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Höhlen in Deutschland - Saalfelder Feengrotten



Einst ein Hohlraum, der das Zeugnis des Alaun-Bergbaus war, hat sich die Natur die Höhle zurückerobert, indem innerhalb weniger Jahre die farbenprächtigsten Tropfsteinformationen der Welt entstanden - in den Saalfelder Feengrotten.



Die Saalfelder Feengrotten

Die Saalfelder Feengrotten zählen zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Thüringen und befinden sich im gleichnamigen Saalfeld-Garnsdorf am Nordrand des Thüringer Schiefergebirges.



Bild 1: Saalfelder Feengrotten (Quelle: Holger Meyer / pixelio.de)


Ähnlich wie schon die Marienglashöhle in Friedrichroda, deren Hohlräume größtenteils dem Bergbau, speziell dem Abbau von Marienglas - einer Gipsvarietät, zu verdanken sind, sind auch die Saalfelder Feengrotten anthropogenen Ursprungs.

Der Alaunabbau in Saalfeld blickt auf eine lange Geschichte zurück. Von 1530 bis 1850 wurde in Saalfeld alaunhaltiger Schiefer abgebaut, der eine bedeutende Rolle in der Gewinnung des Rohstoffs Alaun darstellte.
Das schwefelsaure Salz Alaun wurde unter anderem verwendet, um Felle zu gerben, wurde aber auch zum Beizen oder zum Düngen genutzt. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Abbau von Alaunschiefer in Saalfeld eingestellt, da zwischenzeitlich andere technische und chemische Verfahren Einzug hielten, Alaun kostengünstig zu produzieren.
Schon zu Betriebszeiten bildeten sich im Alaunschieferbergwerk „Jeremias Glück“ erste Tropfsteine, nachgewiesen durch Altersbestimmungen der Tropfsteine, die ein Alter von 250 bis 300 Jahren aufwiesen.

Bedingt durch Beimengungen von Nickel, Vanadium, Molybdän, Chrom, Mangan, Eisen und Kupfer entstanden in den Feengrotten zahlreiche Mineralien, deren Vielzahl sich auch im Farbspiel der Tropfsteinelemente bemerkbar macht. Den roten, grünen, blauen, gelben und braunen Tropfsteinen und sonstige Ausscheidungen wurde deshalb 1953 mit dem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde das Prädikat der farbenreichsten Schaugrotte der Welt verliehen.

Mit dem Ende des Schieferbergbaus im Jahr 1850 war es lange Zeit still in der Höhle, bis 1907 ein lokal ansässiger Lehrer die Radioaktivität in Saalfeld untersuchte. Dabei stieß er auf intensiv schüttende Quellen, deren Ursprung in den Grotten festgestellt werden konnte. Entsprechend wurden die Grotten zunächst Quellgrotten genannt, bis später der filigranen Tropfsteine wegen die Höhle Feengrotten genannt wurde. Das ausströmende, mineralreiche Wasser der Feengrotten wurde bis zur Mitte der 1960er Jahre unter dem Namen Gralsquelle verkauft.



Bild 2: Feenhaar der Feengrotten (Quelle: Holger Meyer / pixelio.de)


Nach der zweiten Erschließung der Höhle im 20. Jahrhundert ist das Bergwerk seit 1914 Besuchern wieder zugänglich, die auf drei, bis zu 26 m tiefen Sohlen u.a. den Märchendom zu sehen bekommen.

Entstehung der Saalfelder Feengrotten

Der im Bergwerk „Jeremias Glück“ abgebaute Alaunschiefer der Saalfelder Feengrotten entstand vor etwa 480 bis 290 Mio. Jahren, aber erst mit den durch Menschenhand geschaffenen Hohlräumen wurde die Grundlage für die Entstehung der Tropfsteine gebildet.

Entgegen dem Umstand, dass Tropfsteine oft ein sehr hohes Alter aufweisen (siehe dazu auch: Bleßberghöhle) und innerhalb von Jahrtausenden nur wenige Zentimeter an Zuwachs gewinnen, ist es zunächst verwunderlich, wie schnell sich die Feenhaare, Stalagtiten und Stalagmiten im Untergrund von Saalfeld bilden konnten.

Die Saalfelder Tropfsteine wurden eingehend untersucht und auf ein Alter von 250 bis 300 Jahren datiert.
Die Ursache für den schnellen Massen- und Längenzuwachs des Saalfelder Höhlenschmucks wird mit der mineralischen Beschaffenheit der Tropfsteine begründet.
Besonders vorherrschend in den Saalfelder Feengrotten ist das Mineral Diadochit - ein bräunliches, wasserhaltiges Sulfatmineral. Die natürliche Umgebung der Feengrotten stellt optimale Bedingungen für die Entstehung von Diadochit dar.
Aufgrund der Tatsache, dass Schiefer ein wasserleitendes Gestein ist, befindet sich das Wasser in den Grotten dauerhaft in Bewegung. Das zwischen den einzelnen Schieferlagen fließende Wasser ist dabei in der Lage, die mineralischen Bestandteile des Schiefers in kurzer Zeit auszulaugen bzw. förmlich auszuwaschen, um anderenorts wieder auszufällen bzw. zu Kristallen zu erstarren.

Neben Diadochit wurden in der Höhle eine Reihe weiterer Minerale gefunden, darunter zum Beispiel Allophan, Apatit, Aragonit, Baryt, Brochantit, Brushit, Chalkopyrit, Dolomit, Dypyringit, Epsomit, Gips, Glaukokerinit, Goethit, Illit, Markasit, Melanterit, Monohydrocalcit, Pyrit, Quarz, Rapidcreekit, Sasait, Schwertmannit, Vashegyit, Volborthit.

Siehe auch:
Alltägliches - Deo aus Alaun und Mineralit
Zeolithe - Mineralien im Einsatz gegen Radioaktivität
In, auf und aus Gestein gebaut - Steinmännchen

Quellen:
- www.feengrotten.de
- www.bergmannsverein-erfurt.de
- www.saalfeld-tourismus.de
- www.tu-dresden.de
- Luise Grundmann: Saalfeld und das Thüringer Schiefergebirge

Letzte Aktualisierung: 8. Februar 2019




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