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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 24.08.2020


Moldavit

Moldavit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: moldavite | französisch: moldavite


Moldavit Foto
Moldavit

Moldavit - Ein Gestein aus Moldautein

Die Beschreibung der ersten Moldavit-Funde stammt aus dem Jahr 1878. Joseph Mayer widmet sich in seinem Aufsatz „Ueber die Böhmischen Gallmeyarten, die grüne Erde der Mineralogen, die Chrysolithen von Thein, und die Steinart von Kuchel“ ausführlich, den „grünen Glasmassen“ von Moldauthein bzw. Thein an der Moldau. Ihm zufolge „... findet man besonders schöne Stücke einer grünen glasischten Masse, die in der Härte unserm Granate gleich kommt, sehr rein und durchsichtig ist, und besonders eine sehr schöne dunkelgrüne Farbe hat, und als Chrysolithen verkauft werden“.

Bis die grünen Glasmassen als eigenständiges Gestein und nicht als Chrysolith oder grünen Obsidian (Zippe, 1831) identifiziert wurden, vergingen einige Jahre.
1841 findet der Name Moldavit bei Franz Xaver Zippe (böhmisch-österreichischer Naturwissenschaftler, 1791 bis 1863) in „Über die unter dem Namen Boutelleienstein, Moldawit, auch Wasser-Chrysolith, bekannte Varietät des Obsidians“ erstmals Erwähnung, insofern Zippe die grünen Steine nach der ersten bekannten Moldavit-Fundstelle, „der Gegend von Moldautein od Budweis“ (Anm. Moldautein ist heute als Tyn nad Vlatvou bekannt) in Tschechien Moldavit nannte.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein, waren sich die Mineralogen und Geologen uneins, wie Moldavit entstanden ist. 1888 schilderte der böhmisch-österreichische Archäologe, Geologe und Paläontologe Johann Nepomuk Woldrich (1834 bis 1906) unter anderem die Annahme des Geologen Alexander Makowsky (1833–1908), demnach „... alle Moldavite, künstlicher Glasschlacken wären, die aus Glashütten als unbrauchbar weggeworfen wurde“ und sich so in den Streufeldern um Radomilic verteilten. Angesichts der vielen Glashütten in Böhmen eine naheliegende Vermutung, allerdings stellte Woldrich weiterhin fest, dass die grünen Gläser in tieferen Erdschichten vergraben sind, die in Hinblick auf die Dauer der Bodenbildung auf ein weitaus höheres Alter schließen lassen, wie er ironischerweise folgendermaßen festhält: „Sollte aber die künstliche Natur des Moldavits nachgewiesen werden, dann wäre sein Verkommen noch interessanter, denn dann würde der tertiäre französische Mensch ein Neuling sein gegen unseren diluvialen Menschen, der wohl noch Mamuthe gefangen hat, aber bereits ein Glasfabrikant gewesen wäre.“ (Anm.: unter dem Begriff französischer Mensch meint er vermutlich den Cro-Magnon-Menschen, der vor 40.000 Jahren im Tertiär bis 12.000 Jahren lebte, und  Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil in Frankreich gefunden wurde).

Eigenschaften von Moldavit

Definition: Moldavit ist ein Gesteinsglas, das durch extraterrestrischen Einfluss entstanden ist.

Die Zusammensetzung von Moldavit ist vorwiegend sauer, variiert aber stark und kann sowohl aufgeschmolzene Tonerde, Kalkstein oder Salze enthalten.

Moldavit erscheint in verschiedenen Grüntönen, am häufigsten sind flaschengrüne Steine. Die Strichfarbe ist weiß.

Das Gestein weist keine Kristallstruktur auf, ist amorph. Der Bruch ist wie für Gläser typisch muschelig, die Spaltbarkeit ist nicht vorhanden. Zippe fügte 1841 als weitere Merkmale hinzu "... mit eigenthümlich runzeliger und gefurchter Oberfläche" und "... gleich unreinem Glas..."
Moldavit weist Glasglanz auf, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend.

Die Mohshärte beträgt 5 bis 5,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839), die Dichte schwankt zwischen 2,27 und 2,4 g/cm3.
Häufig enthalten Moldavite Einschlüsse von Gasen oder Metallen.


Moldavite - Mineral und Kristalle
Echtheitszertifikat von Moldavit

Entstehung und Verbreitung von Moldavit

Entgegen früherer Annahmen ist heute belegt, dass Moldavit kein Meteorit ist.

Vielmehr handelt es sich bei dem Glas um durch Hitze während eines Meteoriteneinschlags aufgeschmolzene und anschließend abgekühlte Gesteine (Siehe Tektite).

Zeitpunkt der Entstehung von Moldaviten war vor etwa 15 Millionen Jahren, als ein Meteorit im Nördlinger Ries/Schwäbische Alb einschlug und das Umgebungsgestein infolge der hohen Druck- und Temperaturverhältnisse aufschmolz. Das flüssige Gesteinsmaterial wurde wegen des Meteoritenaufpralls in die Luft empor geschleudert, wo dieses bedingt durch die schnelle Abkühlung keine Kristalle ausbilden konnte und in Entfernungen bis zu 400 km als Moldavit-Streufeld auf die Erdoberfläche niederfiel.

Neben den Fundorten in Böhmen und Mähren/Tschechien, sind weitere Fundstellen von Moldavit auch in der Lausitz/Deutschland und in Waldviertel/Österreich dokumentiert.


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Verwendung und Bedeutung von Moldavit

Moldavit ist ein seltenes Gestein, deshalb begehrtes Sammlerobjekt, findet aber auch Verwendung als Stein für Schmuck.
Daneben wird Moldavit auch als Heilstein angeboten, wobei die Heilwirkung von Moldavit in klinischen Untersuchungen nicht bestätigt werden konnte.


Handelsnamen von Moldavit

Im Handel ist es üblich, einige Mineralien und Gesteine unter anderen Namen zu verkaufen als dass es der Tatsache entspricht. Hinter den sogenannten Handelsnamen steckt die Idee, den eigentlichen Wert des Gesteins oder Minerals zu steigern, auch in Hinblick auf den Preis.
So verbirgt sich beispielsweise hinter den Bezeichnungen Böhmischer Chrysolith oder Böhmischer Peridot das Gestein Moldavit, das eine für die genannten Mineralien typische olivgrüne Farbe aufweisen kann.


Nachweis von Moldavit

Moldavit ist weder fluoreszierend noch pleochroitisch.
Im Hochtemperaturofen beginnt Moldavit bei 1300 °C zu schmelzen.


Auch interessant:
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Quellen:
⇒ Mayer, J. (1787): Ueber die Böhmischen Gallmeyarten, die grüne Erde der Mineralogen, die Chrysolithen von Thein, und die Steinart von Kuchel. IN: Abhandlungen der Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaft
⇒ Zippe, F. X. M. (1831): Plutonisch trachytische Formationen. IN: Übersicht der Gebirgsformationen in Böhmen
⇒ Zippe, F. X. M. (1841): Über die unter dem Namen Bouteillenstein, Moldawit, auch Wasser-Chrysolith bekannte Varietät des Obsidians. IN: Neues Jahrbuch für Mineralogie,Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde, herausgegeben von Dr. K. C. von Leonhardt und Dr. H. G. Bronn
⇒ Woldrich, J. N. (1888). Ueber Moldavite von Radomilic in Böhmen. IN: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt 1888
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München

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