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In, auf und aus Gestein gebaut - Burg Ramstein bei Kordel im Kylltal



Die nur noch als Ruine erhaltene Burg Ramstein liegt im romantischen Kylltal in der Nähe des Ortes Kordel und des Trierer Stadtteiles Ehrang. Sie ist sowohl fußläufig und mit Fahrrad über einen komfortablen Rad- und Wanderweg als auch mit dem Auto zu erreichen.

Bau- und Besitzergeschichte

Ungefähr um 1300 wurde der Bau durch den damaligen Trierer Erzbischof Dieter von Nassau (1300-1307) begonnen. An der Stelle befand sich vermutlich seit Beginn des 10. Jahrhunderts ein Vorgängerbau, keine Burg, aber ein befestigtes Haus, das möglicherweise im Zusammenhang mit den Normanneneinfällen in der Trierer Region im späten 9. Jahrhundert errichtet worden war. Die Lage nördlich vor den Toren Triers deutet auf die Funktion der Territorialsicherung hin. Auch im Mittelalter war die hier verlaufende alte Römerstraße von Trier nach Andernach noch von Bedeutung.

Die Burg Ramstein wurde spätestens 1317 durch Dieters Nachfolger, den Trierer Erzbischof Balduin (1307-1354) aus dem Hause der Luxemburger, fertig gestellt. In der Zwischenzeit hatte es Streitigkeiten um die Rechtmäßigkeit der Errichtung zwischen dem Erzbischof und dem Vogt des benachbarten Dorfes Butzweiler gegeben. 1346 erhielt Burg Ramstein das Stadtrechtsprivileg (ohne weitere zentrale Funktion), was die Einschätzung als strategisch wichtigen Ort im Zuge der Territorialisierung untermauert. Aufgrund der hochwertigen Architektur und baulichen Ausstattung wurde in der Literatur gemutmaßt, dass es sich um eine Art Jagd- und Wochenendhaus des Erzbischofen gehandelt habe. Aber auch, wenn Ramstein diese Funktion gelegentlich gehabt hatte (der Erzbischof hat sich immer das Recht vorbehalten, hier Quartier nehmen zu können), so war es dennoch nicht der Baugrund einer Burg im 14. Jahrhundert.

Seit 1310 wurde die noch unfertige Burg verlehnt. Der erste Lehnsmann war Johann de Bruaco, Domdechant in Trier und enger Vertrauter des Balduin. Der nächste bekannte Lehnsnehmer war die Familie des Ritters Johann von der Fels, seiner Frau Jutta von Reuland und deren Sohn aus erster Ehe, Wilhelm von Manderscheid.

Im 15. Jahrhundert wurde die Burg durch den Ritter Bernhard von Orley, Herr von Linster, besetzt, gegen den dann Erzbischof Jakob I. von Sierck (1439-1456) zunächst seine Truppen sandte und dann vor Gericht stritt. Am Ende bekam der Trierer Erzbischof Recht und die Ansprüche, die er von Orley erhob, wurden zurückgewiesen. Nur leider war die Burg nach den vorangegangen Kämpfen in einem schlechten baulichen Zustand. Der nächste Lehnsmann, der die Burg bewohnte, war der Trierer Chorbischof Dietrich vom Stein, der die vom Erzbischof Johann II. von Baden (1456-1503) übertragen bekam und sich verpflichtete, die Festung wieder aufzubauen. Sein Nachfolger Heinrich von Hartenrode, der ab 1500 die Burg bewohnte, führte den bereits begonnenen Bau eines Brunnens, der die Wasserzufuhr sichern sollte, fort. Erzbischof Richard von Greiffenclau (1511-1531) sicherte diesen durch den Bau einer Brunnenstube und die Leitung einer Wasserversorgung aus einer Quelle im naheliegenden Wald. Hieran erinnert eine schon recht verwitterte Gedenktafel aus Sandstein – der sogenannte Brunnenstein. Dieser hängt seit dem späten 20. Jahrhundert zum Schutz vor der Witterung im Inneren des Gasthauses, der originale Standort ist nicht mehr sicher auszumachen.

Mit Beschluss vom 29. Januar 1636 wurde dem Domdechanten Wilhelm von Metzenhausen die Burg Ramstein mitsamt der Recht an und Einnahmen aus dem dazugehörigen Dorf Kordel (der Burgherr war zugleich auch Grundherr dieses Dorfes, der die Gerichtsbarkeit hier innehatte) das Gewünschte übereignet.

Da für den Burgherrn Ramstein weniger als Wohnsitz diente und sich das Leben dort größtenteils im daneben gelegenen Hofhaus mitsamt der Ökonomiegebäude abspielte, bedeutete die Zerstörung des Burggebäudes schließlich auch nicht das Ende des Besitztums. Die Einnahmen und Rechte blieben weiterhin bestehen, auch nachdem am 18. September 1689 durch französische Truppen unter Marschall Créqui im pfälzischen Erbfolgekrieg das Burggebäude verwüstet worden war. Ein Schicksal, das viele Burgen und Orte der Region teilten.

Im Zuge der Säkularisation wurden Burgruine, Hofhaus, Ökonomiegebäude, Wiesen und umliegende Ländereien und Wald am 13. Dezember 1803 für 9000 Franc an den Trierer Juritsen Fritsch versteigert. Nachdem das Anwesen durch mehrere Hände ging, gelangte es 1826 in Besitz des Trierer Bierbrauers und Rotgerbers Franz Ludwig Bretz, der hier Wohnsitz nahm und dessen Nachfahren noch heute die Eigentümer sind.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die relativ guterhaltene Ruine sehr stark beschädigt, nachdem sie 1928 und 1930 durch Maßnahmen (der 74. Provinziallandtag gewährte finanzielle Beihilfen) wie Ausbesserung der Mauerkronen gesichert worden war. Von 1978 bis 1985 wurden vom Eigentümer mit privaten und öffentlichen Mitteln umfangreiche Instandhaltungs- und Sicherungsarbeiten vorgenommen.

Architektur und Kunstgeschichte

Ramstein ist ein Bauwerk der Gotik, ihre ursprüngliche Höhe – ohne Dach – wird auf 25 Meter geschätzt. Vom Bautypus her ist sie ein rechteckiges Turmhaus mit trapezförmigem Grundriss der Außenmaße 13 Meter auf 10,80 Meter mit einer Mauerdicke von ungefähr 1,35 Meter. Sie ist aus Bruchsteinmauerwerk, das auf Verputz berechnet worden war geschaffen, mit sorgfältig bearbeitetem Hausteinwerk aus grauem und rotem Sandstein, der wohl aus der Umgebung stammt. Sie steht auf einem Sandsteinfelsen – die Hauptburg ist mit der „Vorburg“, einem Felsen, den man heute wieder mittels Treppe betritt, durch einen Halsgraben verbunden. Auch früher, als sie noch bewohnt war, wurde die Burg über eine in den Sandsteinfelsen gehauene Treppe erreicht: Den Ansatz dieser Stufen erkennt man heute noch und der Verlauf dieser leicht gewendelten Treppe ist daher noch nachzuvollziehen. Der heute genutzte Aufgang stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert – bis dahin konnte man die Burg nur durch das Treppenhaus des nebenstehenden Gastronomiegebäudes erreichen.

Vor- und Hauptburg verbindet heute eine feste Brücke, früher war hier eine hölzerne Fallbrücke angebracht, deren Konstruktion anhand von Spuren im Felsen noch zu erkennen ist.

Man tritt der Burg an ihrer schmucklosen Westseite entgegen. Dies war die wehrhafteste Seite, ausgestattet mit Verteidigungsscharte von ungefähr 2,20 Meter auf 0,50 Meter oberhalb des Eingangstores. Diese ist nur noch auf alten Abbildungen zu erkennen, da diese Wand im letzten Weltkrieg schwer zerstört wurde und nur noch zur Stabilitätssicherung wieder aufgemauert wurde.

Der Zugang zur Burg zeigt schon, dass großer Wert auf die Verteidigung gelegt wurde. Ihre Lage in mitten einer Anhöhe ermöglicht eine gute Rundumsicht für die Besatzung der Burg, die Ausstattung mit wehrhaften Elementen erleichterte den Wachleuten, die hier Dienst taten, ihre Aufgabe. Die Nordwand schließt bündig mit dem Felsen, diese Seite verfügte über einen beheizbaren Außenerker über die gesamte Wandbreite und den Abtritt. Auch von hier konnte die Burg verteidigt werden. Die Ostwand ist die schmalste und wurde bei den Ausbesserungen 1928 großteils rekonstruiert. Die südliche Wand ist die längste Seite der Burg. Den Zugang der oberen Stockwerke sicherten zwei Treppentürme, im Erdgeschoss begann in der West-Süd-Ecke eine Wendeltreppe, die bis nach oben führte. Ab dem ersten Stockwerk ergänzte ihn ein zweiter Treppenturm in der Nord-Ost-Ecke. Die Fenster der Burg sind hochrechteckige gotische – teils einfache, teils gekuppelte Zwillingsfenster. Die meisten sind mit Dreipassblenden oberhalb der Fensteröffnungen verziert. Nur die Fenster unter einem Erker oder Außenanbau sind ohne diesen Dekor. Die Fenster des Erdgeschosses waren mit eisernen Gittern geschützt, deren Befestigungslöcher noch in Resten zu erkennen sind. Im dritten Stockwerk waren nur noch niedrige Fenster angebracht und im Gegensatz zu den Stockwerken darunter auch keine Sitznischen in den Fensterlaibungen. In jeder Etage – ausgenommen der oberen – gab es einen eigenen Kamin, angebracht an allen vier Wänden, was einen besseren Rauchabzug gewährleistete, als wenn der Rauch aller Kamine über einen Schlot geleitet worden wären. Die Wandpfosten der Kamine sind noch zu erkennen, teilweise erkennt man noch das Birnstabprofil, das sie zierte.

Der Wohnturm umfasst zusätzlich zum Erdgeschoss noch drei Obergeschosse, von denen das oberste wohl dem Personal als Wohnraum gedient haben wird, da es in der Ausstattung und Höhe am wenigstens komfortabel war, über keinen Kamin und keine Sitznischen in den niedrigeren Fenster verfügte. Das zweite Obergeschoss war ein einziger saalartiger Raum ohne Trennwände mit Kamin in der Südwand. Erreicht werden konnte er über beide Treppentürme. Im ersten Obergeschoss darf man die Wohngemächer des Burgherrn verorten. Es war in Nord-Süd-Richtung durch eine Mauer unterteilt, wie Abdrücke im Wandputz auf einer alten Bauaufnahme beweisen. Beide Räume hatten je drei Fenster und einen eigenen Zugang zum Außenerker der Nordwand. In den östlichen Raum konnte man nur durch das andere Zimmer gelangen, da er keinen unmittelbaren Zugang durch den Treppenturm aus dem Erdgeschoss hatte. Der Treppenaufgang im östlichen Raum führte nur nach oben. Im Erdgeschoss war wohl die Küche, wie der dort zu findende, größte Kamin vermuten lässt.

Der Wohnturm Burg Ramstein bot einen repräsentativen Anblick und eine verhältnismäßig hohe Wohnqualität. Der Bauherr Erzbischof Balduin hatte auf handwerkliche Qualität und eine hochwertige Ausstattung großen Wert gelegt und somit mehr als nur einen Verteidigungsbau. Darüber hinaus war die Burg wehrhaft ausgestattet und gut zu verteidigen. Sie ist ein wertvolles bauhistorisches Kleinod und zugleich ein wichtiges Dokument der regionalen Geschichte.

Das Gestein der Burg Ramstein

Baumaterial der Burg Ramstein ist Sandstein. Der geologischen Situation der Umgebung von Kordel/Rheinland-Pfalz ist es zu verdanken, dass der Naturstein vor Ort abgebaut werden konnte. Unter anderem wurde der hiesige Sandstein auch genutzt, um die Porta Nigra und den Dom im nahe gelegenen Trier zu errichten.

Bedingt durch zahlreiche Gehalte an fossilen Kieferngehölzern, speziell Voltzia heterophylla, wird der Sandstein des Trierer Beckens auch Voltziensandstein genannt. Untersuchungen des Voltziensandsteins ergaben, dass das Sedimentgestein zu 14 % aus verkittenden Substanzen, 75 % aus mineralischen Gemengteilen und zu einem Prozent aus luftgefüllten Porenhohlräumen besteht.
Der gesteinsbildende Anteil wird zu 48 % von Quarz, 37 % sonstigen Gesteins- und Mineralfragmenten, 8 % Feldspäten, 5 % Glimmermineralen, insbesondere Muskovit, und akzessorischen Gemengteilen repräsentiert. Das zementierende Bindemittel ist tonig sowie tonig-ferritisch, wobei die eisenhaltigen Bestandteile des Kittmaterials ausschlaggebend für die rote Farbe des Sandseins sind. Neben der rötlichen Variante kann der Voltziensandstein auch von gelbgraue und grünliche Farbe sein, mitunter von grauen Einschlüssen aus Ton durchzogen. Das Gefüge des Voltziensandsteins ist sortiert und teilt sich bildungsbedingt in einen unteren, feinkörnigen und oberen, mittelkörnigen Teil auf.

Die Entstehung der Kordeler Sandsteinvorkommen beginnt vor 246 Mio. Jahren im mittleren Buntsandstein, einer Untergruppe des Buntsandsteins (251 bis 242 Mio. Jahren) im übergeordneten System der Trias.

Über das Transportmedium Wind wurden erste Sedimente in das damalige Germanische Becken eingeweht. Einst befanden sich an dieser Stelle die Erhebungen der Variskischen Gebirgszüge, die innerhalb von Jahrmillionen durch Verwitterung abgetragen und tektonisch eingemuldet wurden. In den Anfangsjahren der Bildung des Buntsandsteins scheidet eine fluviale Sedimentation der Sande aus. Das heutige Deutschland war vor 250 Mio. Jahren Teil des Großkontinents Pangäa mit Lage am Äquator. Das Klima war heiß und trocken. Als Beleg für den äolischen, windgesteuerten Transport der Sande gilt deren Kornform. Die Quarzkörner der unteren Voltziensandsteinlagen sind kantengerundet und matt – eine Erscheinung, die auf intensive Reibung mit anderen Sanden und an der Erdoberfläche zurückzuführen ist. Weiterhin fehlen größere Kiese oder Schotter, zu deren Verlagerung die Kraft des Windes zu gering war. Zwischengelagerte, gröbere Gesteinsfragmente sind mit dem Transport über temporäre Flüsse zu begründen.

Gegen Ende des Oberen Buntsandsteins drang Meerwasser aus östlicher Richtung vor und überflutete allmählich das Germanische Becken. Damit einhergehend nahm die Menge fluvial transportierter Sedimente zu – das Material ist grobkörniger und kantiger. Insgesamt lagerten sich im Oberen Buntsandstein bis zu 500 m mächtige Sandsteinschichten ab, bei Trier erreichen die Sandsteine eine Mächtigkeit bis zu 300 m. Die Verfestigung der äolische und fluviatilen Sedimente erfolgte sowohl durch die Auflast folgender Sedimente des Muschelkalks und Keupers sowie durch Ausscheidung von im Wasser mitgeführten Tonen und Eisenoxiden.

Mit der Hebung des Rheinischen Schiefergebirges vor 20 Mio. Jahren kam es auch zur Hebung der Voltziensandsteine, deren aufliegende, geologisch jüngere Schichten tektonisch oder durch Verwitterung abgetragen wurden.


Besonderer Dank für ihre Mitarbeit gilt Sandra Ost - Historikerin M.A. und Diplom Volkswirtin aus Trier, arbeitet als freie Autorin und Lektorin. Erreichbar unter ost.sandra@googlemail.com


Siehe auch:
Steinerne Zeugen - Svartifoss
In, auf und aus Gestein gebaut - Hauptbahnhof Helsinki
In, auf und aus Gestein gebaut - Villa Knauer/Schloß Gröbers


Quellen:
- Sandra Ost: Burg Ramstein im Kylltal*
- www.georallye.uni-bonn.de
- www.heimat-pfalz.de
- www.steinkern.de
- www.baufachinformation.de
- www.lgb-rlp.de

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Letzte Aktualisierung: 9. Februar 2019




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