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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 10.04.2020


Tigerauge

Tigerauge - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: tiger´s eye | französisch: Œil de tigre


tigerauge - Aufnahme des Minerals
Bild 1: Tigerauge

Tigerauge – Feinfaseriger Quarz

Die erste ausführliche Beschreibung des Minerals Tigerauge stammt von Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817). In seinen Aufzeichnungen mit dem Titel „Chemische Untersuchung des Faserquarzes vom Cap der guten Hoffnung“ befasste sich der deutsche Mineraloge 1811 mit der chemischen Analyse und Bestimmung der Eigenschaften des „Capschen Fossils“. Zur damaligen Zeit war der Begriff Fossil für alle Materialien gängig, die ausgegraben wurden – sowohl Mineralien, Pflanzenteile wie auch Fossilien im Sinne einer Versteinerung. Das Probenmaterial hatte er zuvor von Martin Hinrich Lichtenstein (1780 bis 1857, deutscher Arzt, Zoologe und Botaniker) erhalten, das er 1803 „an der Ostseite des Grootrivierspoorts gefunden“ hatte.
Der Name Tigerauge wurde allerdings erst später eingeführt und in Anlehnung an den besonderen optischen Effekt von Tigerauge gewählt, der sich insbesondere bei geschliffenen Steinen präsentiert.
Auf glatt polierten Oberflächen zeigt sich ein feiner Lichtschein, ähnlich wie die schlitzartigen Pupillen von Katzen bzw. Tigern in der Dunkelheit.


Eigenschaften von Tigerauge

Tigerauge ist die feinfaserige, makrokristalline Varietät von Quarz, die der chemischen Zusammensetzung SiO2 der Mineralklasse der Oxidminerale zugeordnet.

Tigerauge kristallisiert dem trigonalen System, ohne dass deutliche Kristalle wie bei anderen Quarzen, z.B. Bergkristall, Amethyst oder Citrin ausgebildet werden. Vielmehr liegt das Mineral als derbes Aggregat vor.

Der Bruch von Tigerauge ist faserig, die Spaltbarkeit ist nicht gegeben. Der Glanz von Tigerauge ist seidig bei undurchsichtiger Transparenz.

Tigerauge ist mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 auf der zehnstufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) ein hartes Mineral, die Dichte beträgt 2,64 bis 2,71 g/cm3.


tigerauge_mineral Foto
Bild 2: naturbelassener, ungeschliffener Tigerauge


Die Farbe von Tigerauge

Martin Heinrich Klaproth beschrieb die Farbe von Tigerauge 1811 wie folgt: „lichte hellbraun mit abwechselnden Schattierungen“.
Neben dem Katzenaugeneffekt ist die gebänderte goldgelbe, bernsteinfarbene bis goldbraune Farbe das auffälligste Merkmal von Tigerauge, wobei Eisenoxid die farbgebende Verbindung der Quarzvarietät Tigerauge ist.

Bisweilen werden im Handel rote Tigeraugen mit einem Stich ins Kupferfarbene angeboten. Rote Tigeraugen sind jedoch keine Varietät, sondern Tigerauge, dessen Farbe durch Hitzezufuhr nachträglich geändert wurde.
Infolge des Brennens, d.h. vorsichtiges Erhitzen, schlägt die goldbraune Ursprungsfarbe in kupferrot um. Wird das Mineral zusätzlich in Spiritus getränkt, ändert sich die Farbe abermals und Tigerauge wird violett.

Die Strichfarbe von Tigerauge - die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen wird - ist braungelb.


Die Chatoyance von Tigerauge

Ein charakteristisches Merkmal von Tigerauge ist die Chatoyance. Eine optische Erscheinung, die auf die Absorption von Licht auf die im Mineral eingeschlossenen Krokydolithfasern zurückzuführen ist. Für die Intensität des Lichtspiels sind neben der Dichte auch die Anzahl und Verteilung der Einschlüsse sowie die Ausrichtung der Fasern ausschlaggebend.

Entstehung und Verbreitung von Tigerauge

Tigerauge entsteht durch die Pseudomorphose nach Krokydolith, bei der das Ausgangsmineral durch eisenreichen Quarz substituiert wird. Dieser Prozess wird häufig in metamorphen Schiefern und Magmatiten beobachtet. Die faserige Struktur von Krokydolith wird beibehalten, wobei die Fasern lotrecht zur Plattenfläche ausgerichtet sind.

Aufgrund der Faserstruktur zählt Krokydolith in die Gruppe der Asbestmineralien. Asbest wird in der Mineralogie als eine Gruppe von faserigen Silikatmineralien definiert, zu der neben Krokydolith auch Aktinolith und Chrysotil gehören.

Finden kann man Tigerauge unter anderem in Namibia; Südafrika; Myanmar; China; Sri Lanka; Australien; Brasilien und in den USA.


oeil_de_tigre.png - Mineral und Kristalle
Bild 3: gebrannter Tigerauge (rot), natürlich gefärbter Tigerauge


Verwendung und Bedeutung von Tigerauge

Tigerauge wird vor allem zu Ziergegenständen und Schmuck verarbeitet. Dabei finden insbesondere Glattschliffe (Cabochon, Donuts, Trommelsteine) Anwendung, welche die Farbe und die Wirkung des Chatoyierens unterstützen. Des Weiteren wird Tigerauge als Heilstein/Chakrastein verkauft, wobei die Heilwirkung von Tigerauge in klinischen Untersuchungen nicht bestätigt werden konnte.


Tigerauge - Unsere Empfehlung*

*

Nachweis von Tigerauge

Tigeraugen sind weder pleochroitisch noch fluoreszieren diese.


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Quellen:
⇒ Klaproth, M. H. (1811): Chemische Untersuchung des Faserquarzes. In: Der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin Magazin für die neuesten Entdeckungen in der gesammten Naturkunde. Fünfter Jahrgang. Berlin
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- www.mindat.org - tiger´s eye

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