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Ovalschliff – Oval Cut



Der Schliff ist neben dem Gewicht, der Farbe und Reinheit eine von vier Größen, wenn es darum geht, den Preis von geschliffenen Diamanten und anderen Edelsteinen einzuschätzen. Auch wenn der Brillantschliff nach wie vor der beliebteste Schliff von Diamanten ist, gewinnen andere Schliffe zunehmend an Popularität. Ein Beispiel ist der in den 1950er Jahren kreierte Ovalschliff.



Fancy Cut

In der Gemmologie – der Lehre von der Verarbeitung und Verwendung von Edelsteinen – wird der Ovalschliff den Fancy Cuts zugeordnet; ein Begriff der vorrangig im englischsprachigen Raum üblich ist.
Unter dem Namen Fancy Cut werden alle Schliffe definiert, die kein Brillantschliff sind, und die in modifizierte Brillantschliffe, Stufenschliffe und gemischte Schliffe unterschieden werden.

Der Ovalschliff zählt zu den modifizierten Brillantschliffen, d.h. Elemente, die für Brillanten typisch sind, finden sich beim Ovalschliff wieder – genau wie bei anderen modifizierten Brillantschliffen, bspw. Marquiseschliff/Navette, Trillantschliff, Herzschliff, Tropfenschliff oder Cushion-/Kissenschliff.


Ovalschliff - Unsere Empfehlungen*



Die Merkmale des Ovalschliffs

Der Ovalschliff zeichnet sich in der Aufsicht durch eine ellipsenförmige Grundform aus, wobei eine Ellipse in der Geometrie eine ovale Kurve bezeichnet. Bedingt durch die Form des Ovals ist der Schliff sowohl in der Horizontalen als auch Vertikalen von der Mittellinie ausgehend spiegelsymmetrisch.

In der seitlichen Betrachtung wird die Nähe bzw. Verwandtschaft zum Brillantschliff deutlich, insofern der Ovalschliff folgende Elemente des Brillantschliffs aufgreift:

Der Ovalschliff zählt insgesamt 58 Facetten, wovon 32 auf die Krone und 24 auf den Pavillon entfallen. Die Kalette ist optional, wenn auch von hoher Bedeutung für die Brillanz des Schliffs, da das einfallende Licht an der Kalette gespiegelt und in die Spektralfarben zerlegt wird.

Das Ideal des Länge-zu-Breite-Verhältnisses entspricht 1,33 bis 1,66. Der Ovalschliff gilt jedoch als Optimal, wenn die Länge um das 1,5-fache länger gehalten ist als der Schliff in der Breite misst.
Dennoch gibt es hin und wieder Abweichungen des Schliffs, sodass der Ovalschliff zuweilen zu länglich ins Marquiseförmige gehend oder bauchig, fast brillant-artig gearbeitet wird. Ebenso werden bei der Bewertung der Qualität des Schliffs die Proportionen der oberen und unteren Enden betrachtet, die teilweise zu kantig, alternativ zu spitz abgeflacht wirken können.

Ein wesentlicher Vorteil des Ovalschliffs ist die Wirkung auf das Gewicht des Steins im Verhältnis zu den Maßen. Durch den länglichen Charakter erscheint der Ovalschliff im Vergleich zum Brillantschliff bei gleichem Gewicht größer bzw. hochkarätiger. Ein zusätzliches Argument für den Ovalschliff: Der Preis von Diamanten im Ovalschliff ist verglichen mit Diamant-Brillanten um 25 bis 28 Prozent geringer.

Tabelle 1: Größenvergleich verschiedener Diamantschliffe
Schliff (mm)/Gewicht (Karat) 0,25 0,5 0,75 1 2 3 4 5
Brillantschliff 4,1 5,1 5,8 6,3 8,1 9,3 10,2 11
Ovalschliff 5x3 6x4 7,5x5 8,5x5 10,5x7 11,5x7,5 13x5 14,9,5
Marquise-Schliff 6,5x3 8,5x3 9,5x4,5 10,5x5 13x6,5 14x7 16x8 17x8,5
Tropfenschliff 5,5x3,5 7x4,5 8x5 8,5x5 10,5x7 12,5x8 13,5x9 15x10
Princess-Schliff 3,5 4,4 5 5,5 7 8 9 9,5
Smaragd-Schliff 4,5x3 5,5x4 6x4,5 6,5x5 8,5x6 9,5x7 10,5x7,5 11,5x8,5
Asscher-Schliff 3,7 4,4 5 5,5 7 8,1 9 9,6


Steine im Ovalschliff

Der erste Stein, der zu einem Oval geschliffen wurde, war ein Diamant. Kristallklare Edelsteine sind für Facettenschliffe wie den Ovalschliff besonders prädestiniert. Das Licht wird gebündelt reflektiert und holt das Maximum an Brillanz heraus – was für farblose Edelsteine ebenso gilt wie für Farbedelsteine.

Bei Diamanten empfohlen, auf Diamanten der Farbgraduierung D bis H zurückzugreifen.
Die Farbe von Diamanten wird mit den Buchstaben D bis Z angegeben, genauestens aufgeschlüsselt, sodass feinste Nuancen in Bläuliche oder Gelbliche von reinweißen Diamanten unterschieden werden können. D bis H Diamanten sind weiße Diamanten ohne den Hauch einer anderen Farbe, während I bis Z-Diamanten für den Ovalschliff weniger geeignet sind, da diese den Stein leicht unsauber erscheinen lassen würden.

Die vielen Facetten des Ovalschliffs sind in der Lage, kleine Makel wie Einschlüsse von Gasen, Flüssigkeiten, Fremdmineralien oder Risse geschickt zu verdecken. Inklusionen, die unter der 10-fachen Vergrößerung mit der Lupe leicht zu erkennen sind, können mit dem Ovalschliff vertuscht werden, sodass der Stein im Gesamten eine höhere Reinheit aufweist.

Neben Diamanten im Ovalschliffs, die gerne als Eyecatcher in Verlobungsringe eingesetzt werden, findet sich der ovale Schliff auch bei Rubin, Saphir, Zirkon, Rubellit, Aquamarin, Weißtopas/Blautopas/Topas, Morganit, Turmalin, Amethyst, Citrin, Rauchquarz, Hessonit und Spessartin/Granat, Kunzit sowie bei Fancy Diamanten – Farbige Diamanten in gelb, braun, rosa/pink, blau, violett, grün, grau und schwarz – wieder.


Die Geschichte des Ovalschliffs

Der erste Diamant im Ovalschliff, der den heutigen Vorstellungen eines Ovalschliffs entspricht, wurde der Weltöffentlichkeit am 16. Oktober 1957 unter dem Namen Oval Elegance präsentiert. Als Erfinder gilt der Diamantschleifer und Juwelier Lazare Kaplan (1883 bis 1996). Bei der Kreation des Ovalschliffs wurde Kaplan seinerzeit von einem Rohdiamanten inspiriert, dessen natürliche Gestalt als Oval den geringstmöglichen Materialverlust zur Folge hätte.

Diamanten wurden bereits im 18. Jahrhundert ovalförmig geschliffen, doch zu dieser Zeit wurden die Schliff nicht großartig der Schliffform nach unterschieden, sondern ein geschliffener Diamant schlicht als Brillant bezeichnet.
Ein Beispiel für den frühen Ovalschliff ist der 186 Karat schwere, weiße Diamant Koh-i-Noor. Der in Golkonda/Indien entdeckte Diamant wurde zunächst im indischen Schliff gehalten, d.h., die Form des Rohdiamanten wurde mit der Herausarbeitung einzelner Facetten weitestgehend beibehalten. 1852 wurde der Koh-i-Noor-Diamant überarbeitet und zu einem ovalen Brillantschliff zwecks Steigerung der Brillanz gestaltet.

Andere berühmte Diamanten im Ovalschliff sind der Blaue Wittelsbacher/Wittelsbacher Graff; ein blauer Diamant mit einem Gewicht von 31,06 Karat, sowie der rosa Diamant Steinmetz Pink alias Pink Star mit 56,60 Karat.


Siehe auch:
Cabochonschliff und Cabochon
4C und Diamanten - Kriterien zur Bewertung von Diamanten
Zirkonia – Kunstkristall, Edelstein- und Diamant-Imitation


Quellen:
https://4cs.gia.edu - The Allure of an Oval Diamond
www.gemsociety.org - Oval-Cut Diamond Buying Guide: Beyond the Bowtie
⇒ Official Gazette of the United States Patent Office. Volume 743. June 1959
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München

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Letzte Aktualisierung: 26. März 2020




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