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Steinerne Zeugen - Zuckerhut von Rio de Janeiro



Neben der Christusstatue auf dem Corcovado ist dieser Berg ein weiteres Wahrzeichen und eine beliebte Sehenswürdigkeit in Rio de Janeiro – der Zuckerhut.



Der Zuckerhut

Mit einer Höhe von 396 m ü. NN ist der Zuckerhut (englisch: Sugarloaf Mountain) ein weithin sichtbarer und Rio de Janeiro überragender Felsen, der sich auf der Halbinsel Urca befindet. Die Halbinsel Urca ist Rio de Janeiro vorgelagert, die mit dem markanten Felsen über der Guanabara-Bucht das Tor Brasiliens zum Atlantik kennzeichnet.


Bild 1: Zuckerhut (Quelle: Rainer Kaupil / pixelio.de )


In der Landessprache ist der Zuckerhut unter dem Namen Pão de Açúcar bekannt. Wortwörtlich wird Pão de Açúcar aus dem Portugiesischen mit Brot aus Zucker übersetzt - ein Hinweis auf die Geschichte und Bedeutung des Zuckerrohrs in Rio de Janeiro.
Als im 15. und 16. Jahrhundert portugiesische Seefahrer Brasilien bevölkerten, wollten diese den aus Zuckerrohr gewonnenen Zucker nach Portugal überführen. Der Zucker wurde zum Transport in speziellen Gefäßen gelagert, deren Form an Brotlaibe erinnerte - und an die Gestalt des Zuckerhuts von Rio de Janeiro.


Der Zuckerhut galt lange Zeit als unbesteigbar. Der Berg galt als zu steil und zu gefährlich. Doch die Britin Henrietta Carstairs (1777 bis 1817) bewies im Jahr 1817 das Gegenteil. Rund 100 Jahre nach der offiziellen Erstbesteigung des Zuckerhuts wurde im 1912 eine Seilbahn errichtet, die auf einer Streckenlänge von 1.400 m die Bewohner der Stadt sowie Touristen zum Gipfel des Felsens von Rio de Janeiro befördert.

Bild 2: Seilbahn zum Zuckerhut (Quelle: tinakayser / pixelio.de)

Die Entstehung des Zuckerhuts

Das Gestein, aus dem der Zuckerhut besteht, ist Granit, der auf ein Alter von etwa 560 Mio. Jahren datiert wird.

Jahrmillionen, bevor der Zuckerhut an seinem heutigen Standort zu sehen war, war die Umgebung von Rio de Janeiro eine andere. Brasilien war Teil des Urkontinents Gondwana, das sich aufgrund tektonischer Vorgänge in sowohl in der Gestalt wie auch in der Lage immer wieder veränderte.
Ein bedeutender Einschnitt fand vor 640 bis 540 Mio. Jahren im Präkambrium statt, als während der Panafrikanischen Orogenese (Gebirgsbildung) West- und Ostgondwana mit den Kontinent Baltika kollidierten. Damit einhergehend kam es in der Erdkruste zum Aufstieg glutflüssiger, granitoider Gesteinsschmelzen. Mächtige aufliegende Gesteinsschichten verhinderten den Austritt als Lava, sodass die Intrusion unter der Erdoberfläche innerhalb von Jahrmillionen als Granit auskristallisierte.
Als Folge der stetig andauernden Verwitterung wurden im Zeitraum von vielen Jahrtausenden die den Granit überdeckenden Gesteinsschichten abgetragen, sodass der Granitfelsen Zuckerhut zutage treten konnte.
Auch wenn Granite zu den harten Gesteinen zählen, können diese der Verwitterung nur schwer trotzen. Die Kräfte von Wind und Wetter "arbeiten" seit der Freilegung des Felsens am Zuckerhut. Wasser dringt in die Klüften, Spalten und sonstigen Schwächezonen des Granits ein und bewirkt durch chemische und physikalische Vorgänge, dass die Mineralien allmählich aus dem Gesteinsverbund gelöst bzw. gelockert werden. Zudem verursachen Temperaturunterschwankungen über die Jahre hinweg Spannungen im Gestein, deren sich in einem schalenartigen Abplatzen der äußeren Gesteinsschichten (Desquamation) zeigen.


Auch die tektonischen Prozesse schritten zu dieser Zeit fort. Im Übergang von Jura zur Kreide begann der Großkontinent Gondwana langsam auseinanderzufallen und fand seinen Gipfel in der Unteren Kreide (145,5 Mio. bis 99,6 Mio. Jahre). Der Zeitpunkt, an die einst zusammenhänge Kontinentalmasse in die Einzelkontinente Afrika und Südamerika zerbrach und seit dem der Zuckerhut Teil des eigenständigen Kontinents Südamerika wurde.



Siehe auch:
- In, auf und aus Gestein gebaut - Das Bernsteinzimmer
- Berühmte Edelsteine - Dom Pedro Aquamarin (entdeckt in Brasilien)
- Steinerne Zeugen - Ayers Rock/Uluru


Quellen:
- Bild 1: www.pixelio.de
- Bild 2: www.pixelio.de
- www.copacabana.info
- http://edoc.gfz-potsdam.de
- www.lateinamerika-studien.at

Letzte Aktualisierung: 4. April 2018




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