Aragonit
Aragonit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung
englisch: aragonite | französisch: aragonit

Aragonit und arragonischer Apatit
Namenspate des Minerals Aragonit ist die Stadt Molina de Aragón in Spanien, von wo die ersten Kristalle stammen, die 1788 von Abraham Gottlob Werner (Mineraloge, 1749 bis 1817) in seinem Aufsatz „Kurze Nachricht von den sogenannten arragonischen Apatiten“ beschrieben wurden. Werner ging seinerzeit davon aus, dass es sich bei den Kristallen „...blaßgrün, meist aber nur grünlichweis und in der Mitte mehrentheils violblau“ um eine Apatit-Varietät mit „sechsseitigen Säulen“ handelt. Dabei verließ er sich einzig auf die physikalischen Eigenschaften.
Wenige Monate später nahm sich der Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817) der Analyse der chemischen Bestandteile an und stellte in seinem Beitrag „Phosphorsäure, ein Bestandtheil des Apatits“ folgendes fest: „Die vom Herrn Inspektor Werner im gedachten Aufsatz ebenfalls beschriebene sechsseitige Kalkspatkristallisation aus Arragonien können aber mit jenen sächsischen Apatiten nicht füglich zusammengestellt werden“, da der Apatit aus Molina de Aragón kein Phosphor enthielt und demnach ein eigenes Mineral darstellt.
Eigenschaften von Aragonit
Aragonit ist mit der chemischen Zusammensetzung CaCO3 ein Vertreter der Mineralklasse der Carbonate.
Innerhalb der Carbonat-Minerale zählt das Mineral zur Aragonit-Gruppe, bestehend aus den Mineralen Cerussit, Olekminskit, Alstonit, Barytocalcit, Paralstonit, Strontianit und Witherit.
Die Farbe von Aragonit ist in der Reinform farblos. Infolge von Beimengungen kann Aragonit verschiedene Farben aufweisen, am häufigsten sind weiß, farblos, grau, hellviolett, grünlich, bläulich, rötlich und gelblich; gelegentlich mehrfarbig gebändert.
Die Strichfarbe von Aragonit - die Farbe, die erscheint, wenn ein Mineral über ein unglasiertes Porzellantäfelchen gestrichen wird - ist trotz der Farbvielfalt weiß.
Aragonit kristallisiert dem orthorhombischen Kristallsystem folgend. Die Kristalle sind ein- und aufgewachsen, prismatisch, pseudohexagonal, langgestreckt, tafelig und nadelig, häufig auch gegenseitig durchdrungen. Die Aggregate des Minerals sind derb, krustig, faserig, strahlig, oolithisch und stalaktitisch. Verzwillingte Kristalle bzw. Viellinge sind bei Aragoniten häufig.
Aragonit ist von fettigem bis glasartigem Glanz, die Transparenz variiert zwischen durchscheinend bis durchsichtig. Der Bruch ist muschelig, die Spaltbarkeit ist vollkommen.
Die Mohshärte von Aragonit beträgt 3,5 bis 4 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem deutschen Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) bei einer Dichte 2,94 bis 2,95 g/cm3.

Aragonit und Calcit im Vergleich
Aragonit ist neben Calcit und Vaterit eine der drei Modifikationen von Calciumcarbonat. Die Unterschiede sind vor allem kristallographisch vorhanden, siehe Tabelle:
Eigenschaft | Aragonit | Calcit |
---|---|---|
Chemische Zusammensetzung | CaCO3 | CaCO3 |
Mineralklasse | Carbonate | Carbonate |
Kristallsystem | orthorhombisch | trigonal |
Farbe | farblos, weiß, farblos, grau, hellviolett, grünlich, bläulich, rötlich und gelblich | farblos, weiß, purpur, grau, schwarz, braun, gelb, rot, rosa, blau, orange oder grün |
Strichfarbe | weiß | weiß |
Glanz | fettig, glasartig | glasartig |
Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend | durchsichtig bis durchscheinend |
Bruch | muschelig | halbmuschelig, spröde |
Spaltbarkeit | vollkommen | vollkommen |
Mohshärte | 3,5 bis 4 | 3 |
Dichte | 2,94 bis 2,95 g/cm³ | 2,6 bis 2,8 g/cm3 |
Entstehung und Verbreitung von Aragonit
Aragonit entsteht vorwiegend unter hydrothermalen Bedingungen, kann aber auch als Sintermineral in Form der Varietät Erbsenstein bzw. Sprudelstein in der Umgebung von Thermalquellen aus der Zersetzung kalkreicher Gesteine hervorgehen.
Deshalb sind Funde von Aragonit sowohl in metamorphen als auch sedimentären Gesteinen möglich, insbesondere in Kalkstein.
Aragonit ist unter Hitzeinfluss nicht stabil und bei Temperaturen oberhalb von 400 °C, bspw. im Zuge der Kontakt- oder Regionalmetamorphose, erfolgt die Umwandlung in thermostabileren Calcit oder wird zu Gips (Pseudomorphose).
Die Vorkommen von Aragonit werden von vielen Mineralen und Gesteinen begleitet; darunter unter anderem Basalte, Zeolithe und Gips.
Bedeutende Funde des weltweit sehr häufig vorkommenden Minerals existieren zum Beispiel auf den Britischen Inseln; in Schweden; Frankreich; Hildesheim, Goslar, St. Andreasberg, Nordhausen, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Siegerland, Sauerland, Eifel, Hunsrück, Odenwald, Schwarzwald; Schweiz; Österreich; Spanien; Italien; Tschechien; Slowakei; Ungarn; Serbien; Rumänien; Griechenland; Türkei; Marokko; Namibia; Südafrika; Ukraine; Kirgistan; Israel; Aserbaidschan; Iran; Afghanistan; Pakistan; China; Thailand; Japan; Australien; Neuseeland; Chile; Brasilien; Bolivien; Mexiko sowie in den USA.

Verwendung und Bedeutung von Aragonit
Aragonit ist ein Stein, der gelegentlich zu Schmuck verarbeitet wird. Klare Exemplare des Minerals werden in facettierten Schliffen gehalten, während farbenfrohe Aragonite im Glattschliff (Cabochon, Trommelstein, Donut) geschliffen werden.
Weiterhin wird Aragonit verwendet, um Figuren zur Dekoration und eindrucksvoll ornamentierte Tischplatten und Wandvertäfelungen zu fertigen, wird aber auch als Heilstein angeboten, ohne dass die Heilwirkung von Aragonit in klinischen Untersuchungen bestätigt wurde.

Stalagtitischer Aragonit
Nachweis von Aragonit
Aragonit ist in verdünnter, kalter Salzsäure löslich. Zudem fluoresziert das Mineral grün bis grüngelb.
Sonstiges: Sprudel- und Erbsenstein, Eisenblüte und Perlmutt sind Varietäten von Aragonit.
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Quellen:
⇒ Werner, A. G: (1788): Kurze Nachricht von den sogenannten arragonischen Apatiten". IN: Bergmännisches Journal, Erster Band. Erstes Stück. April 1788
⇒ Klaproth, M. H. (1788): "Phosphorsäure, ein Bestandtheil des Apatits". IN Bergmännisches Journal. Erster Band. Drittes Stück. Junius 1788
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Okrusch, M. und S. Matthes (2009): Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. Springer Verlag Berlin Heidelberg
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