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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 31.03.2020


Beryll

Beryll - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: beryl | französisch: béryl


Ohrring mit Smaragd
Bild 1: Ohrstecker mit Smaragd-Beryll



Der Name Beryll stammt ursprünglich aus dem Altgriechischen (béryllos) und wurde mit mit klarer Kristall übersetzt, sodass lange Zeit alle farblosen Mineralien unter dem Begriff Beryll zusammengefasst wurden, ohne dass zwischen einzelnen Mineralien unterschieden wurde. Aus dem Wort Beryll entwickelte sich später im Mittelhochdeutschen das Wort Brille.

Eine der ältesten Beschreibungen des Begriffs Brille findet sich dem römischen Universalgelehrten Plinius dem Älteren (23 bis 79 n. Chr.) in seinem Werk „Naturalis Historia“ (Naturgeschichte) wieder, aber auch flämische Botaniker, Chemiker und Mineraloge Anselmus de Boodt (1550 bis 1623) beschreibt 1609 verschiedene Berylle in seinem Buch „Gemmarum et Lapidum“ (Edelsteine und Steine).


Eigenschaften von Beryll

Unter dem Namen Beryll wird in der Mineralogie kein bestimmtes Mineral definiert, sondern eine Gruppe von Mineralien zusammengefasst, die über eine vergleichbare chemische Zusammensetzung verfügen: die Beryll-Gruppe; kurz Beryll – genau wie bspw. Olivin, Quarz und Granat die Bezeichnungen für eine Gruppe von Mineralien sind.

Chemisch betrachtet bestehen Berylle aus Be3Al2(SiO3)6/Aluminium-Beryllium-Silikat, wobei die Zusammensetzung innerhalb der Beryll-Gruppe geringfügig variiert, alle Berylle dennoch Vertreter der Mineralklasse der Silikate sind.

Bereits 1698 erkannte Christoph Enceli, dass die Beryll-Gruppe aus mehreren Mineralien besteht: „... vielerley Gattungen des Berylls...“. Heutzutage wird die Beryllgruppe durch folgende Mineralien repräsentiert:

Berylle kristallisieren dem hexagonalen Kristallsystem folgende und bilden prismatische, tafelige und längsäulige Kristalle, die häufig parallel verlaufende Längsstreifen, sog. Riefen, zeigen. Die Aggregate von Beryll sind massig, körnig oder stängelig.

Beryll zeichnet sich durch einen muscheligen Bruch sowie eine unvollkommene Spaltbarkeit aus. Der Glanz von Beryll ist glasartig bei durchsichtiger, durchscheinender bis undurchsichtiger Transparenz.

Die Mohshärte von Beryll beträgt 7,5 bis 8 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Carl Friedrich Christian Mohs und erfüllt damit das Kriterium der Edelsteinhärte (über Mohshärte 7). Die Dichte von Beryll schwankt zwischen 2,6 bis 2,9 g/cm³.

berylit - Mineral und Kristalle
Beryll

Die Farbe von Beryll

Berylle sind farbenfrohe Mineralien, deren Farbe ursächlich mit verschiedenen Elementen begründet ist, wobei der farblose Goshenit als Beryll in der Reinform gilt.

Teilweise gibt der Name einiger Beryll-Mineralien bereits Aufschluss über die Farbe.
Im Fall von Goldberyll und Roter Beryll ist die Farbe auch im Deutschen selbsterklärend. Aquamarin wird aus dem Lateinischen mit Wasser des Meeres übersetzt; Christoph Enceli beschrieb die Farbe von Aquamarin 1698 wenig charmant als „Meergrün mit untermengten Schimmel- und Himmelblau“. Smaragd hingegen wird aus dem Griechischen mit grün übersetzt.

Mitunter überschneiden sich die Farben innerhalb der Beryllgruppe, sodass Roter Beryll mit Pezzottait und Rosterit mit Goshenit verwechselt werden kann – Aufschluss, um welches Mineral es sich tatsächlich handelt, deckt die gemmologische Untersuchung (u.a. Bestimmung der Zusammensetzung, Refraktionsindex) auf.

Tabelle: Die Farben von Beryll
Mineral Farbe
Aquamarin hell- und mittelblau bis blaugrün - Blauer Beryll
Goldberyll/Heliodor hellgelb, zitronengelb, goldgelb bis gelbgrün
Goshenit farblos
Morganit rosa, lachsfarben, hellviolett bis pfirsichfarben – Rosa Beryll
Rosterit farblos bis hellrosa
Pezzottait  rot, reinrot, orangerot oder himbeerfarben - Himbeerberyll
Roter Beryll/Bixbit rot, rosa, intensiv pink oder rotblau bis nahezu violett
Smaragd grün – Grüner Beryll
Vorobieffit farblos bis blau

Die Strichfarbe von Beryll – die Farbe, die entsteht, wenn ein Mineral über eine unglasierte Porzellantafel (Strichtafel) gestrichen wird – ist trotz der Farbvielfalt immer weiß.


Farb- und Reinheitskorrektur von Beryll

Mineralien und Edelsteine, die zu Schmuck verarbeitet werden, werden oftmals einer „Schönheitsbehandlung“ unterzogen, um bspw. die Farbe zu intensivieren, korrigieren oder gänzlich umzufärben. Aber auch die Verbesserung der Reinheit steht im Fokus. Einschlüsse von anderen Mineralien, Gasen oder Flüssigkeiten beeinträchtigen die Reinheit vieler Mineralien.

Ein Verfahren, das bei vielen Mineralien zwecks Farbverbesserung Anwendung findet, ist das Brennen. Die Steine werden auf eine individuelle Temperatur erhitzt mit der Folge, dass es zu chemischen Vorgängen oder der Neuanordnung der Atome in den Kristallen kommt, die sich in einer anderen, kräftigeren oder gleichmäßigeren Farbe äußern.

Bei Beryllen wird diese Methode nur bei Aquamarin und Morganit angewendet, insofern grün- oder gelbstichige Nuancen von Aquamarin bei einer Temperatur von 400 °C in das typische Aquamarinblau umschlagen, genau wie sich farbloser bis gelbstichiger Morganit bei 400 °C in das begehrte Rosa umfärben lässt.

Smaragde hingegen können strukturbedingt nicht gebrannt werden. Aufgrund der Entstehung weist Smaragd zahlreiche interne Fissuren, Risse, auf, die wirken, als würden in den grünen Kristalle feines Moos oder andere filigrane Pflanzen gedeihen – die sog. Jardins. Würde ein Smaragd nun erhitzt werden, riskiert man, dass das Mineral zerspringt.

Stattdessen wird eine andere Methode angewendet, um die Farbqualität von Smaragd zu optimieren – und dabei gleichzeitig mehr Härte/Robustheit zu erreichen: die Steine werden mit farblosem oder eingefärbtem Wachs, Öl, Harz oder Paraffin ummantelt, die bisweilen auch bis ins Innere des Edelsteins vordringen und die Hohlräume sowie Risse auffüllen. Vor allem Zedernholzöl hat sich bei dieser Behandlung bewährt, weil das Öl einen mit Smaragd vergleichbaren Brechungsindex aufweist, sodass die Füllung farblich nicht zu erkennen ist; der Stein im Gesamten aber reiner und farbintensiver wirkt.


Entstehung und Verbreitung von Beryll

Beryll sind sowohl Bestandteil magmatischer Gesteine mit saurem Chemismus als auch in hydrothermalen Gängen zu finden. Die Kristalle sind mitunter von beachtlicher Größe, da das Mineral aufgrund der geringen Größe des Beryllium-Atoms im Zuge vorhergehender Kristallisationsvorgänge der silikatischen Ausgangsschmelze nicht in andere Silikate eingebaut werden konnte und erst in der Restschmelze Zeit fand, auszukristallisieren.
Zudem existieren Vorkommen in feinkörnigen Sedimenten und in metamorphen Gesteinen.

Die Funde von Beryll werden von zahlreichen Mineralien begleitet, darunter Quarz, Topas, Turmalin und Chrysoberyll auch Rutil, Kassiterit, Feldspat und Phenakit.

Nennenswerte Beryll-Vorkommen befinden sich u.a. in Norwegen; Schweden; Finnland; Russland; Schottland; England; Frankreich; Löbau, Altenberg, Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt, Wunsiedel, Tröstau, Hagendorf, Wendelberg, Odenwald und Haslach/Deutschland; Tavetsch, Wallis und Tessin/Schweiz; Zamser Grund, Hohe Tauern, Moschkogel, Wachau, Mühlviertel und Waldviertel/Österreich; Spanien; Portugal; Italien; Tschechien; Slowakei; Serbien; Ukraine; Nigeria; Niger; Elfenbeinküste; Kongo; Ruanda; Kenia; Namibia; Madagaskar; Südafrika; Afghanistan; Pakistan; Kasachstan; Mongolei; China; Myanmar; Australien; Neuseeland; Argentinien; Brasilien; USA und Kanada.



beryll Foto
Aquamarin

Verwendung und Bedeutung von Beryll

Beryll wird neben der Gewinnung von Beryllium vor allem als Schmuckstein verwendet.


Beryll und Schmuck

Während Aquamarin und Smaragd als klassische Edelsteine bereits seit Jahrhunderten zu Schmuck verarbeitet werden, sind Goldberyll, Roter Beryll, Morganit und Goshenit vergleichsweise neu in der Schmuckbranche – u.a. zurückzuführen auf den Zeitpunkt der Entdeckung wie Morganit im Jahr 1910. Die anderen Berylle werden weniger genutzt, bedingt durch die relativ seltenen Vorkommen.

Ebenso abwechslungsreich wie die Farben der Berylle sind, ist auch die Auswahl der Schliffe, die sich bei Beryll wiederfinden – allerdings bestimmt der Stein den Schliff bzw. dessen Transparenz. Trüber Beryll wird mit Glattschliffen wie dem Cabochonschliff versehen, um die Farbe des Minerals zu betonen.

Kristallklarer Beryll wird im Facettenschliff gehalten, u.a. Ovalschliff, Smaragdschliff, Baguetteschliff, Trilliantschliff, Marquiseschliff/Navette, Princess-Schliff oder Herzschliff.

Und auch hier gibt es Einschränkungen, da nicht jede Beryll-Varietät für jeden Schliff prädestiniert ist. Der Smaragdschliff (engl. Emerald Cut) wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigens für Smaragde kreiert. Da der Stein beim Schleifen, wo ein nicht unerheblicher Druck ausgeübt wird, zum Splittern und Zerbersten neigt, hat man mit dem rechteckigen Smaragdschliff einen Schliff erfunden, bei dem sich der Druck in Grenzen hält, die Farbe trotz der minimalistischen Facetten dennoch optimal betont wird.


Nachweis von Beryll

Nicht alle Beryll-Vertreter fluoreszieren oder sind pleochroitisch. Lediglich Morganit zeigt eine violette Fluoreszenz, Goldberyll fluoresziert leuchtend hellgelb, Heliodor zeigt gelb-grüne Effekte.
Beryll ist schwer schmelzbar und wird lediglich in Fluss- und Oxalsäure angelöst.


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Quellen:
⇒ De Boodt, Anselmus (1609): Gemmarum et Lapidum Historia
⇒ Enceli, C. (1698): Corpus Iuris & Systema rerum Metallicarum
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- www.mindat.org - beryl

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