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Chamäleon-Diamanten



Farbige Diamanten sind eine Seltenheit. 0,01 Prozent aller Diamanten, die weltweit zutage gefördert werden, sind farbig. Dabei dominieren die Farben gelb und braun vor pinkfarbenen, roten, violetten, grünen, blauen, grauen und schwarzen Diamanten. Noch seltener unter allen Fancy Diamanten sind Chamäleon-Diamanten – farbige Diamanten mit Farbwechseleffekt.

Der Farbwechsel von Chamäleon-Diamanten

Chamäleons sind für die Fähigkeit bekannt, die Farbe wechseln zu können. Ein ähnlicher Effekt wurde im späten 19. Jahrhundert bei Diamanten beobachtet. Weltweite Aufmerksamkeit erhielten Chamäleon-Diamanten 1943. Der Diamantenhändler Peter Kaplan war mit den Schleifarbeiten an einem gelben Rohdiamanten beschäftigt, als ihm auffiel, dass der Edelstein währenddessen dunkler wurde. Nach einiger Zeit erstrahlte der Diamant wieder in seiner Ursprungsfarbe. Nach dem Verkauf sorgte der Diamant erneut für Verwunderung. Der Edelstein wurde an einem dunklen, staubgeschützten Ort aufbewahrt und präsentiere daraufhin eine neue Farbe: dunkelgrün. Chamäleon-Diamanten reagieren auf zwei Faktoren mit der Änderung der Farbe:

  • Temperatur
  • Helligkeit/Dunkelheit
Die Farbänderung kann auf verschiedene Weise ausgeprägt sein: die Diamanten können heller oder dunkler als die Ausgangsfarbe sein oder in eine andere Farbe umschwenken.
Abhängig von der Art des Farbwechsels wird zwischen klassischen und Reverse-Chamäleon-Diamanten unterschieden.


Klassische und Reverse-Chamäleon-Diamanten

Klassische Chamäleon-Diamanten

Klassische Chamäleon-Diamanten ändern die Farbe sowohl bei Änderung der Temperatur- als auch Lichtverhältnisse. In Fachkreisen ist in diesem Zusammenhang die Rede vom thermochromischen und photochromischen Verhalten.
Thermochromische Chamäleon-Diamanten (griech. thermos = heiß, warm, chroma = Farbe) wechseln die Farbe bei Temperaturerhöhung.
Beim Schleifen von Edelsteinen entstehen oftmals sehr hohe Temperaturen. Temperaturen im Bereich von 150 bis 250 °C führen zu einem Farbwechsel von thermochromischen Chamäleon-Diamanten. Gleiches gilt, wenn Chamäleon-Diamanten mit dem Lötrohr erhitzt werden. Anders als bei einigen Mineralien, die gezielt hohen Temperaturen ausgesetzt werden, um die Farbe nachhaltig zu ändern bzw. korrigieren, ist der Farbwechsel nach einiger Zeit nicht mehr zu sehen. Die Zeitspanne schwankt zwischen 15 Minuten und 24 Stunden.
Photochromische Chamäleon-Diamanten (griech. photos = Licht) reagieren auf Dunkelheit. Fernab von jeglichen Lichtquellen – egal, ob Sonnenlicht/Tageslicht oder Kunstlicht – aufbewahrt, werden diese Diamanten kurzfristig dunkler oder wechseln die Farbe von grün zu orange.


Reverse-Chamäleon-Diamanten

Reverse-Chamäleon-Diamanten verhalten sich umgekehrt (engl. Reverse = umkehren). Die Diamanten werden im Dunklen, bspw. In lichtgeschützten Schmuckkästchen) und im Hellen dunkler. Temperaturänderungen wiederum üben keinen Einfluss auf die Veränderung der Farbe aus.


Die Farbe von Chamäleon-Diamanten

Der Effekt des Farbwechsels von Diamanten tritt ausschließlich bei Fancy Diamanten auf. Weiße Diamanten weisen keine Reaktion auf geringe Temperaturschwankungen oder veränderte Lichtverhältnisse auf. Ebenso wurde der Farbwechsel bislang nur bei grünen, gelben, grauen und braunen Diamanten beobachtet.
Zusätzlich zur Primärtöne präsentieren sich Chamäleon-Diamanten in zahlreichen Obertönen, d.h. Farben, die mehr oder weniger deutlich vorhanden sind, und die Primärfarbe in der Gesamterscheinung beeinflussen. Obertöne, die auf dem Farbkreis neben oder nahe der Primärfarbe liegen, lassen die Grundfarbe des Diamanten strahlen und leuchten. Je weiter der Oberton von der Primärfarbe entfernt ist, desto unreiner wirkt die Farbe.
Die Obertöne der meisten Chamäleon-Diamanten sind harmonisch, da Grau, braun, gelb und grün die häufigsten Obertöne von Chamäleon-Diamanten sind.
Eine Kategorisierung der Farben von Chamäleon-Diamanten ist dennoch sehr schwer bis unmöglich. Jeder Diamant ist von einzigartiger Farbe und lässt sich nicht anhand der gängigen Color Charts – Farbtafeln – einer bestimmten Farbe zuordnen.


Der Chamäleon-Effekt

Während die Entstehung der Farben von Fancy Diamanten weitestgehend geklärt ist, wird bei Chamäleon-Diamanten heute noch nach der Ursache geforscht, was den Farbwechsel hervorruft. Am wahrscheinlichsten gilt die Vermutung, dass es eine Stickstoff-Wasserstoff-Verbindung im Kristallgitter und Spuren von Nickel im Diamant sind, die zur Farbänderung bei modifizierten Helligkeits- und Temperaturverhältnissen führen.
Versuche, Chamäleon-Diamanten künstlich zu erzeugen, waren bislang nicht erfolgreich.


Der Preis von Chamäleon-Diamanten

Chamäleon-Diamanten sind äußerst wertvolle Diamanten.
Der Preis von Diamanten wird über die 4C ermittelt

Die Qualitätskriterien der 4C sind nach objektiven Maßstäben standardisiert, sodass überall auf der Welt eine gleichlautende Beurteilung von Diamanten ausgestellt werden kann.
Je höher die Qualität der einzelnen Einflussgrößen bewertet wird, desto höher ist der Wert des Diamanten, weshalb keine allgemeingültigen Preisangaben möglich ist, sondern der Preis individuell festgelegt wird. Bei Chamäleon-Diamanten fließt die Seltenheit zusätzlich mit ein. Weltweit gibt es keine Diamantenmine, in der nur Chamäleon-Diamanten abgebaut werden. Die Entdeckung von Farbwechseldiamanten beruht vielmehr auf Zufallsfunden. Erst beim Schleifen offenbart sich bei einigen grünen, braunen, gelben oder grauen Diamanten ein Chamäleon-Diamant- Im Schnitt bewegt sich der Preis von Chamäleon-Diamanten zwischen 4.500 und 50.000 Euro pro Karat. Ein Karat wiegt 0,2 Gramm.


Siehe auch:
Der Brillantschliff
Opalit, Kyocera-Opal und Inamori-Opal
Farbwechselgranat


Quellen:
⇒ Bank, H. (1992): Diamanten. Pinguin-Verlag Innsbruck
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
https://4cs.gia.edu - Colored Diamonds: The Mysterious Chameleon Diamond
www.naturallycolor.com
www.leibish.com


Letzte Akutalisierung: 26. April 2019




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