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Smaragd aus Kolumbien - Muzo-Smaragd



Smaragd: Der bekannteste grüne Edelstein der Welt. Das Mineral wird in vielen Ländern rund um den Globus abgebaut, wobei sich Russland, Afghanistan, Pakistan, Indien, Südafrika und Brasilien einen Namen als die wichtigsten Smaragd-Produzenten gemacht haben. An der Spitze in puncto Qualität und Farbe führt seit der Entdeckung im 16. Jahrhundert ein anderer Staat auf dem südamerikanischen Kontinent: Kolumbien.



Inhaltsverzeichnis Smaragd aus Kolumbien


Smaragd – Der grüne Edelstein

Dass Smaragd mit der Farbe grün verknüpft wird, hängt mit der Bedeutung des Namens zusammen. Smaragd wird aus dem Griechischen mit grün übersetzt und zählt damit zur Gruppe vieler Mineralien – z.B. Citrin, Saphir, Rubin, Lapislazuli oder Azurit, deren Farbe als Pate für den jeweiligen Namen steht.

Aus chemischer Sicht ist Smaragd ein Aluminiumberylliumsilikat und das typische Smaragdgrün auf Spuren von Chrom, Eisen sowie Vanadium zurückzuführen. Teilweise variiert die Farbe von Land zu Land: Smaragd aus Brasilien ist vergleichsweise gelb, während australischer Smaragd von hellgrüner Farbe ist.

In der Mineralogie wird Smaragd als der grüne Vertreter der Beryll-Gruppe (kurz: Beryll) definiert, was dem Mineral die Bezeichnung grüner Beryll einbrachte. Nicht zuletzt auch deshalb, um Smaragd eindeutig von anderen Beryll-Verwandten wie Aquamarin, Morganit, Goshenit, Roter Beryll oder Heliodor zu unterscheiden.

Eine weitere Eigenschaft, die Smaragd berühmt machte, ist die Härte. Mit einer Mohshärte von 7,5 bis 8 rangiert Smaragd auf der 10-stufigen Skala der Härte von Mineralien nach dem Mineralogen Friedrich Mohs (1773 bis 1839) sehr weit oben und trägt den Titel Edelstein, d.h., über die Edelsteinhärte verfügen nur Mineralien mit einer Mohshärte höher als 7.


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Kolumbianischer Smaragd

Smaragd aus Kolumbien ist seit Jahrhunderten ein international geschätztes Exportprodukt, das hoch gehandelt wird. Mit einem Anteil von 70 bis 90 Prozent ist Kolumbien führend in der weltweiten Smaragd-Produktion.

Seit der Entdeckung der Smaragd-Vorkommen in Kolumbien durch europäische Seefahrer im 16. Jahrhundert scheinen die grünen Edelsteinquellen schier endlos zu sprudeln.

Von Anfang an faszinierten die grünen Edelsteine nicht nur die Ureinwohner Kolumbiens, auch Händler und Mineralogen waren von der Beschaffenheit des kolumbianischen Esmeraldas begeistert. Dabei war das Mineral Smaragd in der Alten Welt kein unbekanntes, doch im Vergleich mit anderen Smaragdnationen überzeugt der Smaragd aus Kolumbien mit einer intensiv strahlenden Farbe und hohen Reinheit, oder mit den Worten des Mineralogen Max Bauer (1844 bis 1917), dem zufolge der kolumbianische Smaragd „von grösster Schönheit und vielfach erster Qualität ist“.
Hauptsächlich ist es nach wie vor die unverwechselbare Farbe, die allen in den Bann zieht: „von der schönsten dunkelgrünen Farbe, es kommen aber auch hellere, bis fast farblose, andererseits aber auch nicht selten ganz schwärzliche vor, die dann den sammetartigen Schimmer besonders schön zeigen“ (Bauer, 1896).

Die Reinheit der Smaragde aus Kolumbien wird besonders betont, da Smaragde von Natur aus beziehungsweise entstehungsbedingt zahlreiche Einschlüsse und Unreinheiten enthalten. Lupenreine Smaragde, bei denen selbst unter 10-facher Vergrößerung mit der Lupe Inklusionen oder Fehler nur schwer zu erkennen sind, sind eine absolute Ausnahme. Stattdessen wirkt das Mineral trüb und präsentiert unter dem Mikroskop Einschlüsse in Form von Gasen, Flüssigkeiten, anderen Mineralien oder Rissen. Was bei anderen Edelsteinen zu Abzügen im Preis führen würde, wird bei Smaragden als Merkmal der Echtheit heranzogen. Die Makel werden poetisch als Jardin – Gärten – bezeichnet und nicht als störend oder qualitätsmindernd gewertet. Mit viel Phantasie erinnern die Unreinheiten an filigrane Dendriten, kleine Bäume, Äste oder Blüten – genau wie die Flora im Dschungel von Kolumbien, nur im Miniaturformat.

Auch Bauer fiel seinerzeit auf, dass der Smaragd aus Kolumbien „quer durchgebrochen“ ist und Fissuren mit Calcit aufgefüllt sind. Er beobachtete aber auch die sonderbare Eigenschaft der grünen Kristalle, die „meist klar und durchsichtig und frei von Sprüngen“ sind, solange die Smaragde noch unter Tage mit dem Muttergestein verbunden sind. Sobald die grünen Edelsteine aber ans Tageslicht bzw. die Erdoberfläche gelangen, werden die Steine trüb und zerbersten.

Um zu vermeiden, dass die wertvollen Steine gleich nach dem Abbau weiteren Schaden nehmen, werden Smaragde heutzutage gleich nach der Gewinnung in ein Ölbad gegeben. Das Mittel der Wahl ist Zedernholzöl, das für diesen Zweck am besten geeignet ist, da der Brechungsindex dem von Smaragd gleicht. Das Öl fließt in die Hohlräume und Risse, füllt diese auf und verleiht dem Stein nicht nur mehr Robustheit, auch die Reinheit wird hierdurch verbessert.


Smaragd aus Muzo, Coscuez und Chivor

Muzo, Coscuez und Chivor sind drei Gemeinden, die nördlich der kolumbianischen Hauptstadt Bogota auf der Karte zu finden sind.

Allen drei Orten gemeinsam ist die hochkarätige Vergangenheit und der Ruf ihrer Smaragdminen. Bereits vor der Entdeckung Kolumbiens im 16. Jahrhundert durch die Spanier wurden in Muzo, Coscuez und Chivor Smaragde abgebaut. Kolumbien stand damals noch als Vizekönigreich unter der englischen Flagge und wurde zusammen mit Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador als Neu-Granada im Atlas geführt (Leonhard, 1893).

Den Recherchen des Mineralogen Max Bauer ist das genaue Datum, wann die Spanier den kolumbianischen Smaragd kennenlernten, zu verdanken. Am 3. März 1537 erhielten die Seefahrer aus Übersee „durch ein ihnen von den Indianern dargebrachtes Geschenk“ die ersten hiesigen grünen Edelsteine.

Wenige Jahre später, 1558, begann der professionelle Abbau des Smaragds; anfangs unter Tage in Stollen, später auch im offenen Tagebau. Die Erträge konnten sich sehen lassen, insofern ein „einziger Tag einen Ertrag von 100.000 Karat brachte“. 1849 waren es laut Bauers Ausführungen 12.400 Karat im Monat und im folgenden Jahrzehnt teilweise sogar 22.386 Karat monatlich.

Allerdings waren nicht alle Smaragde für die Juweliere von Interesse. Anhand der Einschlüsse und der Größe der Kristalle wurde damals zwischen Canutillos, wertigen Steinen, und Morallion, B-Ware, unterschieden (Bauer).

Weniger brillant ist die andere Seite der Medaille bzw. Geschichte. Die Entdeckung und Übernahme der Smaragdminen verlief nicht immer friedlich. Die Smaragdminen um Muzo inmitten unwegsamer Wildnis gehörten zum Territorium der Muzo-Indianer und wurden gewaltsam unter die Macht der Konquistadoren aus Europa gebracht. Die Einheimischen wurden versklavt und zur Arbeit in den Minen gezwungen.

Ungeachtet dessen florierte der Handel mit dem grünen Schatz dennoch seit dem 16. Jahrhundert, denn Smaragd war in Europa und im Orient außerordentlich beliebt (Presl, 1834). Bis 1830 lieferte „Südamerika die sämtlichen im Handel vorkommenden Exemplare dieses Edelsteins“ (Bauer, 1896), wobei Bauer neben Kolumbien auch Peru meinte. Als Argument, dass sich die grünen Edelsteine aus Südamerika gegen die schon bekannten Smaragd-Vorkommen aus dem Ural in Russland durchsetzen konnten, wurde die Farbe angeführt, die die europäische Konkurrenz in den Schatten stellte.

Im 18. Jahrhundert wurde die Smaragdmine von Muzo verstaatlicht. Unter der Obhut der Regierung versprach man sich, dass die Zahl der Diebstähle in den Minen zurückging und die Gewinnung eine wirtschaftlich orientierte Ausrichtung fand. So optimistisch die Erwartungen auch waren, desto größer war die Enttäuschung. Die Fördermengen gingen zurück. Von kostendeckender Bewirtschaftung waren die Minenbetreiber weit entfernt, sodass die Mine geschlossen wurde und mit zur Entfachung der Unabhängigkeitsrevolution vom Mutterstaat Spanien um 1822 führte.
Da das Geschäft mit den edlen Ressourcen zu verlockend war, wurde um 1830 der Betrieb erneut aufgenommen (Notizen aus dem Gebiete der Natur und Heilkunde, 1831).

Dass diese Region Kolumbiens mit besonders vielen Smaragd-Vorkommen gesegnet ist, wird mit der geologischen Vergangenheit von Muzo, Coscuez und Chivro erklärt, wo optimale Bedingungen zur Entstehung des Smaragds herrschten. Die Region ist Teil des Smaragdgürtels, der in einen westlichen und östlichen Bereich unterschieden wird. Während Muzo und Coscues auf dem 65 Mio. Jahren alten westlichem Smaragdgürtel liegen, wird Chivor auf 33 Mio. Jahren altem östlichen Gürtel lokalisiert.

Die Unterschiede der Smaragde des östlichen und westlichen Smaragdgürtels sind insbesondere in Hinblick auf die Farbe, Reinheit und Größe der Kristalle augenscheinlich. Muzo-Smaragde sind grün mit einem Stich ins Gelbe und wenigen Einschlüssen bei hochkarätigem Gewicht. Chivor-Smaragde sind hellgrün mit einem Hauch von Blau, deutlichen Einschlüssen und langgestreckten Kristallen.


Die Smaragde der Nuestra Señora de Atocha

In welch großen Dimensionen die kolumbianischen Smaragde nach Europa verschifft wurden, zeigt das Schicksal der Nuestra Señora de Atocha und Santa Margarita.
Die beiden Namen stehen für Dreimaster, sogenannte Galeonen, die immer wieder Bodenschätze, z.B. verschiedene Edelsteine, Metalle wie Gold und Silber, aber auch Schmuck, Münzen und für das historische Europa exotische Lebensmittel wie Kakao, Tomaten, Bananen, Tabak oder Kartoffeln von Südamerika über den Atlantik verschifften.

Im Jahr 1622 machte sich erneut eine Flotte bestehend aus acht Galeonen auf den Weg zurück in die spanische Heimat. Was der Flotte zum Verhängnis wurde, war das Wetter. Der September gilt auch heute noch als die Hochzeit der Hurrikan-Saison. Da die Route von Kolumbien aus über die Karibik und entlang der Küste des Südostens der USA verlief, gerieten die Schiffe vor den Florida Keys am 4. September 1622 in die stürmischen Winde. Zwei der acht Galeonen konnten dem Hurrikan nicht ausweichen, prallten gegen ein Riff und versanken in den Fluten. Mit an Bord: unzählige Münzen, Juwelen und ungeschliffene Edelsteine – allen voran Smaragde aus Chivor.

Viele Jahre lag der Schatz am Meeresgrund, bis sich 1960 der Taucher Mel Fisher zur Entdeckung der Nuestra Señora de Atocha aufmachte. Die Suche war lange Zeit nicht von Erfolg gekrönt, bis 1985 schließlich das Wrack der Nuestra Señora de Atocha aufgespürt wurde – und damit auch die Schatztruhen voller Überraschungen. Kane et al. berichten 1989 von 2000 Silbermünzen, mehr als 2300 Rohsmaragden, smaragdbesetztem Schmuck und Kruzifixen – alle von höchster Güte, beinahe makelloser Reinheit und fast schwarzgrüner Farbe.

Ebenfalls überraschend war die Größe der Smaragde. Die größten Edelsteine brachten es auf der Feinwaage auf ein Gewicht von 25,87 Karat (Atocha Star Emerald), 30,34 Karat und 64,46 Karat.
Am 7. Dezember 2022 wird nun ein weiterer Smaragd, der aus dem Fundus der Nuestra Senora de Atocha stammt, in New York versteigert. Der im Oktagonschliff (ein achteckiger Treppenschliff) gehaltene Smaragd wiegt 6,25 Karat und gehört Mitzi Perdue, der Witwe von Frank Perdue, der als Unternehmer in der Landwirtschaft bekannt geworden war. Mit dem Erlös – der Wert wird auf 50.000 bis 70.000 US-Dollar geschätzt – möchte Perdue die humanitäre Hilfe in der Ukraine unterstützen.
Update: Der Smaragd wurde für 1.2 Millionen US-Dollar versteigert.


Der Preis von Smaragd aus Kolumbien

Smaragde aus Kolumbien zählen zu den teuersten Edelsteinen der Welt, deren Wert wie bei Farbedelsteinen üblich aus dem Zusammenspiel folgender Faktoren bemessen wird:

Hinzu kommt die Frage der Herkunft, insofern bestimmte Abbaugebiete aufgrund der Qualität höher gewertet werden als andere. Auch werden nicht alle Einflussgrößen bei der Preisgestaltung gleichwertig gewichtet. Das Nonplusultra bei Farbedelsteinen ist die Farbe, die mit bis zu 60 Prozent in den Preis spielt, gefolgt von der Frage der Herkunft mit einer Gewichtung von bis zu 15 Prozent.

Smaragde mit wenigen Einschlüssen und von tiefgrüner Farbe, die unbehandelt sind, erzielen Höchstpreise. Ob ein Smaragd naturbelassen ist, belegt ein Hinweis wie bspw. behandelter oder veredelter Smaragd. Zwecks Steigerung der Farbe werden vor allem blassgrüne Smaragde mit farbigen Ölen oder Wachsen versiegelt, um das begehrte dunkle Smaragdgrün zu erreichen. Im Durchschnitt beginnt der Preis hochqualitativer, geschliffener Smaragde aus Kolumbien bei etwas 1200 Euro pro Karat.


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Auch interessant:


Quellen:
⇒ Notizen aus dem Gebiete der Natur- und Heilkunde (1831): Smaragdgruben von Muzo
⇒ Leonhard, C. C. (1833): Smaragd. IN: Grundzüge der Oryktognosie
⇒ Presl, K. B. (1834): Beryll, Gestreifter Smaragd, Aquamarin. IN: Anleitung zum Selbststudium der Oryktognosie in technischer Beziehung
⇒ Tschermak, G. (1884): Beryll. IN: Lehrbuch der Mineralogie
⇒ Bauer, M. (1896): Smaragd. IN: Edelsteinkunde. Eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc
⇒ Kane, R. E., Kammerling, R. C., Moldes, R., Koivula, J. I., McClure, S. F. und Smith, C. (1989): Emerald and Gold Treasures of th Spanish Galleon Nuestra Senora de Atocha. IN: Gems & Gemology Winter 1989
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Fortaleché, D., Lucas, A., Muyal, J., Hsu, T. und Padua, P. (2017): The Colombian Emerald Industry: Winds of Change. IN: Gems & Gemology Fall 2017
⇒ Porterfield, C. (2022): Ring With Emerald Lost In 400-Year-Old Shipwreck Is Up For Auction

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Letzte Aktualisierung: 13. Dezember 2022




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