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Radiantschliff - Radiant-Schliff



Der Schliff eines Edelsteines ist zusammen mit dem Karat-Gewicht, der Farbe und Reinheit einer der vier bedeutenden Größen, wenn es darum geht, den Preis objektiv festzusetzen. Welcher Schliff für einen Stein in Frage kommt, bestimmt der Stein. Dennoch gilt bei allen Schliffe die Maxime, aus dem Rohstein einen größtmöglichen Stein herauszuarbeiten. Ein Schliff, der dank der optischen Finesse hochkarätiger wirkt als andere Schliffe bei gleichem Gewicht, ist der Radiant-Schliff.



Ein strahlender Schliff

Radiant-Schliff – ein treffender Name für diesen Schliff. Der Begriff Radiant Cut wird aus dem Englischen mit strahlender Schliff übersetzt. Dass sich die deutsche Bezeichnung nicht durchsetzen konnte, hängt vor allem mit den Patentrechten auf den Radiant-Schliff und den Namen per se zusammen.

Der Radiant-Schliff ist ein moderner Schliff, der im Jahr 1977 von Henry Gossbard, einem im Weltkrieg in die USA emigrierten Juwelier aus Frankreich, kreiert und 1981 in der heute gängigen Version in Vollendung perfektioniert.

In den Anfangsjahren des Radiant-Schliffs wurde der Schliff ausschließlich von der Radiant Cut Diamond Corporation vertrieben. Mit dem Auslaufen des Patents auf den Radiant-Schliff konnten auch andere Juweliere und Edelsteinschleifereien den Radiant-Schliff anfertigen und anbieten.


Die Merkmale vom Radiant-Schliff

Der Radiant-Schliff wird in der Gemmologie als Vertreter der Fancy Cuts definiert, wobei der Begriff Fancy Cut alle Schliffe zusammenfasst, bei denen es sich nicht um einen klassischen Brillantschliff handelt.

Bei der Betrachtung des Radiant-Schliffs fällt sofort die Ähnlichkeit zu zwei bestimmten anderen Schliffen auf, denn Gossbard adaptierte zwei etablierte Schliffe und entwickelte daraus einen neuen Schliff.

Namentlich orientierte sich Gossbard am Smaragdschliff sowie Brillantschliff und vereinte Details beider Schliffe im Radiant-Schliff. Solche Kombinationen werden auch unter dem Obergriff gemischter Schliff geführt.

Vom Smaragdschliff wurden folgenden Eigenschaften aufgenommen:

Der Brillant findet sich in diesen Details wider:

In der Gesamtheit zählt der Radiant-Schliff 70 Facetten, von denen die meisten auf den unteren Teil, Pavillon, fallen.

Auch wenn Gossbard seinerzeit die Form des Radiant-Schliffs als längliches Rechteck festlegte, werden heute zwei Varianten angeboten: quadratisch und rechteckig. Damit das Verhältnis von Länge zu Breite harmonisch bleibt und die Brillanz am höchsten ist, gilt als Optimum von quadratisch gearbeiteten Radiant-Schliffen ein Verhältnis Länge:Breite von 1,00 bis 1,05. Für rechteckige Radiant-Schliffe wird als Idealverhältnis Länge:Breite 1,10 bis 1,35 angegeben.

Durch die großflächigen Facetten der Krone erlaubt der Radiant-Schliff, dass das Licht zentral in den Stein fällt bzw. geleitet wird und das Maximum an Strahlkraft an den reflektierten Facetten Pavillons herausholt. Im Licht strahlt der Stein so in den Spektralfarben wie beim Blick durch ein Kaleidoskop und übertrumpft mit seinem Feuer sogar Diamanten im Brillantschliff.

Zugleich verzeiht der Radiant-Schliff kleinerer Schönheitsfehler in Form von Einschlüssen. Geschickt positionierte Facetten lenken von Makeln ab, die bei anderen Schliffen zu deutlichen Abzügen in der B-Note, sprich dem Preis, führen würden. Dennoch empfehlen Diamantexperten, nur Diamanten von lupen- und augenreiner Qualität (Reinheitsgrad: FL, IF, VVS 1, VVS 2, VS 1, VS 2, SI 1 und SI 2; Näheres dazu: Die Reinheit von Diamanten).

Hinsichtlich der Farbe sind Diamanten der Farbrange von D bis H für den Radiant-Schliff geeignet. In der Diamantenkunde werden bei weißen Diamanten insgesamt 23 Nuancen von Weiß unterschieden, die mit den Buchstaben D bis Z versehen sind: vom puren, reinen Weiß bis hin zu blaustichigen Diamanten und weißen Diamanten mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Oberton in Gelb. D- bis H-Diamanten entsprechen der Kategorie reinweißer Diamanten. Diamanten über H hinaus würden den Stein leicht angeschmutzt wirken lassen.


Vorteile des Radiant-Schliffs gegenüber anderen Schliffen

Der Radiant-Schliff hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Schliff herauskristallisiert, denn die Argumente des Schliffs sprechen für sich.

Zum einen ist der Radiant-Schliff klassisch, zeitlos und elegant, da auf zwei Evergreens der Schliffe zurückgegriffen wurde.

Der Radiant-Schliff ist relativ unbekannt. Andere Schliffe werden für die Herstellung bevorzugt, sodass Schmuck mit Diamanten im Radiant-Schliff vergleichsweise selten und einzigartig ist.

Zudem überzeugt der Radiant-Schliff in puncto Karat. Denn im Vergleich zu einem gleich schweren Brillanten wirkt ein Radiant-Diamant wesentlich hochkarätiger, was der optischen Täuschung der langen Diagonale zu verdanken ist.

Ein weiterer Pluspunkt: Der Radiant-Schliff ist ein schmeichelhafter Schliff, der als Ring Finger der länglichen Form wegen schlanker erscheinen lässt.

Und nicht zuletzt ist der Radiant-Schliff im Gegensatz zum ebenfalls begehrten und angesagten Prinzeps-Schliff und Baguetteschliff robuster, langlebiger und nachhaltiger. Der Grund: die abgeschnittenen Kanten, die verhindern, dass Material abbricht oder splittert.


Radiant-Schliff, Schmuck und Steine

Der Radiant-Schliff ist längst nicht nur weiße Diamanten vorbehalten.Auch andere farblose Edelsteine wie weißer Saphir oder Weißtopas kommen mit dem Radiantschliff ebenso strahlend zur Geltung wie farbige Diamanten/Fancy Diamanten, Granat oder blauer Saphir.

Im Radiant-Schliff gehaltene Steine werden hauptsächlich in Ringe, vorzugsweise Verlobungsringe, eingesetzt – ob als einzelner Solitär, im Halo-Design, bei dem kleinere Steine, zumeist Brillanten, den Mittelstein ringförmig umgeben oder mit Seitensteinen verziert.


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Quellen:
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
www.radiantcut.com - The Original Radiant Cut
https://4cs.gia.edu - How to Select a Radiant Cut Diamond


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Letzte Aktualisierung: 8. Dezember 2021




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