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Pyroplastik – Steine aus Kunststoff



Das Thema Müll und speziell schwer abbaubare Plastikabfälle ist derzeit allgegenwärtiger Gegenstand in den Nachrichten. Weggeworfene Tüten, Becher und Flaschen aus Kunststoff an Stränden, im Meer oder Wegesrand stellen eine ernst zu nehmende Gefahr für die Umwelt dar. Während diese Plastikabfälle leicht auszumachen sind, wurde in den vergangenen Jahren Plastik gefunden, das weder aufgrund der Form noch der Farbe von echten Steinen zu unterscheiden ist: Pyroplastik (engl.: Pyroplastic/Pyroplastics).

Definition Pyroplastik

Der Begriff Pyroplastik ist ein neuer Begriff in der Wissenschaft. Im Juli 2019 erschien die Publikation „Marine Pollution from Pyroplastics“ von Dr. Andrew Turner et al./University of Plymouth in England, in der Steine, die auf den ersten Blick wie gewöhnliche Kieselsteine aussehen, eingehend untersucht wurden, sich aber als Verbrennungsrückstände der Polyethylen- und Polypropylen-Herstellung herausstellten.
Polyethylen (PE) wurde im Jahr 1898 entwickelt und gilt als der Kunststoff, der am häufigsten Verwendung findet. Aufgrund der Verschleißfestigkeit bestehen unter anderem Rohre, Kunststoffflaschen, Folien, Tragebeutel, Mantel- und Isolationsmaterialien aus Polyethylen.
Polypropylen (PP) dient seit der Erfindung 1951 als Rohstoff für die Herstellung von Behältern, künstlichen Fasern von Textilien, Kunststoffverkleidungen in Autos, Alltagsgegenständen sowie Maschinen und als hitzebeständiges Isolationsmaterial.


Pyroplastik kann wie diese Schlacken aussehen


Die Eigenschaften von Pyroplastik

Pyroplastik-Steine erinnern optisch an Kieselsteine, die man am Strand findet. Inmitten von Strandsteinen ist Pyroplastik kaum zu unterscheiden: an den Kanten abgerundet und glatt poliert aufgrund der abrasiven Tätigkeit des Wassers und der Schleifwirkung von Meeressand, matt oder glänzend, kompakt oder porenreich, oder von eckiger Form.
Die Farbe von Pyroplastik ist variabel und reicht von weiß, beige bis gelb, rot-orange, hell- bis dunkelgrau, blaugrau und schwarz, weshalb die Verwechslung mit Sandstein, Kalkstein, Quarz, Basalt, Feuerstein oder Schlacke nahe liegt.
Neben der materiellen Beschaffenheit ist die geringe Dichte ein wesentliches Merkmal von Pyroplastik. Polyethylen- und Polypropylen-Kunststoffe sind deutlich leichter als Steine natürlichen Ursprungs – Ausnahme Bernstein - und können somit über weiter Strecken verlagert werden. Den Annahmen von Turner zufolge ist es nicht unwahrscheinlich, dass die ursprünglich von der Whitsand Bay in Cornwall, südwestlich von Plymouth/England stammenden Pyroplastik-Proben auch in anderen Regionen bzw. Ländern der Welt anzutreffen sind.


Die Entstehung von Pyroplastik

Der Name Pyroplastik setzt sich aus den Wörtern pyro und Plastik zusammen und verweist sowohl auf die Entstehung als auch Zusammensetzung hin. Pyro wird aus dem Altgriechischen mit brennen übersetzt, wohingegen Polyethylen und Polypropylen die Kunststoffbasis von Pyroplastik darstellen.
Im Zuge der Verbrennung von Polyethylen und Polypropylen kommt es zur Entstehung von Verbrennungsrückständen, die möglicherweise über Kühlwasser und Abwasser in offene Gewässer gelangen. Die genauen Mechanismen sind bislang noch nicht vollends geklärt, genau wie Frage, ob Pyroplastik ein auf den Fundort in Cornwall beschränktes Problem ist oder ob Pyroplastik auch an anderen Stränden angeschwemmt wurde.
Dass Pyroplastik ein umweltgefährdendes Potential zugeschrieben wird, liegt nicht nur am Material allein. Die steinartige Tarnung erschwert die Identifikation von Pyroplastik, die chemischen Analysen zufolge bleibelastet sind und die Gefahr des Übertritts in die Nahrungskette diverser Lebewesen in sich birgt.


Pyroplastik und Plastiglomerat

Die Verbindung von Kunststoff und Gestein ist in der Geologie kein Novum. Bereits 2006 wurde am Strand von Kamilo, Big Island/Hawaii eine neue Gesteinsart entdeckt, die natürlichen und anthropogenen Ursprungs zugleich ist: Plastiglomerat. Die detaillierte Betrachtung der Bestandteile von Plastiglomerat legte offen, dass Plastiglomerat aus unterschiedlichen Gesteinen, Sand, Treibholz, Muscheln oder Korallen und Müll (Behälter, Tüten, Besteck, Zahnbürsten, etc.) besteht. Infolge von hohen Temperaturen werden die einzelnen Komponenten miteinander verschmolzen, bspw. indem glutheiße Lava auf achtlos weggeworfenen Unrat triff oder Müll in Lagerfeuern verbrannt wird.
Der Unterschied zwischen Pyroplastik und Plastiglomerat ist offensichtlich: während Plastiglomerat einen schwankenden Anteil an natürlichen Bestandteilen aufweist, besteht Pyroplastik vollständig aus Plastik.


Siehe auch:
Bernstein und Phosphor – Zum Verwechseln ähnlich
Seeglas und Meerglas - Glasscherben vom Strand
Zeolithe – Mineralien im Einsatz gegen Radioaktivität


Quellen:
www.sciencedirect.com - Turner, A., Wallerstein, C., Arnold, R., Webb, D. (2019): Marine pollution from pyroplastics
www.nationalgeographic.com - Stone, M. (2019): PLANET OR PLASTIC? New plastic pollution formed by fire looks like rocks
www.sciencealerat.com - Starr, M. (2019): Oh Great, There's a New Form of Plastic Pollution That Looks Exactly Like Rocks

Letzte Aktualisierung: 26. August 2019




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