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Alltägliches - Schieferdächer



In einigen Regionen Deutschlands gehören immer noch als Dachbedeckung dazu: Dachziegel aus Schiefer.

Schiefer als Dachbedeckung

Schiefer wird bereits seit Jahrhunderten genutzt, um Dächer zu decken. Die ältesten Funde von Schieferdächern in Deutschland stammen ca. aus dem Jahr 300 und wurden in Mayen/Eifel entdeckt.


Bild 1: Schieferdach (Quelle: Dieter Schütz / pixelio.de)

Seitdem ist Schiefer Material für Dächer oder Fassaden von Häusern nicht mehr wegzudenken. Vor allem in Mitteldeutschland gehören schiefergedeckte Dächer zur Kulturlandschaft. Grund dafür sind die regionalen Vorkommen des Gesteins wie bspw. im Thüringer und Rheinischen Schiefergebirge, Eifel und Sauerland.


Dass Schiefer in der Dachdeckung verwendet werden kann, hängt mit dem Gefüge des metamorphen Gesteins zusammen. Entstehungsbedingt ist für Schiefer ein plattiger Charakter prägend. Im Verbund miteinander stehende Schieferplatten lassen sich einfach und ohne großen Materialverlust mit entsprechenden Werkzeugen trennen.


Bild 2: Schieferdach vom Rathaus Wernigerode (Quelle: Günter Hommes / pixelio.de)

Anforderungen an Dachschiefer

Dachschiefer ist an der Erdoberfläche zahlreichen Einflüssen ausgesetzt – sowohl Temperatur, Wind und Regen als auch atmosphärische Gase natürlichen oder anthropogenen Ursprungs. Damit einhergehend stehen Schieferdächer unter dem Einfluss der chemischen und physikalischen Verwitterung. So kann bspw. in Plattenzwischenräume eindringender Regen beim Gefrieren das Gefüge lockern und Schieferplatten unerwünscht voneinander trennen. Ein anderes Beispiel ist saurer Regen, der infolge chemischer Verwitterung insbesondere Schiefer mit höheren Kalkgehalten in Mitleidenschaft zieht.


Um die bei Schieferdächern in Deutschland angestrebte Lebensdauer von 80 bis 200 Jahren gewährleisten zu können, wurden Qualitätsanforderungen für Dachschiefer festgesetzt. In der EU-Norm EN 12326-1/-2 und dem „Produktdatenblatt für Schiefer“ werden Angaben hinsichtlich Beschaffenheit und Prüfverfahren vereinheitlicht. Unter dem Titel „Schiefer und andere Natursteinprodukte für überlappende Dachdeckungen und Außenwandbekleidungen“ werden in zwei Teilen „Produktspezifikationen“ (Teil 1: DIN EN 12326-1, in der Fassung vom Oktober 2004) und „Prüfverfahren“ (Teil 2: DIN EN 12326-2, in der Fassung vom November 2004) näher erläutert.


Im ersten Teil der Schiefernorm werden in Unterpunkten Begrifflichkeiten, Herkunft, Maße, Dicke, Biegefestigkeit, Wasseraufnahme, Frost-Tau-Wechsel-Beständigkeit sowie Temperatur-Wechsel-Beständigkeit beschrieben. Teil 2 definiert die Prüfverfahren der genannten Parameter: Prüfung Biegefestigkeit, Prüfung Wasseraufnahme, Prüfung Frost-Tau-Wechsel-Beständigkeit sowie Prüfung Temperatur-Wechsel-Beständigkeit, ergänzt um entsprechende Norm-Werte.


Gemäß der geologischen Definition wird Schiefer in der europäischen Schiefernorm als ein aus tonigen Sedimentgesteinen hervorgegangenes Gestein beschrieben, das unter dem Einfluss der Metamorphose zu einem Gestein mit plattigen, spaltbaren Gefüge umgewandelt wurde.


Um eine allgemeine und beständige Qualität zu garantieren, ist im Geltungsbereich der Norm eine Dicke der Schieferplatten für Dächer (sog. Nenndicke) von 4 bis 6 mm vorgeschrieben. Ausnahmen gelten für Schiefer, deren Karbonatanteil 5 % übersteigt – hier ist eine mächtigere Nenndicke zu wählen.


Besonderes Augenmerk wird auf makro- und mikroskopische Untersuchen des Dachschiefers gelegt. Neben der Richtung der Schieferung bzw. Einregelung der Gemengteile, wird besonders der Gehalt an verwitterbaren Carbonat- und Eisensulfidmineralen wie Calcit, Dolomit und Ankerit bzw. Pyrrhotin, Pyrit und Markasit analysiert. Bei hohen Gehalten an eisensulfidhaltigen Mineralien kann sich durch Witterungseinflüsse eine rostrote Färbung einstellen, während calciumkarbonathaltige Gemengteile im Schiefer zum weiß-grauen Ausbleichen führen – ein Negativkriterium hinsichtlich der Farbqualität von Dachschiefer. Weiterhin wichtig sind Angaben zu aufbauenden Schichtsilikaten, die im Schiefer als Glimmerminerale vorhanden sind – Anzahl, Menge der Lagen und Vertreter (z.B. Biotit, Muskovit, Sericit, Lepidolith, Phlogopit, Fuchsit). Auf den Seiten von schieferlexikon.de wird die Wichtigkeit der Glimmerminerale näher beschrieben. Für die Verwertung als Dachschiefer werden gleichmäßig eingeregelte Glimmerlagen bevorzugt, da diese optische Einheitlichkeit und ein regelmäßiges Spaltverhalten bewirken. Zudem werden glatte Glimmerlagen rauen gegenüber favorisiert, da diese mehr Elastizität und Festigkeit im Schiefer erreichen.

Gewinnung und Verarbeitung von Dachschiefer

Das Hauptabbaugebiet von Schiefer in Deutschland sind die Schiefergebirge in der Eifel, in Thüringen, im Sauerland und im Rheinischen Schiefergebirge. Seit dem Mittelalter wurde in Bergwerken Schiefer abgebaut, heutzutage wegen erschöpfter Ressourcen oder ausländischer Importe teilweise eingestellt.


Bereits unter Tage wird der anstehende Schiefer mit Diamant beschichteten Sägeblätter vorgesägt. Über Tage erfolgt die Feinarbeit – Zerkleinerung der Schieferplatten, Trennung der Platten und Zuschnitt zu Dachschindeln per Hand oder Maschine.


Die zugerechtgeschnittenen Schiefertafeln werden anschließend auf einer geeigneten Unterlage mit Nägeln aus Edelstahl, Kupfer oder Schiefer befestigt – in Deutschland kann dabei zwischen 15 Deckarten gewählt werden, auch Verzierungen und Muster sind möglich.


Siehe auch:
Schleifen und Polieren von Gesteinen und Mineralien
Höhlen in Deutschland - Saalfelder Feengrotten. Einst Schieferbergwerk, heute Tropfsteingrotte
Steinerne Zeugen - Loreleyfelsen. Der berühmteste Schieferfelsen Deutschlands


Quellen:
- www.schieferlexikon.de
- www.schieferdaecher.de, Fotos verschiedener Deckungen
- www.schiefer.de
- http://baunormenlexikon.de
- www.schieferbergwerk.de

Letzte Aktualisierung: 13. September 2017




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