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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 19.02.2020


Marienglas

Marienglas - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: Mary´s Glass/Marienglas | französisch: marienglas

Marienglas - Glacies Mariae

Der Name Marienglas entstand im Zusammenhang mit der kirchlichen Ikonenmalerei. Um die Bildnisse, die Maria oder Maria und Jesus darstellen, vor Verschmutzungen zu schützen, wurde das glasartige, durchsichtige Mineral anstelle von Glas verwendet. Bisweilen gibt es regionale Unterschiede in der Bezeichnung, sodass neben dem Begriff Marienglas auch der Name Madonnenglas oder Frauenglas gebräuchlich ist.
Eine der ältesten Quellen, in der die Bezeichnung Marienglas erwähnt wird, stammt von Georg Agricola (1494 bis1555, deutscher Geologe), der Marienglas seinerzeit noch unter dem lateinischen Namen Glacies Mariae führte.


Selenit
Marienglas


Eigenschaften von Marienglas

Als Marienglas wird in der Mineralogie besonders reiner, glasähnlicher Selenit bezeichnet. Selenit wiederum ist eine Varietät von Gips (chemische Zusammensetzung CaSO4·H2O/Sulfatmineral).

Marienglas ist farblos. Die Strichfarbe von Selenit - d.h., die Farbe, die beim Streichen eines Minerals über ein unglasiertes Porzellantäfelchen entsteht - ist weiß.

Das kristallwasserhaltige Mineral kristallisiert dem monoklinen Kristallsystem folgend und bildet prismatisch, tafelige Kristalle, die bis zu 14 m lang werden können.

Marienglas ist von glasartigem Glanz bei durchsichtiger Transparenz. Der Bruch des Minerals ist faserig, muschelig und splitternd, die Spaltbarkeit ist sehr vollkommen.

Mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2 auf der zehnstufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Geologen Carl Friedrich Christian Mohs ist Marienglas ein sehr weiches Mineral, das mit dem Fingernagel zerkratzt werden kann. Die Dichte beläuft sich auf 2,32 g/cm³.


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Entstehung und Verbreitung von Marienglas

Marienglas ist ein Mineral sedimentären Ursprungs und geht aus der Eindampfung entsprechender Lösungen hervor. Ferner kann Marienglas über den Weg der Metamorphose aus Anhydrit entstehen.

Die bedeutendsten Vorkommen von Marienglas befinden sich in Frankreich, Eifel, Mansfelder Revier und Friedrichroda/Deutschland, Italien, Spanien sowie in Naica/Mexiko.


Marienglashöhle in Friedrichroda

Die Marienglashöhle in Friedrichroda/Thüringen ist der bekannteste Standort in Deutschland, wo Marienglas über viele Jahre hinweg abgebaut wurde.

Ursprünglich wurde in der Umgebung von Friedrichroda Kupfer abgebaut, sodass nach stichprobenartigen Funden im Jahr 1775 in den Felsen des Tannenkopfs ein Stollen gesprengt wurde. Per Zufall wurde 1778 in diesem Zusammenhang ein natürlicher Hohlraum mit zahlreichen Gipskristallen entdeckt. Da der hiesige Gips von besonders hoher Reinheit war, wurde das Mineral fortan anstelle von Glas als Staubschutz für Marienbildnisse verwendet. Infolge dieser Verwendung wurde das Marienglas von Friedrichroda über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und die Höhle Marienglashöhle genannt.

Schätzungen zufolge wurden in der Marienglashöhle seit der Entdeckung bis 1903 – als der Abbau in Friedrichroda eingestellt wurde - etwa 20.000 t Gips abgebaut und ist heute für Besucher als Schauhöhle zugänglich.


Verwendung und Bedeutung von Marienglas

Aufgrund der sehr vollkommenen Spaltbarkeit lässt sich Marienglas in feine Scheiben von gleichmäßiger Dicke zerlegen, weshalb das Mineral in der Vergangenheit als Glasersatz und als Material für Spiegel verwendet wurde.

Daneben wird Marienglas als Heilstein verkauft, ohne dass eine heilende Wirkung von Marienglas in klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte.


Siehe auch:
Alabaster
Höhlenperlen
Eis - Ein Mineral?


Quellen:
⇒ Wallerius, J. G. (1750): Johann Gottschalk Wallerius, Der Weltweisheit und Arzneikunst Doktors auf der königl. Akademiez zu Upsala, der medicinischen Facultät Adiunctus, der römisch-kaiserlichen Akademie der Naturforscher, auch des königl. medicinischen Kollegii zu Stockholm Mitgliedes, Mineralogie, oder Mineralreich von Ihm eingeteilt und beschrieben. Berlin 1750
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
www.mineralienatlas.de - Marienglas


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