Logo steine-und-minerale.de

Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 18.11.2022


Skapolith

Skapolith - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: scapolite | französisch: scapolite


Skapolith und Wernerit

Das Mineral Skapolith wurde erstmals im Jahr 1800 in der mineralogischen Literatur von José Bonifacio de Andrada e Silva (1763 bis 1838) erwähnt; zunächst als Wernerit (siehe: "Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen ueber dieselben" - wobei er den Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) zum Namenspaten kürte.
Noch im selben Jahr führte der brasilianische Mineraloge d´Andrada den aus dem Griechischen stammenden Namen Skapolith - Stabstein ein, den er aufgrund der stabähnlichen Form der Kristalle von Skapolith wählte.
Der Chemiker Joseph Redemt Zappe nennt 1817 als weiteren Namen von Skapolith noch Kapidolith - Ruten- oder Gertenstein; wegen der "stänglichen Form und Zusammenhäufung der Krystalle".

Der Name Wernerit gilt heutzutage als veraltet, insofern 1997 beschlossen wurde, die Gruppe einheitlich Skapolithgruppe zu nennen.


Skapolith - Unsere Empfehlung*



Eigenschaften von Skapolith

Skapolith ist kein eigenständiges Mineral, sondern der Name einer Gruppe von Mineralien von vergleichbarer chemischer Zusammensetzung und physikalischer Eigenschaften. Die Mischkristallreihe der Skapolithgruppe umfasst die Mineralien

  • Marialith
  • Mejonit
  • Silvialith

sowie Dipyr und Muzzonit als Varietäten.
Da die Zusammensetzung je nach Skaolith-Vertreter wird die Summenformel allgemein angegeben: D4[T4O8]3(X,Z)2, wobei D für Na, Ca2+, K, Sr2+, Ba2+ oder Fe2+ steht. T kann sowohl Si4+ oder Al3+ sein, X wird durch Cl oder Br repräsentiert und Z steht für CO3, SO4, HSO4, HCO3, OH oder H2O, weshalb Skapolith der Systematik der Mineralien nach den Silikatmineralien zugeordnet wird.

Die Farbe von Skapolith ist sehr variabel. In der Reinform ist Skapolith durchsichtig und farblos. Infolge von Beimengungen diverser Elemente kann Skapolith auch von weißer, gelber, rosafarbener, violetter, grüner, blauer, grauer oder schwarzer Farbe sein - wobei die Farbe als lichtempfindlich gilt und bei längere Sonneneinstrahlung zum Verblassen neigt.
Von der Vielfalt der Farben berichtete auch Zappe im Jahr 1817, insofern Skapolith eine "graue, meinstens ins grüne fallende Farbe" aufweist, aber auch "dunkel ziegelroth ins lichte Bluthroth sich verlaufend" oder "berggrün und spargelgrün" sein kann. Der Mineraloge Carl Hartmann (1796 bis 1863) empfand das Grün als "meistens von schmutzig grüner Farbe".
Auch wenn über ein breites Farbspektrum verfügt, heißt das nicht, dass alle Farben gleichzeitig an einem Fundort vorkommen. So hat sich herausgestellt, dass Skapolith aus dem Umbatal in Tansania vorrangig goldgelb oder violett, ähnlich wie Amethyst ist. Myanmar produziert hauptsächlich hellgelben und grauen Skapolith, während für Sri Lanka graue Skapolithe und Katzenaugenskapolith typisch ist.
Die Strichfarbe von Skapolith ist weiß.

Die Mineralien der Skapolithgruppe kristallisieren dem tetragonalen Kristallsystem folgend und bilden lange, nadel- oder säulenförmige Kristalle, deren Kristallflächen häufig längs verlaufende Riefen aufweisen und dabei ein Gewicht von bis zu 70 Karat erreichen können. Deutlich kleiner ist hingegen die Ausbeute lilafarbener Skapolithe mit einem Durchschnittsgewicht von einem bis zwei Karat bewegt.

Der Glanz von Skapolith ist glasartig bei durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Der Bruch ist muschelig bis spröde und uneben, die Spaltbarkeit ist vollkommen.

Die Mohshärte von Skapolith beträgt 5,5 bis 6 bei einer Dichte von 2,50 bis 2,78 g/cm³.


Entstehung und Verbreitung von Skapolith

Skapolith ist ein Mineral, das im Zusammenhang sowohl mit magmatischen wie auch metamorphen Gesteinen gefunden wird.
Vor allem in granitischen Pegmatiten, die durch heiße Gase aufsteigender Magmen angereichert wurden, sowie durch Kontaktmetamorphose entstandene Metamorphite sind skapolithreich.
Beispiele für entsprechende Gesteine sind Gneis, Schiefer sowie Marmor.

Die Vorkommen von Skapolith werden von zahlreichen anderen Mineralien begleitet, darunter bspw. Calcit, Tremolit, Omphacit, Serendibit, Epidot, Granat, Fluorit, Vesuvianit, Diopsid, Titanit, Phlogopit/Glimmer, Pyrit, Poudretteit, Feldspat und Wollastonit.

Skapolithe sind weltweit häufig vorkommende Mineralien; nennenswerte Fundorte befinden sich unter anderem in Norwegen, Schweden, Finnland, England, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei, Italien, Spanien, Bulgarien, Rumänien, Russland, Türkei, Pakistan, Afghanistan. Madagaskar, Sri Lanka, Japan, China, Australien, Antarktis, Brasilien, Chile, Peru sowie in den USA.


Verwendung und Bedeutung von Skapolith

Auch wenn zahlreiche Skapolith-Vorkommen bekannt sind, ist die Menge der abbauwürdigen Kristalle gering. Skapolith guter Qualität – hohe Reinheit, kräftige Farbe und große Kristalle – wird insbesondere zu Schmuck verarbeitet.
Um die Farbe zu intensivieren, wird Skapolith dem Verfahren des Brennens unterzogen. Infolge der Hitzezufuhr werden die farbgebenden Verbindungen auf ein anderes Oxidationslevel katapultiert, was sich in der Änderung oder Intensivierung der Farbe äußert. Die zweite Methode der Farbveränderung, die bei Skapolith angewendet wird, ist die Bestrahlung.


Daneben wird Skapolith als Heilstein verkauft, ohne dass die Heilwirkung klinisch belegt werden konnte.


Nachweis von Skapolith

Rosafarbener Skapolith weist eine orangefarbene bis rosafarbene Fluoreszenz auf, während gelber Skapolith violett-blau fluoresziert.


Auch interessant


Quellen:
⇒ d´Andrada, J. B. (1800): Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen ueber dieselben. Wernerit. IN: Allgemeines Journal der Chemie
⇒ d´Andrada, J. B. (1800): Scapolite. IN: Journal de Physique, de Chimie, d´Histoire Naturelle et des Arts
⇒ Hausmann, F. (1809): Kritisch-oryktognostische Bemerkungen über Skapolith und Wernerit und einige andere nahe damit verwandte Fossilien. IN: Der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin. Magazin für die neuesten Entdeckungen in der gesammten Naturkunde
⇒ Blank, J. B. (1810): Skapolith. IN: Handbuch der Mineralogie
⇒ Zappe, J. R. (1817): Scapolith. IN: Mineralogisches Hand-Lexicon
⇒ Hartmann, C. (1828): Handwörterbuch der Mineralogie und Geognosie
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
www.mindat.org - scapolite
www.gemsociety.org - Scapolite Value, Price, and Jewelry Information

* = Affiliate Link, d.h. beispielhafte Links, die zum Partnerprogramm von Amazon führen und bei erfolgreichem Verkauf mit einer Provision vergütet werden, ohne dass für Sie Mehrkosten entstehen.

Börsenkalender

Mineralienboersen Kalender
Hier gelangen Sie direkt zum Börsenkalender

Unsere Buchmpfehlung

Der neue Kosmos-Mineralienführer: 700 Mineralien, Edelsteine und Gesteine

Kosmos Mineralienführer

Mehr Details


angeboten bei Amazon

Mineralien-Steckbriefe