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Kaschmir-Saphir - Saphir aus dem Himalaya



Was haben Sibirischer Amethyst, Montepuez-Rubin, Muzo-Smaragd und Santa Maria-Aquamarin gemeinsam? Die Antwort ist einfach! Mit der Herkunft all dieser Edelsteine wird eine besondere Qualität verbunden, die sich mit Steinen anderer Vorkommen nicht vergleichen lässt. Zu diesen Kostbarkeiten gesellt sich auch Saphir aus dem Kaschmir, der mit seiner samtig-blauen Ausstrahlung und Seltenheit die Preise in astronomische Höhen schnellen lässt.



Kaschmir-Saphir – Eine Reise in die Geschichte

Saphire werden rund um den Globus in verschiedenen Ländern abgebaut. Im internationalen Vergleich führen allerdings Sri Lanka (Ceylon-Saphir), Kambodscha (Pailin-Saphir), Indien und Thailand (Kanchanaburi-Saphir) die Spitze der saphirproduzierenden Länder an.

Etwas unbekannter sind Saphire aus Kaschmir, einer Region im Himalaya, die sich über Teile von Indien, Pakistan und China erstreckt.
Dass Kaschmir-Saphir kein Kosmopolit ist und in den Auslagen von Juwelieren eher selten liegt, ist in erster Linie der Rarität des blauen Edelsteins zu verdanken, denn die Saphire wurden im Kaschmir nur in einer begrenzten Zeitspanne abgebaut.

Die ersten Funde von Kaschmir-Saphiren werden auf das Jahr 1879 datiert. Durch einen Bergsturz im Padder-Tal – vermutlich ausgelöst infolge tektonischer Aktivitäten, wurden laut dem Mineralogen Max Bauer (1844 bis 1917) „die sappirhaltigen Felsarten aus der Reihe der krystallinischen Schiefer nebst zugehörigen Eruptivgesteinen blossgelegt“, sodass die Einheimischen vor Ort die Saphire „wie Kartoffeln einfach aufgelesen“ haben.

Den Bewohnern war der Schatz längst keine Unbekannte. Schon in der Vergangenheit nutzten sie die Saphire zum Feuer machen und fertigten Werkzeuge aus dem harten Material.

Die Nachricht von der Entdeckung lockte zahlreiche Händler in den Kaschmir; zumal sich die Saphirsammler dem Wert nicht bewusst waren und die Steine zu einem Spottpreis verkauften. Teilweise zogen sie bis nach Shimla und Delhi, um nach Bauer die „vermeintlichen blauen Quarze und Amethyst sehr billig“ anzupreisen.

Als die blauen Steine als Saphir identifiziert wurden, wurde die Region um das Padder-Tal ab 1882 interessant. In 4.500 m Höhe wurde eine Mine, sog. Old Mine, erschlossen und der professionelle Abbau ging in Betrieb.

1883 wurde dem wirtschaftlichen Treiben ein Ende gesetzt. Der Maharadscha von Kaschmir beanspruchte alle Rechte der Saphirminen für sich und stellt jede unerlaubte Tätigkeit unter Strafe. Nicht ganz uneigennützig war auch er von den blauen Edelsteinen fasziniert, sodass die schönsten Kristalle den Weg in seine Schatzkammer fanden.


Kaschmir-Saphir*



In den Jahren bis 1887 wurden in der Old Mine etliche Kaschmir-Saphire gefunden, doch das Ende der Vorkommen war schneller erreicht als erwartet. Die blau sprudelnden Saphir-Quellen waren versiegt. Die Old Mine wurde stillgelegt, doch die nahe gelegene New Mine versprach Hochkarätiges. Mit wissenschaftlicher Akribie und ausführlichen Kartierungen wurde das gesamte Gelände erfasst, sodass allein im Sommer des Jahres 1888 Saphire im Gewicht von 23.300 Karat geborgen wurden (siehe Atkinson und Kothavala).

Doch auch die New Mine ereilte dasselbe Schicksal wie die Old Mine. Die Funde konnten nicht an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen, die Steine waren nicht mehr kornblumenblau, sondern graublau und trüb. Obendrein erwies sich die Fördermenge nicht mehr als lukrativ.
Seit mehr als 100 Jahren ist der große Boom des Kaschmir-Saphirs vorüber. 1979 wurden die Arbeiten in den Minen eingestellt, und auch heute sind nur noch mit viel Glück vereinzelte Funde im kaolinhaltigen Muttergestein möglich.
Die im Handel angebotenen Kaschmir-Saphire sind deshalb eine Seltenheit von hohem Wert.


Die Farbe von Kaschmir-Saphir

Die Bezeichnung Kaschmir-Saphir ist kein geschützter Begriff für den Farbton der edlen Steine. Kaschmir-Saphir gibt es in allen erdenklichen Blautönen – vom dunklen Kornblumenblau über ein zartes Hellblau bis hin zu weiß blauen Exemplaren. Einzig die Herkunft der Kaschmir-Saphire ist Voraussetzung für den Namen Kaschmir-Saphir.

Die Farbe von Saphir ist auf im Kristallgitter eingebautes Eisen und Titan zurückzuführen. Das samtartige Erscheinungsbild der Kaschmir-Saphire, das teilweise auch als sleepy lustre bezeichnet wird, geht auf mehrere Ursachen zurück. Hänni (1990) nennt Wachstumsstörungen, Heilungsrisse, die Streuung des Lichts an Einschlüssen sowie mikroskopisch feine Schichten flüssiger Einschlüsse, aber auch feinste, staubartige Einschlüsse anderer Mineralien sind Grund für die samtig-blaue Farbe von Kaschmir-Saphir.

Fremdmineralien in Saphir gibt es immer wieder. Sternsaphire beispielsweise sind die optisch schönste Form von Einschlüssen. Sich kreuzweise überlagernde nadelförmige Kristalle des Minerals Rutil erzeugen einen vier-, sechs-, acht- oder zwölfstrahligen Stern auf der Oberfläche des Minerals.

Allerdings sind die im Kaschmir-Saphir enthaltenen Mineralien einzigartig und können als Fingerabdruck zur Unterscheidung von anderen Saphiren herangezogen werden. Typisch sind Dravit/Turmalin, Zirkon, Allanit, Biotit/Glimmer, Granat und Pargasit.

Dennoch ist beim Kauf von Kaschmir-Saphir Vorsicht geboten. Mitunter werden Saphire aus anderen Regionen als Kaschmir-Saphir angeboten und/oder im Nachhinein durch vorsichtiges Erhitzen in das intensive Kornblumenblau verändert. Ein Farbton, der auch künstlich erreicht werden kann, indem die Steine einer eisen- und titanbasierten Diffusionsbehandlung bei 1.700 °C ausgesetzt werden.


„The Pride of Kashmir“

„The Pride of Kashmir“ - Der Stolz von Kaschmir: ein Titel, den dieser Edelstein zurecht trägt. Vermutlich spielte bei der Wahl des Namens für diesen blauen Edelstein sowohl die bestechende Farbe wie auch die Größe eine bedeutende Rolle.
Mit einem Gewicht von über 20 Karat ist der „Pride of Kashmir“ einer der größten, geschliffenen Saphire, die in der Region Kaschmir gefunden wurden. Nicht minder bewundernswert ist die Farbe des Saphirs – ein strahlendes Saphirblau wie aus dem Bilderbuch.


Gewicht, Schliff und Farbe des „Pride of Kashmir

Der Saphir „Pride of Kashmir bringt ein Gewicht von 20,22 Karat (entspricht 4,044 Gramm) auf die Feinwaage. Verglichen mit dem größten, geschliffenen Saphir der Welt – dem Stern von Adam/Star of Adam, der es auf ein Gewicht von 1404,49 Karat bringt, ist der „Pride of Kashmir“-Saphir ein Leichtgewicht. Angesichts der Größe der Saphire, die in der Vergangenheit im Kashmir zutage gebracht wurden, ist der „Stolz von Kaschmir“ ein Hochkaräter.

Der blaue Edelstein ist im Ovalschliff gehalten. Allerdings nicht im glatten Cabochonschliff wie der „Star of Adam, vielmehr zeichnet sich der Ovalschliff des Pride of Kashmir durch die für den Schliff typischen vielen Facetten auf, welche die blaue Farbe des Edelsteins optimal betonen.

Das Blau des „The Pride of Kashmir“-Saphirs lässt sich als ein intensives, samtig schimmerndes Dunkelblau beschreiben, das keinerlei Nuancen zeigt, die ins Violette, Blaue oder Rote gehen. Die Expertisen zweier Edelsteingutachter belegen, dass die Farbe natürlichen Ursprungs ist und nicht das Ergebnis einer nachträglichen Farbbehandlung.


Auch interessant:


Quellen:
⇒ Bauer, M. (1896): Saphir. IN: Edelsteinkunde eine allgemein verständliche Darstellung der Eigenschaften, des Vorkommens und der Verwendung der Edelsteine, nebst einer Anleitung zur Bestimmung derselben für Mineralogen, Steinschleifer, Juweliere, etc
⇒ Atkinson, D. und Kothavala, R. Z. (1983): Kashmir Sapphire. IN: Gems & Gemology, Summer 1983
⇒ Hänni, H. A. (1990): Ein Beitrag zu den Erkennungsmerkmalen der Kashmir-Saphire. IN: Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft, September 1990
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
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Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2024




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