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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 17.11.2022


Serpentin

Serpentin - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: serpentine subgroup | französisch: serpentine


Schlangenstein Serpentin

Der Name Serpentin ist dem Mineralogen Georgius Agricola (1494 bis 1555) zu verdanken und wird aus dem Lateinischen mit Schlangenstein übersetzt, weil ihn die Muster des Steins an Schlangen erinnerten oder wie der Botaniker Franz von Paula Schrank (1747 bis 1835) im Jahr 1793 meinte: Serpentin „hat seinen Namen von seiner Farbe und seinen Flecken, die nicht unschicklich die Haut gewisser Schlagen vorstellen“.


Eigenschaften von Serpentin

Unter dem Begriff Serpentin wird in der Mineralogie nicht ein bestimmtes Mineral definiert, sondern eine Gruppe von Mineralien vergleichbarer chemischer Zusammensetzung, Aufbau des Kristallgitters und weiterer Eigenschaften zusammengefasst.

Die Mineralien der Serpentingruppe werden mit der chemischen Zusammensetzung (Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8 zu den Silikatmineralien, speziell Schichtsilikaten, gezählt.

Die Farbe von Serpentin variiert mit den einzelnen Vertretern zwischen weiß, gelb, gelbgrün, grün - ein "mattes, nicht blühendes Grün" (Schrank, 1793), blaugrün, rot, grau, braun und schwarz, wobei die Farbe nicht immer gleichmäßig verteilt ist, sondern fleckig wirkt oder gemustert erscheint, bzw. mit den Worten des Chemikers Johann Friedrich Gmelin (1748 bis 1804): "seine Farbe ist selten weiß (...), sondern in verschiedenen Schattirungen grau, schwarz, grün, roth, selten blau oder gelb, meistens so, daß mehrere dieser Farben in Flecken, Streifen, Adern, Punkten durch einander laufen". Auch der Mediziner August Batsch (1761 bis 1802) setzte sich mit der Beschreibung von Serpentin auseinander und beschrieb das Schlangenartige des Minerals als ein Muster "von netz- oder bündelartigen Adern, die sich oft nach zwey Richtungen schief durchkreutzen".
Der Mineraloge Cornelius Doelter y Cisterich (1850 bis 1930) unterschied 1893 zwischen edlem Serpentin und übriger Serpentin. Ihm zufolge ist edler Serpentin von durchscheinender Transparenz und "ölgrüner, gelbgrüner, ja sogar schwefelgelber Farbe", während der übrige Serpentin undurchsichtig bei "pistazien-, chrom- und schwarzgrüner" Farbe ist.
Die Strichfarbe ist bei allen Farbgebungen weiß.

Serpentin kristallisiert dem monoklinen Kristallsystem folgend und bildet schuppige, blättrige Kristalle, die Aggregate sind derb.

Der Glanz von Serpentin kann fettig wie auch matt, seidig und harzartig sein. Die Transparenz ist durchsichtig, durchscheinend bis undurchsichtig. Die Spaltbarkeit der Serpentinmineralien ist vollkommen, der Bruch ist muschelig bis splittrig. Teilweise sind die Kristalle feinfaserig.

In historischen Mineralogiebüchern fiel die Beschreibung der Mineralien sehr detailliert aus, insofern Mineralien mit allen Sinnen untersucht wurden. So schreibt Batsch 1796, dass Serpentin "nicht an der Zunge hängend" ist und eine "fettig anzufühlende" Mineralart sei.

Die Mohshärte von Serpentin schwankt zwischen 2,5 und 4 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) bei einer Dichte von 2,35 bis 2,65 g/cm³.


Serpentin - Unsere Empfehlung*

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Vertreter der Serpentingruppe

  • Amosit
  • Antigorit
  • Berthierin
  • Brindleyit
  • Chrysotil
  • Cronstedtit
  • Fraipontit
  • Greenalith
  • Karyopilit
  • Kellyit
  • Lizarit
  • Manandonit
  • Nepouit
  • Pecorait

Entstehung und Verbreitung von Serpentin

Serpentinmineralien sind Mineralien sekundären Ursprungs, die durch die Umwandlung aus Olivin oder Orthopyroxen hervorgehen.

Voraussetzung für die Entstehung von Serpentin sind neben den genannten Mineralien aus dem Erdinneren aufsteigende heiße, hydrothermale Lösungen, die infolge der Hitzezufuhr und der chemischen Bestandteile der Lösung den bereits existenten Mineralbestand verändern und zur Bildung neuer Mineralien führen (sog. Metasomatose).

Die Vorkommen von Serpentin sind weiteren Mineralien vergesellschaftet, darunter bspw. Talk, Atlantisit, Magnetit, Opal, Uwarowit, Türkis und Chromit.
Daneben sind die Mineralien der Serpentingruppe am mineralischen Aufbau vieler Gesteine wie z.B. Serpentinit, Marmor, Skarn, Diabas und Peridotit beteiligt.

Die einzelnen Vertreter der Serpentingruppe kommen weltweit auf allen Kontinenten vor.


Verwendung und Bedeutung von Serpentin

Serpentin war schon in der Vergangenheit ein begehrtes Material, das im poliert Zustand mit dem Aussehen von Marmor verglichen wurde.
Dass Serpentin für „Reibschalen, Mörser, Büchsen“ (Zappe, 1817), „geschmackvolle Säulen, Portale, Altaraufsätze, Grabsteine, Crucifixe, Vasen und mannigfaltige andere zierliche Gegenstände“ (Leonhard, 1838) verwendet wurde, liegt an der geringen Härte des Minerals. Das Mineral ist so weich, dass es „wie Holz zersägt und gedreht werden“ kann (Zappe, 1817). Aber auch zur Fertigung von „feuerbeständigen Gefäßen, die eine schöne Glasur annehmen“ wurde laut Gmelin (1790) Serpentin eingesetzt. Im 19. Jahrhundert kam der Großteil aller Serpentinprodukte aus Zöblitz in Sachsen, sodass sich die Stadt als Haupthandelszentrum etablierte und Gegenstände aus Serpentin in alle Welt verschickte.
Auch heute ist Serpentin nach wie vor ein begehrtes Material im Kunsthandwerk sowie in der Architektur, wird zudem zu Schmuck verarbeitet und wird als Ersatz für das Mineral Jade unter dem Handelsnamen Neue Jade oder Koranische Jade verkauft.


Heilstein Serpentin

Wie viele andere Mineralien und Edelsteine auch wurden mit Serpentin seit dem späten Mittelalter von Ärzten und Heilkundigen verschiedene Krankheiten behandelt.
Der Chemikers Joseph Redemt Zappe schrieb, dass Serpentin als „Mittel gegen die Schlafsucht, Hirnwuth, Vergiftung“ eingesetzt wurde, aber „heute keine Glauben mehr findet“.
Der Geologe Carl Cäsar von Leonhard (1779 bis 1862) berichtet ähnliches, dass im 19. Jahrhundert der Aberglaube existiere, Serpentin würde über zahlreiche Heilwirkungen verfügen. Er nennt unter anderem die Anwendung von „Wärmesteine(n) aus Serpetin (…) bei Magenübeln und Darmkrankheiten“, serpentinhaltige „Pillen und Pflaster“ wurden in Apotheken verkauft und man war davon überzeugt, dass Serpentin die passende Arznei „gegen den Biß giftiger Thiere, besonders der Schlagen“ sei.

In der heutigen Medizin spielt Serpentin keine Rolle mehr. Trotzdem wird Serpentin in der Alternativheilkunde immer noch als Heilstein angeboten, auch wenn die Wirkung von Serpentin auf die Gesundheit in klinischen Untersuchungen nicht bewiesen werden konnte.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Gmelin, J. F. (1790): Serpentinstein. IN: Grundriß der Mineralogie
⇒ Werner, A. G. (1791): Serpentin. IN: Ausführliches und systematisches Verzeichniß des Mineralien-Kabinets des weil hl. Karl Eugen Pabst von Ohain
⇒ Schrank, F. P. (1793): Serpentin. IN: Anfangsgründe der Bergwerkskunde
⇒ Batsch, A. (1796): Serpentin. IN: Versuch einer Mineralogie für Vorlesungen und für anfangende Sammler von Mineralien entworfen
⇒ Zappe, J. R. (1817): Serpentin. IN: Mineralogisches Handlexicon
⇒ Leonhard, C. C. (1838): Serpentin. IN: Geologie oder Naturgeschichte der Erde auf allgemein fassliche Weise abgehandelt. Mit Stahlstichen
⇒ Kurr, J. G. (1844): Serpentin. IN: Grundzüge der ökonomisch-technischen Mineralogie
⇒ Quenstedt, F. A: (1877): Serpentin. IN: Handbuch der Mineralogie
⇒ Doelter y Cisterich, C. A. (1893): Serpentin. IN: Edelsteinkunde. Bestimmung und Unterscheidung der Edelsteine und Schmucksteine. Die künstliche Darstellung der Edelsteine
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine: alle alle Arten und Varietäten; 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine: alle alle Arten und Varietäten; 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine & Gesteine. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, Stuttgart
www.mindat.org - Serpentine Subgroup

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