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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 18.08.2020


Pallasit

Pallasit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: pallasite | französisch: pallasite


Peter Simon Pallas und eine unbekannte Eisenmasse

In den Aufzeichnungen zu seiner „Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reichs“ beschreibt der deutsche Geograph Peter Simon Pallas (1741 bis 1811) 1778 ausführlich eine „1600 Pfund schwere Masse von drusigt gewachsenem gediegnen Eisen“, zu deren weiteren Merkmalen „ein geschmeidiges weißbrüchiges, wie ein grober Seeschwam löcherigt ausgewebtes Eisen, dessen Zwischenräume mit runden und länglichen Tropfen eines sehr spröden aber harten Bernsteingelben vollkommen hellen und reinen Glases oder Hyacinthflusses genau ausgefüllt sind. Diese Tropfen haben verschiedne länglich runde Gestalten und eine sehr glatte Oberfläche...“, die aber auch „eine reine gelbe, bald eine gelbbraune oder auf grünlich spielende Farbe“ aufweisen können.

Ein derartiges Material war zum damaligen Zeitpunkt noch unbekannt. Dass es sich bei dem 1749 in Ubeisk in der weiteren Entfernung der Stadt Krasnojarsk/Russland entdeckten Fund um den Krasnojarsk-Meteoriten handelt, war keinem bewusst. Vielmehr spekulierte Pallas, ob die Eisenmasse mit den hellen Einsprengseln Schlacke wäre, da in der Gegend um den Fundort sowohl die Gewinnung als auch Verhüttung von Eisen betrieben wurde.

Um Jahre später die Arbeit von Pallas zu würdigen, erhielt das Material den Namen Pallasit, oder wie der deutsche Chemiker Carl Friedrich Rammelsberg (1813 bis 1899) schreibt: „G. Rose hat das Gemenge von Meteoriten und Olivin Pallasit genannt“.


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Eigenschaften von Pallasit

Pallasit ist ein Vertreter der Gruppe der Stein-Eisen-Meteorite (Siderolithe), die mit einem Anteil von etwa fünf Prozent unter allen Meteoriten vergleichsweise selten sind.

Die Zusammensetzung von Stein-Eisen-Meteoriten ist sowohl von Silikatmineralien wie auch Eisen und Nickel geprägt.
Im Fall von Pallasit werden die Silikatmineralien mit einem Anteil von ca. 65 Prozent von Olivin (Olivingruppe, u.a. mit den Vertretern Forsterit, Fayalit und Peridot) repräsentiert, aber auch die Pyroxen-Varietät Bronzit wurde als Silikatmineral in Pallasit nachgewiesen.
Aufgrund dessen unterschied Gustav Rose (deutscher Mineraloge, 1789 bis 1873) bereits 1874 zwischen Olivin-Pallasit und Bronzit-Pallasit.

Zu den weiteren mineralischen Bestandteilen von Pallasit zählen Chromit, Phosphatmineralien, Schreibersit sowie Troilit.

Wie schon von Pallas erwähnt, können die olivinhaltigen Bestandteile von Pallasit eindeutig durch die gelbe, gelbbraune bis grünliche Farbe sowie durchsichtige Transparenz im Meteoriten bestimmt werden. Die Form der Olivin-Kristalle ist sehr variabel und reicht von rundlicher Gestalt bis hin zu eckigen geometrischen Formen. Die Größe der Olivin-Kristalle reicht von wenigen Millimetern bis hin zu zwei Zentimeter großen Kristallen, wie bspw. beim Jepara-Pallasit aus Indonesien.

Die Meteoritenmatrix ist von weiß-grauer bis grauer oder bräunlicher Farbe. Herrmann Joseph Klein (1844 bis 1914, deutscher Astronom) definiert das Aussehen von Pallasit 1871 wie folgt: „Pallasit, d.h. Meteoreisen, worin Olivinkrystalle porphyrartig eingewachsen sind“ - d.h., der Definition des porphyrischen Gefüges entsprechend: in einer feinkörnigen (Gesteins-)Matrix befinden sich größere Einzelkristalle.

Genauso abwechslungsreich wie die Erscheinung von Pallasiten ist, ist die Größe der Pallasit-Meteoriten – möglich sind Größen im Bereich von wenigen Millimetern bis hin zu tonnenschweren Exemplaren.


Einteilung von Pallasit

Die Unterscheidung von Pallasit folgt im Groben immer noch der Einteilung von Rose, wurde aber um eine besondere Gruppe ergänzt, deren Chemismus von Roses Olivin- und Bronzit-Pallasit abweicht.

  • Pallasit-Hauptgruppe: Die Mehrheit aller Pallasite; zeichnen sich durch ein definiertes Verhältnis von Olivin zu Eisen-Nickel (1:2) aus
  • Eagle-Station-Gruppe: Pallasite dieser Gruppe sind die seltensten unter allen Pallasiten. Bislang sind lediglich fünf Exemplare bekannt. Im Vergleich zu anderen Pallasiten ist der Olivin der Eagle-Station-Pallasite eisen- und calciumreicher
  • Pyroxen-Pallasit: Sind die von Rose als Bronzit-Pallasit klassifizierten Pallasite und können – bedingt durch den höheren Metall-Anteil – Widmanstättsche Figuren aufweisen, die als scharf abgegrenzte, verschieden große Areale zu erkennen sind und eine Folge der äußerst langsamen Abkühlung (~ 100°C/100 Mio. Jahre) der Meteoritenmasse sind.

Verbreitung und Entstehung von Pallasit

Pallasite sind das Ergebnis des Zusammenpralls von Asteroiden (= Kleinplaneten) mit anderen Himmelskörpern. Als Ort der Entstehung konnte der Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter ausgemacht werden.
Infolge der Kollision kommt es zu enorm hohen Temperaturen, unter denen die späteren Pallasit-Bestandteile miteinander verschmolzen werden.

Die Vorkommen von Pallasit auf der Erde sind zufällig. Jederzeit können neue Pallasite in die Atmosphäre der Erde als Meteorit passieren. Der älteste Pallasit-Meteorit landete vor etwa 20.000 Jahre auf der Erde und wurde unter dem Namen Brenham-Meteorit bekannt.


Tabelle: Bedeutende Pallasit-Meteorit-Funde
NameFundortJahrGewicht
Brahin-Meteorit Brahin, Homelskaja Woblasz/Russland 1807 850 kg
Brenham-Meteorit Haviland, Kanas/USA 1882 4,3 t
Eagle Station-Meteorit Eagle Station, Kentucky/USA 1880 36 kg
Esquel-Meteorit Esquel/Argentinien 1951 755 kg
Fukang-Meteorit Fukang/China 2000 1003 kg
Huckitta-Meteorit Huckitta, Burt Plain/Australien 1924 2300 kg
Imilac-Meteorit Atacama-Wüste/Chile 1822 920 kg
Jepara-MeteoritJepara/Indonesien2008499,50 kg
Krasnojarsk-Meteorit Ubeisk/Russland 1749 700 kg
Pallasovka-Meteorit Pallasovka/Russland 1990 198 kg
Seymchan-Meteorit Seimtschan/Russland 1967 272,3 kg


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Quellen:
⇒ Pallas, P. S. (1778): Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reichs in einem ausführlichen Auszuge. Dritter Theil in den Jahren 1772 bis 1773
⇒ Klein, H. J. (1871): Die Meteorite. IN: Handbuch der allgemeinen Himmelsbeschreibung vom Standpunkte der kosmischen Weltanschauung. Das Sonnensystem, nach dem gegenwärtigen Zustande der Wissenschaft. 2. Auflage
⇒ Rose, G. und Sadebeck, A. (1874): Meteoriten-Sammlung. IN: Das mineralogische Museum der Universität Berlin. Systematisches Verzeichniss und Beschreibung seiner Schausammlungen.
⇒ Rammelsberg, C. F. (1870): Meteoreisen und Silikate. IN: Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin
⇒ Stevens, M. R., Bell, D. R. und Buseck, P. R. (2009): Tubular symplectic inclusions in olivine from the Fukang pallasite. IN: Meteoritics & Planetary Science 45, Nr 5, 899–910 (2010)
⇒ Buseck, P. R. (1977): Pallasite meteorites—mineralogy, petrology and geochemistry. IN: Geochimica et Cosmochimica Acta Volume 41, Issue 6, June 1977, Pages 711-721, 723-740 * = Affiliate Link, d.h. beispielhafte Links, die zum Partnerprogramm von Amazon führen und bei erfolgreichem Verkauf mit einer Provision vergütet werden, ohne dass für Sie Mehrkosten entstehen.

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