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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 16.09.2020


Bergkristall

Bergkristall - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: rock crystal | französisch: cristal de roche


Bergkristall - Foto
Bergkristall

Inhaltsverzeichnis Bergkristall



Bergkristall - Der kristallklare Quarz

Das Mineral Bergkristall wurde lange Zeit für gefrorenes oder versteinertes Eis gehalten, das vor allem in Höhlen gefunden wurde; daher auch der aus dem Griechischen stammende Name (griech: krýstallos = Eis).

Der Name Bergkristall setzte sich aber erst im 17. Jahrhundert durchsetzen. Vorher war Bergkristall unter der lateinischen Bezeichnung crystallus montana oder Quarzum crystallus geläufig, wie bspw. die Aufzeichnungen des deutschen Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817) belegen.
Aber auch der Dichter und Geologe Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) befasste sich seinerzeit mit Bergkristallen. Ihm zu Ehren befindet sich in Aš/Tschechien ein Denkmal, das Goethe zeigt, wie er einen Bergkristall in den Händen hält.

Ein weiterer veralteter Name für Bergkristall ist Iris oder Irisquarz wie unter anderem Johan Gottschalk Wallerius (schwedischer Mineraloge und Chemiker, 1709 bis 1785) schreibt und den Namen folgendermaßen begründet, denn die Kristalle "spielen an der Sonne mit Regenbogenfarben. Daher der Name Iris, den ihnen einige unter den Alten geben, z.B. Plinius".


Eigenschaften von Bergkristall

In der Mineralogie wird Bergkristall als eine Varietät der Quarzgruppe, kurz Quarz definiert.
Die Mineralien der Quarzgruppe zeichnen sich durch die gleiche chemische Zusammensetzung (SiO2) und dieselben physikalischen sowie chemischen Eigenschaften aus. Übergeordnet zählt Bergkristall zu der in der Mineralogie gängigen Mineralklasse der Oxide.

Bergkristall kristallisiert dem trigonalen Kristallsystem folgend und bildet prismatische Kristalle mit sechs Seiten aus, deren Enden pyramidal zulaufen.
Sehr häufig treten die Kristalle von Bergkristallen auch in Form eines Doppelenders auf. Doppelender sind Kristalle, bei denen die Kristallenden vollständig ausgebildet sind. Im Fall von Bergkristallen sitzen auf einem Kristall beidseitig die typischen Pyramiden auf. Weit häufiger wachsen die Kristalle von Bergkristallen auf einer Gesteinsmatrix oder in einer Druse auf, sodass nur ein Kristallende ausprägt ist.
Zwillinge sind häufig. Die Aggregate von Bergkristallen sind derb und körnig, oft längs gestreift, häufig als Gruppe aufgewachsen.

Der Bruch von Bergkristall ist muschelig und spröde, die Spaltbarkeit unvollkommen. Der Glanz des Minerals ist glasartig, die Transparenz ist durchsichtig.

Bergkristall ist mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) ein hartes Mineral, dessen Dichte 2,65 g/cm3 beträgt.


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Bergkristalle - Kristallrasen
Bergkristalle

Die Farbe von Bergkristall

Bergkristall ist die reinste Form von Quarz. Die Farbe von Bergkristall ist farblos, weil keinerlei farbgebende oder farbverändernde Beimengungen im Mineral enthalten sind. Dadurch lässt sich Bergkristall eindeutig von anderen Quarzvarietäten wie violettem Amethyst, gelbem Citrin, grünem Prasem oder Rosenquarz unterscheiden.

Gleichlautendes erwähnte bereits der deutsche Mineraloge Georg Adolf Suckow (1759 bs 1813) in seinem Werk "Anfangsgründe der Mineralogie" aus dem Jahr 1790. Unter der Überschrift "Crystallisierter Quarz" definiert er den "ungefärbten Quarz - Silex Quarzum crystallus" als Bergkristall: "In so ferne dieser undurchsichtig ist, heißt er Bergkristall" und führt damit die Unterscheidung zu den "gefärbten Quarzkristallen" (crystallus montana colorata) auf.

Gelegentlich sind jedoch im Bergkristall Gase, Flüssigkeiten oder Mineralien eingeschlossen, die die Quarzvarietät milchig-weiß bis leicht gräulich wirken lassen.

Die Strichfarbe von Bergkristall - d.h., die Farbe, die beim Streichen über die Strichtafel (unglasiertes Porzellantäfelchen) entsteht - ist weiß.


Einschlüsse in Bergkristall

Bergkristalle können neben Gasen und Flüssigkeiten Einschlüsse von anderen Mineralien enthalten, die in der Mineralogie unter dem Begriff Inklusion zusammengefasst werden.

Abhängig vom Zeitpunkt des Einschlusses wird zwischen primären und sekundären Inklusionen unterschieden. Während primäre Einschlüsse vor der vollständigen Kristallisation in Hohlräumen entstanden, bildeten sich sekundäre Einschlüsse nach Vollendung des "Mutterkristall", bspw. indem mineralreiche Lösungen in Risse, Fissuren oder andere Schwachstellen im Mineral eindrangen.

Der deutsche Mediziner und Botaniker Christian Friedrich Ludwig (1757 bis 1823) listet1803 im Handbuch der Mineralogie die häufigsten Einschlüsse in Bergkristallen auf: "enthält nicht selten andere Fossilien, Schörl, Strahlstein, Amianth, Arsenikkies, Eisenglanz und dergl, auch Luftblasen, Wassertropfen...".
Zur Erklärung: Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden alle Materialien, die ausgegraben wurden als Fossilien bezeichnet: Mineralien, Gesteine, unterirdische Pflanzenteile sowie Fossilien im Sinne einer Versteinerung. Was heutzutage für Verwirrung sorgt, war damals der Wortherkunft Fossil geschuldet, die aus dem Lateinischen mit "ausgegraben" übersetzt wurde, ohne genauer zwischen den einzelnen Fossilien zu unterscheiden.

  • Strahlstein = Aktinolith
  • Eisenglanz = Hämatit
  • Arsenikkies = Arsenopyrit

Zu den häufigsten Mineralien, die in Bergkristallen eingeschlossen sind, zählen Goethit, Fluorit, Aktinolith, Rutil und Ajoit, die förmlich im Kristall zu schweben scheinen, aber auch Sand und Ton sowie goldgelbe Linsen aus Erdöl/Petroleum sind als Inklusion in Bergkristall zu beobachten. Die inkludierten Mineralien sind oftmals von geringer Größe, können aber dennoch die Gesamterscheinung des Bergkristalls beeinflussen, bspw. im Fall von feinnadeligen Rutilnadeln (sog. Rutilquarz).


Entstehung und Verbreitung von Bergkristall

Bergkristall als Mineral magmatischen Ursprungs entsteht wie alle Quarze während der Abkühlung silikatreicher Schmelzen. Gut ausgebildete Kristalle finden sich vorzugsweise in Gängen, Klüften, Drusen und Geoden.
Bergkristall ist nicht nur Bestandteil magmatischer Gesteine, z.B. Granit, auch metamorphe und sedimentäre Gesteine enthalten Bergkristalle, wie u.a. Gneis, Kalkstein, Sandstein oder Marmor.

Das Quarzmineral ist ein weltweit sehr häufig verbreitetes Mineral mit zahlreichen Vorkommen. Die Chancen, Bergkristall zu finden, stehen hoch; neben den Mineralien der Feldspat-Gruppe sind Quarze die am häufigsten vorkommenden Minerale der Erde.


Bergkristall in Rhyolith
Bergkristall in Rhyolith

Verwendung und Bedeutung von Bergkristall

Bergkristall dient nicht nur als Rohstoff für Glas, Lampen oder optische Linsen, das Mineral wird auch zu Schmuck verarbeitet und als Heilstein verkauft.


Ohrring mit Herkimer Diamant
Doppelender-Bergkristall Herkimer Diamant - zu Ohrsteckern gearbeitet


Bergkristall-Schmuck

Bergkristall wird zu Schmuck aller Art wie Ketten, Anhänger, Ringe, Ohrstecker, Armbänder verarbeitet.

Bergkristalle, die sich durch eine hohe Reinheit auszeichnen, werden bevorzugt mit facettierten Schliffen, bspw. Rundschliff, Ovalschliff, Smaragdschliff oder Herzschliff, versehen, um die Transparenz zu betonen.
Trübere Exemplare hingegen werden in Glattschliffen (z.B. Kugeln und Perlen, Cabochons, Trommelsteinen und Handschmeichlern) gehalten. Andere Schliffe orientierten sich an der natürlichen Form der Steine, sodass lediglich die Oberfläche des Steins poliert wird, oder aber Bergkristall als Rohstein zu Schmuck verarbeitet wird.
Zur Reinigung von Bergkristall-Schmuck genügt ein weiches, angefeuchtetes Tuch.


Heilstein Bergkristall

Wie zahlreiche andere Mineralien ist Bergkristall als Heilstein von hoher Bedeutung. In Kombination mit Rosenquarz und Amethyst gilt Bergkristall als das Trio der Heilsteine, denen eine unterschiedliche Wirkung auf die Gesundheit von Körper und Seele zugeschrieben wird.

Die Anwendung von Bergkristall als Heilstein ist vielgesichtig; praktiziert wird sowohl das Tragen des Kristalls als auch die Zubereitung von Edelsteinwasser (siehe Wassersteine) sowie als Heilsteine und die Verwendung als Chakrastein, auch wenn die Heilwirkung von Bergkristall in klinischen Studien nicht nachgewiesen werden konnte.
Daneben gilt Bergkristall als Glücksstein für das Sternzeichen Löwe und für im April Geborene.


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Diamant-Imitation Bergkristall

Als Schmuckstein ist Bergkristall ebenso von Bedeutung wie das Quarzmineral auch für die Imitation von Diamanten genutzt wird - wenngleich ein geschliffener Bergkristall nicht an die Wirkung des Farbenspiels von Diamanten (das sogenannte Feuer) herankommt.
Vorsicht ist besonders dann geboten, wenn es Diamanten unter den Namen

  • Herkimer Diamant
  • Schaumburger Diamant
  • Böhmischer Diamant
  • Marmarosch-Diamant
  • Arkansas-Diamant

zu kaufen gibt. Hinter jenen Handelsnamen verbirgt sich "nur" ein Bergkristall (siehe auch: Falsche Diamanten - Diamanten, die keine sind).
Nicht zuletzt zeigt sich der Unterschied zwischen Bergkristall und Diamant am Preis, der beim härtesten Mineral der Welt um etliches höher ist.



Bergkristall-Varietät Regenbogenbergkristall?

In letzter Zeit gewinnt zunehmend eine scheinbare Varietät von Bergkristall an Popularität: Regenbogenbergkristall oder auch Aqua Aura genannt. Hierbei handelt es sich um Bergkristall, der im Labor mit Gold bedampft wurde. Der hauchdünne Goldüberzug sorgt - je nach Lichteinfall - für einen metallischen Farbton, der in allen Farben des Regenbogens erscheint - vergleichbar mit dem farbigen Schimmern von Buntkupferkies.
Ein oberflächlich, farblich veränderter Bergkristall, der aber keine Varietät von Bergkristall darstellt.


Bergkristall erkennen

Bergkristall löst sich in Flußsäure auf und verändert die Farbe, wenn das Mineral auf 300 bis 400 °C erhitzt wird. Wird Bergkristall einer Bestrahlung mit Radium ausgesetzt, schlägt die Farbe ins Grau-Braune um und es entsteht Rauchquarz. Durch Bestrahlung mit Röntgenstrahlen kann man diesen Vorgang rückgängig machen.


Auch interessant:
Diamant und Bergkristall unterscheiden
Phantomquarz
Die Bergkristalle vom Planggenstock


Quellen:
⇒ Suckow, G. A. (1709): Anfangsgründe der Mineralogie, Weidmannische Buchhandlung, Leipzig
⇒ Ludwig, C. F. (1803): Handbuch der Mineralogie nach A. G. Werner. Erster Theil: Oryktognosie.
⇒ Wallerius, J. G. (1781): Mineralsystem, worin die Fossilien nach Klassen, Abtheilungen, Gattungen, Arten und Spielarten angeordnet, beschrieben und durch Beobachtungen, Versuche und Abbildungen erläutert werden. Erster Theil: Erd- und Steinarten
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
- www.mindat.org - rock crystal

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