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Süßwasserperlen – Perlen aus Seen und Flüssen



Perlen sind ein Klassiker, wenn es um Schmuck geht. Schon im Neolithikum vor mehr als 7.000 Jahren wurden Perlen hierzulande als Schmuck getragen. Von Perlen, die in tropischen Gefilden auf Farmen im Meer gezüchtet wurden, war noch nicht zu denken. Vielmehr wurde sich mit Perlen aus heimischen Gewässern geschmückt – Perlen, die in Flüssen und Seen wuchsen: Süßwasserperlen.



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Süßwasserperlen = Frischwasserperlen

Süßwasserperlen (engl: fresh water pearls) sind Perlen von Muscheln, die in salzarmen Gewässern wie Flüssen, Seen oder Bächen leben und deshalb auch Frischwasserperlen genannt werden.
Allerdings reifen nicht in allen Muscheln Perlen heran; lediglich die Arten Margaritifera margaritifera (Flussperlmuschel), Cristaria plicata, Hyriopsis cumingi und Hyriopsis schlegeli können Perlen produzieren.


Die Eigenschaften von Süßwasserperlen

Auf den ersten Blick gibt es optisch keinerlei Unterschiede in Hinblick auf Form, Farbe und Größe zwischen Süßwasserperlen und Perlen, die im salzigen Wasser der Meere auf Perlenfarben herangezogen werden.

Im 19. Jahrhundert galten Süßwasserperlen als minderwertige Perlen. So schreibt die Zeitschrift Österreichs Wirtschaft im Jahr 1865, dass Süßwasserperlen „an Schönheit der orientalischen Perle selten gleichkommend“ sind. Der Edelsteinexperte Max Bauer (1844 bis 1917) meinte 1896, dass Süßwasserperlen „spielen (…) eine ganz untergeordnete Rolle“.
Allerdings stammen die Berichte aus Zeiten, als in Deutschland und auch in Teilen Österreichs die Qualität der Perlen aufgrund der einsetzenden Industrialisierung und der damit einhergehenden Verschlechterung des Zustands der Gewässer in Mitleidenschaft gezogen wurden, sodass binnen 400 Jahren die Perlenfischerei nicht mehr den Qualitäten der Anfangsjahre entsprach. Bauer erwähnt zudem, dass in der Vergangenheit europäische Süßwasserperlen, vor allem die aus England, Schottland und Irland, einen exzellenten Ruf hatten, sodass „Julius Cäsars Expeditionen nach Britannien“ auch der Perlensuche geschuldet waren.


Süßwasserperle_Schmuck Frischwasserperle_Schmuck Zuchtperle_Schmuck fresh water pearls
Schmuck mit Süßwasserperlen: elegant, zeitlos und immer abwechselnd designt, wie diese Beispiele von Juwelo zeigen

Die Form von Süßwasserperlen ist häufig unregelmäßig. Runde Perlen sind weniger üblich, da der Kern, den Salzwasserperlen implantiert wird und um den die Perlmuschel ihr Perlmutt absondert, nicht vorhanden ist. Vielmehr sind für Süßwasserperlen Barockformen typisch – barock, abgeleitet vom Französischen Baroque für verschroben und ungleichmäßig. Im Englischen wird bei der Gestalt der Süßwasserperlen etwas detaillierter differenziert. So tragen die Perlen Namen wie Rice, Stick, Petal, Button, Coin, Drop oder Potato – angelehnt an die Ähnlichkeit mit Reiskörnern, Stöckchen, Blütenblättern, Münzen, Knöpfen, Tropfen oder knolligen Kartoffeln.

In Hinblick auf die Farbe können Süßwasserperlen durchaus mit Salzwasserperlen konkurrieren. Von weiß, creme über rosa, pfirsisch- und lachsfarben, pastelligen Fliedertönen, grau, silber und champagner, dunkelgrau mit Schiller in metallischen Anlauffarben ist die Farbpalette von Süßwasserperlen sehr breitgefächert.

Was die Größe betrifft, sind Süßwasserperlen mit einem Durchmesser von 1 bis 15 mm kleiner als Salzwasserperlen.


Entstehung und Vorkommen von Süßwasserperlen

Im 20. Jahrhundert erlebten Süßwasserperlen ihr erstes Revival. Süßwasserperlen waren im 18. Jahrhundert in Deutschland sehr beliebt, wie unter anderem eine Kette mit 177 Flussperlen im Grünen Gewölbe in Dresden zeigt. In den Jahren danach nahm die Qualität der Perlen stetig ab, vielerorts verschwand die Flussperlmuschel aus den Gewässer, da die Anforderungen an die ökologischen Rahmenbedingungen nicht mehr den Vorlieben der Flussperlmuschel entsprachen.

Zu Beginn der 1960er kamen dann Süßwasserperlen im großen Stil auf den Markt. China hatte sich schon damals einen Namen als das Land der Perlenzucht gemacht und ist auch heute noch der weltweit führende Produzent von Süßwasserperlen.

Der Großteil aller Süßwasserperlen, die zu Ketten, Ohrschmuck, Ringen oder Armbändern verarbeitet werden, stammt aus Perlenfarmen und sind Zuchtperlen. Der natürliche Mechanismus, dass Perlmuscheln auf Fremdkörper oder Verletzungen des Mantelgewebes mit der Bildung von Perlmutt reagieren, wird gezielt genutzt, um Perlen zu züchten. Anders als bei Salzwasserperlen wird Süßwasserperlmuscheln kein Kern eingesetzt, sondern ein etwa 3 mm³ kleines Areal von Mantelmaterial einer Gebermuschel in den Mantel der Zuchtmuscheln eingepflanzt.
Bis eine Perle heranwächst, vergehen Jahre; im Schnitt sind es zwei bis sieben Jahre – je nachdem, welche Größe der Perlen gewünscht wird. Die Zuchtmuschel ist zum Zeitpunkt der Implantation etwa ein halbes bis ganzes Jahr alt.

Die großen kommerziellen Perlenfarmen befinden sich in China, aber auch in der japanischen Biwasee sowie Kasumigaura-See werden Süßwasserperlen geerntet, genau wie die Zuchtperlen aus Mississippi in den USA einen guten Ruf genießen.

Nach dem Fischen der Perlen werden die Perlen aufbereitet, d.h., mit chemischen Lösungen entfärbt und eingefärbt. Auch werden die Perlen geglättet, da Süßwasserperlen oftmals eine gerillte, ungleichmäßige Oberfläche aufweisen, was sich wiederum in der Intensität des Lüsters bemerkbar macht.


Qualität und Preis von Süßwasserperlen

Die Frage: Was ist wertvoller? Eine Süßwasserperle oder eine Perle, die in Salzwasser gedeiht? - lässt sich leicht beantworten.

Süßwasserperlen sind im Vergleich mit Südseeperlen deutlich erschwinglicher. Der geringere Preis erklärt sich durch eine Vielzahl von Faktoren. In einer Süßwasserperlmuschel können gleichzeitig mehrere Perlen, bis zu 50 Stücken, wachsen. Ebenso ist die Quote der Muscheln, die nach der Implantation sterben, geringer als beim Salzwasserpendat. Und nicht zuletzt sind die Umweltbedingungen in Seen, Flüssen und Bächen stabiler als auf Perlenfarmen im offenen Meer, wo Tsunamis Veränderungen der Meeresströmungen mitsamt Nährstoffeintrag/-mangel oder die Erwärmung der Wassertemperatur negative Auswirkungen auf die Existenz der Perlenmuscheln haben.

Was den Preis betrifft, gilt folgende Regel: je natürlicher die Perle, desto teurer. Runde Perlen werden zu besonders hohen Preisen. Perlen, deren Farbe von Natur aus dem Ideal einer perfekten Perle wie aus dem Bilderbuch entspricht, von einheitlicher Farbgebung sind und nicht das Ergebnis einer Schönheitsbehandlung werden höher taxiert.

Bislang gibt es kein international gültiges Bewertungssystem, das wie die 4C von Diamanten nach objektiven Maßstäben einen überall auf der Welt einheitlichen Vergleich ermöglicht. Während in Japan ein vierstufiges System (A bis AAAA) verfolgt wird, werden Perlen in China in drei Klassen eingeteilt (I, II, III), wobei auf der Skala die Farbe, der Lüster und die Beschaffenheit der Oberfläche bewertet werden, denn je nach Glätte der Oberfläche, ist der Lüster ausgeprägt oder schwach.


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Quellen:
⇒ Falke, J. (1859): Die Geschichte des deutschen Handels
Ueber Perlencultur mit Bezugnahme auf Oesterreich. IN: Österreichs Wirtschaft (1865)
⇒ Bauer, M. (1896): Perlen. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc
www.pearl-guide.com - Fresh water pearls
www.purepearls.com - Pearl Grading & Quality Factors – An Insider’s Guide to Grading Pearls
www.gia.edu - Pearls: Forever fashionable
www.gia.edu - Pearl description

Letzte Aktualisierung: 29. September 2022




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