Logo steine-und-minerale.de

Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 19.02.2020


Selenit

Selenit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: selenite | französisch: sélénite


Selenit Foto
Seltenit

Selenit - Gips in der reinsten Form

Die Bedeutung des Namens Selenit geht auf das griechische Wort für Mond - seléne - zurück. Bei der Namensgebung aus dem Jahr 1750 verweist der schwedische Chemiker und Mineraloge Johan Gottschalk Wallerius (1709 bis 1785) auf die klaren, weißen Reflektionen des Minerals, welche ihn an die des Mondes erinnern. Daher wird Selenit teilweise auch als Mondstein bezeichnet.

.

Eigenschaften von Selenit

Selenit ist eine Varietät von Gips mit der chemischen Zusammensetzung CaSO4·2H2O, die der in der Mineralogie gängigen Klasse der Sulfate zugeordnet wird.
Bezugnehmend auf die "Verwandtschaft" mit Gips und der tafelig-spatigen Kristalle wegen wird Selenit vor allem in der älteren Literatur als Gipsspat bezeichnet, bei Wallerius unter dem Begriff gypsum lamellis.

Selenit ist vorwiegend von weißer Farbe oder farblos. Verschiedene Beimengungen verleihen dem Mineral zarte, klare Farben.
Wallerius unterschied seinerzeit bei der Beschreibung von Selenit aus einem Gipsbruch beim Quedlingburg weißen, gelben und schimmernden Selenit.
Die Strichfarbe ist weiß.

Selenit kristallisiert dem monoklinen Kristallsystem folgend. Die Kristalle von Selenit sind prismatisch und tafelig. Die Aggregate werden als rosettenartig, körnig, massig oder faserig beschrieben.

Selenit zeichnet sich durch einen faserigen, muscheligen und splitternden Bruch aus, die Spaltbarkeit ist vollkommen. Der Glanz von Selenit ist glasartig, auf Spaltflächen präsentiert sich ein perlen- bis seidenartiger Glanz. Die Transparenz der Kristalle ist undurchsichtig bis durchsichtig.

Selenit ist mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2 ein sehr weiches Mineral. Die Dichte beträgt 2,32 g/cm3.


selenit_mineral - Mineral und Kristalle
Selenit-Varietät Marienglas

Marienglas und Selenit

Unter dem Begriff Marienglas werden besonders klare Selenitkristalle zusammengefasst, die in der Vergangenheit für Darstellungen von Maria oder Maria und Jesus anstelle von Glas verwendet wurden.


Entstehung und Verbreitung von Selenit

Selenit als Mineral sedimentären Ursprungs entseht hauptsächlich in der Oxidationszone von sulfidhaltigen Erzlagerstätten oder in Salzstöcken.
Die Entstehung von Selenit ist ebenso über die Metamorphose von Anhydrit möglich. Teilweise ist Selenit auch in Tonsteinen oder Sanden integriert.

Die Vorkommen von Selenit sind unter anderem mit Zinkblende, Pyrit und Halit, Bleiglanz und Calcit vergesellschaftet.

Finden kann man Selenit bspw. in Friedrichroda (Marienglashöhle), Osterode, Staßfurt, Eisleben/Deutschland; Kärnten/Österreich; Volterra/Italien; Polen; England; Frankreich; Russland; Utah, Dakota, Michigan, Kentucky, Kansas/USA; Mexiko; Peru; Madagaskar und Marokko.


Selenit - Unsere Empfehlung*


Verwendung und Bedeutung von Selenit

Selenit wurde bereits zur Zeit des Alten Roms verwendet. Kristallklare Exemplare wurden zu Fenstern zusammengesetzt oder als Spiegel genutzt - daher auch der Name Spiegelstein (Lapis specularis) als Synonym für Marienglas (Glacies Mariae).

Heutzutage findet Selenit in der Bauindustrie, beispielsweise als Bindemittel, Estrichgips, der durch Selenit einen feinen Schimmer erhält, oder als Leichtbaumaterial Verwendung.

Als Schmuckstein ist Selenit weniger von Bedeutung. Das Mineral ist zu weich und filigran, als dass es zur Verarbeitung für Schmuck geeignet wäre. Bei Mondsteinen, die als Schmuckstein verkauft werden, handelt es sich sehr wahrscheinlich nicht um Selenit, sondern um die Feldspat-Varietät Mondstein.

Daneben wird Selenit als Heilstein, ohne dass die Heilwirkung von Selenit in klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte.


Nachweis von Selenit

Wird Selenit in einem unverschlossenen Reagenzglas über der Flamme auf über 163°C erhitzt, wird Wasser freigesetzt. Selenit ist fast unlöslich in Säuren.


Siehe auch:
Wüstenrosen - Rosen aus Sand und Gips
Steinpapier
Alabaster


Quellen:
⇒ Wallerius, J. G. (1750): Johann Gottschalk Wallerius, Der Weltweisheit und Arzneikunst Doktors auf der königl. Akademiez zu Upsala, der medicinischen Facultät Adiunctus, der römisch-kaiserlichen Akademie der Naturforscher, auch des königl. medicinischen Kollegii zu Stockholm Mitgliedes, Mineralogie, oder Mineralreich von Ihm eingeteilt und beschrieben. Berlin 1750
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München

* = Affiliate Link, d.h. beispielhafte Links, die zum Partnerprogramm von Amazon führen und bei erfolgreichem Verkauf mit einer Provision vergütet werden, ohne dass für Sie Mehrkosten entstehen.

Steine schleifen mit Profimaschinen

Börsenkalender

Mineralienboersen Kalender
Hier gelangen Sie direkt zum Börsenkalender

Unsere Buchmpfehlung

Der neue Kosmos-Mineralienführer: 700 Mineralien, Edelsteine und Gesteine

Kosmos Mineralienführer

Mehr Details


angeboten bei Amazon

Mineralien-Steckbriefe