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Der Feingehalt von Gold – Gold und Karat



Der Wert von Edelmetallen richtet sich in erster Linien nach dem Feingehalt, denn nicht immer bestehen Goldbarren oder Goldschmuck zu 100 Prozent nur aus Gold. Da Gold ein sehr weiches Metall ist, werden Goldprodukten zusätzlich Silber oder Kupfer hinzugefügt, um den Härtegrad und die Beständigkeit zu erhöhen. Wie hoch der Anteil an Gold in Schmuck oder Anlagegold ist, verrät die Punze.



Punzen und Gold

Der Begriff Punze umschreibt die Ziffer, die bei Schmuck an einer unauffälligen Stellen oder bei Anlagebarren und -münzen auf der Oberseite eingestempelt ist. Die dreistellige Ziffer – bspw. 999, 985, 725 oder 333 – gleicht einem Code, mit dem der Gold- oder Silbergehalt sofort ablesbar ist.

In England und im außereuropäischen Ausland, vor allem in Südostasien oder in arabischen Ländern ist die Punzierung eine andere; hier setzt man auf eine zweistellige Zahl, zum Beispiel 24 C, 22 C, 18 C oder 14 C.


Der historische Ursprung von Gold-Karat

Um den Hintergrund der Angabe von Gold in Karat und der dreistelligen Zahl auf den Grund zu gehen, ist ein Blick in die Geschichte notwendig.

Karat als Einheit ist ein etablierter Begriff, der vor allem im Zusammenhang mit Edelsteinen angewendet wird. Das sogenannte metrische Karat gibt das Gewicht von Mineralien an, wobei ein Karat 0,2 Gramm entspricht – so viel wie ein Samen des Johannisbrotbaumes wiegt, der in der Vergangenheit als Maßstab auf der Waage genommen wurde, weil das Gewicht aller Samen stets 0,2 Gramm entsprach.

Die Bezeichnung Karat und Gold ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz weniger üblich.
Nicht zuletzt, weil das „Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren“ in der Fassung vom 1. Januar 1888 festlegt, dass der Feingehalt laut § 2 in „Tausendteilen (…) angegeben werden“ muss bzw. „Schmucksachen von Gold und Silber dürfen in jedem Feingehalt gestempelt werden und ist in diesem Fall der letztere in Tausendteilen anzugeben“ (§ 5). Kurzum: der Feingehalt von Gold gibt den Goldanteil in Tausendteilen an.

Bis weit ins 19. Jahrhundert wurde allerdings nicht zwischen Karat bezogen auf Edelsteine oder Gold unterschieden, siehe Definition Karat von Johann Georg Krünitz (Naturwissenschaftler; 1728 bis 1796) aus dem Jahr 1720: „ein kleines Gewicht, dessen sich die Münzmeister und Wardeine bey Bestimmung des innerlichen Gehaltes oder der Feine des Goldes, ingleichem die Juweliere bey Abwägung und Schätzung der Perlen, Diamanten und anderer Edelsteine bedienen.“ Valentin Kraeutermann (Arzt; 1663 bis 1721) ist etwas genauer und definiert Gold-Karat als Maßstab, mit dem der „Grade der Reinheit des Goldes“ wiedergegeben wird.

* Wardein = Beamter, dessen Fachgebiet Erz, Metallurgie, Münzwesen und Goldschmiedekunst war.

Als das reinste Gold galt damals das sogenannte „Jungfrauengold“ (Kraeutermann; 1726 posthum), das „keiner weiter Reinigung nöthig hat“ und einem Karat-Wert von 24 entspricht, oder wie Wallerius schreibt: „Ist das Gold ganz rein, so nennt man es 24 karatiges Gold, weil eine Mark Goldes aus 24 Karat bestehet“; „Aurum caraticum“ bei Carl Günther Ludovici (1707 bis 1778; Philosoph) 1752.
Die Mark wiederum ist ein historisches Gold- und Silbergewicht, die in „24 Karat, und in ein Karat in 24 abgetheilet“ wird (Funke, 1802).

Was hat es nun aber mit der magischen Zahl 24 auf sich? Die 24 ist eine Erfindung von Metallschmieden und Münzherstellern. Sie verfügten über ein Set von 24 Nadeln, die sie „Streichnadeln“ (Ercker, 1703) oder Probiernadeln nannten. Jede Nadel enthielt einen definierten Goldgehalt bzw. wurde als Legierung mit anderen Metallen versetzt. Die 1. Nadel mit der Zahl 24 bestand aus reinem Gold, die Nadel 23 enthielt etwas Silber, wobei der Silber- und auch Kupferanteil zur Nadel 1 hin immer höher bei geringer werdendem Goldwert wurde.

Über den Verwendungszweck der goldenen Probiernadeln äußerten sich David Kellner et al. 1702, die berichteten, dass man den Feingehalt von Gold anhand der bloßen Farbe nicht exakt bestimmen kann, aber mittels Probiernadel ein Vergleich möglich ist.
Ein weiteres wichtiges Utensil dafür: der Probierstein, der laut dem Chemiker Jöns Jakob Berzelius (1779 bis 1848) 1834 eine „schwarze, geschliffene Kieselschieferart“ ist und der auch heute noch von Juwelieren und GutachterInnen verwendet wird.
Dass der Probierstein von dunkler Farbe ist, liegt an der Tatsache, dass so der Kontrast zwischen dem Untergrund und der goldenen Farbe deutlicher zum Vorschein kommt.
Soll nun der Goldgehalt von Schmuck oder Münzen eingeschätzt werden, insbesondere in Fällen, wo die Punzierung fehlt, wird zunächst das Untersuchungsobjekt über den Probierstein gestrichen. Dabei entsteht ein feiner, goldener Abrieb, der wiederum mit der Strichfarbe der Probiernadeln verglichen werden kann.

Da reines Gold ohne anderweitige Beimengungen von Fremdmetallen oder anderen chemischen Verbindungen eine äußerste Seltenheit ist, hat es sich eingebürgert, statt von 100 %-igem Gold von 99,9 % Gold auszugehen, das der höchsten Reinheitsstufe von Gold entspricht. Den geringsten Goldanteil hingegen weist Schmuck mit dem Prädikat „vergoldet“ auf. Der Anteil an Gold liegt hier bei unter drei Prozent.

Die Umrechnung des Feingehalts von Gold in Karat in die Tausendteil-Einteilung lautet wie folgt:


Tabelle: Feingehalt von Gold in Karat – Umrechnung in Tausendteil und Prozent
Feingehalt in Karat (kt./C)Feingehalt in TausendteilenGoldanteil in Prozent
24 999 99,9 %
23 950 95,0 %
22 917 91,7 %
21 875 87,5 %
20 833 83,3 %
18 750 75,0 %
14 585 58,5 %
12 500 50,0 %
10 417 41,7 %
9 375 37,5 %
8 333 33,3 %
6 250 25,0 %

Die Frage „Wie viel ist ein Karat Gold oder Silber wert?“ kann nicht pauschal beantwortet werden, insofern der Silber- und Goldpreis tagesaktuellen Schwankungen an der Börse unterliegt.


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Quellen:
Bundesministerium der Justiz: Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren
⇒ Kellner, D., Mathesius, J., Eichholtz, P. und Suchland, J. F. (1702): Kurtz abgefastes sehr nütz- und erbauliches Berg- und Saltzwercks-Buch in welchem Alles, was in Herrn Mathesii, Eichholtzens und Suchlandes weitläufftigen Berg-Predigten und Schrifften von Berg- und Saltzwercken, Mineralien, Ertzen, Metallen und deren Zubereitungen ... beschrieben ist
⇒ Ercker, L. und Berward, C. (1703):
Wie die weissen Streich-Nadeln gemacht oder gesetzt werden soll. IN: Aula subterranea, domina dominantium, subdita subditorum Das ist: Untererdische Hoffhaltung, ohne welche weder die Herren regieren noch die Unterthanen gehorchen können. Oder Gründliche Beschreibung derjenigen Sachen, so in der Tieffe der Erden wachsen als aller Ertzen der Königlichen und gemeinen Metallen, auch fürnehmster Mineralien ... Anjetzo auffs neue mit vielen nützlichen und nothwendigen Stücken und Secreten so entweder Herr Ercker übergangen oder nach der Zeit inventirt worden und andern notis über sel. Erckers Text merklich vermehret, zu samt angehängter Ausslegung der terminorum und Rede-Arten der Bergleute, Probirer, Wardeinen und Müntzmeister, deren sie sich, was ihre profession belangt, zu bedienen pflegen
⇒ Kraeutermann, V. (1726): Vom Golde. IN: Neu-Vermehrtes historisch-Medicinisches Regnum Minerale, oder Metallen- und Mineralien Reich
⇒ Wallerius, J. G. (1750): Karatiges Gold. IN: Mineralogie, Oder Mineralreich
⇒ Ludovici, C. G. (1753): Gold. IN: Eröffnete Akademie der Kaufleute: oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon woraus sämmtliche Handlungen und Gewerbe, mit allen ihren Vortheilen, und der Art, sie zu treiben, erlernet werden können · Band 2
⇒ Moll, K. v. (1797): Nebenstunden des Berg- und Hüttenmanns
⇒ Krünitz, J. G. (1801): Ökonomisch-technologische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats-Stadt-Haus- und Landwirthschaft, und der Kunst-Geschichte, in alphabetischer Ordnung
⇒ Funke, C. Ph. (1802): Gold- und Silbergewicht. IN: Naturgeschichte und Technologie
⇒ Berzelius, J. J. (1834): Lehrbuch der Chemie, Band 3

Letzte Aktualisierung: 6. Januar 2022




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