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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 16.11.2020


Schörl

Schörl - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: schorl | französisch: schorl


schoerl Foto
Schörl

Schörl oder der schwarze Stangenschörl

Eine der ältesten Erwähnungen des Minerals Schörl stammt aus der Feder von Ulrich Rüblein von Calw (1465 bis 1523). In seinem Werk „Ein wolgeorndet un nutzlich Büchlein, wie man Bergwerck suchen und finden soll, von allerley Metall, mit seinen figuren, nach Gelegenheyt deß Gebürges artlich angezeygt, mit anhangenden Bercknamen, den einfahenden Bergleuten vast dienstlich“ erwähnt der Arzt und Montanwissenschaftler Rüblein von Calw 1505 im Zusammenhang mit der Beschreibung der natürlichen Vorkommen von Gold (Kapitel: „Von Goldertz“) „groß spissig schörlein“.

Tatsächlich ist der Name Schörl noch etwas länger im Umlauf als zu Rüblein von Calws Zeiten. So schreibt Andreas Ertl im Jahr 2006 in seinen Ausführungen „Über die Etymologie und die Typlokalitäten des Minerals Schörl“, dass in der Vergangenheit mit dem Begriff Schorl im Althochdeutschen Abfall gemeint war; auf den Bergbau übertragen: Abfall im Sinne von nicht-erzführenden Mineralien. Scheinbar waren die Schörl-Vorkommen in einer Ortschaft im Erzgebirge besonders reichhaltig, sodass sich daraus der Name Zschorlau entwickelte – ein Ort, der auf eine über 700-jährige Geschichte zurückblickt.

1810 setzte sich der Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817) ebenfalls intensiv mit der Mineral Schörl auseinander. Unter dem Titel „Chemische Untersuchung des gemeinen Schörls“ weist Klaproth darauf hin, dass „fast jedem neu vorkommenden Fossile (Anmerkung: Fossil nicht im Sinne einer Versteinerung, sondern als früher gebräuchliche Bezeichnung für alles Ausgegrabene wie Gesteine, Mineralien, Versteinerungen oder auch Pflanzenteile), welches man keiner der bekannten Steingattungen anzureihen wußte, nannte man Schörl“. Das führte verständlicherweise zu „Verwechslungen und Irrthümern“, weshalb laut Klaproth lediglich der Gemeine Schörl bzw. der Schwarze Stangenschörl dem Schörl der heutigen Vorstellung bzw. Definition entspricht.


Afrisita - Aufnahme des Minerals
Turmalin-Varietät Schörl

Eigenschaften von Schörl

Schörl ist die am häufigsten vorkommende Varietät der Turmalingruppe (kurz: Turmalin) und damit u.a. mit den Mineralien Rubellit, Verdelith, Dravit, Elbait und Indigolith verwandt.
Die Turmalin-Varietät Schörl wird mit der chemischen Zusammensetzung Na(Mg,Fe,Li,Mn,Al)3Al6(OH)4/(BO3)3Si6O18 der Mineralklasse der borhaltigen Silikatmineralien zugeordnet. Im Vergleich zu anderen Turmalin-Mineralien ist der Eisengehalt von Schörl sehr hoch, weshalb mitunter der Ausdruck Eisenturmalin für Schörl geläufig ist.

Die Farbe von Schörl ist schwarz bis blauschwarz, oder Klaproth 1810 meinte: „von der schönsten schwarzen Farbe“, wobei das farbgebende Element von Schörl Eisen ist.
Bedingt durch die Farbe und die Zugehörigkeit zur Turmalingruppe wird Schörl oftmals auch unter dem Namen Schwarzer Turmalin verkauft.
Die Strichfarbe von Schörl – die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen wird – ist weiß.

Schörl kristallisiert dem trigonalen Kristallsystem folgend und bildet stengelige Kristalle mit massig-kompaktem Habitus. Aufgrund der Form der Kristalle und der schwarze Farbe kann Schörl leicht mit Aegirin verwechselt werden.

Schörl zeichnet sich zudem durch einen glasartigen Glanz bei durchscheinender bis undurchsichtiger Transparenz aus.
Der Bruch des schwarzen Minerals ist uneben und muschelig, die Spaltbarkeit ist sehr vollkommen.

Mit einer Mohshärte von 7 bis 7,5 zählt Schörl zu den harten Mineralien. In der Mineralogie wird die Härte aller Mineralien nach der 10-stufigen Skala des Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) erfasst, wobei die Mohshärte 1 für sehr weiche Mineralien (z.B. Talk) steht, und Diamanten mit einer Mohs´schen Härte von 10 die härtesten Mineralien der Welt sind. Die Mohshärte steht ferner in Zusammenhang mit der Definition Edelstein. Demnach gilt ein Mineral als Edelstein, wenn dieser über besondere Schönheit (Glanz, Reinheit, Farbe) und Seltenheit verfügt und das Kriterium der Edelsteinhärte erfüllt, die ab einer Mohshärte von 7 gegeben ist und damit auf Schörl zutrifft.
Die Dichte von Schörl beträgt 3,18 bis 3,2 g/cm³.


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Entstehung und Verbreitung von Schörl

Schörl ist ein Mineral magmatischen Ursprungs und entsteht während der Abkühlung von an die Erdoberfläche aufdringenden, eisenreichen Gesteinsschmelzen.

Ebenso möglich ist die Entstehung von Schörl im Zuge metamorpher Vorgänge - durch Aufschmelzung und Neukristallisation eisenhaltiger Ausgangsgesteine unter Einfluss borhaltiger Lösungen werden diese chemisch umgewandelt und rekristallisieren in einer thermo-dynamisch angepaßten Form, bspw. als Schörl.

Durch die hohe Verwitterungsstabilität des Minerals lagert sich aus dem Muttergestein herausgelöster Schörl auch in Seifen ab.

Die Vorkommen von Schörl sind neben Apatit, Beryll und Feldspat auch mit Glimmer, Quarz und Topas vergesellschaftet.

Als Fundorte von Schörl sind unter anderem Grönland; Skandinavien; England; Schottland; Irland; Oberlausitz, Ehrenfriedersdorf, Vogtland, Spessart, Odenwald, Straubing und Oberwolfach/Deutschland; Schweiz; Zillertal, Stubachtal, Villach, Klagenfurt und Koralpe/Österreich; Tschechien; Slowakei; Slowenien; Italien; Ukraine; Ruanda; Namibia; China; Japan; Australien; Argentinien; Brasilien; USA und Kanada.


Verwendung und Bedeutung von Schörl

Das Mineral Schörl ist wegen der hohen Gehaltes an Bor und Eisen als Rohstoff wirtschaftlich von hoher Bedeutung.
Des Weiteren wird Schörl zur Herstellung von feuerfestem Porzellan und Glas verwendet.
Aufgrund der Fähigkeit, sich bei Zufuhr von Wärme oder bei Reibung elektrostatisch aufzuladen, wird Schörl sowohl in der Elektronik als auch in der Textilreinigung eingesetzt, z.B. um Staub anzuziehen.

Daneben ist Schörl bzw. Schwarzer Turmalin in der Edelsteinheilkunde als Heilstein oder Chakrastein von hoher Bedeutung, ohne dass die Wirkung von Schörl auf die Gesundheit in klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte.


Nachweis von Schörl

Schörl ist in Säuren löslich, in der Flamme aber nur schwer schmelzbar. Das Mineral fluoresziert nicht.


Auch interessant:
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Quellen:
⇒ Rüblein von Calw, U. (1505): Ein wolgeorndet un nutzlich Büchlein, wie man Bergwerck suchen und finden soll, von allerley Metall, mit seinen figuren, nach Gelegenheyt deß Gebürges artlich angezeygt, mit anhangenden Bercknamen, den einfahenden Bergleuten vast dienstlich
⇒ Klaproth, M. H. (1810): Chemische Untersuchung des gemeinen Schörls. IN: Beiträge zur chemischen Kenntnis der Mineralkörper, Band 5
⇒ Ertl, A. (2006): Über die Etymologie und die Typlokalitäten des Minerals Schörl. IN: Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft 152 (2006)
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- www.mindat.org - schorl

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