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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 18.05.2021


Moldavit

Moldavit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: moldavite | französisch: moldavite


Moldavit Foto
Moldavit

Moldavit - Ein Gestein aus Moldautein

Die Beschreibung der ersten Moldavit-Funde stammt aus dem Jahr 1878. Joseph Mayer widmet sich in seinem Aufsatz „Ueber die Böhmischen Gallmeyarten, die grüne Erde der Mineralogen, die Chrysolithen von Thein, und die Steinart von Kuchel“ ausführlich, den „grünen Glasmassen“ von Moldauthein bzw. Thein an der Moldau. Ihm zufolge „... findet man besonders schöne Stücke einer grünen glasischten Masse, die in der Härte unserm Granate gleich kommt, sehr rein und durchsichtig ist, und besonders eine sehr schöne dunkelgrüne Farbe hat, und als Chrysolithen verkauft werden“.

Bis die grünen Glasmassen als eigenständiges Gestein und nicht als Chrysolith oder grüner Obsidian (Zippe, 1831) identifiziert wurden, vergingen einige Jahre.

1841 findet der Name Moldavit bei Franz Xaver Zippe (böhmisch-österreichischer Naturwissenschaftler, 1791 bis 1863) in „Über die unter dem Namen Boutelleienstein, Moldawit, auch Wasser-Chrysolith, bekannte Varietät des Obsidians“ erstmals Erwähnung, insofern Zippe die grünen Steine nach der ersten bekannten Moldavit-Fundstelle, „der Gegend von Moldautein od Budweis“ (Anm. Moldautein ist heute als Tyn nad Vlatvou bekannt) in Tschechien Moldavit nannte.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren sich die Mineralogen und Geologen uneins, wie Moldavit entstanden ist.
1888 schilderte der böhmisch-österreichische Archäologe, Geologe und Paläontologe Johann Nepomuk Woldrich (1834 bis 1906) unter anderem die Annahme des Geologen Alexander Makowsky (1833–1908), demnach „... alle Moldavite, künstlicher Glasschlacken wären, die aus Glashütten als unbrauchbar weggeworfen wurde“ und sich so in den Streufeldern um Radomilic verteilten.
Angesichts der vielen Glashütten in Böhmen eine naheliegende Vermutung, allerdings stellte Woldrich weiterhin fest, dass die grünen Gläser in tieferen Erdschichten vergraben sind, die in Hinblick auf die Dauer der Bodenbildung auf ein weitaus höheres Alter schließen lassen, wie er ironischerweise folgendermaßen festhält: „Sollte aber die künstliche Natur des Moldavits nachgewiesen werden, dann wäre sein Verkommen noch interessanter, denn dann würde der tertiäre französische Mensch ein Neuling sein gegen unseren diluvialen Menschen, der wohl noch Mamuthe gefangen hat, aber bereits ein Glasfabrikant gewesen wäre.“ (Anm.: unter dem Begriff französischer Mensch meint er vermutlich den Cro-Magnon-Menschen, der vor 40.000 Jahren im Tertiär bis 12.000 Jahren lebte, und  Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil in Frankreich gefunden wurde).

Eigenschaften von Moldavit

Definition: Moldavit ist ein Gesteinsglas, das durch extraterrestrischen Einfluss, d.h. durch einen Asteroiden-Einschlag, vor etwa 15 Mio. Jahren entstanden ist (Anmerkung: Asteroiden sind Kleinplaneten und damit größer als Meteoriten)

Die Zusammensetzung von Moldavit ist vorwiegend sauer, variiert aber stark und kann sowohl aufgeschmolzene Tonerde, Kalkstein oder Salze enthalten.

Moldavit erscheint in verschiedenen Grüntönen: gelbgrün, braungrün oder reingrün, oder wie der Mineraloge und Geologe Gustav Leonhard (1816 bis 1878) im Jahr 1860 schreibt: "von lauch. oder olivengrüner Farbe". Am häufigsten ist Moldavit allerdings von oliv- oder flaschengrüner Farbe.
Die Farbe von Moldavit findet sich auch bei einigen anderen Mineralien wieder, wie bspw. Chrysolith und der Olivin-Varietät Peridot, daher auch die Synonyme Böhmischer Chrysolith oder Böhmischer Peridot, die als irreführender Handelsname aber auch eine Steigerung des Werts von Moldavit bezwecken.
Die Strichfarbe von Moldavit ist weiß; d.h., wird Moldavit über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen, erscheint ein weißer pulverisierter Abrieb.

Moldavit weist wie für Gesteinsgläser typisch keine Kristallstruktur auf, ist amorph. Der Bruch ist wie für Gläser typisch muschelig, die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden. Zippe fügte 1841 als weitere Merkmale hinzu "... mit eigenthümlich runzeliger und gefurchter Oberfläche" und "... gleich unreinem Glas..."
Moldavit zeichnet sich zudem durch einen glasartigen Glanz auf, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend.

Die Mohshärte von Moldavit beträgt 5 bis 5,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839), die Dichte schwankt zwischen 2,27 und 2,4 g/cm3.
Häufig enthalten Moldavite Einschlüsse von Gasen oder Metallen.


Moldavite - Mineral und Kristalle
Echtheitszertifikat von Moldavit

Entstehung und Verbreitung von Moldavit

Entgegen früherer Annahmen ist heute belegt, dass Moldavit kein Meteorit ist.

In der Vergangenheit sahen einige Minerlogen und Geologen Moldavit als eine Varietät von Obsidian an - bedingt durch den glasartigen Charakter von Moldavit und führten Moldavit unter anderem unter der Bezeichnung "Chrysolithhaltiger Obsidian" auf.
Mit dem Fortschritt der Verfahren zur Bestimmung und dem Wissen über die Entstehung von Moldavit konnte nunmehr ausgeschlossen werden, dass Moldavit eine Obsidian-Varietät, Abfall aus der Glasproduktion oder ein Meteorit ist.

Vielmehr handelt es sich bei dem Gesteinsglas Moldavit um ein durch Hitze während eines Asteroideneinschlags aufgeschmolzenes und anschließend abgekühltes Gestein (Siehe Tektite).

Der Zeitpunkt der Entstehung von Moldavit wird auf etwa vor 15 Millionen Jahren datiert, als ein Asteroid im Nördlinger Ries/Schwäbische Alb (sog. Ries-Ereignis) einschlug und das Umgebungsgestein infolge der hohen Druck- und Temperaturverhältnisse aufschmolz.
Das flüssige Gesteinsmaterial wurde wegen des Asteroidenaufpralls in die Luft empor geschleudert, wo dieses bedingt durch die schnelle Abkühlung keine Kristalle ausbilden konnte und in Entfernungen bis zu 400 km als Moldavit-Streufeld auf die Erdoberfläche niederfiel.

Die Größe der einzelnen Moldavite variiert erheblich; zwischen zwei Gramm kleinen Exemplaren bis zu 265,5 g, dem schwersten, bislang entdeckten Moldavit, der den Namen Slawischer Moldavit trägt.

Neben den Fundorten in Böhmen und Mähren/Tschechien, sind weitere Moldavit-Fundstellen auch in der Lausitz/Deutschland und in Waldviertel/Österreich dokumentiert.


Moldavit - Unsere Empfehlung*



Verwendung und Bedeutung von Moldavit

Moldavit ist ein seltenes Gestein, deshalb begehrtes Sammlerobjekt, findet aber auch Verwendung als Stein für Schmuck.
Der Preis von Moldavit hängt dabei im Wesentlichen von der Farbsättigung und Transparenz ab: je flaschgrüner und durchsichtiger, desto höher ist der Wert von Moldavit. Im Schnitt beträgt der Preis von Moldavit 10 bis 100 Euro/Karat.

Aufgrund der Transparenz und Farbe konnte sich Moldavit seit der Entdeckung als beliebter Schmuckstein etablieren. Die Transparenz und Farbe werden insbesondere durch Facettenschliffe wie Ovalschliff, Rundschliff, Tropfenschliff oder rechteckige Schliffe unterstützt und brillieren sowohl als Anhänger als auch in Ringen oder Ohrringen.
Daneben wird Moldavit als Rohstein für Schmuck angeboten, der gebohrt oder in diverse Fassungen eingesetzt, die ursprüngliche Schönheit präsentiert.

Daneben wird Moldavit auch als Heilstein angeboten, wobei die Heilwirkung von Moldavit in klinischen Untersuchungen nicht bestätigt werden konnte.


Echten Moldavit erkennen

Für nahezu jedes Mineral bzw. jeden Edelstein gibt es mittlerweile auf dem Markt ein künstliches Pendant - so auch für Moldavit.
Bedingt durch die Seltenheit, die mit der Nachfrage konkurrierte, wurden schnell Imitationen aus flaschengrünem Glas als Moldavit oder Zirkonia angeboten.

Die Fälschungen und Imitationen wurden im Laufe der Zeit immer besser, sodass es mitunter sehr schwierig ist, echten Moldavit von künstlichem Moldavit zu unterscheiden.

Vor allem polierte Steine zeigen nicht mehr die ursprüngliche Fließtextur an der Oberfläche und erschweren die Bestimmung.
Als besonders einfach und hilfreich hat sich die Betrachtung von Moldavit unter dem Mikroskop oder der Juwelierslupe mit 10-facher Vergrößerung herausgestellt.
Echter Moldavit zeigt entstehungsbedingt viele kleine gasgefüllte Bläschen im Inneren und enthält zudem das Mineral Lechatelierit, eine Hochtemperaturversion von Quarz (entsteht bei ca. 1.700 °C), die sich als kleine Körnchen oder Pünktchen im Moldavit bemerkbar machen.


Nachweis von Moldavit

Moldavit ist weder fluoreszierend noch pleochroitisch.
Im Hochtemperaturofen beginnt Moldavit bei 1.300 °C zu schmelzen.


Auch interessant:
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Quellen:
⇒ Mayer, J. (1787): Ueber die Böhmischen Gallmeyarten, die grüne Erde der Mineralogen, die Chrysolithen von Thein, und die Steinart von Kuchel. IN: Abhandlungen der Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaft
⇒ Zippe, F. X. M. (1831): Plutonisch trachytische Formationen. IN: Übersicht der Gebirgsformationen in Böhmen
⇒ Zippe, F. X. M. (1841): Über die unter dem Namen Bouteillenstein, Moldawit, auch Wasser-Chrysolith bekannte Varietät des Obsidians. IN: Neues Jahrbuch für Mineralogie,Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde, herausgegeben von Dr. K. C. von Leonhardt und Dr. H. G. Bronn
⇒ Woldrich, J. N. (1888). Ueber Moldavite von Radomilic in Böhmen. IN: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt 1888
⇒ Leonhard, G. (1860): https://www.google.de/books/edition/Grundz%C3%BCge_der_Mineralogie_Zweite_Auflag/0TFYAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=moldavit+farbe&pg=PA219&printsec=frontcover">Moldavit. IN: Grundzüge der Mineralogie
⇒ Glocker, E. F. (1839): Grundriss der Mineralogie. Mit Einschluss der Geognosie und Petrefactenkunde
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
Hyršl, J. (2015): Moldavites: Natural or Fake? IN: Gems & Gemology, Spring 2015, Vol. 51, No. 1

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