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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 25.08.2020


Konglomerat

Konglomerat - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: conglomerate | französisch: conglomérat


Konglomerat, Wurststein und Puddingstein

Der Name Konglomerat bezieht sich auf das Aussehen des Gesteins. Der aus dem Lateinischen hergeleitete Wortstamm der Vokabel conglomerare wird mit zusammenrollen oder zusammenballen übersetzt – angelehnt an die vielen verschiedenen Gesteinsarten, die in der Gesteinsmatrix von Konglomeraten vertreten bzw. zusammengeballt sind – oder wie Axel Frederic Cronstedt (schwedischer Mineraloge und Chemiker, 1722 bis 1765) schreibt: „zusammengeleimte Felsteine, Saxa conglutina“.

Eine der ältesten Aufzeichnungen, in der sich der Begriff Konglomerat wiederfindet, stammt von Ludwig August Emmerling (deutscher Oberbergrat; 1765 bis 1842). Er definierte den damals noch als Puddingstein geführten Stein 1797 folgendermaßen: „Unter Puddingstein versteht man ein Konglomerat, das aus kleineren und größeren, rundlichen Stücken, meist von Quarze, Feuersteine, Kieselschiefer, oder Jaspisse, zusammengesetzt ist.

Die Bezeichnung Puddingstein wiederum wurde aus dem Englischen adaptiert wie Carl von Linné (schwedischer Naturforscher, 1707 bis 1778) 1777 berichtet: „Nagelfluh der Schweizer, oder Puddingstein der Engländer...“. Dass Konglomerat in England mit Pudding verglichen wird, ist der Ähnlichkeit des Gesteins mit dem sogenannten Weihnachtspudding (christmas pudding) zu verdanken, der kein Pudding im herkömmlichen Sinne ist, sondern ein Serviettenkloß bzw. -knödel mit Trockenobst und Nüssen, der in einer Puddingform gebacken wird. Die einzelnen Zutaten erinnern bedingt durch die rundliche Gestalt an die Bestandteile von Konglomeraten. Alternativ hatte sich damals der Name Wurststein eingebürgert – der optischen Vergleichbarkeit mit Blutwurst wegen.

Im deutschsprachigen Raum – vor allem im Alpenvorland und in der Schweiz – war und ist der Name Nagelfluh für Konglomerat üblich.
Namensgebend sind die nagelkopfartig aus Felswänden hervorstehenden Konglomerate der Nagelfluhkette, einem Abschnitt der deutsch-österreichischen Alpen.


Inhaltsverzeichnis Konglomerat

Eigenschaften von Konglomerat

Definition (Geologie): Konglomerat ist ein Sedimentgestein detritischer Klassifikation, das sowohl im marinen als auch Süßwasserbereich entstanden sein kann.

Charakteristisch für Konglomerate sind kantengerundete, grobe Kiese (Korngröße 20 bis 63 mm) und Schotter, die in einer feinkörnigen Matrix diagenetisch verfestigt sind - und deren Optik daher an das Aussehen von Beton erinnert.

Die Farbe von Konglomeraten variiert mit der Zusammensetzung der enthaltenen Kiese und Schotter von grau über rötlich, bläulich und gelblich.

Die aufbauenden Minerale von Konglomeraten richten sich ebenfalls nach den miteinander verkitteten Gesteinen, die sedimentären, metamorphen oder magmatischen Ursprungs sein können.
Hinsichtlich der Gesteine wird bei Konglomeraten zwischen

  • monomiktischen
  • oligomiktischen
  • polymiktischen Konglomeraten

unterschieden.
Während monomiktische Konglomerate aus einer Gesteinsart (z.B. Kalkstein, Gneis) bestehen, sind oligomiktische Konglomerate aus wenigen verschiedenen Gesteinen aufgebaut und polymiktische Konglomerate beinhalten viele unterschiedliche Gesteine, bspw. Granit, Porphyr, Kalkstein, Sandstein, Tonschiefer oder Kalkstein.

Auch wenn Gesteine an der Zusammensetzung von Konglomeraten dominieren, können ebenfalls Minerale enthalten sein. Zementiert werden die Gemengteile von Konglomeraten durch Kieselsäure, Eisenverbindungen, Kalk oder Ton, wobei Kieselsäure dem Sedimentgestein mehr Härte verleiht als andere Bindemittel.

Das Gefüge von Konglomerat ist nicht korngrößensortiert. Die kantengerundeten, psephitischen Kiese und Schotter sind in einer feinkörnigen Gesteinsmatrix eingebettet, deren Bestandteile kantig oder gerundet sein können. Die Lagerung der Psephite in Konglomeraten variiert zwischen dicht nebeneinander gepackt (Orthokonglomerate) und locker, mit Abstand zum nächsten Kies miteinander verbunden (Parakonglomerate). Gelegentlich sind runde Hohlräume möglich.

Die Dichte von Konglomeraten beträgt 2,3 bis 2,6 g/cm3 und richtet sich nach der Zusammensetzung des Gesteins.


Entstehung und Verbreitung von Konglomerat

Im Gegensatz zu Brekzien sind die grobklastischen Bestandteile von Konglomeraten gerundet.

Die Ursache für die abgerundete Form der Kiese ist die fluviale Formung entweder in Süß- oder Salzwasserbereichen. Nach dem Transport und der Ablagerung in strömungs- bzw. brandungsarmen Bereichen wie bspw. in Schwemmfächer- oder –kegel erfolgte innerhalb von Jahrtausenden die Ausscheidung von o.g. Zementationsmaterialen, die in gelöster Form im zwischen den Schottern und Kiesen zirkulierenden Wasser enthalten waren.

Die Vorkommen von Konglomeraten sind weltweit verbreitet und befinden sich u.a. in Norbotten/Schweden; Telemark, Nordland/Norwegen; Finnland; England; Frankreich; Thüringen, Erzgebirge (Sachsen), Odenwald/Hessen), Eifel (Rheinland-Pfalz), Schwarzwald (Baden-Württemberg), Alpen (Bayern)/Deutschland; Slowakei; Russland; Polen; Tirol, Niederösterreich, Kärnten, Vorarlberg/Österreich; Wallis/Schweiz; Sizilien/Italien; Laurion/Griechenland; Japan; China; Ghana; Marokko; Australien und USA.


Konglomerat und Brekzie

Brekzien und Konglomerate sind Sedimentgesteine, deren Entstehung und Zusammensetzung vergleichbar ist.

Der wesentliche Unterschied zwischen Konglomerat und Brekzie ist die Form der Gesteinsbruchstücke. Bei Konglomerat sind die Bruchstücke an den Kanten abgerundet, während die Gesteinsfragmente von Brekzien kantig und eckig sind.


Verwendung und Bedeutung von Konglomeraten

Konglomerate werden der abwechslungsreichen Muster wegen als Naturstein für Wandverkleidungen, Baustein oder für Boden- und Arbeitsplatten verwendet. Für den Außenbereich haben sich in der Verwendung kieselige bzw. Quarzkonglomerate bewährt, die sich durch eine hohe Verwitterungsstabilität auszeichnen.
In einigen Fällen sind Konglomerate für den Abbau von Erzen von Interesse, die vor allem bei polymiktischen Konglomeraten enthalten sein können.



Tabelle 1: verschiedene Gesteine, sortiert nach der Entstehung
MetamorphiteMagmatiteSedimentite
    Eklogit
  • Glimmerschiefer
  • Granatschiefer
  • Gneis
  • Granulit
  • Marmor
  • Migmatit
  • Phyllit
  • Quarzit
  • Schiefer
  • Skarn
  • Andesit
  • Basalt
  • Bims
  • Diorit
  • Gabbro
  • Granit
  • Ignimbrit
  • Norit
  • Pechstein
  • Pegmatit
  • Peridotit
  • Rhyolith
  • Syenit
  • Trachyt
  • Tuff
  • Arkose
  • Brekzie
  • Dolomit
  • Grauwacke
  • Kalkstein
  • Kreide
  • Laterit
  • Muschelkalk
  • Sandstein
  • Steinsalz
  • Travertin
  • Tonstein


Auch interessant:
Kreislauf der Gesteine - Entstehen und Vergehen von Gesteinen
Plastiglomerat - Steine aus Plastik und natürlichen Materialien
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Quellen:
⇒ Emmerling, L. A. (1797): Puddingstein. IN: Lehrbuch der Mineralogie. 3. Teil
⇒ Karsten, W. J. G. (1783): Anleitung zur gemeinnützlichen Kenntniß der Natur, besonders für angehende Ärzte, Cameralisten und Oeconomen
⇒ Schröter, J. S. (1776): Vollständige Einleitung in die Kenntniss und Geschichte der Steine und Versteinerungen. 2. Teil
⇒ Cronstedt, A. F. (1770): Cronstedts Versuch einer Mineralogie
⇒ Gmelin, J. F. (1777): Des Ritter's Carl von Linné könglich Schwedischen Leibarztes vollständiges Natursystem des Mineralreichs. 1. Teil
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
⇒ Maresch, W., Medenbach, O.; Trochim, H.-D. (1987): Die farbigen Naturführer Gesteine. Mosaik Verlag GmbH München*
⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
⇒ Schumann, W. (1994): Steine und Mineralien sammeln; finden, präparieren, bestimmen. BLV Verlag München
⇒ Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg

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