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12 Fakten über Turmalin



Was sind die bekanntesten Edelsteine? Diamant, Saphir, Rubin, Aquamarin, Tansanit und Smaragd? Tatsächlich gibt es noch viele andere Edelsteine, die bisher von zurückhaltender Prominenz sind, aber durchaus Wert sind, ins Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden – wie Turmalin. Ein Edelstein, der den Vergleich in puncto Brillant, Reinheit und Vielfalt an Farben mit anderen Edelsteinen nicht zu scheuen braucht.



1. Turmalin = Viele Mineralien

Wenn der Name Turmalin fällt, ist damit kein einzelnes Mineral gemeint. In der Mineralogie wird unter dem Begriff Turmalin eine Gruppe von vielen Mineralien zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit die chemische Zusammensetzung ist – daher auch die Bezeichnung Turmalingruppe, die aus 14 Endgliedern und noch mehr Varietäten besteht. Die bekanntesten: Dravit, Elbait, Achroit, Rubellit, Indigolith, Verdelith und Schörl.


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2. Das Regenbogenmineral

Turmalien sind bunt, sehr bunt. Von farblos über weiß, orange, rosa, violett, braun, grün, blau, und schwarz, uni oder mehrfarbig, sind alle Farben vertreten, weshalb der aus dem Singhalesischen stammende Name „farbenfroher Stein“ zurecht gewählt wurde.
Aber nicht nur in Asien ist Turmalin seit Jahrhunderten ein Begriff. Auch die Alten Ägypter kannten Turmalin. Einer ägyptischen Sage zufolge geht die Farbvielfalt von Turmalin darauf zurück, dass die Steine auf dem Weg an die Erdoberfläche einen Regenbogen durchkreuzten und dessen Farben aufnahmen.


3. Einfarbig und mehrfarbig

Turmaline werden sowohl als einfarbiger Stein angeboten, können aber auch in Kombination mit mehreren Farben gleichzeitig vorkommen.
Hinter jeder Farbe steht ein anderes chemisches Element, das Einfluß auf die Farbe hat. Turmaline, die zwei, drei oder noch mehr Farben gleichzeitig in einem Kristall vereinen, sind das Zeugnis verschiedener farbgebender Elemente, die im Zuge der Entstehung ihren Einfluss spielen ließen. Besonders häufig sieht man die Konstellation rot und grün, grün und hellblau, grün und dunkelblau, rosa und blaugrün, schwarz und petrolblau, gelb und grün bei zweifarbigen Turmalinen.


4. Paraiba-Turmalin – Der wertvollste Turmalin

Unter allen Turmalinen hat sich seit der Entdeckung im Jahr 1987 in Brasilien eine Farbe als Highlight herauskristallisiert: Paraiba-Turmalin, benannt nach dem brasilianischen Bundesstaat Paraiba.
Im Vergleich zu anderen Turmalinen ist die Farbe von Paraiba-Turmalin neonartig leuchtend. Umschreibungen wie neon, electric, vivid und glow betonten die Besonderheit der vornehmlich grünen, mintfarbenen, blaugrünen, türkisfarbenen bis violetten Turmaline, die für 10.000 bis 50.000 Euro pro Karat verkauft werden.


5. Wassermelonenturmalin – Rot-grüner Turmalin

Wassermelonenturmalin ist eine weitere Exklusivität und einmalig sind Turmaline mit einer Farbzonierung in rot und grün, deren Anordnung der Farbe an Melonen erinnert und das Ergebnis einer Veränderung, Störung oder Unterbrechung der farbgebenden Mineralstoffzufuhr während der Entstehung der Kristalle ist.


6. Alternative zu sehr teuren Edelsteinen

Bedingt durch die Farbvielfalt bieten sich Turmaline als etwas preiswertere Alternative zu anderen Farbedelsteinen an, deren Preis aufgrund der noch höheren Härte höher eingestuft wird.
Vor allem blauer Turmalin kann als Alternative für Saphir, blaue Diamanten, Aquamarin, Blautopas oder Tansanit herhalten. Rosa bis orangefarbener Turmalin kann mit Kunzit und Morganit verglichen werden. Rubellit, der rosa.pinke Turmalin, sieht in dunkleren Nuancen Rubin ähnlich. Gelber Turmalin bietet sich als Option anstelle von gelben Diamanten oder gelbem Saphir an und grüner Turmalin kann mit Smaragd oder Tsavorit/Grüner Granat verwechselt werden.


7. Brasilianischer Smaragd alias Grüner Turmalin

Als im 17. Jahrhundert in Brasilien die ersten grünen Turmaline gefunden wurden, gingen Experten zunächst davon aus, die Steine wären Smaragd. Die grüne Beryll-Varietät Smaragd war seit vielen Jahren ein Begriff und die Vorkommen in Brasilien durchaus bekannt. Allerdings stellte sich schon bald heraus, dass die Steine, die als Brasilianischer Smaragd in die Alte Welt exportiert wurden, andere mineralogische Eigenschaften aufwiesen als der echte Smaragd. Um aber die Exklusivität beizubehalten, wurde der Name Brasilianischer Smaragd noch lange weiter verwendet.


8. Schörl – Der wichtigste Heilstein

Von allen Turmalinen steht der schwarze Turmalin, mineralogisch: Schörl, auf der Liste der bedeutendsten Steine in der Heilsteinkunde. Schörl werden vielerlei Wirkungen nachgesagt, die sowohl auf die physische als auch psychische Gesundheit ansprechen sollen; angefangen von der Abwehr negativer Energien und Spannungen, wird in spirituellen Kreisen zusätzlich mit der wärmenden, schmerzlindernden und aktivierenden Wirkung von Schörl geworben – Versprechen, die in wissenschaftlichen Untersuchungen bislang nicht nachgewiesen werden konnten.


9. Monatsstein Oktober

Im Jahr 1912 kam in den USA ein Gremium von Juwelieren zusammen, um Ordnung in ein System von Mineralien zu bringen. Bis dato gab es in jedem Land und Kulturkreis verschiedene Steinen, die als Glücksbringer oder Schutzsteine den zwölf Monaten zugeschrieben wurden. 1912 verständigte sich die Jury der „Jewelers of America“ darauf, dass Turmalin als Monatsstein für im Oktober Geborene steht und Turmalin zudem einen Monat lang besondere Aufmerksamkeit als bedeutender Stein in der Schmuckbranche zuteil wird.


10. Staubmagnet Turmalin

Als die ersten Turmaline zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Ostindien und Ceylon, heute Sri Lanka, mit den Niederländern nach Europa kamen, waren die Niederländer von einer Eigenschaft des Turmalins besonders angetan. Wird Turmalin erwärmt oder an Stoff gerieben, lädt sich das Mineral elektrostatisch auf und ist in der Lage, Staub, Asche und Papierschnipsel anzuziehen. Die Niederländer gaben dem Stein deshalb zunächst den Namen Aschentrenker – zu deutsch: Aschenzieher.


11. Der teuerste Turmalin der Welt

Der aktuell wertvollste Turmalin ist kein geschliffener Stein, sondern ein naturbelassener Kristall.
Anmerkung: Der Wert von Edelsteinen wird anhand des Zusammenspiels vom Gewicht, der Farbe und Reinheit sowie der Qualität des Schliffs bemessen.
2011 wurde in der Pedeirneira-Mine in Brasilien ein 15 x 15 x 17 cm großer mehrfarbiger Turmalin, aufsitzend auf weißem Albit, entdeckt. Der tönnchenförmige Kristall weist einen spektakulären Farbverlauf von dunkelviolett an der Basis, ins hellblau, Paraibablaue übergehend, gefolgt von pink-violett bis hin zu einem dunklen Blau an der Spitze auf. Der Wert des Turmalins: 1,2 Millionen US-Dollar.


12. Turmalin – Hochpreisig bis erschwinglich

Die Preise von Turmalinen schwanken erheblich – genau wie bei jedem anderen Edelstein auch. Neben allgemeinen Qualitätsmerkmalen spielt die Häufigkeit der Vorkommen bzw. Fundorte eine tragende Rolle. Schwarzer Turmalin alias Schörl kommt besonders häufig vor und ist deshalb vergleichsweise günstig. Dahingegen sind Paraiba-Turmaline sehr teuer. Andere Farben mit hervorragender Farbe und Reinheit erzielen mit bis zu 3000 Euro ebenfalls sehr hohe Preis, während weniger reine und farbintensive Steine schon für einige Euro pro Karat angeboten werden.


Auch interessant:

Quellen:
⇒ Beckmann, J. (1783): Beyträge zur Geschichte der Erfindungen. Erstes Stück. Leipzig. Verlag Paul Gotthelf Kummer
⇒ Haüy, R. J. (1806): Lehrbuch der Mineralogie. Theil 3. Paris und Leipzig. H.C. Reclam
⇒ Karsten, D. L. G. (1789): Des Herrn Nathanaël Gottfried Leske hinterlassenes Mineralienkabinet. Erster Band. Verlag I.G. Müllersche Buchhandlung
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag
- www.mindat.org - tourmaline

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Letzte Aktualisierung: 1. Oktober 2021




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