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Autor: (steine-und-minerale.de) | Letzte Aktualisierung: 01.10.2021


Tsilaisit

Tsilaisit - Eigenschaften, Entstehung und Verwendung

englisch: tsilaisite


Tsilaisit = Gelber Turmalin

Dass Turmalin ein abwechslungsreiches Mineral ist, was die Farbe betrifft, ist schon lange bekannt. Als die ersten Turmalinkristalle zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Weg von Ceylon in die Niederlande fanden, war der Name Turmalin bereits gängig, der wiederum mit „farbenfroher Stein“ übersetzt wird.

Gelbe Turmaline waren unter den vielen Farben von Turmalin allerdings eine Rarität und wurden erstmals im frühen 20. Jahrhundert beschrieben und von Wilhelm Kunitz (1900 bis 1959) Tsilaisit getauft – angelehnt an den Fundort Tsilaizina in der Region Antanarivo auf Madagaskar. Hier wurden 1910 die ersten gelben Turmalinkristalle entdeckt.


Eigenschaften von Turmalin

Tsilaisit ist die gelbe Varietät des Turmalinvertreters Elbait. Auch wenn die Farbe Gelb bei Elbait und Dravit durchaus vorkommt, werden als Tsilaisit nur die Turmaline definiert, die der entsprechenden chemischen Zusammensetzung entsprechen.

Tabelle: Die Eigenschaften von Schwarzem Turmalin
EigenschaftBeschreibung
Chemische Zusammensetzung
  • NaMn2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)
  • Manganturmalin
Mineralklasse kristallwasserhaltiges Silikatmineral
Farbe gelb
Strichfarbe weiß
Glanz glasartig
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch halbmuschelig
Spaltbarkeit n.n.
Mohshärte 7 bis 7,5
Dichte 3,133 g/cm³


Das Gelb von Tsilaisit variiert zwischen gelbbraun, orange-gelb bis hin zu einem Gelb mit einem Stich ins Grüne, das sich einen Namen als Kanarien-Turmalin gemacht hat, wie auch schon Heinrich Martin Koester (1734 bis 1802) feststellte: „ lichtgelber (Turmalin), dieser ist am undurchsichtigsten, und pflegt etwas ins grünliche zu spielen“. Der Mineraloge Carl Hartmann (1796 bis 1863) 1841 ergänzend dazu: „honiggelb bis gelblichbraun“, genau wie sein Kollege Johann Blum (1802 bis 1883) meint: „gelblichgrün“.Allen Farben gemeinsam ist das farbgebende Element Mangan (6 bis 9 %) sowie in Spuren auch Titan.

Um Tsilaisit bzw. gelben Turmalin, dessen Gelb ins Braune oder Orangefarbene spielt, marktfähig anbieten zu können, wird das sogenannte Brennen praktiziert. Dazu werden die Steine auf eine Temperatur von 500 bis 550 °C erhitzt, wobei der Vorgang von einigen Stunden bis hin zu fünf Tagen dauern kann. Höhere Temperaturen werden nicht eingesetzt, um zu vermeiden, dass die Kristalle zerbersten. Und auch nicht jeder Turmalin kann in einen gelben Turmalin via Brennen umgefärbt werden: nur Turmaline, die über dreiwertiges Mangan verfügen, das im Zuge der Hitzezufuhr in zweiwertiges Mangan reduziert werden, erstrahlen nach dem Brennen in gelb.

Bedingt durch die Seltenheit von Tsilaisit und möglicherweise auch, weil gelber Turmalin (noch) vergleichsweise unbekannt ist, kann der gelbe Edelstein auf den ersten Blick mit gelbem Saphir/Fancy Saphir, gelben Diamanten/Fancy Diamanten, Fluorit, Heliodor/Beryll, gelber Tansanit, Citrin/Quarz oder Bernstein verwechselt werden.


Entstehung und Verbreitung von Tsilaisit

Tsilaisit ist eines der seltensten Mineralien der Welt. Die für die Entstehung erforderlichen Voraussetzungen sind nur an wenigen Fundorten gegeben.
Tsilaisit ist ein Mineral magmatischen Ursprungs und das Ergebnis der Kristallisation aus eisenarmen, borhaltigen Restschmelzen, das als eines der letzten Mineralien aus der magmatischen Schmelze hervorgeht und deshalb vorrangig in Granit-Pegmatiten zu finden ist, wie bspw. In der Canary Mining Area in Lundazi/Sambia, auf der Insel Elba sowie in der Lombardei/Italien und der Typlokalität auf Madagaskar.

Dabei sind die Vorkommen von Tsilaisit unter anderem mit Quarz, Schörl sowie Plagioklas/Feldspat vergesellschaftet.


Bedeutung und Verwendung von Tsilaisit

Neben dem wissenschaftliche Interesse ist Tsilaisit vor allem für Mineraliensammlungen bedeutend, wird aber auch zu Schmuck verarbeitet.

Hochkarätige Schmuckstücke mit dem gelben Turmalin Tsilaisit sind allerdings die Ausnahme. 95 Prozent aller zutage geförderten Tsilaisite wiegen weniger als ein Karat (1 Karat = 0,2 Gramm).

Der Preis von Tsilaisit schwankt mit der Qualität des jeweiligen Steins – Farbe unbehandelt versus gebrannt? Kristallklare Transparenz oder sichtbare Einschlüsse? Perfekter Schliff oder Schliff mit fehlenden Facetten, unharmonischen Proportionen? So ergibt sich eine Preisspanne von 10 Euro pro Karat für minderwertigen Tsilaisit bis hin zu 1000 Euro pro Karat für exquisite Qualitäten, die zumeist aus Sambia stammen und keinerlei "Schönheitsbehandlungen" bedürfen.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Koester, H. M. G. (1779): Deutsche Encyclopaedie oder Allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften von einer Gesellschaft Gelehrten. Band 2
⇒ Blum, J. R. (1833): Gelber Turmalin. IN: Lehrbuch der Oryktognosie ⇒ Hartmann, C. (1841): Gelber Turmalin. IN: Die Wunder der Erdrinde. Gemeinfaßliche Darstellung der Geologie und Mineralogie
⇒ Kunitz, W. (1929): Die Mischungsreihen in der Turmalingruppe und die genetischen Beziehungen zwischen Turmalinen und Glimmern. IN: Chemie der Erde. Band 4, 1930
Laurs, B. M., Simmons, W. B., Rossman, G. R., Fritz, E. A., Koivula, J. I., Anckar, B. und Falster, A. U. (2007): Yellow Mn-rich Tourmaline from the Canary Mining Area, Zambia. IN: Gem & Gemology. Winter 2007
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
www.mindat.org - Tsilaisite

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