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Geuda-Saphir – Milchig-weißer Saphir



Wohl kaum ein anderes Mineral wird derart häufig mit der Farbe Blau in Verbindung gebracht wie Saphir. Bis weit ins Mittelalter hinein wurden viele blaue Mineralien als Saphir bezeichnet, nicht zuletzt weil der aus dem Griechischen stammende Namen Saphir mit blau übersetzt wird. Weniger bekannt sind Saphire in anderen Farben: Fancy Saphire in orange, grün, pink/rosa, schwarz oder orange und die milchig-weißen Saphire, die in den 1970er Jahren als Geuda-Saphir bekannt wurden. Allerdings weniger aufgrund der eigentümlichen Farbe, sondern des Potentials wegen, sich in tiefblaue Saphire wie aus dem Lehrbuch umwandeln zu lassen.



Geuda-Saphir

Der Großteil aller Geuda-Saphire stammt aus Ratnapura in Sri Lanka, und ist dennoch keine Herkunftsbezeichnung wie beispielsweise bei Montana-Saphir/Yogo-Saphir oder Pailin-Saphir üblich, sondern eine Bezeichnung der Farbe.

Geuda wird aus dem Singhalesischen mit seiden- oder milchartig übersetzt und bezieht sich auf die Farbe der Saphire, die nicht im klassischen Saphirblau erstrahlen, stattdessen von weißer bis hellblauer, nahezu weißer Farbe sind.


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Farbveränderung von Geuda-Saphir

Saphire sind die blaue Varietät der Korundgruppe, kurz: Korund, die außerdem von roten Rubinen, farblosem Leukosaphir und nicht-roten sowie nicht-blauen Saphiren, sog. Fancy Saphire, repräsentiert werden.
Die Gemeinsamkeit aller Korund-Varietäten ist die chemische Zusammensetzung: Al2O3.

Auf den ersten Blick können Geuda-Saphire mit Leukosaphiren verwechselt werden.
Insbesondere geschliffen erwecken Leukosaphire den Eindruck eines weißen und nicht farblosen Steins, weshalb diese in der Schmuckbranche vornehmlich als weiße Saphire geführt werden. Im direkten Vergleich ist das Weiß von Geuda-Saphiren jedoch milchiger und trüber, teilweise mit einem Stich ins Graue oder Blaue gehend.

Was Geuda-Saphir von blauem Saphir unterscheidet, ist nicht nur der Farbton, auch zeichnen sich Geuda-Saphire durch einen höheren Gehalt an Rutil, einem Titandioxid-Mineral, aus. Einschlüsse von anderen Mineralien, allen voran Rutil, sind bei Saphiren keine Seltenheit. In Untersuchungen wurde jedoch festgestellt, dass Titandioxid in Form von Rutil teilweise Plätze des Aluminiumdioxids im Kristallgitter ersetzt und ursächlich die opake, weiße bis pastellblaue Farbe hervorruft.

Solche Steine sind in der Regel von geringerem Wert, da bei Farbedelsteinen wie Saphir die Qualität der Farbe das ausschlaggebende Argument für den Preis darstellt.
Um zu vermeiden, dass nicht-ideale Saphire als Industrieminerale verwendet werden, wird sich seit den 1960er Jahren einer Methode bedient, mit der die Farbe von Saphiren korrigiert, optimiert und ausgeglichen werden kann. Saphire mit ungleichmäßiger, fleckiger Farbverteilung sind ebenso wenig erwünscht wie zu helle oder blauschwarze Saphire.

Saphire sprechen besonders gut auf die Änderung der Farbe mittels Brennen an. Das Verfahren ist alt, aber leider nicht für jedes Mineral geeignet. Die Brenntemperatur, mit der die Änderung der Farbe eines Edelsteins einhergeht, ist individuell festgelegt – genau wie die Rahmenbedingungen (neutrales, oxidierendes oder reduzierendes Milieu).

Im Rahmen der „Schönheitsbehandlung“ von Geuda-Saphiren werden die milchigen Steine vorsichtig stufenweise auf 1800 °C unter reduzierenden Bedingungen erhitzt. Infolge der Hitzezufuhr werden die Reinheit störende Fremdmineralien wie Rutil förmlich aufgelöst und das farbgebende Eisen von Saphiren in eine andere Oxidationsstufe gebracht (Fe2+ → Fe3+), die entscheidend für das Blau von Saphiren ist. Parallel dazu kommt es zur geringfügigen Aufschmelzung der Kristalle, die nach dem Abkühlen rekristallisieren und kleinere Fissuren, Heilungs- oder Spannungsrisse, die die Reinheit ebenfalls maßgeblich beeinflussen, förmlich zusammengeschmolzen werden.

Notwendige Voraussetzung, damit der einst milchig-weiße Geuda-Saphir nach dem Brennen im idealtypischen Saphirblau erstrahlt, ist ein ausreichender Eisengehalt; anderweitig bleibt die ursprüngliche Farbe erhalten.

Seit der Entdeckung der ersten Geuda-Saphire in den 1970er Jahren und der exzellenten Farbqualität nach dem Brennen konnten sich die blauen Edelsteine auf dem internationalen Edelsteinmarkt behaupten. Wie hoch der Anteil von Geuda-Saphiren unter allen gehandelten Saphiren tatsächlich ist, kann nicht nachvollzogen werden. Wenn ein Saphir in der Farbe verändert wurde, muss lediglich angegeben werden, dass eine derartige Behandlung stattgefunden hat.


Auch interessant:
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Quellen:
www.ruby-sapphire.com; Hughes, R. (1995): History of Ruby & Sapphire Heat Treatment
⇒ Nassau, K. (1981): Heat Treating Ruby and Sapphire: Technical Aspects. In: Gems & Gemology, Fall 1981
⇒ Hänni, H. A. (1982): Zur Erkennung diffusionsbehandelter Korunde. In: Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft
⇒ Bauer, J.; Tvrz, F. (1993): Der Kosmos-Mineralienführer. Mineralien Gesteine Edelsteine. Ein Bestimmungsbuch mit 576 Farbfotos. Gondrom Verlag GmbH Bindlach
⇒ Medenbach, O.; Sussieck-Fornefeld, C.; Steinbach, G. (1996): Steinbachs Naturführer Mineralien. 223 Artbeschreibungen, 362 Farbfotos, 250 Zeichnungen und 30 Seiten Bestimmungstabellen. Mosaik Verlag München
⇒ Pellant, C. (1994): Steine und Minerale. Ravensburger Naturführer. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH
⇒ Schumann, W. (1991): Mineralien Gesteine – Merkmale, Vorkommen und Verwendung. BLV Naturführer. BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (1992): Edelsteine und Schmucksteine: alle Edel- und Schmucksteine der Welt; 1500 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Schumann, W. (2017): Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. BLV Bestimmungsbuch, BLV Verlagsgesellschaft mbH München
⇒ Hochleitner, R. (2017): Welcher Stein ist das? Kosmos-Naturführer. Über 350 Mineralien, Edelsteine und Gesteine. Franckh Kosmos Verlag


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Letzte Aktualisierung: 22. April 2020




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