappe, J. R. (1817): Speckstein. IN: Mineralogisches Hand-Lexicon oder: Alphabetische Aufstellung und Beschreibung aller bisher bekannten Fossilien, nach ihrer alten und neuen Nomenklatur und Charakteristik, nach ihrem geognostischen Vorkommen und technische-ökonomischen Gebrauche sammt nöthigen und nützlichen Kunstwörtern · Bände 1 – 3
⇒ Leonhard, C. C. (1833): Speckstein. IN: Grundzüge der Oryktognosie
⇒ Leonhard, C. C. (1840): Speckstein. IN: Geologie oder Naturgeschichte der Erde auf allgemein faßliche Weise abgehandelt
⇒ Blum, J. R. (1843): Die Pseudomorphosen des Mineralreichs
⇒ Leonhard, C. C. (1849): Taschenbuch für die gesammte Mineralogie, mit Hinsicht auf die neuesten Entdeckungen
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München
⇒ Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg

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