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Zachery-Prozess und veredelter Türkis



Mineralien in kräftigen und strahlenden Farben gelten als besonders wertvoll. Um auch Steine verarbeiten zu können, die diesen Vorstellungen von Natur aus nicht entsprechen, werden Mineralien mitunter einer Farb- und teilweise auch Reinheitskorrektur unterzogen. Ebenfalls üblich ist die Behandlung mit Wachs, Kunststoff, Paraffin und Harz, um weiche Mineralien gegenüber oberflächlichen Beschädigungen widerstandsfähiger zu machen. Eine bislang nicht vollständig geklärte Methode zur Erhöhung der Härte speziell von Türkis ist der Zachery-Prozess.

Türkis

Namensgebend für das Mineral Türkis ist die blaugrüne Farbe, wobei Türkis ebenfalls von grüner, blauer oder gelbgrauer Farbe sein kann. Die Intensität des Türkistons ist abhängig von den Kupfer- und Eisengehalten des kristallwasserhaltigen Phosphatminerals (CuAl6(PO4)(OH)8·4-5H2O). Das typische Türkisblau ist auf einen hohen Kupferanteil zurückzuführen, während bei grünlichem Türkis Eisen überwiegt.
Die Farbe von Türkis reagiert empfindlich auf Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen in Form vom Verblassen der Farbe. Der Grund: der Verlust des Kristallwassers und oxidative Vorgänge im Mineral.
Einhergehend mit dem geringer werdenden Kristallwasseranteil wird das ohnehin schon poröse Mineral noch porenreicher, was sich zudem in der abnehmenden Mohshärte (5 bis 6) sowie geringer werdenden Dichte bemerkbar macht.


Türkis und Zachery-Prozess

Das Hauptaugenmerk der Qualitätsverbesserung von Mineralien und Edelsteinen liegt in der Intensivierung, Änderung oder Korrektur der Farbe und/oder Reinheit. Die zu behandelnden Mineralien werden im Zuge dessen bspw. erhitzt (sog. Brennen), Strahlung ausgesetzt oder mit farbgebenden Lösungen geimpft.
Bei der Behandlung mit der Zachery-Methode hingegen steht die Erhöhung der Härte bzw.,. Verringerung der Porosität im Vordergrund.
Das Verfahren wurde in den späten 1980er Jahren von James E. Zachery entwickelt, seines Zeichens Ingenieur und aus einer US-amerikanischen Türkis-Händlerdynastie stammend. Die von Zachery geschaffene Methode wurde eigens für das Mineral Türkis entwickelt. Der Großteil aller weltweit abgebauten Türkise ist von minderwertiger Qualität – weniger in Bezug auf die Farbe, als auf die Porosität betrachtet. Die Steine sind regelrecht löchrig und würden beim Bearbeiten, bspw. Zu Schmuck, zerfallen.
Mit dem Zachery-Prozess werden poröse Türkise verwertbar. Der detaillierte Ablauf bzw. die einzelnen Arbeitsschritte des Zachery-Prozesses sind unbekannt. Laut Zachery werden weder farbverändernde Lösungen noch anderweitige Zusatzstoffe verwendet. Die Steine werden lediglich mit einer Lösung behandelt und anschließend einer Hitzebehandlung unterzogen. Der Prozess verläuft über drei bis sechs Wochen mit dem Ergebnis, dass porenreicher Türkis nun kompakter ist und weniger Poren aufweist. Die türkisfarbenen Steine lassen sich in der Folge mit weniger Materialverlust leichter zerschneiden, trennen, schleifen und polieren und bieten zusätzlich den Vorteil, dass Zachery-Türkis unempfindlich gegenüber Schweiß, Fett und Schmutz wird.
Optisch unterscheiden sich Zachery-Türkise nicht von „gewöhnlichen“ Türkisen, da die Eigenschaften des Minerals nicht verändert werden.
In eingehenden Untersuchungen im Vergleich mit unbehandeltem Türkis und stabilisiertem Türkis konnte jedoch einer höherer Natriumgehalt der Zachery-Türkise festgestellt werden. Aufschluss, dass eine Behandlung nach der Zachery-Methode stattgefunden hat, ist mittels Röntgenfluoreszenzspektroskopie (speziell EDXRF) möglich, die allerdings erfordert, dass die Steine pulverisiert werden.
Im Zusammenhang mit Zachery-Türkis werden in der Literatur vor allem Exemplare aus der Sleeping Beauty Mine in Arizona/USA erwähnt, die mittels Zachery-Methode behandelt werden.


Werbung; Türkis aus der Sleeping Beauty Mine in Arizona*



Veredelter Türkis

Bei der Veredelung von Türkis liegt der Fokus neben der Stabilisierung der Steine auf dem Erhalt Erhalt der Farbe. Im Laufe der Zeit verblasst das Türkisblau der Steine, was durch eine Schutzschicht verringert oder vermieden werden kann. Zusätzlich wird durch die Behandlung mit Wachs, Harz, Paraffin oder Kunststoff der Glanz von Türkis erhöht. Ist zudem beabsichtigt, dass die Farbe kräftiger erscheint, wird auf gefärbtes Wachs, Harz oder Paraffin zurückgegriffen.
Die Ummantlung mit den genannten Materialien ist nicht von Dauer. Paraffin, Wachs und Kunststoff können austrocknen, rissig und spröde werden oder durch den Kontakt mit Reinigungsmitteln wie Shampoo, Seife, Duschgel oder Spülmittel förmlich abgewaschen werden. Das Ergebnis: Die schützende Ummantlung wird abgetragen und der Stein erhält die ursprüngliche Beschaffenheit, neigt zum Verblassen und Zersplittern.


Siehe auch:
Opalit, Kyocera-Opal und Inamori-Opal
Larimar-Imitationen und Fälschungen
Fancy Diamanten - Farbige Diamanten


Quellen:
Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH*
Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach*
Korbel, P.; Novak, M. und W. Horwath (2002): Mineralien Enzyklopädie, Dörfler Verlag*
Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München*
Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München*
- www.gia.edu - The identification of Zachery-treated-Turquoise von Emmanuel Fritsch, Shane F. McClure, Mikhail Ostrooumov, Yves Andres, Thomas Moses, John I. Koivula, and Robert C. Kammerling. In: Gems & Gemology. Spring 1999

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Letzte Aktualisierung: 1. März 2019




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