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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 27.10.2020


Anhydrit

Anhydrit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: anhydrite | französisch: anhydrite


Anhydrit Foto
Bild 1: Anhydrit aus Tilleda/Sachsen-Anhalt

Anhydrit - Wasserfreier Gips

Der Name Anhydrit wird aus dem Griechischen mit Stein ohne Wasser übersetzt - bezugnehmend darauf, dass das Mineral kein Wasser enthält und sich damit vom chemischen verwandten und wasserhaltigen Gips unterscheidet.

Geprägt wurde der Name Anhydrit von Abraham Gottlob Werner (1749 bis 1817), der Anhydrit neben Gips und Fraueneis (Anm. Marienglas/Selenit) 1804 als Vertreter der Vitriolsauren Kalkgattungen aufführt. Den Namen Anhydrit per se adaptierte er von früheren Umschreibungen anderer Mineralogen. So wurde Anhydrit im Jahr 1801 bei René-Just Haüy (Mineraloge, 1743 bis 1822) sowie Nicolas Vauquelin (Chemiker, 1763 bis 1829) als Chaux sulfatée anhydrite (wasserfreier Sulfatkalk) geführt.


Eigenschaften von Anhydrit

Anhydrit ist ein Sulfatmineral bestehend aus CaSO4/Calciumsulfat.

Die Farbe von Anhydrit ist weiß oder farblos, kann abhängig von Beimengungen verschiedener Elemente und Verbindungen aber auch gräulich, rosa, violett, bläulich (Handelsname Angelit) oder hellbraun sein.
Die Strichfarbe von Anhydrit ist dennoch in allen Fällen weiß.

Anhydrit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem. Die Kristalle sind prismatisch oder tafelig, gelegentlich ist die Kristalloberfläche gerieft. Die Aggregate von Anhydrit können faserig, spätig, traubig, körnig oder massig-derb sein.

Anhydrit weist einen fettigen, perlmutt- oder glasartigen Glanz auf, die Transparenz ist durchsichtig bis durchscheinend. Der Bruch des Minerals ist splittrig-uneben, die Spaltbarkeit ist sehr vollkommen.

Die Mohshärte beträgt 3 bis 3,5 auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) bei einer Dichte von 2,9 bis 2,99 g/cm³.

Anhidrit - Aufnahme des Minerals
Bild 2: Anhydrit-Kristalle im Detail

Entstehung und Verbreitung

Anhydrit ist ein Mineral sedimentären Ursprungs, Anhyrit ist ein sog. Ablagerungsmineral, das sowohl primar, originär und sekundär aus anderen Mineralen entstehen kann.

Primär gebildeter Anhydrit entsteht durch die Verdunstung von Wasser, in dem sich natürlicherweise gelöste Salze befinden. Optimale Entstehungsbedingungen finden sich in vielen vom Meerwasser bzw. von der Frischwasserzufuhr abgeschiedenen Lagunen oder Seen. Für die Evaporation (= Verdunstung) des Wassers sind neben einer geringen Luftfeuchtigkeit auch Temperaturen jenseits der 30°C-Marke erforderlich, damit die Verdunstung von Flüssigkeiten in der trockenen Luft optimal vonstatten geht. Solche Bedingungen herrschen ebenfalls in hydrothermalen Gängen oder in der Umgebung von Vulkanen, wo Anhydrit das Produkt der sogenannten Resublimation (austretende Gase gehen sofort in den festen Aggregatzustand über; kristallisieren aus, ohne dass die gasförmigen Stoffe vorher flüssig sind) ist.

Sekundär gebildeter Anhydrit entsteht, wenn das wasserhaltige Pendant Gips (Formel: CaSO4·2H2O) durch den Druck aufliegender Sedimente nach und nach entwässert wird. Der Vorgang der Dehydrierung kann durch die Zugabe von Wasser rückgängig gemacht werden - einhergehend mit einer Volumenzunahme des einstigen wasserfreien Anhydrits um bis zu 60 %. Durch dieses Größenwachstum ist Gips in der Lage, einst anhydrithaltige Gesteine förmlich zu zersprengen.

Vor allem, wenn Anhydrit auf geplantem Baugrund vorliegt, stellt dies ein unberechenbares Risiko dar. Ein Beispiel dafür sind die Tunnelröhren im Rahmen der Errichtung von Stuttgart 21. Der Untergrund im Baugebiet der Stadt Stuttgart ist großräumig von Anhydrit geprägt, von dem ein unkalkulierbares Risiko ausgeht. Bei Kontakt mit Wasser quillt Anhydrit auf und birgt das Potential der Zerstörung von Bauwerken in sich.

Die Vorkommen von Anhydrit werden unter anderem von Calcit, Quarz, Baryt, Kryolith, Gips, Schwefel, Coelestin, Dolomit, Halit, Chambersit und Magnesit begleitet.

Zu den bekannten Fundorte von Anhydrit zählen neben Celle und Hannover auch bspw. Staßfurt (Mansfelder Land), das Kyffhäusergebirge (Harz)/Deutschland; Salzburg, Steiermark, Oberösterreich (Salzkammergut), Tirol/Österreich; Wallis/Schweiz; Krakau/Polen; Toskana, Sardinien, Kampanien (Vesuv); Slowenien; Marokko; Tunesien; Ägypten; Namibia; Indien; Chihuahua/Mexiko; Pinatubo/Peru; New Jersey, Idaho, Virginia, Pennsylvania/USA.

Anhydrite - Mineral und KristalleBild 3: Anhydrit

Verwendung und Bedeutung von Anhydrit

Neben der Nutzung als Zuschlagstoff in Zement und anderen Baustoffen, wird Anhydrit pulverisiert auch für die Herstellung von Keramik genutzt. Ferner wird aus Anhydrit aufgrund der Schwefelgehalte Schwefelsäure gewonnen. Teilweise dient das Mineral auch der Innenraumgestaltung.


Nachweis von Anhydrit

Anhydrit schmilzt, wenn es erhitzt wird; zugleich verfärbt sich die Flamme rot. In Wasser löst sich Anhydrit nur schwer auf, vielmehr ist eine Kristallvergrößerung (Gipsentstehung!) zu beobachten. Teilweise zeigt sich bei Anhydrit ein hellgelber bis rosa oder farbloser Pleochroismus.


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Auch interessant:
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Vitriole und der Stein der Weisen


Quellen:
⇒ Ludwig, C. F. (1804): Handbuch der Mineralogie nach A. G. Werner. Zweyter Theil. Von den Gebirgsarten und Versteinerungen, nebst einigen geognostischen Fragmenten und Beylagen
⇒ Mohs, F. (1804): Des Herrn Jac. Fried. von der Null Mineralien-Kabinet: nach einem, durchaus auf äußere Kennzeichnen gegründeten Systeme geordnet, beschrieben und durch Hinzuthuung vieler dem gegenwärtigen Zustande der Mineralogie angemessener, erläuternder Anmerkungen und nöthiger Berichtigungen, als Handbuch der Oryctognosie brauchbar gemacht. Zweite Abtheilung, Wien
⇒ Physikalische Abhandlungen der königlich-baierischen Akademie der Wissenschaften. Zwote Abtheilung. 1806: Einige Bemerkungen über den wasserfreien Gyps (Anhydrit) und den Muriacit oder Würfelspath
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
www.swr.de - Stuttgart 21 – Tunnelbau in gefährlichem Gestein
- www.mindat.org - anhydrite

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